Die fallenden Aktienmärkte in dieser Woche dürften den Beginn eines Bärenmarktes anzeigen. Sie reagieren auf eine Kombination aus der Ausbreitung des Coronavirus über China hinaus und anhaltenden Anzeichen einer sich entwickelnden Rezession.
Dies hat eine Flucht in US-Staatsanleihen ausgelöst, wobei die Rendite der zehnjährigen Anleihe auf ein Rekordtief von 1,31 % gefallen ist. Das wird sich als Fehler erweisen, denn die US-Preisinflation liegt nach unabhängigen Schätzungen bei nahezu zehn Prozent, wodurch US-Staatsanleihen als stark überbewertet entlarvt werden.
Nach dieser kurzfristigen Reaktion sind deutlich höhere Renditen für US-Staatsanleihen unvermeidlich. Ausländer, die mehr Dollar und Dollar-Anlagen besitzen, als das gesamte US-BIP ausmacht, werden mit großer Wahrscheinlichkeit verkaufen. Dadurch steigen die Anleiherenditen und der Dollar fällt, sodass die Fed der einzige echte Käufer von US-Staatsanleihen bleibt.
Dieser Artikel beschreibt die Abfolge von Ereignissen, die voraussichtlich Werte in US-Finanzanlagen und auch im Dollar vernichten wird. Und was für die USA gilt, gilt für alle anderen Fiat-Währungen und ihre Finanzmärkte.
Einleitung
In meinem letzten Artikel habe ich darauf hingewiesen, dass die kumulative Wirkung der Eingriffe der Zentralbanken dazu geführt hat, dass sich die Anleihekurse stark von der Realität entfernt haben. Legt man eine realistischere Schätzung der Kaufkraft des Dollars zugrunde als jene, die in den zielorientierten Verbraucherpreisindex-Zahlen zum Ausdruck kommt, und addiert einen geschätzten Betrag für die Zeitpräferenz, müssten zehnjährige US-Staatsanleihen bis zur Fälligkeit eher 10 % rentieren und nicht die heute implizierten 1,31 %. Hat eine zehnjährige Anleihe einen Kupon, bei dem sie derzeit zum Nennwert notiert, müsste sich der Kurs halbieren.
Wer unser währungspolitisches Unglück dem Coronavirus zuschreibt, hat den Kern verfehlt. Ja, es wird fatal sein, wirtschaftlich und leider auch für einige von uns persönlich. Es ist noch früh in einem Geschehen, das definitiv zu einer Pandemie wird, das heißt zu einer Epidemie, die nicht auf nationale Grenzen beschränkt ist. Nicht nur China, sondern auch andere Länder gehen in den Lockdown. Die Hoffnung, dass sich die Lage in der zweiten Jahreshälfte normalisiert, beruht offensichtlich auf der Annahme, dass in der Weltwirtschaft sonst nichts im Argen liegt.
Hier trennen sich jene, die Geld und den Kreditzyklus tatsächlich verstehen, vom wirtschaftswissenschaftlichen Establishment, das fortwährend seine Ahnungslosigkeit beweist. Beachten Sie diese unbestreitbaren Tatsachen:
1. Wirtschaftliche Destabilisierung entsteht aus einem Zyklus der Bankkreditausweitung, dem stets eine Kreditkrise folgt. Sie entsteht nicht im Unternehmenssektor, sondern aus der Bereitschaft der Banken, von Zeit zu Zeit Kredit aus dem Nichts zu schaffen, was eine vorübergehende Phase wirtschaftlichen Optimismus erzeugt, die nicht von Dauer ist.
2. Die Ausweitung der globalen Geldmenge seit 2008 war beispiellos, nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch im Verhältnis zur Größe der zugrunde liegenden Volkswirtschaften. Schon die Logik legt nahe, dass der darauffolgende Einbruch entsprechend zerstörerisch sein wird.
3. Auch wenn die relativen Größenordnungen zueinander vor neunzig Jahren andere waren, entspricht die Kombination aus Handelszöllen und dem Höhepunkt des Kreditzyklus den Bedingungen, die zum Börsencrash an der Wall Street zwischen 1929 und 1932 führten. Das sollte Warnung genug sein, dass die Welt auch ohne eine Coronavirus-Pandemie nicht nur am Rand einer Rezession, sondern eines schweren Einbruchs steht.
Der wichtigste Unterschied zwischen dem Börsencrash an der Wall Street und der darauffolgenden Depression liegt im Geld. Damals waren sowohl die US-amerikanische als auch die britische Währung an den Goldstandard gebunden. Das bedeutete, dass der Verfall der Rohstoffpreise über den Dollar und das Pfund faktisch an Gold gemessen wurde. Andere Faktoren, etwa die rasche Mechanisierung der Landwirtschaft und die damit einhergehende Produktivitätssteigerung, verschärften die Lage der Landwirte weltweit, bis Großbritannien 1932 den Goldstandard aufgab und der Dollar 1934 abgewertet wurde. Kurz gesagt: Dank der Bindung an Gold wurden die führenden Währungen durch die Depression nicht untergraben.
Dennoch machten Ökonomen in den 1930er-Jahren das Gold für die Depression verantwortlich, und die Regierungen haben seither versucht, es aus dem Geldsystem zu entfernen. Seit 1971 besteht keine verbleibende Verbindung mehr zwischen Gold und dem Dollar und damit auch allen anderen staatlich ausgegebenen Währungen. Die im Umlauf befindliche Geldmenge kann von den Zentralbanken frei ausgeweitet werden; die einzige Grenze ist die daraus folgende Begrenzung der Preisinflation. Diese ist inzwischen mithilfe statistischer Methoden bezwungen worden.
Aus ihrem Handeln nach der Lehman-Krise geht deutlich hervor, dass Zentralbanken die Ausweitung der Geldmenge als geldpolitisches Instrument mittlerweile als unbegrenzt ansehen. Die Fed, die EZB und die Bank von Japan weiten die Basisgeldmenge bereits aus, bevor die Krisenphase des Kreditzyklus eingetreten ist. Das sollte uns auf das katastrophale Versagen der Geldpolitik aufmerksam machen. Keynes’ Idee, die „Animal Spirits“ durch einen Inflationsanstoß wiederzubeleben, hat sich zu einer fortwährenden und sich beschleunigenden Geldmengeninflation über den gesamten Zyklus gewandelt.
In den Nachkriegsjahren haben wir alle gemeinsam die Geldmengeninflation mitgetragen, indem wir unsere Anlagen zum Schutz langfristiger Ersparnisse schrittweise von Anleihen in Aktien umschichteten. Seit dem Zinsanstieg Anfang der 1980er-Jahre sind die Anleiherenditen jedoch im Allgemeinen so weit gesunken, dass sie in Dollar, Euro und Yen unter ihren Zeitpräferenzwerten liegen. In den beiden letztgenannten Fällen zahlen Anleger inzwischen sogar dafür, ihren Regierungen Geld leihen zu dürfen.
Die Abschaffung nennenswerter Renditen wurde durch eine Kombination aus statistischer Unterdrückung der Preisinflation und Geldmengenausweitung erreicht. Doch das ist erst der Anfang. Stellen Sie sich einen Augenblick lang einen heutigen Zusammenbruch vor, vergleichbar mit dem Wall-Street-Crash von 1929 bis 1932, gefolgt von einem Wirtschaftseinbruch im Ausmaß der 1930er-Jahre. Befreit von scheinbaren Beschränkungen bei der Ausweitung der Geldmenge und mit dem Auftrag, alles Erforderliche zu tun, wird die Geldmengenausweitung, verbunden mit dem Bedarf zur Finanzierung stark steigender Haushaltsdefizite, in den Turbogang schalten – überall zur gleichen Zeit.
Nicht nur dieses Problem besteht, hinzu kommt eine Viruspandemie, die die größte Industrienation der Welt nahezu stillgelegt hat und die überwiegende Mehrheit der Lieferketten andernorts stört. Dabei wird unterstellt, dass das Coronavirus auf China begrenzt bleibt und sich die ersten Anzeichen einer globalen Pandemie als falsch erweisen. Doch es mehren sich die Hinweise, dass es am Vorabend eines zweiten Wall-Street-Crashs zur Pandemie wird, wodurch die wirtschaftliche Zerstörung, die stets auf eine Phase der Kreditausweitung folgt, vorgezogen und verstärkt wird. Die Auswirkungen des Virus drohen aus einem Wirtschaftseinbruch, womöglich einem Ereignis, das nur einmal in einem Jahrhundert vorkommt, einen regelrechten Zusammenbruch von Produktion und Konsum zu machen.
Was vor uns liegt, wird sich grundlegend von der Vergangenheit unterscheiden. Das Verständnis von Geld und den Folgen seiner Veränderungen als Zirkulationsmittel war selten so wichtig wie jetzt. Dieser Artikel skizziert die Auswirkungen dessen, was bevorsteht und voraussichtlich mit einem Zusammenbruch der Werte von Finanzanlagen und der Kaufkraft der Währungen beginnen wird.
Die Fed wird die Kontrolle verlieren
Die Geldpolitik der Fed zielte stets darauf ab, Kontrolle über die Märkte auszuüben, angeblich mit dem Ziel einer Preisinflationsrate von 2 % und einer damit vereinbaren Vollbeschäftigung. Diese Macht wird im Namen der neokeynesianischen Ökonomie fortwährend missbraucht, und die Geldentwertung ist seit 2001 zu einem dauerhaften Merkmal der Finanzierung der US-Regierung geworden. Folglich übersteigt die Staatsverschuldung der USA inzwischen das BIP, und ihre Finanzierung zu stark gedrückten Zinssätzen verschlingt knapp 40 % eines Defizits von einer Billion Dollar.
Die politischen Entscheidungsträger der Fed können es sich am wenigsten leisten, dass ein außer Kontrolle geratenes Finanzsystem realistische Anleihekurse widerspiegelt. Da das Bureau of Labor Statistics die Inflationszahlen erfolgreich gezähmt hat, ist es der Fed gelungen, die Lüge aufrechtzuerhalten, die Geldinflation schlage sich nicht in einer sinkenden Kaufkraft des Dollars und damit in höheren Anleiherenditen nieder. Die Fed steht damit nicht allein, doch in einem Währungssystem mit dem Dollar als Reservewährung sind andere Zentralbanken und ihre Währungen nur Randfiguren, und eine Kritik der US-Geld- und Wirtschaftspolitik genügt, um zu verstehen, was bevorsteht.
Die entscheidende Frage ist, ob die Behörden die Illusion aufrechterhalten können, nachdem sie die Märkte so weit verzerrt haben, dass Staatsanleihen nunmehr erheblich überbewertet sind.
Bisher haben zwei Gruppen von Wirtschaftsakteuren diese Überbewertung gestützt. Die erste sind ausländische Anleger, die im Wesentlichen über das US-Handelsbilanzdefizit einen Bestand an Dollars und Dollar-Anlagen aufgebaut haben. Mit dem Wachstum der US-Wirtschaft und den nicht gegenfinanzierten Ausgaben der Regierung häuften sich ausländische Wertpapiere, kurzfristige Papiere (mit einer Laufzeit von unter einem Jahr) und Salden bei Korrespondenzbanken auf rund 24,8 Billionen Dollar an, mehr als das nominale BIP der USA[i]. Darüber hinaus dürfte der Wert der in ausländischem Besitz befindlichen Wertpapiere seit dem Stichtag der letzten jährlichen TIC-Erhebung aufgrund höherer Portfoliobewertungen noch weiter gestiegen sein.
Wir sehen zwei Gründe dafür, dass sich diese Ströme umkehren. Der erste ist die weltweite Konjunkturabschwächung, insbesondere im internationalen Handel. Eine sich verschlechternde Handelsaussicht verringert das erforderliche Polster an Dollar-Liquidität, sodass Händler aufhören, Dollars anzusammeln, oder sie sogar abbauen, um angeschlagene Zahlungsströme ihrer Unternehmen im Heimatland zu stützen. Auch ausländische Regierungen stellen die Reserverolle des Dollars in einer Welt, die sich in den letzten vierzig Jahren grundlegend verändert hat, zunehmend infrage, was asiatische Zentralbanken dazu veranlasst, den Dollaranteil in ihren Reserven zu verringern.
Das Ausbleiben ausländischer Anleger, die in der Vergangenheit als Gegenstück zum Handelsbilanzdefizit nahezu den gesamten Zuwachs an neuen US-Staatsanleihen aufgenommen haben, wird für die Fed in einer Zeit steigenden Finanzierungsbedarfs der US-Regierung ein erhebliches Problem darstellen.
Die zweite Gruppe von Wirtschaftsakteuren sind Hedgefonds, die über den Devisenswapmarkt von der Renditedifferenz zwischen US-Schatzwechseln oder verzinslichen Anleihen und den negativen Zinsen in Euro und Yen profitieren. Seit der handelsgewichtete Dollar-Index kurz nach dem Amtsantritt von Präsident Trump zu steigen begann, haben sich diese Positionen ausgeweitet, da die Hedgefondsmanager darin ein sicheres Geschäft sahen. Seine Rentabilität hängt jedoch von einem stabilen oder steigenden Dollar ab, und jedes Anzeichen einer Umkehr wird zu einer erheblichen Auflösung von Positionen zulasten des Dollars führen.
Die Nachfrage nach Liquidität zur Bereitstellung von Devisenswaps für die Hedgefonds ist einer von zwei Gründen, weshalb die Fed gezwungen war, massiv in den Repo-Markt einzugreifen; der andere ist die zunehmende Menge an Schatzwechseln und Anleihen, die sich als Bestand bei den Primärhändlern ansammelt. Während die ausländische Nachfrage nach Dollars, die früher direkt oder indirekt durch die Ausweitung der Bankkredite gedeckt wurde, nachgelassen hat, ist der Liquiditätsdruck an den New Yorker Geldmärkten in Ermangelung dieser Liquiditätsquelle gestiegen und gefährdet die Kontrolle der Fed über die Zinssätze, wie der Anstieg des Repo-Satzes auf 10 % im vergangenen September verdeutlichte.
Ohne die Zufuhr von zig Milliarden Dollar durch die Fed in den Repo-Markt lägen die Zinssätze eindeutig weit über dem Leitzins (Fed Funds Rate), der derzeit bei 1,5 bis 1,75 % festgesetzt ist. Dies kann jedoch nur eine vorübergehende Lösung sein, die so lange trägt, wie der Dollar an den Devisenmärkten seinen Wert behält. Und wenn der Dollar zu fallen beginnt, ist es unerheblich, ob Ausländer oder die Hedgefonds dafür verantwortlich sind. Es wird den Beginn einer Neubewertung der US-Geldpolitik durch die Märkte markieren, die sich dann deutlich bewusst werden, dass diese gescheitert ist und die Fed in die Enge getrieben wurde.
Eine Zeit lang kann die Fed vorgeben, dass der Konjunktureinbruch und/oder das Coronavirus eine Beschleunigung der Geldschöpfung rechtfertigen, höchstwahrscheinlich durch quantitative Lockerung. Sie wird sich auf die nachfragegetriebenen Aussichten für die Kerninflation und die Arbeitslosigkeit berufen. Doch wenn das Votum der Devisenmärkte ablehnend ausfällt, wird das nur begrenzt verfangen. Die Märkte werden schließlich erkennen, dass der einzige Käufer für zunehmende Mengen an Staatsanleihen bei diesen Renditen die Fed selbst ist, und zwar mittels quantitativer Lockerung. Es werden voraussichtlich Ausländer sein, die als Erste das von der Fed gesteuerte Marktumfeld verlassen, und eine Dollarkrise wird folgen. Und mit einer Dollarkrise wird es auch eine Krise am US-Anleihemarkt geben.
Auswirkungen auf das Portfolio
Bislang beginnen die Märkte erst allmählich, die Wahrscheinlichkeit eines durch das Coronavirus ausgelösten Einbruchs zu erkennen. Der Rückgang des Dow Jones um tausend Punkte am vergangenen Montag war vermutlich der Wendepunkt für die Vorstellung, niedrige Anleiherenditen seien für Aktien auf relativer Renditebasis vorteilhaft. Plötzlich werden Aktien mit Risiko assoziiert, was das Gespenst des Oktobers 1929 heraufbeschwört, als die Märkte in die erste Phase des Börsencrashs an der Wall Street eintraten.
Die heutigen Kinder des Inflationismus, die als Vermögensverwalter gelten, haben auf die einzige ihnen bekannte Weise reagiert: Sie haben ihre Portfolios zugunsten vermeintlicher Sicherheit umgeschichtet und US-Staatsanleihen gekauft. Dadurch ist die Rendite der zehnjährigen Anleihe auf 1,31 % gefallen, deutlich unter den Zinssatz für 13-Wochen-Schatzwechsel von 1,48 %. Zunächst geschah dies offenbar teilweise zulasten von Anlageallokationen zugunsten ausländischer Investitionen, was den Dollar in den vergangenen Tagen gestärkt hat.
Da ein wirtschaftlicher Einbruch, mit oder ohne Ausbreitung des Coronavirus, zu einem rasch wachsenden Haushaltsdefizit des Staates führen wird, das sich nur auf inflationäre Weise finanzieren lässt, dürfte der Zusammenbruch der Anleiherenditen nur von kurzer Dauer sein. Sobald der Dollar an den Devisenmärkten verkauft wird, setzt eine Neubewertung ein. Dann wird die Auflösung dollarnotierter Wertpapiere durch Portfolios in ausländischem Besitz zwangsläufig an Tempo gewinnen, zumal sie zuletzt insgesamt 19,4 Billionen US-Dollar betrugen, zuzüglich 5,3 Billionen US-Dollar an liquiden kurzfristigen Wertpapieren und Korrespondenzbankeinlagen. Auch Hedgefonds werden ihre Devisenswaps zurückführen, was den Druck sowohl auf den Dollar als auch auf die Kurse der US-Staatsanleihen weiter erhöht.
Der Verkaufsdruck auf den Dollar dürfte sich auf mehrere Billionen belaufen. Da inländische Anleger die Anzeichen für den Verfall der Kaufkraft des Dollars in der Binnenwirtschaft unterdrückt haben, glauben sie, die Fed könne den Leitzins weiterhin nahe der Nullgrenze halten, während sie das Defizit des Staates mehr oder weniger im Alleingang finanzieren. Unmöglich wird dies durch einen Kursverfall des Dollars, ausgelöst durch Verkäufe aus dem Ausland, selbst gegenüber Papierwährungen mit Zinsen unter null. Die Rohstoffpreise werden trotz sinkender realer Nachfrage anfangen zu steigen, da sie die Dollarschwäche widerspiegeln. Und Absicherungen gegen den Dollar wie Gold, Silber und sogar Bitcoin werden noch deutlich stärker steigen. Die Absicherung gegen Risiken wird für US-Bürger nicht in US-Staatsanleihen bestehen, sondern in Edelmetallen und importierten Rohstoffen.
Wenn die Fed die Kontrolle verliert, werden diejenigen, die derzeit die Sicherheit von US-Staatsanleihen suchen, erhebliche Verluste erleiden. Es wird ein doppelter Schlag sein, nicht nur durch steigende Anleiherenditen, sondern auch durch einen fallenden Dollar, der es für jede ausländische Einheit unerlässlich macht, Portfolio- und Dollarpositionen aufzulösen, solange dies noch möglich ist.
Vorsicht vor dem Bären
Es ist üblich, die Geldanlage im Portfolio als völlig getrennt von den täglichen Ausgaben zu betrachten. Diese Unterscheidung ist insofern falsch, als Finanzanlagen nur deshalb existieren, weil die Aussicht auf künftige Erträge es für Verbraucher lohnend macht, einen Teil ihres Einkommens vom laufenden Konsum abzuzweigen. Das ist wichtig, denn steigende Preise für Finanzanlagen setzen anhaltende Geldzuflüsse voraus. Wenn die Menschen per saldo aufhören zu investieren, fallen die Preise.
Diese Tatsache untergräbt die Annahme, dass ein Portfolio im Wert von einer Million in einem Bärenmarkt diese Million einfach in andere Anlagen umschichten kann, um den Wert zu erhalten. In einem Bärenmarkt verschwindet ein erheblicher Teil davon schlicht, ohne dass Transaktionen stattfinden. Anleihe- und Aktienkurse fallen auf breiter Front, und der Anleger fragt sich, was er mit dem verbleibenden Rest tun soll.
Die jüngsten Aktienbärenmärkte waren zwar gelegentlich brutal, aber kaum mehr als eine Verdauungsstörung in einem fortwährenden, von Inflation befeuerten Bullenmarkt. Der nun anstehende Bärenmarkt dürfte anders ausfallen. Durchhalten in der Hoffnung auf bessere Zeiten hat sich für Anleger in der Vergangenheit schließlich meist ausgezahlt, doch diesmal vielleicht nicht, weil das Ausmaß der Fehlbewertung bei Anleihen beispiellos ist. Die Fed und andere Zentralbanken glauben, eine milde bis mäßige Rezession bewältigen zu können, haben aber keinen Spielraum für etwas Schlimmeres. Wenn die Dynamik hinter dem Börsencrash von 1929 und der darauffolgenden Depression als Vorlage für die heutigen Märkte dient, wird das, was sich in den kommenden Monaten entwickelt, die Kontrolle der Fed über die Finanzmärkte brechen.
In diesem Fall werden Vermögen verloren gehen. Gewöhnliche Anleger, die die Anlageverantwortung an Vermögensverwalter und Finanzberater abgegeben haben, haben damit bewiesen, dass sie unfähig sind, eine Anlageentscheidung zu treffen. Sie werden ihre Ersparnisse verlieren, weil ihre Beauftragten entweder notorische Optimisten oder schlicht ahnungslos sind, wenn es ums Investieren geht. Alle sprechen von Diversifizierung, was bedeutet, einen synthetischen Index zu kaufen oder in Fonds zu investieren, die so viele Unternehmen abdecken, dass sie einander ähneln. Keiner von ihnen hat einen echten Bärenmarkt erlebt, in dem nahezu jede Anleihe- und Aktienanlage einbricht. Der Börsencrash an der Wall Street vernichtete 89 % des Wertes des Dow. Das sollte unser Maßstab sein.
Angetrieben wird er von einem Bärenmarkt bei US-Staatsanleihen. Wenn fliehende Ausländer ihre Bestände und ihre Dollar verkaufen, wird der einzige Käufer dafür (die Fed) gezwungen sein, die Zinsen zu erhöhen. Wenn die Fed jedoch weiterhin das Staatsdefizit zu unterdrückten Zinsen finanziert, werden Ausländer die Liquidation von Dollar und dollarbasierten Wertpapieren nur beschleunigen. Großbritannien sah sich in den 1970er-Jahren ähnlichen Bedingungen gegenüber, als das britische Schatzamt mit seiner Finanzierung stets im Rückstand war, bis es gezwungen wurde, die Kupons der Gilts bis auf 15¼ Prozent anzuheben. Das Pfund fiel von 2,62 Dollar im März 1972, als die Aktien ihren Höchststand erreichten, auf 1,59 Dollar im Jahr 1976 und anschließend 1985 weiter bis nahe an die Parität. Und das gegenüber einem Dollar, der ebenfalls an Kaufkraft verlor. Im Bärenmarkt von 1972 bis 1975 fielen britische Aktien, gemessen am FT-30-Index, um 72 %.
In einem wirtschaftlichen Einbruch wird die Fähigkeit der Anleger, an ihren rasch fallenden Anlagen festzuhalten, durch steigende Arbeitslosigkeit beeinträchtigt. Die Mittelflüsse aus der Auflösung von Portfolios in die Realwirtschaft sind erforderlich, um sich über Wasser zu halten. Da zudem der Kaufkraftverlust des Dollars durch den Verkauf seitens der Ausländer beschleunigt wird, werden die inländischen Lebenshaltungskosten höher.
Phase zwei für den kollabierenden Dollar
Da Ausländer Bargeld und Wertpapiere im Wert von etwa 24,8 Billionen Dollar besitzen und Hedgefonds möglicherweise weitere vier bis fünf Billionen Dollar (Gegenwert) in Euro und Yen leerverkauft haben, dürfte eine Veränderung der Finanzmarktbedingungen mit nahezu hoher Sicherheit eine Lawine von Dollar-Verkäufen auslösen. Der US-Besitz an ausländischen Wertpapieren beträgt mit 11,3 Billionen Dollar (Dez. 2018) weniger als die Hälfte, hinzu kommen Fremdwährungseinlagen und Einlagenzertifikate im Gegenwert von 618 Mrd. Dollar.[ii]Auch wenn Amerikaner in einem Einbruch zwangsläufig einen Teil dieser ausländischen Bestände liquidieren werden, wird das nicht ausreichen, um den Verkauf des Dollars durch Ausländer auszugleichen.
Ein fallender Dollar wird die Binnenpreise unter Aufwärtsdruck setzen. Dadurch wird die Position der Fed, Staatsschulden durch QE zu Sätzen zu finanzieren, die an einen unterdrückten Leitzins (Fed Funds Rate) gekoppelt sind, unhaltbar. Bei der Preisbildung von Wertpapieren werden die Märkte dann ihre eigene Einschätzung vornehmen, anstatt der Fed zu folgen. Da sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzen wird, dass die Preise dann schneller steigen werden als mit den derzeit von unabhängigen Analysten geschätzten 10 % pro Jahr, werden die Staatsfinanzen und ihre Finanzierung erkennbar außer Kontrolle geraten.
Es wird ein systemischer Kollaps sein, der sich nicht wie bei Lehman auf einen Teil des Privatsektors konzentriert, sondern auf den gesamten Regierungsapparat. Damit wird sich in der Öffentlichkeit die Erkenntnis durchsetzen, dass allein das uneingeschränkte Vertrauen in die Regierung („full faith and credit“) den Wert des Dollars von heute von seinem Wert von morgen trennt. Zunehmend werden Teile der Bevölkerung den Restwert ihrer Finanzanlagen wahrscheinlich als Quelle zur Finanzierung lebensnotwendiger Güter betrachten, wobei der Dollar kaum mehr als eine einstürzende Brücke zwischen beidem ist.
Wer vorausschauend genug ist, diese Ereignisse zu erwarten, wird sich nicht in US-Staatsanleihen absichern, die in Wahrheit keine Sicherheit bieten, da die Staatsfinanzierung mit nahezu hoher Sicherheit außer Kontrolle geraten wird, sondern in Gold, Silber, vielleicht Bitcoin und verwandte Anlagen. Diese Anleger werden erkennen, dass es an der Zeit ist, die „Fed-Put“-Erwartung oder andere staatliche Garantien aufzugeben, weil sie wertlos geworden sind.
[i] Siehe Foreign Portfolio Holdings of US Securities (Juni 2018), Exhibit 1T auf Seite 4. Zu Bankeinlagen und Wertpapieren mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr siehehttps://ticdata.treasury.gov/Publish/bltype.txt.
[ii] Siehe https://ticdata.treasury.gov/Publish/bltype.txt und https://ticdata.treasury.gov/Publish/shca2018_report.pdf, Exhibit 1T auf Seite 5.
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