Der Daily Telegraph brachte am vergangenen Montag ein Interview mit Jaime Caruana, dem Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Als Generaldirektor ist Caruana der Chef der Zentralbank der Zentralbanken. In internationalen Währungsfragen richten sich die Leiter sämtlicher Zentralbanken nach ihm, mit der möglichen Ausnahme von Janet Yellen bei der Fed. Und wenn eine Zentralbank die Unterstützung aller anderen benötigt, ist Caruana der Vermittler.
Seine Meinung hat Gewicht, und sie weicht deutlich von der Linie ab, die Fed, EZB, Bank of Japan und Bank of England verfolgen. Er steht allerdings auch nicht in der Schusslinie, mit einer erwartungsvollen Öffentlichkeit, die über ihre Verhältnisse leben möchte, und einer Regierung, die der Geldmengenausweitung verfallen ist. Er weist jedoch darauf hin, dass die Verschuldung in den Industrieländern seit der Lehman-Krise ebenso weiter gestiegen ist wie in den meisten Schwellenländern. Zugleich wird die zunehmende Empfindlichkeit dieser gesamten Schulden gegenüber steigenden Zinsen von den Finanzmärkten ignoriert, wo die Risikoprämien eigentlich steigen müssten, stattdessen aber sinken.
Von jemandem in seiner Position ist dies eine deutliche Warnung. Dass er eine Rückkehr zu solidem Geld bevorzugen würde, zeigt seine Bemerkung zum Hinweis des IWF, einige Jahre Inflation würden die Schuldenlast verringern: „Dem muss klar widerstanden werden.“
Einen Plan B gibt es nicht, lediglich die Erkenntnis, dass Plan A gescheitert ist und verworfen werden sollte. Manche meinen, dies geschehe in den USA bereits mit dem schrittweisen Abbau (Tapering) von QE3. Doch das Tapering hat kaum geldpolitische Wirkung, da es durch die Ausweitung des Reverse-Repo-Programms der Fed ersetzt wird. Bei einem Reverse Repo gibt die Fed den Banken kurzfristige US-Staatsanleihen, die aus deren Überschussreserven bezahlt werden. Die US-Staatspapiere dienen als Sicherheit für die Kreditschöpfung, während die Überschussreserven ohnehin nicht im öffentlichen Umlauf sind. Folglich wird Geld von den Banken aus dem Nichts geschaffen und ersetzt das Geld, das zuvor von der Fed aus dem Nichts geschaffen wurde.
Interessanterweise tut Caruana Deflationsängste mit dem Hinweis ab, sanft fallende Preise seien unbedenklich, womit er klar dem Lager des soliden Geldes angehört. Er bekennt sich jedoch nicht offen zur Österreichischen Schule, sondern ist eher ein Anhänger von Knut Wicksell, dem schwedischen Ökonomen, auf dessen Arbeiten zu den Zinsen ein großer Teil der Österreichischen Konjunkturtheorie beruht. Deshalb wird Caruanas Haltung gegenüber Kreditbooms in manchen Kreisen zunehmend als Mises-Hayek-BIZ-Sichtweise bezeichnet.
Da wir wissen, dass die BIZ weder Keynes noch den Monetaristen verpflichtet ist, können wir logischerweise erwarten, dass Caruana und seine Kollegen bei der BIZ der künftigen Rolle des Goldes im Währungssystem mehr Gewicht beimessen werden. Angesichts der anderen, bislang unausgesprochenen Schlussfolgerung der Mises-Hayek-BIZ-Sichtweise, dass sich Papierwährungen in einer Abwärtsspirale befinden, die mit ihrer eigenen Zerstörung endet, steuert die BIZ darauf zu, mit der langjährigen Politik zu brechen, die Glaubwürdigkeit des Dollars durch die Unterdrückung des Goldpreises zu wahren.
Caruana steht mit diesen Gedanken nicht allein. Auch wenn Zentralbanker in der politischen Schusslinie nur expansive Geldpolitik kennen, ist offenkundig, dass sich in vielen Kreisen einflussreiche Meinungen dagegen formieren. Es ist zu früh, von einem neuen Währungsregime zu sprechen, aber nicht zu früh, vom Ende des gegenwärtigen zu sprechen.