Zentralbanken an der Nullzinsgrenze gelähmt

Auch wenn die Fed es bestreiten würde, geht aus dem Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee, FOMC) klar hervor, dass eine Zinserhöhung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Die anschließende Rally beim Goldpreis und der plötzliche Rückgang des Dollars bestätigen diese Schlussfolgerung tendenziell.

Der Leitzins der Fed (Fed Funds Rate), an dem sich die Fed bei der Festlegung aller übrigen Zinsen orientiert, liegt nun seit sechseinviertel Jahren unter 0,25 % und ist allmählich von etwa 0,15 % auf heute rund 0,10 % gesunken. Im Dezember 2008 wurde er auf eine Zielspanne zwischen null und 0,25 % festgelegt.

Effektiver Leitzins der Fed (Fed Funds Rate)

Den im vergangenen September veröffentlichten „Policy Normalisation Principles and Plans" zufolge wird der FOMC bei der Normalisierung der Zinsen seine Zielspanne für den Leitzins (Fed Funds Rate) „in erster Linie durch die Anpassung des Zinssatzes anheben, den sie auf Überschussreserven zahlt", und zwar „unter Einsatz umgekehrter Pensionsgeschäfte (Reverse Repos), um dem Umlauf Geld in dem erforderlichen Umfang zu entziehen". Die Fed beabsichtigt außerdem, langfristig ihre Wertpapierbestände zu verringern und ihre Bilanz zu verkürzen.

Ist die Normalisierung das Ergebnis einer wirtschaftlichen Erholung, ist uns das Vorgehen vertraut. Die Geldnachfrage in der Wirtschaft zieht an, und anstatt auf den bei der Fed gehaltenen Reserven weitere Bankkredite aufzutürmen, führt die Fed die überschüssigen Reserven den Banken wieder zu, indem sie Staatsanleihen am Markt verkauft. Der Bärenmarkt bei Staatsanleihen dürfte beherrschbar sein, weil Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften nachfragen und zugleich das Haushaltsdefizit sinkt. Das ist die seit Langem bekannte Theorie hinter dem Ausstieg aus der Defizitfinanzierung.

Die Realität sah, wie wir alle wissen, ganz anders aus. Die Fed muss die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass die stark gedrückten Zinsen aus welchem Grund auch immer nicht wirken und dass ein Ausstieg aus der Nullzinsgrenze ohne wirtschaftliche Erholung erwogen werden muss.

Erhöht die Fed jedoch den Leitzins ohne eine echte wirtschaftliche Erholung, wird es kaum oder gar keine Ausweitung der Bankkredite geben, die dies ausgleichen könnte, und die Geschäftsbanken werden ihre Staatsanleihen (Treasuries) abstoßen wollen, statt von der Fed weitere zu kaufen. Es gäbe keine Ausgleichsmechanismen, die die Auflösung langfristiger Anleihepositionen abfedern würden. Mit anderen Worten: Schon eine geringe Erhöhung des Leitzinses könnte zu einem sich selbst verstärkenden Anstieg der Anleiherenditen und zu erheblichen Verlusten für die Banken führen.

In diesem Zusammenhang sollten wir die Entscheidung der Fed betrachten, von einer Leitzinserhöhung zur Jahresmitte abzurücken. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung: Wenn Nullzinsen sechseinviertel Jahre lang nicht gewirkt haben, steckt die Geldpolitik selbst in einer Sackgasse, in der es keinen Raum zum Wenden gibt. Und ein Blick auf Japan und die Eurozone zeigt ähnliche Enttäuschungen hinsichtlich der Wirksamkeit der Geldpolitik.

Die Märkte werden wahrscheinlich nicht abwarten, bis der Ausstieg aus der Nullzinsgrenze auf die Probe gestellt wird. Bevor die anlegende Öffentlichkeit die volle Tragweite des Problems erkennt, werden vorausschauendere Banker und Fondsmanager ihre Anleihebestände umschichten, was uns zum Gold führt.

Wer diesen Markt aufmerksam verfolgt, weiß, dass die asiatische Nachfrage zumindest in den letzten drei Jahren zu großen Verlagerungen von Edelmetall aus den westlichen Kapitalmärkten nach Asien geführt hat. Das Verhalten der Märkte in London und New York zeigt bereits, dass Engpässe bei physischem Edelmetall ein heikles Problem darstellen, und das noch bevor die Märkte erkennen, dass die Fed sich steigende Zinsen wahrscheinlich nicht leisten kann.

Wenn die Zinsen nicht steigen können, ist letztlich der Dollar selbst einem Vertrauensverlust an den Devisenmärkten ausgesetzt. Die dämmernde Erkenntnis, dass der Dollar trotz seiner jüngsten Stärke doch verwundbar ist, dürfte sich in einer positiven Stimmung gegenüber Gold niederschlagen. Sobald diese einsetzt, könnte sie den Preis wegen des knappen Angebots an Edelmetall dramatisch in die Höhe treiben.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und geben nicht notwendigerweise die Ansichten von GoldMoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Bitte beachten Sie, dass weder GoldMoney noch einer seiner Vertreter Finanz-, Rechts-, Steuer-, Anlage- oder sonstige Beratung anbietet. Eine solche Beratung sollten Sie bei einer unabhängigen, regulierten und entsprechend qualifizierten Person oder Stelle einholen. Alle in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich als allgemeiner Marktkommentar und stellen keine Beratung dar. GoldMoney übernimmt keine Haftung für Verluste oder Schäden, die sich unmittelbar oder mittelbar aus der Nutzung dieser Informationen oder dem Vertrauen darauf ergeben können.

Zurück zu den Goldmoney Analysen