Seit dem Zweiten Weltkrieg haben Wirtschaftstheoretiker die These vertreten, dass die Nachfrage in der Wirtschaft durch eine Kombination aus staatlicher Defizitfinanzierung und der Unterdrückung der Zinsen angeregt werden könne.
Die Trennung von Nachfrage und Produktion wurde von Keynes propagiert, die Steuerung der Wirtschaft über die Zinssätze von den Monetaristen, wobei es zwischen beiden erhebliche Überschneidungen gibt. Dennoch wurde bei der Steuerung der Wirtschaft kein Fortschritt erzielt: Stattdessen scheinen wir am Rande einer schweren wirtschaftlichen Verwerfung zu stehen.
Der Konjunkturzyklus wurde keineswegs abgeschafft, er ist vielmehr schlimmer geworden. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt es sich, den Gründen nachzugehen, aus denen dieses Konzept scheitert.
Ohne staatliche Eingriffe räumt die Wirtschaft ihre Güter und Dienstleistungen zu Preisen, die der Verbraucher bestimmt. Jede Produktion in freien Märkten zielt darauf ab, die Nachfrage der Verbraucher zu befriedigen. Ebenso muss der Verbraucher verdienen, um ausgeben zu können, sodass sich seine Bemühungen darauf richten, Güter und Dienstleistungen herzustellen, die andere zu kaufen bereit sind. Eine so verfasste Wirtschaft bringt für den Einzelnen Unsicherheit mit sich, die er ausgleicht, indem er einen Teil seines überschüssigen Einkommens spart; über Finanzintermediäre werden seine Ersparnisse an Unternehmen verliehen, die in Produktionsmittel investieren.
Wäre die Welt nur so einfach. Stattdessen gibt es den Staat, der in der modernen Zeit zunehmend eingreift. Wir alle kennen die Versuche, die seit den Pharaonen unternommen werden, wirtschaftliche Ressourcen auf Projekte umzulenken, die nicht der Befriedigung menschlichen Konsums dienen. Weniger gut verstanden wird der Eingriff durch die Manipulation der Kosten und der Menge des Geldes.
Wenn eine Zentralbank dem Markt niedrigere Zinssätze aufzwingt, signalisiert dies dem Unternehmer fälschlicherweise einen Sparüberschuss als Folge eines Rückgangs des Konsums. Seine erste Reaktion besteht daher darin, seine Kosten zu senken, damit er seine Preise senken und so seine Gewinne schützen kann. Bleiben die Zinsen niedrig, beginnt er, über Investitionen in effizientere Produktionsmittel nachzudenken, um seine Preise niedrig halten und sich in schwierigen Märkten behaupten zu können. Und wenn er feststellt, dass die Zinsen weiterhin niedrig bleiben, blickt er zuversichtlicher in die Zukunft und plant eine Expansion.
Bis hierhin werden die Ziele der Zentralbank erreicht. Die Rezession ist gestoppt, und ein bescheidenes Wachstum setzt wieder ein. Außerdem stellen einige Unternehmen vorsichtig wieder Personal ein. Kurz gesagt beschreibt dies die gegenwärtige Lage der US-amerikanischen und der britischen Wirtschaft, wo es lückenhafte Hinweise auf Investitionsausgaben und steigende Beschäftigung gibt. Doch dann stoßen wir auf ein Hindernis: Der Unternehmer stellt fest, dass alle anderen Unternehmen auf den geldpolitischen Trick hereingefallen sind und alle demselben Regenbogen nachjagen. Normalerweise folgt eine Preisinflation, die Zinsen steigen, und schon bald muss der Unternehmer seine Verluste begrenzen. Dann beginnt der Zyklus von Neuem.
Doch diesmal endet der Schlussakt des Konjunkturzyklus anders. Die angehäufte Schuldenlast ist für die Verbraucher und sogar für die Regierungen selbst zu groß geworden. Die finanzielle Realität greift nun endgültig ein, und der Konsum kann schlicht nicht so wachsen, wie es die Keynesianer und Monetaristen beabsichtigt hatten. Was ursprünglich ein wirtschaftliches Problem war, von dem man glaubte, es sei durch Defizitausgaben und Zinssteuerung lösbar, ist zu einem finanziellen Problem geworden.
Die Richtigkeit dieser Aussage scheint den Anleihe- und Aktienmärkten endlich zu dämmern: mit einem Ansturm auf den sicheren Hafen der Anleihen und einer Abneigung gegenüber den Risiken der Aktien – ein Prozess, der gerade erst begonnen hat und noch einen weiten Weg vor sich hat.