Bisher war 2025 ein spektakuläres Jahr für Edelmetalle. Wird es sich im zweiten Halbjahr fortsetzen? Angesichts des schwindenden Vertrauens in Fiatwährungen lautet die Antwort: ein klares JA

Im ruhigen Handel einer durch den US-Unabhängigkeitstag verkürzten Woche hat sich Gold gut behauptet, während Silber nach oben gedrückt wurde. Im europäischen Handel am heutigen Morgen lag Gold bei 4.340 US-Dollar, 65 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber stand bei 36,80 US-Dollar, ein Plus von 86 Cent.
Der Montag war der letzte Handelstag des ersten Halbjahres dieses Kalenderjahres, und Edelmetalle haben alle anderen Anlagekategorien deutlich übertroffen. Platin legte um 47 % zu, Palladium um 24 %, Gold um 23 % und Silber um 22,7 %. Sogar Kupfer, das früher als Münzgeld monetären Charakter hatte, stieg um 21 %.
Portfoliomanager halten im Auftrag ihrer Kunden von diesen Kategorien oder ihren Derivaten nahezu nichts. Ihr Denken verharrt bei der Nasdaq mit einem Plus von 6 %, dem S&P mit 4 % und der 30-jährigen US-Staatsanleihe mit 1 %. Angesichts dieser Zahlen scheint sich bei den Managern bislang niemand zu beschweren.
Es gibt jedoch eine stille Gruppe, die erhebliche Verluste erleidet: ausländische Anleger, die fast 40 Billionen US-Dollar in dollardenominierten Einlagen und zugrunde liegenden Finanzanlagen halten. Der handelsgewichtete Index des Dollars ist seit dem 1. Januar netto um 10,7 % gefallen und hat die bescheidenen Gewinne bei Aktien und Anleihen zunichtegemacht. Das Diagramm des Index sehen Sie im Folgenden:

Derzeit scheint der Dollar gegenüber anderen Währungen im freien Fall zu sein. Für ausländische Anleger ist es kein Trost, dass Präsident Trump weitere Schulden anhäuft und einen niedrigeren Dollar sowie niedrigere Zinsen fordert. Ausländische Anleger werden zunehmend erkennen, dass drohende Währungsverluste den Wert der zugrunde liegenden Finanzanlagen aufzehren. Ein kaskadenartiger Kursrückgang des Dollars ist sehr wahrscheinlich, wenn 40 Billionen US-Dollar einen Ausweg suchen.
Andere Währungen stehen nicht besser da, wie diese Woche im Vereinigten Königreich deutlich wurde. Die Regierung Starmer scheiterte daran, einige vergleichsweise geringfügige Änderungen bei den Sozialausgaben durchzusetzen. Damit wurde allen vor Augen geführt, dass Ausgabenkürzungen politisch unmöglich sind, während die Steuereinnahmen wegen der unwiderlegbaren Logik der Laffer-Kurve hinter den Erwartungen zurückbleiben. Das obere Prozent der Einkommensbezieher im Vereinigten Königreich zahlt 30 % des gesamten Einkommensteueraufkommens, und dank des ersten Haushalts der Schatzkanzlerin verlassen diese Leistungsträger das Land in Scharen.
Das ist der sich abzeichnende Hintergrund für Gold und Silber im restlichen Jahresverlauf. Gold befindet sich in einer unaufhaltsamen Rallye:

Der Preis hat im Bereich des 55-Tage-Durchschnitts soliden Halt gefunden. Wichtig ist, dass der langfristige 12-Monats-Durchschnitt an Aufwärtsdynamik gewinnt, was äußerst positiv ist und jede Kurskonsolidierung begrenzt.
Das Open Interest an der Comex ist weiterhin bemerkenswert niedrig, was bestätigt, dass der Goldpreis ohne spekulatives Interesse davonläuft. Es folgt die Grafik:

Dies ist eine weitere Bestätigung der Gleichgültigkeit der Anleger. Man stelle sich vor, was geschieht, wenn Anleger erkennen, dass sie das beste Geschäft am Markt verpassen.
Wenn es so weit ist, werden sie wahrscheinlich Silber kaufen, da Gold bereits gestiegen ist, Silber jedoch zurückgeblieben ist, mit einem Gold-Silber-Verhältnis von weiterhin über 90. In diesem Fall steckt der Anstieg von Silber noch in den Anfängen:

Auch hier beschleunigt sich die Dynamik der Durchschnittslinien bei einem Rohstoff, der seit mehreren Jahren ein Angebotsdefizit aufweist. Silber ist ein engerer Markt als Gold und daher volatiler.
Es sind weniger die Preise von Gold, Silber und anderen Metallen, die haussieren, sondern vielmehr verlieren Fiatwährungen, angeführt vom Dollar, rasch an Kaufkraft. Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass die Ära der Fiatwährungen zu Ende geht.
Die Zentralbanken erkennen dies, weshalb sie sich beeilen, Edelmetall anstelle von Dollar in ihren Reserven zu sichern. Staatsfonds sowie vermögende chinesische und indische Familien kaufen ebenfalls. Im ersten Halbjahr dieses Jahres beliefen sich die Lieferabrufe (Stand-for-Deliveries) für den wichtigsten Gold-Kontrakt der Comex auf über 24 Millionen Unzen (746,5 Tonnen), eine Rate, die sich gegenüber 649 Tonnen im zweiten Halbjahr 2024 beschleunigt. Die Comex ist zu einer Angebotsquelle für ausländische Käufer von Edelmetall geworden.
Die Lieferabrufe bei Silber lagen im ersten Halbjahr 2025 bei über 250 Millionen Unzen beziehungsweise 7.786 Tonnen. Ein Großteil dieser Nachfrage dürfte gewerblicher Natur sein. Dennoch wird sie Märkte unter Druck setzen, die dringend physische Liquidität benötigen.