James Turks Interview mit dem Beurs Magazine

James Turk spricht mit dem Beurs Magazine über das makroökonomische Umfeld mit Schwerpunkt auf Europa.

Seit dem letzten Sommer steigt der Euro. Erwarten Sie, dass sich dieser Trend fortsetzt?

JT: Es ist schwierig, die Bewegungen des Euro gegenüber anderen Fiat-Währungen vorherzusagen. Alle werden von den Zentralbanken in rasantem Tempo entwertet. Das bedeutet, dass der Euro in diesem Zusammenhang nicht wirklich als schwacher Performer heraussticht. Tatsächlich hat er in den letzten zehn Jahren seinen Wert etwas besser gehalten als der US-Dollar, der chinesische Yuan, die indische Rupie, der japanische Yen und das britische Pfund – wie die folgende Grafik zeigt, die ich im Rahmen eines aktuellen Artikels für die GoldMoney-Website erstellt habe.

Mit Sicherheit kann ich sagen, dass der Euro mittel- bis langfristig gegenüber solidem Geld – Gold, Silber und anderen Edelmetallen – weiter an Wert verlieren wird. Kurzfristige Erholungen beim Wechselkurs von Euro zu Gold schließt das nicht aus (wie wir sie seit dem letzten Herbst gesehen haben).

Mit Bankvermögen von 47 Billionen Euro hat die EU offiziell das größte Bankensystem der Welt. Es wäre 2008 beinahe zusammengebrochen, doch seither wurden die Banken durch eine Reihe von Eingriffen über Wasser gehalten. Haben die Behörden eine Bankenkrise abgewendet oder nur aufgeschoben?

JT: Sie haben sie aufgeschoben, doch der Tag der Abrechnung wird irgendwann kommen – angesichts des enormen Engagements der Banken in Staatsschulden. Regierungen auf der ganzen Welt geben weiterhin weit mehr aus, als sie sich leisten können. Das bedeutet, dass die Anleihen, die sie zur Finanzierung dieser Ausgaben begeben, in den kommenden Jahren stetig wertlos werden – entweder durch offenen Zahlungsausfall (wie in Island), durch Umschuldung (wie im Fall Griechenlands) oder durch Inflation (die angelsächsische Präferenz). Für Anleihegläubiger ist es eine Frage der Wahl zwischen verschiedenen Übeln. Hinzu kommt das systemische Risiko der Derivate im Wert von mehreren zehn Billionen im Bankensystem. Es sollte daher klar sein, dass eine weitere Krise im Stil von 2008 – oder eine noch schlimmere – ein sehr reales Risiko darstellt.

Die Basel-III-Regeln sollten sicherstellen, dass Banken über mehr Kapitalpuffer verfügen, um künftige Krisen besser zu überstehen. Kürzlich wurden die Liquiditätsanforderungen von Basel III jedoch wieder gelockert. Warum ist das so, und sagt uns das Ihrer Meinung nach etwas darüber, was bevorsteht?

JT: Höhere Liquiditätsanforderungen würden die Fähigkeit der Banken beeinträchtigen, die Geldmenge aufzublähen. Die Politiker wissen, dass sie trotz aller Reden nach der Krise von 2008 über die Notwendigkeit eines „verantwortungsvollen“, „konservativen“ Bankwesens stark auf die Banken als Motoren von Inflation und Kreditausweitung angewiesen sind. Hinzu kommt, dass die Regierungen enorme Summen bei Kreditgebern aufnehmen müssen.

Was bedeutet das für die Zukunft? Anhaltende Instabilität im Bankensystem, immer größere Dosen an Gelddrucken durch die Zentralbanken – und schließlich galoppierende Inflation und das Ende unseres derzeitigen Geldsystems.

Obwohl Sie in London leben, reisen Sie, wie ich weiß, oft nach Spanien, das sich in einer tieferen und länger anhaltenden Rezession befindet als die meisten anderen europäischen Länder. Was haben Sie dort zuletzt beobachtet?

JT: Es ist sehr düster. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 25 %, und die Jugendarbeitslosigkeit nähert sich inzwischen 56 %. Diese Zahlen zeigen, dass sich die spanische Wirtschaft in einer Depression befindet, auch wenn man es nicht so nennt. Die fortlaufenden Staatsausgaben erwecken den Eindruck, es gehe der Wirtschaft besser, als es tatsächlich der Fall ist. Doch was geschieht, wenn der Staat sich nicht mehr weiter verschulden kann?

Wir müssen erkennen, dass wir dieses Stadium erreichen. Die spanische Zentralregierung ebenso wie die der Regionen sind dringend auf Geld angewiesen, wollen aber ihre Rolle in der Wirtschaft nicht verringern und marktwirtschaftliche Wertschöpfung nicht zulassen. Spanien folgt also dem gleichen Weg, den sozialistische Politiker heutzutage nahezu überall einschlagen, und hat wie andere Länder auch zu Tricksereien gegriffen. So wurde beispielsweise berichtet, dass die Zentralregierung das nationale Rentensystem geplündert hat, das nun voll mit spanischen Staatsschulden ist. Das ist ein unverantwortlicher Schritt, da gute Vermögenswerte durch eigene Schulden ersetzt wurden, die nicht weit von einem Ramschrating entfernt sind.

Wie sieht es in den anderen Ländern Europas aus? Gibt es bestimmte Ereignisse, die Ihre Aufmerksamkeit erregt haben?

JT: Ich sage schon seit langer Zeit, dass der Euro nicht die D-Mark ist und die EZB nicht die Bundesbank – entgegen den Versprechen bei der Gründung des Euro, als versichert wurde, er werde ein harter Nachfolger der D-Mark sein. Es ist daher interessant, wenn auch leider vorhersehbar, zu beobachten, wie die Bundesbank und ihr Präsident Jens Weidmann von Akteuren wie Angela Merkel, Mario Draghi und anderen führenden Politikern und Bürokraten der Eurozone weiter an den Rand gedrängt werden. Im Namen des Zusammenhalts der Eurozone scheinen die Politiker und Bürokraten entschlossen, den Euro zum geistigen Nachfolger der italienischen Lira zu machen.

Die Bundesbank murrt darüber – siehe ein Interview, das Weidmann Anfang des Jahres der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab –, jedoch ohne Wirkung. Zusammen mit den anhaltenden Schweizer Bemühungen, den Franken zu schwächen, gehen aus Sicht der Befürworter solider Währungen in ganz Europa die Lichter aus.

Wie sehen Sie die Entwicklung in der Eurozone im Jahr 2013 und danach? Woran werden sich erkennen lassen, dass die Märkte begreifen, dass der Kaiser keine Kleider trägt?

JT: Bisher sind die Straßenproteste relativ friedlich verlaufen, wenn es auch Ausnahmen gab. Sie sind vielleicht die sichtbarsten Ereignisse. Ich halte eine spürbare Zunahme der sozialen Unruhen für wahrscheinlich, wenn die europäische Wirtschaft weiter schwächelt, was ironisch ist. Der Euro wurde als Kraft dargestellt, die Europa einen soll, doch er hat die gegenteilige Wirkung gehabt. Die lautstarken Separatisten in Katalonien, Spaniens größter Provinz, sind ein Beispiel für die Spannungen, die sich zusammenbrauen.

Wie steht es mit dem Dollar? Sehen Sie ihn als gute Alternative zum Euro?

JT: Keineswegs. Der Dollar ist, was den Erhalt von Vermögen und Kaufkraft angeht, wenn überhaupt eine noch schlechtere Wahl als der Euro. Die Haushalte aller Ebenen der amerikanischen Regierung bluten rote Zahlen. Die jüngste Einigung zur Fiskalklippe dürfte die Kreditaufnahme der Bundesregierung im nächsten Jahrzehnt um über 4 Billionen Dollar erhöhen – und wenn uns frühere Schätzungen des Congressional Budget Office eines gelehrt haben, dann dass sie stets zu optimistisch sind. Die kumulierten Defizite werden diesen Betrag wahrscheinlich weit übersteigen. Wie der Ökonom John Williams auf ShadowStats.com darlegt, hätte das tatsächliche Defizit der US-Regierung im Jahr 2012 bei 7 Billionen Dollar statt der „bloßen“ gemeldeten 1,1 Billionen gelegen, wenn sie die allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätze (GAAP) anwenden müsste.

Hier eine Billion, da eine Billion: Bald werden wir eine echte Währungsentwertung erleben. Die Wirtschaft ist zu schwach, um diese Höhe an Kreditaufnahme und Ausgaben zu tragen, weshalb die Federal Reserve monatlich 80 Milliarden Dollar druckt, ohne festes Enddatum für diese Käufe. Das wird schließlich zu einem völligen Vertrauensverlust in den Dollar und zu einer Hyperinflation in den Vereinigten Staaten führen.

Nathan Sheets, Leiter der internationalen Volkswirtschaft bei Citigroup und früherer hochrangiger Fed-Beamter, hat gesagt: „Ich werde mir Sorgen um den Status des Dollars als Reservewährung machen, wenn wir Handel mit dem Mars aufnehmen. Nur eine außerirdische Währung kann den Dollar herausfordern.“ Stimmen Sie dem zu?

JT: Nein. Gehen Sie 100 Jahre zurück, und ich wette, Sie hätten viele führende Ökonomen und Finanzleute gefunden, die geschworen hätten, dass nichts den Status des britischen Pfunds als Weltreservewährung gefährden könnte. Oder noch weiter zurück: den französischen Franc, den spanischen Real oder den niederländischen Gulden. Eine einfache Betrachtung der Haushaltslage der US-Regierung, der Politik der Federal Reserve, des Zustands des Bankensektors und der wachsenden Goldnachfrage der Zentralbanken der Schwellenländer sollte deutlich machen, dass die Tage des Fiat-Dollars als unbestrittener Bezugspunkt der internationalen Finanzwelt gezählt sind. Ein Land kann dieses Privileg nicht so missbrauchen, wie es die USA getan haben, und erwarten, es zu behalten.

Schon 2002 haben Sie einen historischen Wendepunkt für Gold richtig erkannt, als Sie sagten: „Mir scheint sehr klar, Alan Greenspan gibt allen das ‚grüne Licht‘, Gold zu kaufen“, weil er andeutete, die Zinsen sinken zu lassen und Geld billig zu machen. Da die Zentralbanken im Westen die Zinsen bei null oder nahe null halten: Sollten Goldanleger nun einen Zinsanstieg fürchten?

JT: Die Nominalzinsen könnten in den kommenden Jahren durchaus steigen, aber die Realzinsen werden negativ bleiben, sodass Bargeldersparnisse weiterhin an Wert verlieren. Negative Realzinsen sind für den Bullenmarkt bei Edelmetallen entscheidend, denn sie bedeuten, dass das Halten zinsloser Vermögenswerte keine Opportunitätskosten verursacht.

Die meisten Zentralbanken der Industrieländer können es sich nicht leisten, Sparern reale Erträge zu bieten, weil die Regierungen und Gesellschaften, denen sie dienen, zu hoch verschuldet sind. Realzinsen würden die Haushalte dieser Regierungen – mit explodierenden Zinszahlungen auf die Schulden – zermalmen und zu verheerenden Folgen an den Immobilienmärkten führen, wo Eigentümer stark in variabel verzinslichen Hypotheken engagiert sind. Der Anleihemarkt würde abstürzen. Die Krise von 2008 würde dagegen wie ein Spaziergang wirken.

Aus diesem Grund greifen Regierungen und Zentralbanken zur „finanziellen Repression“: Sie halten die Realzinsen negativ, um die Volkswirtschaften zu entschulden. Das Problem ist, dass dies nur möglich ist, indem fortlaufend Geld gedruckt wird, um Anleihen zu kaufen. Kurzfristig muss dies nicht zu steigenden Preisen führen – ein großer Teil dieses neuen Geldes liegt schlicht in den Bankreserven –, doch man muss die kumulative psychologische Wirkung der Gelddruckerei auf die Nachfrageseite der Währungsgleichung verstehen. Ein Berg kann nur eine bestimmte Menge an Schneeflocken tragen, bevor eine Lawine abgeht. Ebenso kann der US-Dollar, wie andere Papierwährungen auch, nur ein gewisses Maß an Missbrauch verkraften, bevor buchstäblich über Nacht eine nachfrageseitige Krise ausbricht.

Zusammengefasst: Die Zentralbanken sitzen zwischen einem Felsen und der Mutter aller harten Stellen fest.

Sie haben sehr umfangreiche Recherchen und Analysen zum Thema Manipulation des Goldpreises durchgeführt. Warum halten Sie dieses Thema aus Sicht des Anlegers für wichtig?

JT: Gold ist das Numéraire der wirtschaftlichen Kalkulation. Sein Gesamtangebot wird nicht per Zentralbankbeschluss festgelegt und wächst um 1 bis 2 % pro Jahr. Es ist Geld, weil es im Gegensatz zu Rohstoffen wie Öl oder Mais nicht verbraucht wird. Es wird angesammelt, und das gesamte im Lauf der Geschichte geförderte Gold existiert noch immer in seinem oberirdischen Bestand. Kürzlich habe ich eine Studie für die GoldMoney Foundation abgeschlossen. Darin stelle ich fest, dass der oberirdische Bestand etwa im selben Jahrestempo wächst wie die Weltbevölkerung und die neue Vermögensbildung – Faktoren, die erklären, warum Gold die Kaufkraft über lange Zeiträume erhält.

Das bedeutet, dass Gold ein perfektes Barometer für den Zustand der nationalen Währungen ist. Im heutigen Kontext wäre ein rasch steigender Goldpreis – verbunden mit einer Backwardation am Goldterminmarkt – ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass sich der US-Dollar als Papierwährung seinem Ende nähert. Daher haben die US-Regierung und ihre engen Verbündeten ein offensichtliches Interesse daran, einen raschen Anstieg des Goldpreises (und, wegen der monetären Dimension des Silbers, auch des Silberpreises) zu verhindern. Sie können den Anstieg des Goldes nicht völlig aufhalten, aber sie können ihn verlangsamen, indem sie Gold der Zentralbanken an den Markt verleihen. Genau das tun sie seit 20 Jahren. Ich nenne es einen geordneten Rückzug, doch jederzeit könnte daraus eine Flucht werden.

Die breite Bevölkerung hat davon keine Ahnung, weil die beteiligten Banken und Regierungen große Anstrengungen unternommen haben, ihre Spuren zu verwischen. Wir stehen tief in der Schuld des Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) für die Arbeit der letzten 15 Jahre, mit der es Licht in diesen undurchsichtigen Bereich der Marktintervention als Zentralbankpolitik gebracht hat, die ihrerseits das Ergebnis von Entscheidungen hinter verschlossenen Türen ist. Alle im Geheimen getroffenen Regierungsentscheidungen sind einer freien Gesellschaft zuwider.

Warum ist es für den durchschnittlichen Anleger wichtig, das zu verstehen? Weil in vielen Fällen das Gold der Bürger von Ländern, deren Regierungen an diesem Vorgehen beteiligt sind, ohne ihre Zustimmung an den Markt verliehen wird. Ist das Gold einer Regierung auf diese Weise aus dem Tresor entfernt worden, wird es wahrscheinlich nicht zurückgegeben. Die meisten Regierungen besitzen also deutlich weniger Gold, als sie tatsächlich angeben. Und zweitens, weil Menschen über den Status von Gold und Silber als Geld sowie über ihren wahren Wert als langfristige Vermögenserhalter getäuscht werden.

Im Jahr 2011 teilte die stellvertretende Gouverneurin der belgischen Zentralbank, Françoise Masai, den Aktionären mit, dass 41 % des belgischen Goldes, also 88 Tonnen, „verliehen“ seien. Und in einem Artikel der niederländischen Zentralbank aus dem Jahr 2005 (der inzwischen von deren Website entfernt wurde) erklärte der Mitarbeiter Jan Lamers, dass der Großteil des niederländischen Goldes bei der Federal Reserve in New York sowie bei der kanadischen und der britischen Zentralbank lagert. Was würde geschehen, wenn Belgien und die Niederlande ihr Gold zurückverlangen? Besteht das Risiko, dass das Gold schlicht nicht mehr vorhanden ist?

JT: In den Tresoren der Zentralbanken liegt wahrscheinlich weit weniger Gold, als diese behaupten. Ich habe ausführlich darüber geschrieben und gesprochen (siehe: http://kingworldnews.com/kingworldnews/KWN_DailyWeb/Entries/2012/10/25_James_Turk_-_The_Entire_German_Gold_Hoard_Is_Gone.html; http://www.fgmr.com/more-proof.html. Länder, die ihr Gold als Erste zurückverlangen, erhalten es womöglich vollständig, denn die Federal Reserve Bank of New York und andere werden nicht eingestehen wollen, dass sie nicht alle Goldansprüche gegen sie erfüllen können. Diejenigen Regierungen, die abwarten oder sich haben täuschen lassen und glauben, es gebe kein Problem, werden am Ende den Schaden tragen.

Die gezielte Preismanipulation an den Goldmärkten hat eine lange Geschichte, die bis zum London Gold Pool der 1960er-Jahre zurückreicht. Welche Anzeichen sehen Sie dafür, dass sich dieses seit Langem bestehende Schneeballsystem mit Papiergold nun auflöst?

JT: Deutschlands Entscheidung, einen Teil seiner Goldreserven zurückzuholen; Venezuela, das sein Gold aus London zurückfordert; niederländische Politiker, die Antworten zu ihrem Edelmetall verlangen – und vor allem die stetigen Käufe der Zentralbanken der Schwellenländer (insbesondere in Asien) zulasten ihrer Dollarreserven. Das System der Preisdrückung bringt Papier-Leerverkäufer im Westen gegen asiatische Sparer auf, die physisches Gold kaufen. Es gibt weltweit nur eine begrenzte Menge Gold, weshalb es seit 5.000 Jahren Geld ist. Staatliche Währungen dagegen lassen sich drucken und immer weiter drucken, bis sie zusammenbrechen, und die Geldgeschichte zeigt dieses Ergebnis immer wieder. Wir steuern daher auf einen gewaltigen Short-Squeeze zu.

Sie waren Anfang 30 und erlebten die Wirtschaftskrise der späten 1970er-Jahre, als Sie zum ersten Mal die Idee hatten, GoldMoney zu gründen. Wenn Sie mit einem jungen Menschen sprechen, der in der heutigen Wirtschaftskrise aufwächst: Welche Wege würden Sie ihm zur Erkundung empfehlen?

JT: Internationalisieren Sie Ihr Vermögen und die Einsatzmöglichkeiten Ihrer Fähigkeiten so weit wie möglich. Akzeptieren Sie in Fragen der Wirtschaft und der persönlichen Finanzen nicht die herkömmliche Meinung. Glauben Sie einem Wirtschaftsprofessor kein Wort, es sei denn, er lehrt Ihnen die Österreichische Schule der Nationalökonomie. Das führt zu einem weiteren wichtigen Punkt – der Bildung. Lesen Sie so viel wie möglich, um zu lernen, wie die Welt wirklich funktioniert. Wissen macht Menschen nicht nur selbstbewusst, sondern auch selbstständig, und das ist das Gegenteil von Abhängigkeit. Ersteres fördert die menschliche Freiheit, indem es die individuelle Freiheit erweitert, und das wiederum lässt Adam Smiths „unsichtbare Hand“ ihre größte Wirkung entfalten, während Abhängigkeit lediglich die „tote Hand“ des Staates ausdehnt.

Als ich Sie fragte: „Wann sollte ich mein Gold verkaufen?“, antworteten Sie: „Sie werden Ihr Gold nicht verkaufen, Sie werden es ausgeben!“ Es hat eine Weile gedauert, aber hier ist meine Gegenfrage: Wann halten Sie es dann für klug, dass ein intelligenter Anleger beginnt, einen Teil seiner Goldersparnisse wieder in die Wirtschaft zu investieren?

JT: Wenn Gold überbewertet ist, und davon sind wir preislich noch weit entfernt. Zeitlich kommen wir dem Punkt jeden Tag näher, aber wir können nicht vorhersagen, wann diese Überbewertung eintreten wird. Aus dem Wesen von Hausse-Märkten wissen wir jedoch, dass sie eintreten wird, und wir können sogar einen Preis abschätzen. Nach meinem Fear Index und dem Gold Money Index wird der Preis, so wie ich ihn derzeit berechne, über 11.000 US-Dollar pro Unze liegen. Er könnte jedoch höher – oder sogar niedriger – ausfallen, je nachdem, welche Politik die US-Regierung und die Federal Reserve verfolgen.

Wohin entwickeln sich Gold und Silber Ihrer Einschätzung nach im Jahr 2013?

JT: Deutlich nach oben. Gold und Silber befinden sich seit zwei Jahren in einer Konsolidierungsphase, nach ihrem großen Anstieg von 2009 bis 2011. Dieses Muster ist an den Märkten normal, und wir haben es bei Gold schon früher gesehen. So durchliefen die Metalle 2008 eine Korrektur, nachdem Gold und Silber 2006 und 2007 kurz hintereinander kräftig zugelegt hatten. Gold und Silber haben nun eine große Unterstützungsbasis aufgebaut, die sie 2013 höher katapultieren wird.

Dieses Interview wurde ursprünglich in der Februar-Ausgabe des Beurs Magazine veröffentlicht.

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