Dieser Artikel untersucht die Beziehung zwischen Kredit und seinem Wertanker. Heute ist dieser Anker die Fiat-Währung, die sowohl provinziell als auch instabil ist. Historisch und rechtlich war es stets Gold.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, Kredit in einem engen Sinne zu betrachten, ohne zu erkennen, dass amtlich erfasster Kredit in Form von Banknoten und Einlagenkonten bei den Geschäftsbanken nur einen geringen Teil des gesamten Kredits einer Volkswirtschaft ausmacht. Dieser Artikel betrachtet den Kredit ganzheitlich.
Die Beziehung zwischen Kredit und dem, was seinen Wert verankert, ist ein weitaus größeres Thema, als es üblicherweise in volkswirtschaftlichen Fachzeitschriften behandelt wird. Sie setzt ein Verständnis der Zusammenhänge zwischen Währungskredit und Geschäftsbankenkredit voraus, deren Folgen Wirtschaftskommentatoren nur selten in den Sinn kommen.
Es gibt Hinweise darauf, dass Veränderungen des Zentralbankkredits die Preise stärker beeinflussen als eine gleich große Veränderung des Geschäftsbankenkredits — ein neues und wichtiges Thema für unsere Betrachtung.
Dieser Artikel stützt sich auf die Rechtsgeschichte, soweit sie das Bankwesen, das Geld und den Kredit betrifft. Sowohl für heutige Ökonomen als auch für Laien enthält er einige Konzepte, die ihnen neu sein dürften. Da sie jedoch das Überleben der heutigen Währungen selbst betreffen, lohnt es sich, sie zu verstehen.
Einleitung
Der Zweck dieses Artikels ist es zu erklären, warum Gold die Kreditwerte verankert, ein Anker, der den Fiat-Währungen fehlt, die es zu ersetzen suchen. Über dieses Thema herrscht erhebliche Verwirrung, nicht zuletzt bei den beiden dominierenden Schulen des ökonomischen Denkens: der keynesianischen und der monetaristischen. Und obwohl Ludwig von Mises, der mehr als jeder andere für die Verbreitung der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in den USA verantwortlich war, den Inflationismus erklärte und anprangerte, befasste sich sein Werk überwiegend mit der Inflation von Fiat-Währungen, ohne die zweite Ebene des von den Geschäftsbanken geschaffenen Kredits näher zu untersuchen, abgesehen von der Feststellung ihres Zusammenhangs mit dem Konjunkturzyklus.
Für viele Anhänger von von Mises in Amerika und von Hayek in Großbritannien war es nur ein kurzer Schritt zu dem Schluss, der Zyklus des Bankkredits sei ein wirtschaftliches Übel, und wenn Banken gezwungen würden, reine Depositenbanken zu sein, die als Verwahrer fungieren, während andere Institute die Finanzierung vermitteln, dann würde der Kreditzyklus abgeschafft.
Zweifellos untergräbt die Ausweitung des Kredits tendenziell seine Kaufkraft. Doch der Zusammenhang zwischen den Veränderungen des Kreditvolumens und seiner Kaufkraft ist nicht einfach. Hinzu kommt der Unterschied zwischen Zentralbankkredit und Geschäftsbankenkredit: Untergräbt der eine die Kaufkraft stärker als der andere? Soweit mir bekannt ist, gibt es keine wirtschaftswissenschaftliche Literatur, die diese Möglichkeit untersucht.
Die gegenwärtige Situation, in der Währungen keinerlei Bezug zum Gold haben, besteht erst seit zweiundfünfzig Jahren. Zuvor wurde die Bindung nach und nach ausgehöhlt: durch Roosevelts Verbot des Goldbesitzes für amerikanische Bürger im Jahr 1933, die Neubewertung des Goldes in Dollar im folgenden Jahr und das Abkommen von Bretton Woods 1944. Es war ein neunzig Jahre währender Weg weg vom soliden Geld. Trotz dieser fortschreitenden Aushöhlung waren die Preise, insbesondere von Rohstoffen und Grundstoffen, vor dem Ende aller Verbindungen zwischen Gold und Währungen relativ stabil. Wenden wir uns nun den empirischen Belegen für das Preisverhalten unter einem echten Goldstandard zu, wie sie in der nachstehenden Grafik dargestellt sind.

Dies ist der einzige lange statistische Nachweis für Preisstabilität unter einem Goldstandard; er betrifft die Großhandelspreise im Vereinigten Königreich nach den Napoleonischen Kriegen. Wie üblich kam es nach dem Krieg zu einem Einbruch, als die Kriegsausgaben endeten, die Kriegsinflation sich umkehrte und die Preise sanken. Der Goldstandard auf Basis der Sovereign-Goldmünze wurde 1817 eingeführt; die Münze blieb bis zum Ersten Weltkrieg gegen Banknoten der Bank of England einlösbar. Und als sich der neue Goldmünzstandard etablierte, nahmen die zyklischen Schwankungen des Preisniveaus allmählich ab, teils aufgrund von Verbesserungen im Bankensystem, etwa des von den Londoner Banken eingerichteten Clearingsystems, dem die Bank of England 1864 beitrat.
Vor 1914 tilgte die britische Regierung den größten Teil ihrer rekordhohen Schulden aus den Napoleonischen Kriegen. Durch die industrielle Entwicklung verbesserte die britische Wirtschaft den Lebensstandard der Bevölkerung erheblich. Und trotz ihrer geringen Größe wurde Großbritannien zur reichsten Nation der Welt. Wie die Grafik zeigt, wurden die Erzeugerpreise nach einem holprigen Start bemerkenswert stabil und veränderten sich über fast ein Jahrhundert insgesamt kaum.
Der Banknotenumlauf der Bank of England, der jederzeit in Gold-Sovereigns eingelöst werden konnte, belief sich 1820 auf 22.082.909 £. Der Bank Charter Act von 1844 beseitigte die Notenausgabe der übrigen Londoner Banken. Doch trotz deren Verschwinden aus dem Umlauf und nach einem Rückgang um die Jahrhundertmitte stieg der Notenumlauf der Bank of England bis 1900 nur auf 28.437.985 £. Zwischen 1844 und 1900 hat sich die Geldmenge in weiter Abgrenzung schätzungsweise fast um das Elfache erhöht, und auch die Handelswechsel nahmen erheblich zu, die als Kredit nicht vernachlässigt werden dürfen.[i]
Trotz dieser Ausweitung des Kreditvolumens blieb die Wirkung auf das Erzeugerpreisniveau per saldo gering. 1844 lag der zusammengesetzte Preisindex bei 8,9, im Jahr 2000 bei 9,2. Dies legt nahe, dass eine Ausweitung der Kredite der Geschäftsbanken geringere Auswirkungen auf die Preise hat als eine Ausweitung der Notenausgabe und dass nicht alle Kreditformen die Preise gleichermaßen beeinflussen.
Es lohnt sich, einen Moment innezuhalten und dies auf sich wirken zu lassen. Mit Blick auf die Kaufkraft hat sich gezeigt, dass Veränderungen im Volumen der Bankkredite und anderer, weiter gefasster Kreditformen deutlich geringere Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau haben als Veränderungen im Volumen der Zentralbankkredite.
Wir müssen jedoch einen Vorbehalt anbringen: Die Ausweitung der Bankkredite und Handelswechsel im Großbritannien des 19. Jahrhunderts diente in der Regel nicht der Finanzierung des Konsums und trieb damit nicht die Preise in die Höhe. Heute befinden wir uns statt eines Goldstandards alle in einem lockeren Dollarstandard, bedingt durch die Rolle des Dollars als wichtigste Reservewährung und seine Funktion bei der Preisstellung von Rohstoffen und bei internationalen Transaktionen. Ohne den stabilisierenden Einfluss des Goldes ist der wichtigste Faktor im Verhältnis zwischen Gold, einer Währung und nachgeordneten Bankkrediten, wie sich die Wahrnehmung der Menschen verändert, wenn sich der Kredit ausweitet. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Kreditausweitung Konsumausgaben finanziert.
Wenn Verbraucher den zusätzlichen Kredit ausgeben, treiben sie tendenziell das allgemeine, in der Währung gemessene Preisniveau in die Höhe. Sparen sie ihn, erhöhen sie tendenziell das für Investitionen verfügbare Kapital, was den Produktionsverfahren zugutekommt und damit einen gegenläufigen Faktor einführt, der steigende Verbraucherpreise eigentlich begrenzen sollte. Darüber hinaus tragen Verschiebungen in der Verwendung von Krediten zwischen rein finanziellen Aktivitäten und der nichtfinanziellen BIP-Wirtschaft dazu bei, dass lange Preisreihen irreführend sind, wenn man die Auswirkung einer größeren Kreditmenge auf die Kaufkraft eines Umlaufmittels beurteilen will.
Bei der Bestimmung, wie das Umlaufmittel im Verhältnis zu den getauschten Gütern und Dienstleistungen bewertet wird, dürfen wir deren Zuordnung zu den antiken Vermögenskategorien nicht außer Acht lassen. Aristoteles stellte den Zusammenhang so her: „Als Reichtum bezeichnen wir alle Dinge, deren Wert sich in Geld messen lässt“ (Nikomachische Ethik, Buch V). Die wahre Bedeutung von Reichtum sind austauschbare Rechte. Und die Ökonomie oder der Handel ist im Kern die Wissenschaft von den austauschbaren Rechten.
Es gibt drei Arten austauschbarer Rechte, die gekauft, verkauft oder getauscht werden können:
- Materielles Eigentum oder das Recht daran, also eine bestimmte stoffliche Substanz, die im Recht als körperliches Eigentum bezeichnet wird, auch materieller Reichtum genannt.
- Immaterielles Eigentum, also die intellektuelle Fähigkeit und Arbeitskraft eines Einzelnen, jede Art von Dienstleistung zu erbringen. Der Firmenwert (Goodwill) eines Unternehmens fällt in diese Kategorie.
- Unkörperliches Eigentum, das weder materiell noch immateriell ist. Es wird im weitesten Sinne durch Schulden repräsentiert, die gleichbedeutend mit Kredit sind, also durch Verpflichtungen, die austauschbar und daher Reichtum sind. Es kann sich im Besitz einer Person befinden, noch nicht im Besitz einer Person sein oder erst zu einem künftigen Zeitpunkt entstehen, wie etwa das Recht auf einen Einkommensstrom. Doch das Recht darauf besteht, sobald es entsteht, bereits in der Gegenwart und kann ge- und verkauft werden, als wäre es materielles Eigentum. Im römischen und im englischen Recht ist unkörperliches Eigentum ein Recht, das von jedem konkreten corpus gelöst ist.
Man erkennt sofort, dass Goldmünzen im Besitz materielles oder körperliches Eigentum sind, während Kredit als Versprechen oder Verpflichtung unkörperlich ist. Der Wert von Gütern, ob persönlicher oder gemeinschaftlicher Reichtum, muss jedoch in allen drei Kategorien in einem Tauschmittel ausgedrückt werden. Ist dieses Tauschmittel materielles Eigentum, so ist es etwas völlig anderes, als wenn es unkörperlich ist.
Unter einem Goldstandard bezog unkörperliches Eigentum seinen Wert von materiellem Eigentum. Unter dem heutigen Dollar-Standard auf Fiat-Basis beziehen alle Formen unkörperlichen Eigentums ihren Wert von einem anderen unkörperlichen Eigentum, den Banknoten, die eine Verbindlichkeit der Zentralbank sind. Kredit wird nur in einem anderen Kredit bewertet, eine Konstruktion, die unabhängig von Veränderungen ihres Volumens von Natur aus instabil ist. Dies alles zu entwirren, ist der Kern des Rätsels, vor dem wir stehen.
Gold verstehen – echtes Geld
Seit dem Ende des Tauschhandels dienten verschiedene körperliche Güter als Tauschmittel. Letztlich einigten sich jedoch verschiedene miteinander handelnde Gemeinschaften sowie weitere, völlig unabhängige Gemeinschaften auf drei Metalle als beste Wertspeicher: Gold, Silber und Kupfer. Von diesen setzte sich Gold im neunzehnten Jahrhundert als gemeinsamer Maßstab durch, auf den sich unkörperlicher Kredit hinsichtlich seines Wertes bezog und an dem sich alle Arten von Vermögen bei ihrer Bewertung orientierten.
Die physischen Eigenschaften, die Gold für diese Rolle geeignet machen, sind allgemein bekannt. Weniger geläufig ist möglicherweise, dass die oberirdischen Goldbestände im Laufe der Zeit ungefähr im gleichen Tempo gewachsen sind wie die Weltbevölkerung, nämlich seit der Reformation im Jahresdurchschnitt um etwa 1,2 %. Betrachtet man die Wachstumsrate seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, als das Bevölkerungswachstum sich zu beschleunigen begann, so hat sich die jährliche Wachstumsrate der oberirdischen Bestände verdoppelt. Der Gebrauchswert von Gold für die Menschheit ist daher im Großen und Ganzen konstant geblieben.
Es ist unmöglich, die Aufteilung der Goldmengen auf die beiden Hauptkategorien — monetär und ornamental – zu beziffern. In den letzten Jahren gingen Analysten von einer Aufteilung von etwa 60 % zugunsten von Schmuck und 40 % für monetäre Zwecke aus; belastbare Zahlen, die diese Schätzungen stützen, gibt es jedoch nicht. Zudem befindet sich der Großteil des Schmuckmarktes in Asien, wo Frauen Schmuck sowohl als Zierde als auch als tragbares Geld betrachten. Ihre Ehemänner nutzen ihn, um bei Geldverleihern und Pfandleihhäusern Kredit zu erhalten. In diesem Sinne ist Goldschmuck in den Augen seiner Besitzer monetäres Gold.
Die Rolle von Gold und Silber als gebräuchlichste Geldform reicht zurück bis vor die Zwölftafelgesetze Roms im Jahr 449 v. Chr., als nach dem Juristen Gaius erstmals römische Münzen eingeführt wurden. Die Zwölf Tafeln bildeten die Grundlage des römischen Rechts und fassten frühere Traditionen zusammen. Auf ihnen bauten die Juristen in den folgenden Jahrhunderten ihre Auslegungen aus.
Was die Unterscheidung zwischen Geld und Kredit betrifft, so legten im zweiten und dritten Jahrhundert Ulpian und Paulus gemeinsam fest, worin die Unterschiede bestehen. Ihre juristischen Erkenntnisse wurden im sechsten Jahrhundert in die Pandekten Justinians aufgenommen. Aus ihnen ging klar hervor, dass der Wert von Kredit auf Geld beruhte, also auf physischem Gold und Silber. Ohne die Wertbindung an Gold oder Silber gab es keine Möglichkeit, Kredit zu bewerten, und alle Versprechen, die das Wesen des Kredits ausmachen, müssen bewertet werden.
Das ist heute überall noch immer die Rechtslage. Die Pandekten Justinians wurden 530 n. Chr. in lateinischer Sprache veröffentlicht, zwei Jahrhunderte nachdem der Sitz der römischen Regierung nach Konstantinopel verlegt worden war. Die Gerichte wandten damals das römische Recht in lateinischer Sprache auf eine überwiegend griechischsprachige Bevölkerung an, was offensichtlich unbefriedigend war. Dementsprechend wurden Justinians Institutionen zehn Jahre später von Theophilus in Latein und Griechisch als Lehrbuch zu den ursprünglichen Pandekten veröffentlicht und wurden zur Grundlage des Zivilrechts im gesamten Oströmischen Reich.
Im Jahr 892 n. Chr. wurde das gesamte Rechtssystem unter der Dynastie der Basilier überarbeitet und zusammengefasst; es wurde als Basiliken bekannt und ersetzte die Pandekten und die Institutionen als Recht des Oströmischen Reiches sowie als Rechtsgrundlage für Geld und Kredit bis zu den Steppen und sogar darüber hinaus. Justinians römisches Recht in lateinischer Sprache blieb die Grundlage der Rechtsentwicklung in Westeuropa. So verbreitete sich die europäische Auslegung des römischen Geld- und Kreditrechts über die ganze Welt, als Spanien, Portugal, Holland und Großbritannien ganz Amerika, Afrika und Indien erkundeten und kolonisierten, bis hin zu den fernen Gewürzinseln und Australasien im Pazifik.
Soweit mir bekannt ist, gab es keine Versuche, den rechtlichen Status von Gold zu verändern, sondern lediglich einige Gesetze, die seine Verwendung als Geld vorübergehend verboten oder einschränkten. Auch wenn Gold als solches in modernen Volkswirtschaften und in der Wirtschaftswissenschaft nicht vorkommt, bleibt es nach wie vor die wichtigste körperliche Form des Tauschmittels.
Kredit definieren
Die meisten Menschen nehmen wahrscheinlich an, dass sich der Kredit nach dem Geld in Form von Münzen entwickelt hat, doch das ist falsch. Kredit existierte schon lange zuvor, bemessen am Wert lieferbarer Waren. Tausend Jahre vor Roms Zwölf Tafeln handelten die Phönizier im gesamten Mittelmeerraum und sogar bis nach Cornwall, wo sie wertvolles Zinn beschafften. Die Phönizier dürften vor denselben Problemen gestanden haben wie Unternehmen heute. Um ihre Handelsunternehmungen durchzuführen, benötigten sie Kredit, da ihnen Ausgaben entstanden, bevor sie viele Monate später mit verkäuflichen Waren von ihren Reisen zurückkehrten.
Demosthenes, der griechische Redner und Staatsmann, ein Zeitgenosse Philipps von Makedonien und seines Sohnes Alexander und zugleich der Zeit, als Rom die Zwölf Tafeln verkündete, drückte es so aus:
„Wüssten Sie nicht, dass Kredit das größte Kapital für den Erwerb von Vermögen ist, wären Sie völlig unwissend.“[ii]
Heute vielleicht noch mehr als früher sind wir in jedem Bereich unseres Lebens auf Kredit angewiesen. Gesetzliches Zahlungsmittel wird kaum noch verwendet, in den großen Industrieländern nie. Doch selbst in der Vergangenheit unterlag es dem Gresham'schen Gesetz und wurde gehortet statt ausgegeben.
Kredit ist gleichbedeutend mit Schulden. Es geht nicht nur um Banknoten und Scheidemünzen (repräsentativer Kredit) und um Bankkonten (Kredit, gleichgültig, ob man Einleger oder Kreditnehmer ist). Wenn Sie einen Handwerker beschäftigen, gehen Sie vielmehr eine Zahlungsverpflichtung ein. Das ist Ihre Schuld, der er ein entsprechendes Guthaben gegenüberstellt, bis Sie die Verpflichtung mit einem anderen Kredit begleichen, entweder in Form von Banknoten oder durch die Übertragung Ihres Guthabens bei Ihrer Bank auf ein Guthaben bei seiner Bank. Oder Sie kaufen im Voraus ein Flug- oder Bahnticket. Sie bezahlen mit Ihrem Guthaben bei Ihrer Bank, und die Fluggesellschaft oder das Bahnunternehmen schreibt Ihnen eine Verpflichtung gut, zu einem künftigen Zeitpunkt eine Leistung zu erbringen. Wenn Sie Ihrem Sohn versprechen, seine Studiengebühren zu zahlen und ihm einen Unterhalt zu gewähren, gehen Sie eine Verpflichtung ein, nämlich das Versprechen von Guthaben, um seine künftigen Zahlungsverpflichtungen zu decken, solange er die Universität besucht. Jede Transaktion, jedes Versprechen, jede Garantie beinhaltet unkörperlichen Kredit mit entsprechenden Schuldverpflichtungen. Demosthenes hatte durchaus recht.
Der Unterschied zwischen körperlichem Geld und unkörperlichem Kredit besteht darin, dass Ersteres physisch existiert, Letzterer dagegen stets zwischen einverstandenen Parteien geschaffen wird. Die Kommentatoren, die ein Verbot von Bankkrediten fordern, scheinen sich des tatsächlichen Umfangs von Krediten in der Wirtschaft nicht bewusst zu sein, ebenso wenig der Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit eines Verbots von Kredithändlern, was die Funktion einer Geschäftsbank ist. Nicht nur käme nahezu der gesamte Handel zum Erliegen, es bräuchte auch einen Polizeistaat härtester Art, um das Verbot durchzusetzen. Auch die Monetaristen irren, die glauben, Geldmengenstatistiken bestimmten alle umlaufenden Zahlungsmittel, obwohl sie nur die Spitze eines weitaus größeren Kredit-Eisbergs darstellen.
Doch Schulden und Kredit müssen ihren Wert aus etwas beziehen. Auf einer Ebene beziehen sie ihn aus dem Versprechen, etwas anderes zu liefern, sei es ein körperlicher, ein immaterieller oder ein anderer unkörperlicher Vermögenswert. Dies setzt jedoch voraus, dass die Kaufkraft des Kredits an etwas anderes gebunden ist. In der Geschichte war der Wertanker stets eine körperliche Größe wie Gold. Heute ist er stattdessen an einen anderen unkörperlichen Vermögenswert gebunden, nämlich an Zentralbankkredit bzw. Banknoten. Mit anderen Worten: Die gesamte Struktur des nationalen Kredits hängt von der Glaubwürdigkeit des Staates als Emittent von Währungsverbindlichkeiten ab.
Zudem hat jede Rechtsordnung Kreditwerte, die sich auf unterschiedliche Währungen beziehen, also auf verschiedene unkörperliche Verbindlichkeiten in Form von Zentralbank-Banknoten. Ein gemeinsamer körperlicher Goldstandard wird durch potenziell unkörperliches Chaos ersetzt.
Obwohl nun das Potenzial für Chaos bei den Kreditwerten besteht, kann ein auf der Glaubwürdigkeit des Staates beruhender Kredit beträchtliche Zeit funktionieren. Wir müssen jedoch erkennen, dass an die Politiker hohe Anforderungen gestellt werden, die sie unweigerlich dazu bringen, die Währung zu entwerten, um auf verdeckte Weise Vermögen von den Bürgern auf den Staat zu übertragen, damit dieser seinen Verpflichtungen nachkommen kann. In den letzten achtzig Jahren haben sie daraus sogar eine Tugend gemacht und wechselnd behauptet, die Kreditmenge solle ausgeweitet werden, um die Wirtschaftstätigkeit anzuregen, um einen Preisanstieg von zwei Prozent sicherzustellen und so den Konsum vorzuziehen, und um Kredite zulasten der Sparer künstlich zu verbilligen. Langsam, aber sicher sind die Inflationisten in eine Ökonomie der Unvernunft abgeglitten.
Die Auswirkung auf die Kaufkraft des Kredits im Verhältnis zu Gold zeigt die folgende Grafik. Sie stellt die Kaufkraft der wichtigsten Währungen im Verhältnis zu Gold dar, seit die letzten Reste der Bindung durch die Aussetzung des Abkommens von Bretton Woods aufgegeben wurden.

Der Dollar hat gegenüber Gold 98 % seines Wertes verloren, das Pfund Sterling 99 %. Diese Währungsentwertungen messen den Wertverlust des nachgeordneten Kredits unter einem Fiat-Währungssystem bis heute. Jede Transaktion, jedes Versprechen einer Transaktion und jede Verpflichtung zu einer künftigen Transaktion ist entwertet worden und wird weiter entwertet werden, solange der Kredit vom körperlichen Geld, also dem Gold, losgelöst bleibt.
Die künftige Entwicklung der Kreditwerte
Es ist nicht mehr umstritten, dass die Emittenten der wichtigsten Währungen an einem Scheideweg angelangt sind. Sie haben versucht, ihre Volkswirtschaften mithilfe einer geldpolitischen Stimulierung von beispiellosem Ausmaß vor den nachteiligen Folgen der Covid-Lockdowns und anschließend der politischen Entscheidung, Russland vom Welthandel zu isolieren, zu bewahren. Inzwischen sind jedoch die allgemeinen Verbraucher- und Erzeugerpreise sprunghaft gestiegen. In der Folge haben auch die Zinsen zu steigen begonnen, was die Volkswirtschaften der wichtigsten Währungen in einen wirtschaftlichen Abschwung zu treiben droht.
Da die Kaufkraft der Währungen und des damit verbundenen Kredits sich nun beschleunigt verringert, sollten sich die Zinsen auf einem Niveau einpendeln dürfen, auf dem das Vertrauen in ihre Kaufkraft wiederhergestellt wird. Das dürfte jedoch noch höhere Zinsen bedeuten, um ausländische Inhaber dieser Währungen sowohl für das Kreditrisiko als auch für den Verlust an Kaufkraft vollständig zu entschädigen. Wir können vorerst getrost davon ausgehen, dass sich inländische Inhaber einer Währung und des davon abhängigen Kredits der Folgen der Entwertung weniger bewusst sind als ausländische Inhaber, die nur einen spekulativen Bedarf daran haben.
Höhere Zinsen werden die Verbindlichkeiten der sozialisierenden Regierungen erhöhen und die Geschwindigkeit der Währungsentwertung beschleunigen. Diese Regierungen stehen vor Schuldenfallen, aus denen es nun kein Entrinnen mehr gibt. Der Kaufkraftverlust der wichtigsten Währungen wird sich zwangsläufig beschleunigen, weil die Händler an den Devisenmärkten sich des Entwertungsproblems stärker bewusst geworden sind. Ihnen bleibt keine andere Wahl, als sich in ihre Rechnungswährungen zurückzuziehen oder Fremdwährungen gegen körperliche Güter abzustoßen, nur um sie loszuwerden.
Höhere Zinsen, die eine Währung vor Verkäufen an den Devisenmärkten schützen sollen, dürften die Werte von Finanzanlagen untergraben und in der Realwirtschaft zu Insolvenzen führen, da Geschäftspläne ins Chaos gestürzt werden. Das ist inzwischen jedem offensichtlich, der Interessen an den Finanzmärkten hat. Deshalb hoffen inländische Anleger, die für das Währungsproblem weniger empfindlich sind als Ausländer, dass ihre Zentralbank einen anderen Kurs einschlägt, nämlich die Zinsen zu senken und die quantitative Lockerung wieder aufzunehmen, um ihre Volkswirtschaften vor einer Rezession zu bewahren.
Doch gerade diese reflationären Maßnahmen haben überhaupt erst zu einer wachsenden Kluft zwischen körperlichem Gold und unkörperlichem Kredit geführt. Wer diese Politik noch verstärkt, wird den Verfall der Kaufkraft unkörperlicher Währungen nur beschleunigen. Es scheint, dass das verbleibende Vertrauen in die wichtigsten Währungen vor einer großen Herausforderung steht, gleichgültig wie das politische Ergebnis ausfällt, ob Zinserhöhungen zugelassen werden oder die Zinsen weiterhin stark unterdrückt bleiben.
Die Lösung ist inzwischen politisch unmöglich
Die einzige Möglichkeit, einen vollständigen Zusammenbruch der Fiat-Währungen zu verhindern, besteht darin, Gold offiziell als Geld anzuerkennen und wieder einzuführen, sodass es den Maßstab bildet, an dem sich jeder Kredit bemisst. Die Frage ist dann, wie sich diese Regelung dauerhaft durchsetzen lässt.
Es hat keinen Sinn, einfach irgendeine Bindung zwischen einer Währung und Gold zu erklären, ohne die Rolle der Zentralbanken und ihrer Regierungen in der Wirtschaft zu reformieren. Die Zentralbanken sollten die Zinsen vom Markt bestimmen lassen, wogegen sich sowohl die Zentralbanken als auch die Anleger entschieden wehren werden.
Neben der Reform der Geldpolitik muss entschieden werden, welche fiskalpolitischen Reformen erforderlich sind und wo die Rolle einer Regierung zu begrenzen ist. Um die damit verbundenen Fragen zu verstehen, muss das gesamte Regierungsestablishment die Irrtümer in der Wirtschaftspolitik erkennen, die seit dem Zweiten Weltkrieg zur allgemein anerkannten Lehrmeinung geworden sind. Lehrbücher zum Keynesianismus, die sämtliche Dogmen von John Law wiederholen, müssen wohl im Kuriositätenladen enden. Und jene zum Monetarismus, der es versäumt hat, sich angemessen auf die Einführung von Fiat-Währungen und losgelöstem Kredit einzustellen, sollten ein ähnliches Schicksal erleiden. Regierungen müssen begreifen, dass ihr Eingreifen in wirtschaftliche Angelegenheiten, die besser den handelnden Einzelnen überlassen bleiben, den wirtschaftlichen Niedergang nur garantiert.
Dementsprechend müssen sie bei einer Rückkehr zu körperlichem Geld Gesetze erlassen, um den Großteil der Sozialverpflichtungen aufzuheben. Sie müssen sich aus dem Gesundheits- und Bildungswesen zurückziehen und für wirklich Bedürftige alternative Regelungen entwickeln. Sie müssen Vorschriften aufheben, die Unternehmen vorgeben, wie sie sich zu organisieren haben und welchen Standards sie und ihre Produkte genügen müssen. Sie müssen ihre Belastung der Wirtschaft auf unter 20 % des BIP senken – 10 % wären sogar noch besser. Sie dürfen keine Haushaltsdefizite zulassen. Sie dürfen keine Lobbyarbeit der Industrie zulassen. Sie sollten ihre Tätigkeit darauf beschränken, die Einhaltung des Straf- und Zivilrechts sicherzustellen, wobei Letzteres einen klaren Rahmen für das Vertragsrecht schafft. Sie müssen die Landesverteidigung sicherstellen. In der Außenpolitik sollten sie sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen, es sei denn, eigene nationale Interessen sind berührt. Sie sollten Handelsbeschränkungen aufheben …
Der Zweck, einige der Reformen in Regierung und im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft aufzulisten, die notwendig sind, damit ein neuer Goldstandard Bestand haben kann, besteht darin, das enorme Ausmaß der Aufgabe zu veranschaulichen. Kein Politiker hat ein Mandat, auch nur Schritte in die erforderliche Richtung zu erwägen. Es würde bedeuten, dass sowohl das politische als auch das dauerhafte Establishment Macht abgeben. Es erfordert ein neues Verständnis dafür, dass der Staat der Diener des Volkes ist und nicht dessen Herr. Nichts davon wird freiwillig geschehen. Deshalb bricht jede Fiat-Währung, die zunehmend zur Finanzierungsquelle des Staates wird, früher oder später zusammen. Es ist der ultimative lange Zyklus von Aufschwung und Absturz.
Es steuert entweder auf den Dritten Weltkrieg oder auf Gold zu
Wir haben gesehen, dass die wichtigsten Währungen, vor allem das britische Pfund und der US-Dollar, vor dem Ersten Weltkrieg auf erfolgreichen Goldstandards beruhten. In den Regierungen herrschte die allgemeine Auffassung, dass freie Märkte den Lebensstandard verbesserten und dass die Rolle des Staates in der Wirtschaft eine Belastung für sie darstellte, die auf ein Minimum beschränkt werden müsse.
Für die großen Währungen ist eine freiwillige Rückkehr zu diesen Bedingungen offensichtlich praktisch unmöglich. Doch ist dem Status quo der Fiat-Währungen durch Entwicklungen in Asien eine neue Bedrohung erwachsen; Asien als Ganzes ist stärker von der Produktion abhängig als von rein finanziellen Aktivitäten. Dies steht in scharfem Gegensatz zu den USA und Großbritannien, die in besonderem Maße von Kredit um des Kredits willen abhängig geworden sind.
Unter der Schirmherrschaft Russlands und Chinas ist der gesamte asiatische Kontinent, mit Ausnahme einiger Verbündeter der westlichen Allianz in Südostasien, nun darauf ausgerichtet, eine industrielle Revolution herbeizuführen und damit den Erfolg des Großbritanniens des 19. Jahrhunderts nachzubilden. Und die beteiligten Planer scheinen zu erkennen, dass ein solideres Geld als ein Fiat-Dollar ein integraler Bestandteil davon sein muss.
Diese asiatischen Staaten versuchen nicht nur, den Dollar bei der Abwicklung von Währungsgeschäften und der Preisbildung für Rohstoffe und Grundstoffe abzuschaffen, sondern scheinen sich auch zunehmend einer Anbindung ihrer Währungen an einen gegenständlichen Standard zuzuwenden. Genauer gesagt wurde Sergey Glazyev, der Leiter der mit der Angelegenheit befassten Eurasischen Wirtschaftsunion, damit beauftragt, eine neue Währung eigens für grenzüberschreitende Transaktionen und die Rohstoffpreisbildung zu entwerfen. Aus einem ersten Konzept, das im April vergangenen Jahres öffentlich bekannt wurde, hat sich die Auffassung herausgebildet, dass die neue Währung an Gold gekoppelt sein sollte, basierend auf einer Rückkehr zum Status quo ante.
Wir können nicht wissen, wie tief das Verständnis von Währungsfragen bei Herrn Glazyev tatsächlich reicht, doch sowohl er als auch Präsident Putin haben gute Kenntnisse der Schwächen der Fiat-Währungen der westlichen Allianz gezeigt. Wie China räumt Russland der Goldförderung nun Priorität ein und baut seine physischen Reserven auf, um Fiat-Währungen zu ersetzen, die durch Sanktionen wertlos geworden sind. Glazyev ist zudem daran beteiligt, die Goldbörse in Moskau auszubauen, und auch asiatische Zentralbanken häufen Goldreserven an.
Die beteiligten Staaten gehen über die Mitglieder der EAWU hinaus und umfassen die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sowie die wachsende BRICS+. Unmittelbar sind Staaten, die rund 3,8 Milliarden Asiaten regieren, Parteien der SOZ, und vielleicht weitere 1,5 Milliarden Menschen in Afrika und Südamerika werden als angeschlossene Lieferanten wirtschaftlich abhängig oder interessiert. Amerika übt derzeit auf alle Staaten, auf die es Einfluss hat, starken Druck aus, um sie davon abzuhalten, sich dem Einflussbereich der asiatischen Hegemonialmächte anzuschließen. Zugleich eskaliert es über die NATO die militärischen Angriffe auf Russland durch die Ukraine und verschärft nun die Rhetorik gegenüber China wegen Taiwan und der angeblichen Lieferung von Waffen an Russland. Es ist ein Angriff an drei Fronten, der durch ein zunehmend verzweifeltes Amerika außer Kontrolle zu geraten und in einen dritten Weltkrieg zu münden droht.
Insbesondere für Russland und seine engen Verbündeten besteht nun die dringende Notwendigkeit, ihre Währungen nicht nur vor den Folgen einer Währungskrise der westlichen Allianz zu schützen, sondern den Dollar aktiv zu untergraben. Den Boden für dieses Vorgehen bereiten Glazyevs Pläne für eine Handelsabwicklungswährung, die nach den verfügbaren Informationen nahezu sicher ein an Gold gekoppeltes Guthaben sein wird. Darüber hinaus signalisierte Putin beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg im vergangenen Juni den anwesenden offiziellen Regierungsdelegationen, dass Dollar und Euro verkauft und Gold, das in Tresoren unter der Kontrolle der Zentralbanken der westlichen Allianz lagert, zurückgeholt werden sollte.
Nicht nur sind die Zentralbanken und Regierungen der gesamten EAWU, der SOZ und der BRICS+ aufgefordert worden, ihre Währungsreserven zu verkaufen, sondern es wird ihnen in Kürze auch eine neue, auf Gold basierende Handelswährung zur Verfügung stehen, um diese zu ersetzen. Für Russland besteht die einzige Möglichkeit, einen nuklearen Dritten Weltkrieg zu vermeiden, darin, ihn auf finanzieller Ebene auszutragen.
Eine auf Gold basierende Handelswährung bietet erhebliche Vorteile. Zur grundlegenden Ausgestaltung verweise ich den Leser auf meinen Artikel vom 23. Februar für Goldmoney im Abschnitt „Das Gute“. Einige weitere Anmerkungen zur Ausgestaltung der Währung im Zusammenhang mit Krediten sind angebracht.
Die Kreditarten werden in drei klar getrennte Kategorien unterteilt. Da ist zunächst der Kredit auf höchster Ebene, der nur zwischen den teilnehmenden Zentralbanken und einer eigens zu diesem Zweck gegründeten neuen Zentralbank besteht. Die Währung ist eine Verbindlichkeit der neuen Zentralbank und wird nach einer einfachen Formel ausgegeben: Sie ist zu 40 % durch physisches Gold gedeckt, das die teilnehmenden Zentralbanken einliefern. Die teilnehmenden Zentralbanken erhalten die neue Goldwährung im Verhältnis zu dem Gold, das sie jeweils an die neue Zentralbank übertragen. Auf dieser formelbasierten Grundlage kann sie von den teilnehmenden Zentralbanken jederzeit frei eingelöst oder aufgestockt werden. Die neue Währung stünde zur Verfügung, um die Devisenreserven zu ersetzen, die die teilnehmenden Zentralbanken derzeit halten und die damit weitgehend überflüssig würden. Wenn es nicht mehr nötig ist, erhebliche Bestände an Dollar oder Euro zu halten, entschärft dies die Bedrohung durch Währungssanktionen, die Russland vor einem Jahr erlebt hat.
Die zweite Ebene des goldbasierten Kredits besteht zwischen den teilnehmenden Zentralbanken und ihren zugelassenen Geschäftsbanken. Dies wären die Goldwährungsreserven, die den Reserven in Papierwährung entsprechen, wie wir sie aus den heutigen Geldsystemen kennen. Die Reservefazilität würde einer nationalen Zentralbank zudem die Möglichkeit eröffnen, Reservesätze festzulegen, sofern sie dies wünscht, und an Clearingsystemen teilzunehmen und dabei bei Bedarf Kreditliquidität bereitzustellen.
Die dritte Kreditebene ist jene, die von Geschäftsbanken geschaffen wird, um Handelsabwicklungen und Rohstoffkäufe privatwirtschaftlicher Akteure zu erleichtern. Geschäftsbanken aller Länder können daran teilnehmen, wenn sie dies wünschen, entweder indem sie von einer teilnehmenden Zentralbank zugelassen werden oder indem sie physisches Gold halten, um ihre eigenen Kreditwerte zu besichern. In diesem Fall würde eine Bank wie JPMorgan ihre Kontofazilität für nicht zugeteiltes Gold faktisch in ein Einlagenkonto umwandeln, das an die Nachfrage nach Handelsfinanzierung gekoppelt ist, statt überwiegend ein Instrument für Finanzspekulation zu sein.
Der Vorteil dieses neuen Handelswährungssystems besteht darin, dass es den einzelnen Zentralbanken überlässt, ihre Geldpolitik nach eigenem Ermessen zu steuern. Es bedürfte daher keiner politischen Billigung. Und wie ich weiter oben in diesem Artikel gezeigt habe, wird bei solider oberster Kreditebene eine allgemeine Ausweitung der auf die neue Währung lautenden Geschäftsbankkredite kaum oder gar keine Auswirkungen auf das Preisniveau haben. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Geschäftsbanken sie für die Finanzierung des Konsums bereitstellen.
Der Zeitpunkt, zu dem Russland den Krieg gegen den Dollar eskaliert, dürfte durch die in den vorangegangenen Absätzen beschriebenen dreigleisigen Bemühungen Amerikas vorverlegt werden. Der Marktdruck auf die Papierwährungen wird dann nicht nur zu höheren Zinsen und Anleiherenditen führen und damit die Werte an den westlichen Kapitalmärkten untergraben, sondern die Ankündigung einer neuen Handelswährung auf Basis von körperlichem Gold wird zwangsläufig unerwünschte Aufmerksamkeit auf die Schwäche des Geschäftsbankkredits lenken, dessen Wert sich auf instabilen Zentralbankkredit stützt.
Nach der letzten Erhebung beliefen sich die ausländischen Bestände an Dollar und auf Dollar lautenden Finanzvermögenswerten auf rund 30 Billionen US-Dollar, etwas mehr als das gesamte BIP der USA. Für die einundachtzig Regierungsdelegationen, die an Putins Wirtschaftsforum in St. Petersburg teilnehmen, wird es rasch darauf hinauslaufen, zu verkaufen, solange es noch geht.
[i] Siehe The Bank of England, 1694—2017 von Charles Goodhart, LSE Research.
[ii] Zitiert in HD Macleods The Theory of Credit. Ich kann seine Quelle nicht finden.
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