Dies mag eine frivole Frage erscheinen, solange der Dollar seine Macht behält und allgemein anderen, weniger stabilen Fiat-Währungen vorgezogen wird. Es wird jedoch zumindest unabhängigen Beobachtern des Geldwesens zunehmend klar, dass der Vorrang des Dollars 2018 vom Yuan als Preismedium für Energie und andere wichtige industrielle Rohstoffe herausgefordert wird. Immerhin ist die Rolle des Dollars als überkommenes Handelsmedium nicht mehr angemessen, da inzwischen Chinas Handel die Weltwirtschaft antreibt und nicht der amerikanische.
Zumindest wird es, wenn die künftige Rolle des Dollars schwindet, überschüssige Dollar geben, die, sofern sie nicht vollständig aus dem Umlauf genommen werden, zu einem niedrigeren Dollarkurs an den Devisenmärkten führen. Zwar kann die Fed die Menge der Basisgeldmenge verringern (dies ist ohnehin die Konsequenz ihres Wunsches, ihre Bilanz zu verkleinern), doch müsste sie zugleich die Ausweitung der Bankkredite bremsen und sogar umkehren, was Zentralbanker als wirtschaftlichen Selbstmord ansehen würden. Dafür müsste auch die US-Regierung selbst entschlossen und zügig darauf hinarbeiten, ihr Haushaltsdefizit zu beseitigen. Dieses wird jedoch von der Trump-Regierung stattdessen bewusst erhöht.
Die Folgen dieser geldpolitischen Dynamik darzulegen, war der Zweck eines Aufsatzes, den Ludwig von Mises vor fast einem Jahrhundert verfasste.[i] Damals trat die deutsche Hyperinflation in ihre Schlussphase ein, bevor die Mark im November 1923 schließlich zusammenbrach. Von Mises hatte bereits dazu beigetragen, die österreichische Krone zu stabilisieren, deren eigener Zusammenbruch etwa zu der Zeit aufgefangen wurde, als er seinen Aufsatz schrieb. Er schrieb also mit praktischer Kenntnis und mit Autorität.
Der Dollar befindet sich natürlich bei Weitem nicht in der Lage, in der sich die deutsche Mark damals befand. Dennoch beginnen die Bedingungen, die zum Zusammenbruch der Mark führten, vertraut zu klingen, und das sollte als Frühwarnung dienen. Die Lage war freilich eine andere. Deutschland hatte den Ersten Weltkrieg verloren und finanzierte sich durch das Drucken von Geld. Tatsächlich schlug es diesen Weg bereits vor dem Krieg ein, indem es die neue chartalistische Lehre aufgriff, wonach Geld rechtmäßig vom Staat ausgegeben werden sollte, anstatt sich an der etablierten Erkenntnis zu orientieren, dass die Geltung des Geldes von den Märkten bestimmt wird. Ohne die Abkehr vom Gold zugunsten einer eigenen staatlich ausgegebenen Währung hätte Deutschland seine Kriegsmaschinerie nie aufbauen und finanzieren können, was durch das Drucken von Geld geschah. Der endgültige Zusammenbruch der Mark ging nicht hauptsächlich auf die im Versailler Vertrag festgelegten Reparationen der Alliierten zurück, wie heute häufig angenommen wird, denn die Inflation hatte lange zuvor begonnen.
Der Dollar hat als nicht gedeckte, staatlich ausgegebene Währung eine erheblich längere Lebensdauer gehabt als die Mark, doch man sollte nicht glauben, die monetären Faktoren seien wesentlich andere gewesen. Das Abkommen von Bretton Woods, das den Dollar „so gut wie Gold“ erscheinen lassen sollte, diente der US-Regierung als Deckmantel, um Korea, Vietnam und andere Auslandsunternehmungen durch monetäre Inflation zu finanzieren, was sie ohne Zurückhaltung tat. Diese Täuschung endete 1971. Heute hat sich das Verhältnis einer Unze Gold zum Dollar von 1:35 in der Nachkriegszeit auf etwa 1:1310 verschoben, was einem Verlust der Kaufkraft des Dollars von 97,3 % entspricht, gemessen in dem Geld des Marktes.
Richtig ist, dass dies noch nicht das hyperinflationäre Ausmaß der Mark hat. Seit dem Nixon-Schock von 1971 haben die Amerikaner den Mythos vom „King Dollar“ geschickt aufrechterhalten und beharren darauf, dass Gold heute keinerlei monetäre Rolle mehr spiele. Mit der Vereinbarung mit den Saudis von 1974 stellten Nixon und Kissinger sicher, dass alle Energie und folglich auch alle anderen Rohstoffe weiterhin in Dollar bepreist würden. Die weltweite Nachfrage nach Dollar war gesichert, und das Bankensystem der Korrespondenz-Nostrokonten sorgte dafür, dass der gesamte Welthandel über die mächtigen amerikanischen Banken in New York abgewickelt wurde. Und nachdem man Dollar gedruckt hatte, damit höhere Energiepreise bezahlt würden, wurden diese als Kreditkapital an Amerika und seine Freunde zurückgeführt. Die Welt war gekauft, und wer nicht bereit war, die monetäre und militärische Vorherrschaft der USA zu akzeptieren, würde dafür bezahlen.
Das war bis jetzt so. Die Vormachtstellung des Dollars wird von China direkt herausgefordert, das keine Scheu hat, die eigene Währung als bevorzugtes Zahlungsmittel zu fördern. Noch in diesem Monat soll in Shanghai der Handel mit einem in Yuan notierten Ölfuture beginnen.[ii] Erst letzte Woche traf der Gouverneur der chinesischen Zentralbank den saudischen Finanzminister, vermutlich um unter anderem den Zeitpunkt zu vereinbaren, ab dem Saudi-Arabien für Ölverkäufe an China Yuan akzeptieren wird. Die zeitliche Nähe dieser beiden Entwicklungen legt nahe, dass sie eng miteinander zusammenhängen und dass das Ende der Vereinbarung zwischen Nixon und den Saudis von 1974, die den Petrodollar hervorbrachte, absehbar ist.
Die Bedeutung dieser Entwicklung sollte man nicht unterschätzen, denn sie markiert den Beginn einer neuen Geldära, die zunehmend als Ära nach dem Dollar verstanden werden wird. Der Start des neuen Yuan-Ölfutures mag wie ein kleiner Riss im Gebäude des Dollars erscheinen, ist aber mit ziemlicher Sicherheit der Beginn seines Zerbrechens.
Amerikas Reaktion auf Chinas geldpolitische Manöver war stets die einer Nation in der Defensive. Seit der Amtseinführung von Präsident Trump hat der Yuan im vergangenen Jahr gegenüber dem Dollar zugelegt. Statt auf die Herausforderung durch Chinas Hegemonialstreben zu reagieren, indem Amerika seine Rolle im Außenhandel ausbaut, hat Präsident Trump Gott und die Welt mit Handelsbeschränkungen und Strafzöllen bedroht. Eine Politik, die stärker darauf angelegt wäre, Amerikas globale wirtschaftliche Stellung und damit die Rolle des Dollars zu untergraben, ist kaum vorstellbar.
In monetärer Hinsicht führt uns das zu einer weiteren wichtigen Parallele zu Deutschland vor fast einem Jahrhundert, nämlich zur Verkleinerung des Gebiets und der Bevölkerung, in dem die Mark damals gesetzliches Zahlungsmittel war, und der Akzeptanz des Dollars heute. Der Verlust der deutschen Kolonien in Asien und Afrika, Elsass-Lothringens an Frankreich und großer Teile Preußens an Polen verringerte die Bevölkerung, die die Mark verwendete, ohne dass sich die Menge der umlaufenden Mark entsprechend verringerte. Bis vor Kurzem war der größte Teil der Welt Amerikas monetäre Kolonie, und in diesem Zusammenhang verliert es nun Asien, den Nahen Osten und auch einige Länder Afrikas. Das Gebiet, das dem Dollar Gefolgschaft leistet, schrumpft eindeutig, genau wie es nach 1918 bei der deutschen Mark der Fall war und wie bei den Österreich-Ungarn, deren österreichische Krone ein ähnliches Schicksal erlitt.
Die bisher relative Langsamkeit des Dollarverfalls sollte uns nicht täuschen. Die Faktoren, die 1923 zum Zusammenbruch der deutschen Mark führten, sind in unseren Fiat-Währungen heute vorhanden. Von Mises formulierte es so:
„Wenn man fortfährt, Staatsdefizite durch die Ausgabe von Banknoten zu decken, wird unweigerlich früher oder später der Tag kommen, an dem die Geldsysteme der Nationen, die diesen Weg verfolgen, vollständig zusammenbrechen.“[iii]
Auf das heutige Geldsystem übertragen, finanziert sich die amerikanische Regierung genau auf diese Weise. Statt dass Banknoten gedruckt werden, ist es die Ausweitung der Bankkredite, ausgegeben von Banken, die die Regierung eigens zu diesem Zweck lizenziert hat, die am Ende in Staatsanleihen angelegt wird. Alle fortgeschrittenen Nationen wenden dieselben Methoden an, was dem endgültigen Scheitern der Fiat-Währungen, deren einzige Deckung das Vertrauen in die Emittenten ist, eine besorgniserregende globale Dimension verleiht.
Nun, da Amerika von der Strategie der Nachkriegszeit und der Zeit nach dem Nixon-Schock, den Dollar für den Welthandel unverzichtbar zu machen, abgedrängt wird, dürfte sich die zugrunde liegende monetäre Inflation von Jahrzehnten mit großer Wahrscheinlichkeit zunehmend an den Devisen- und Rohstoffmärkten niederschlagen. Es steht dem globalen Fiat-Geldsystem unter Führung des Dollars wenig im Weg, damit zu beginnen, seine Kaufkraft einzubüßen, wie es von Mises vor fast einem Jahrhundert vorhergesagt hat. Ob andere Währungen dem Dollar in den Kaninchenbau schwindender Kaufkraft folgen, wird in hohem Maße von der Steuerung der betreffenden Währungen abhängen.
Wie eine Papierwährung stirbt
Das Letzte, was Besitzer von Einheiten einer staatlich ausgegebenen Währung zugeben werden, ist, dass sie wertlos sein könnten. Erst lange nachdem einem sachkundigen, unvoreingenommenen Währungsbeobachter klar geworden ist, dass dies der Fall ist, werden sie die Währung aufgeben und sie gegen alles Mögliche loswerden, solange noch jemand sie im Austausch für Waren annimmt. Bei der deutschen Hyperinflation hat die breite Öffentlichkeit die Mark trotz ihres gesetzlichen Status als Geld wahrscheinlich erst in den letzten sechs Monaten oder so endgültig aufgegeben.
Von Mises berichtete, dass während des gesamten Währungszusammenbruchs, bis auf die letzten Monate, die allgemeine Überzeugung fortbesteht, der Verfall der Währung werde bald enden, da es stets an ihr mangele. Der Wandel dieser Haltung zeigte sich in dem Moment, in dem die Menschen nicht mehr nur kauften, was sie brauchten, bevor sie es tatsächlich benötigten. Stattdessen begannen sie, alles zu kaufen, nur um die Währung loszuwerden. Diese Schlussphase nannte von Mises den „Crack-up-Boom“, obwohl einige weitsichtige Personen schon lange vor der Masse gehandelt hatten. Beide Phasen liegen für den amerikanischen Bürger noch vor ihm. Wir können jedoch bereits absehen, wie die erste vermutlich beginnen wird, nämlich dadurch, dass Dollar in ausländischer Hand für Handelszwecke durch den Yuan ersetzt und anschließend an den Devisenmärkten verkauft werden.
Sobald dieser Prozess einsetzt, möglicherweise ausgelöst durch den Verlust des Abrechnungsmonopols des Petrodollars im Handel, ist es nicht auszuschließen, dass der Dollar zunächst zwischen einem Drittel und der Hälfte seiner Kaufkraft gegenüber einem Rohstoffkorb verliert, und einen ähnlichen Betrag gegenüber dem Yuan, den die Chinesen voraussichtlich so steuern werden, dass er seine Kaufkraft behält. Es liegt im Interesse der chinesischen Behörden, den Yuan als solidere Währung als den Dollar zu fördern, um ausländische Händler weiter zur Abkehr vom Dollar zu ermutigen. Aus Sicht Chinas würde ein stärkerer Yuan zudem dazu beitragen, die Preisstabilität auf den Inlandsmärkten zu sichern, und zwar zu einer Zeit, in der Länder, die an einer dollargebundenen Geldpolitik festhalten, mit steigender Preisinflation zu kämpfen haben werden.
Dann entsteht für den Dollar ein zweites Problem. Der Wert einer Papierwährung hängt zu einem großen Teil von der Glaubwürdigkeit des Emittenten ab. Ein schwächerer Dollar und der damit einhergehende Bärenmarkt bei Anleihen werden die Finanzen der US-Regierung untergraben und damit deren finanzielle Glaubwürdigkeit weiter aushöhlen. Dies geschieht nach einer langen Phase, in der die US-Regierung ihre Defizite zu künstlich niedrigen Zinsen finanzieren konnte und daher auf diese radikale Veränderung der Umstände nicht vorbereitet ist.
Wenn die Kaufkraft des Dollars unter Druck gerät, werden Kreditgeber, seien es Inhaber überschüssiger Mittel oder deren Banken als ihre Beauftragte, die sinkende Kaufkraft des Dollars bei der Festlegung des Kreditzinses zunehmend berücksichtigen. Mit anderen Worten: Die Zeitpräferenz wird wieder die Terminzinsen bestimmen und nicht die Zinspolitik der Zentralbank. Dies wird sich in einer deutlich steileren Zinskurve am Anleihemarkt niederschlagen und Kreditnehmer dazu zwingen, sich sehr kurzfristig zu finanzieren oder andere, stabilere Geldmedien zu nutzen, um Kapital für längerfristige Projekte zu beschaffen. Auch dies begünstigt den Aufstieg des Yuan zur bevorzugten Währung, möglicherweise mit unerwarteter Geschwindigkeit.
Die US-Regierung ist auf diese drastische Veränderung ihrer Lage offensichtlich schlecht vorbereitet. Die richtige Reaktion bestünde darin, ihr Haushaltsdefizit vollständig abzubauen und die Rettung scheiternder Banken und Unternehmen zu verweigern. Insolvenzen wären nötig, um überschüssige Dollar in den „Geldhimmel“ zu schicken und so die Kaufkraft des Dollars zu stabilisieren. Eine Änderung der Haltung der Fed gegenüber ihren Banken und ihrer Währung ist jedoch ebenso unwahrscheinlich wie die der Reichsbank nach dem Versailler Vertrag.
Daraus folgt, dass die Kapitalmärkte in Dollar zwangsläufig erheblich gestört werden und die Marktteilnehmer nach Alternativen suchen werden. Man bedenke, dass die Stärke des Dollars auf seiner Funktion bei der Abrechnung im Handel und seiner anschließenden Verwendung als bevorzugtes internationales Geldkapital beruht. Beide Funktionen dürften sich umkehren, sobald die Abrechnungsfunktion untergraben wird.
Ob China künftig versucht sein wird, zur Stützung des Yuan dieselben Methoden anzuwenden wie die Amerikaner in den letzten dreiundvierzig Jahren für den Dollar, bleibt abzuwarten. Möglicherweise lässt sich dieser Trick nicht wiederholen. Es besteht die große Gefahr, dass ein erheblicher Kursverfall des Dollars zu einer globalen wirtschaftlichen Stagnation in Verbindung mit eskalierender Preisinflation führt, von der viele Handelspartner Chinas betroffen wären. China wird sich vor diesen Gefahren schützen wollen, ohne sie durch das Streben nach voller Hegemonie noch zu verstärken.
Möglicherweise beginnen wir, dies an steigenden Preisen für Gold und Silber zu erkennen. China hat sich faktisch den Markt für physisches Gold gesichert, das einzige solide Geld des Marktes, das über Jahrtausende alle Versuche von Regierungen überstanden hat, es zu ersetzen. Seine zentralen Planer scheinen sich der Achillesferse des Westens in dessen Geldwesen schon lange bewusst gewesen zu sein und haben lediglich zum eigenen Vorteil Chinas mitgespielt. Wenn der Dollar in den kommenden Jahren schwächer wird, wird die Weitsicht, sich und seinen Bürgern die eine Form von Geld gesichert zu haben, die niemandes Verbindlichkeit ist, sein Überleben in zunehmend turbulenten Zeiten sichern.
Das nenne ich strategisches Denken.
[i]Stabilisierung der Geldeinheit – aus theoretischer Sicht (Januar 1923)
[ii] Siehe https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-01-01/how-china-will-shake-up-the-oil-futures-market-quicktake-q-a
[iii] Ebenda, Eröffnungssatz.
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