Zeit für einen Wandel am Londoner Edelmetallmarkt

Der Londoner Edelmetallmarkt ist ein außerbörslicher, unregulierter Markt und hat diesen Status seit Mitte der 1980er-Jahre. Der Nachteil eines unregulierten OTC-Marktes besteht darin, dass Veränderungen oft von einem Kartell von Mitgliedern vorangetrieben werden, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Leider hat dies dazu geführt, dass London mit der Entwicklung der Marktstandards anderswo nicht Schritt gehalten hat.

Der aktuelle Streit konzentriert sich auf das zweimal täglich festgelegte Gold-Fixing. Das Fixing liefert seit 1919 tägliche Referenzpreise für Gold. Das war früher nützlich, als der Handel telefonisch und außerbörslich stattfand und nicht dokumentiert wurde. Das Londoner Gold-Fixing ließe sich als veraltete, geschäftsbasierte Variante des LIBOR-Fixings beschreiben, das seinerseits inzwischen diskreditiert ist.


Vor diesem Hintergrund lud der Finanzausschuss des Unterhauses (House of Commons Treasury Committee) am 2. Juli Zeugen vor, um sie zu der Angelegenheit anzuhören. Dabei traten die Widersprüche der aktuellen Situation deutlich zutage. Der Vorsitzende Andrew Tyrie fasste sie wie folgt zusammen: „Gibt es einen Grund, dies nicht als eine erschreckende Geschichte zu betrachten?“

Das waren deutliche Worte, und seine Frage steht weiterhin über allen Beteiligten im Raum. Es wäre ein Fehler zu glauben, die Financial Conduct Authority, die vom Ausschuss hart angegangen wurde, könne diese „erschreckende Geschichte“ ignorieren. Die FCA wird mit ziemlicher Sicherheit umfassende Reformen anstreben. Reform bedeutet mehr Markttransparenz und kein Fixing-Verfahren, das die neunzehn Prinzipien der IOSCO nicht erfüllt.

Das aktuelle Fixing erfüllt Schätzungen zufolge nur vier davon. Das zeigt, wie sehr sich die Welt weiterentwickelt hat, während der Londoner Edelmetallmarkt stehen geblieben ist. London bleibt faktisch ein Kartell aus Edelmetallbanken und der Bank of England (BoE). Für London hat dies in der Vergangenheit gut funktioniert, denn die BoE hat ihre Stellung als wichtigste Verwahrerin von Zentralbankgold genutzt, um die Liquidität zu stärken. Und wenn Rettungsaktionen nötig waren, hat die Bank sie hinter verschlossenen Türen bereitgestellt.

Die Welt hat sich weiterentwickelt. Die IOSCO hat einen Verhaltensstandard geschaffen, der nicht dazu dient, sich nur einzelne Punkte herauszupicken, sondern der das Minimum für Glaubwürdigkeit darstellt. China, dessen Qualität amtlicher Informationen wir regelmäßig verspotten, verfügt über einen voll funktionsfähigen Goldmarkt, der Umsatz- und Lieferstatistiken sowie die Handelsdaten der zehn größten Teilnehmer nach Volumen und Barrengrößen bereitstellt. China hat sich zudem die Minenproduktion in Asien, Australien und Afrika gesichert, die nun London vollständig umgeht. Auch Dubai strebt an, ein bedeutender physischer Markt zu werden. Es liegt im Zentrum der Edelmetallbestände des Nahen Ostens und unterhält enge Verbindungen zum indischen Markt.

Sogar Singapur sieht sich als Dienstleister für Südostasien und als künftiges globales Zentrum. Diese Realitäten spiegeln sich darin wider, dass der 400-Unzen-Barren der LBMA mit der Feinheit 995 überholt ist und durch einen neuen asiatischen Standard von 1 kg mit Feinheit 9999 ersetzt wird, wobei die Raffinerien auf Hochtouren an der Umstellung arbeiten. London kann diese globalen Herausforderungen ohne grundlegende Reformen unmöglich bewältigen.

Zentralbanken sind inzwischen Nettokäufer von Edelmetall und entziehen dem Londoner Markt Liquidität, statt sie zuzuführen. Mit der FCA als einer ihrer neuen Zuständigkeiten wandelt sich die Rolle der BoE als Taktgeberin in der LBMA von einer interventionistischen zu einer regulierenden. Will London das physische Goldgeschäft behalten, müssen seine Standards, auf denen letztlich das Vertrauen der Nutzer beruht, höchsten Ansprüchen genügen und ein Maximum an Offenlegung von Informationen bieten.

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