Russland und die Saudis treiben die Preise für Öl und Diesel in die Höhe. Diese Schritte dürften den Rubel jedoch stärker schwächen als den Dollar, den Euro und andere wichtige Währungen. Daher werden höhere Energiepreise in diesem Winter auf die Russen zurückfallen: Wenn sie in Deutschland frieren, werden sie in Russland erfrieren. Wenn der Dollar der König der Fiat-Währungen ist, dann ist der Rubel nur ein einfacher Leibeigener.
Es besteht kaum ein Zweifel, dass Putin und seine Berater sich dieses Problems bewusst sind. Plan A bestand darin, eine neue goldgedeckte BRICKS-Währung einzuführen, von der man erwarten könnte, dass sie Dollar und Euro im Verhältnis zum Rubel schwächt. Plan B war drastischer: den Rubel selbst mit Gold zu decken. Das ist das finanzielle Äquivalent eines Wasserstoffbombenabwurfs auf den Dollar und das globale Fiat-Währungssystem, auf dem er beruht.
Dieser Artikel zeigt nicht nur, warum Russland keine andere Möglichkeit hat, als seine Währung mit Gold zu decken, sondern auch, warum dies selbst in Kriegszeiten durchaus möglich ist, und erläutert, wie es geschehen kann. Tatsächlich ist es für Russland sehr einfach, einen Goldstandard für den Rubel wieder einzuführen, doch die Folgen für das globale Fiat-Währungssystem sind geradezu tödlich.
Einleitung
Seit einem Jahrzehnt vertrete ich die Auffassung, dass in den Kriegen zwischen den asiatischen Hegemonen und Amerika ein starkes finanzielles Element steckt. Präsident Trumps Handelspolitik gegenüber China und sein Verbot chinesischer Technologie, insbesondere von Huawei, dem Weltmarktführer in der G5-Mobilfunktechnologie, diente nicht nur dazu, den Wettbewerb für Amerikas Technologieführerschaft zu unterdrücken, sondern auch dazu, globale Kapitalströme nach China zu verhindern, die andernfalls nach Amerika geflossen wären. Und die Ukraine gab Präsident Biden den Vorwand, Russland von den globalen Devisenmärkten auszuschließen.
Zumindest oberflächlich war es ruhig geblieben, bis Russland seine Spezialoperation gegen die Ukraine erklärte und damit eine Abfolge von Ereignissen in Gang setzte, die für den Westen schlimme Folgen hatte. Zunächst stieg der Rubel stark im Wert, als Putin auf die westlichen Energiesanktionen reagierte, indem er eigene Zahlungsbedingungen festlegte. Seitdem hat der Rubel jedoch nachgegeben, und es ist deutlich geworden, dass er als Fiat-Währung gegenüber dem Dollar weiter schwächer werden wird. Der schwächelnde Rubel ist die Hauptschwachstelle in Putins Rüstung.
Als Reaktion auf die Sanktionen beauftragte Putin einen seiner Berater, Sergei Glasjew, mit der Entwicklung einer Handelswährung zur Abwicklung von Zahlungen, zunächst für die Eurasische Wirtschaftsunion. Es wird angenommen, dass der Umfang auf eine geplante goldgedeckte BRICS-Währung ausgeweitet wurde, was die Russen vor dem BRICS-Gipfel im vergangenen Monat bestätigten. Für China und Indien war dies jedoch ein zu großer Schritt, der zu schnell kam. Chinas Yuan ist Bestandteil des IWF-Sonderziehungsrechts, ein hart erkämpftes Privileg, das gefährdet sein könnte, wenn China Gold als Medium für die Handelsabwicklung unterstützte. Indien hat eine Geschichte golfeindlicher keynesianischer Geldpolitik und ist bestrebt, Handelsbeziehungen mit den USA und deren Verbündeten auszubauen, wie die Ausrichtung des G20-Treffens am vergangenen Wochenende und das voraussichtliche Freihandelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich zeigen. Möglicherweise sorgte sich China auch, dass die Folgen für das globale Währungssystem destabilisierend sein könnten.
Das Zögern der beiden bevölkerungsreichsten Nationen der Erde in der Goldfrage bereitet ihnen nun erhebliche Probleme, wie die nachstehende Grafik ihrer jeweiligen Währungen zeigt.

Ich habe die y-Achse in beiden Grafiken invertiert, um zu verdeutlichen, dass die aktuelle Erholung des handelsgewichteten Dollar-Index für den Euro, der dessen größte Komponente ist, möglicherweise nicht viel bedeutet, die wichtigen asiatischen Währungen jedoch stark belastet. Wenn, und nicht falls, die Rupie unter ihr aktuelles Unterstützungsniveau fällt, scheint ein Test der Marke von 100 INR so gut wie sicher. Und trotz einer Verbraucherpreisinflation von null in China hat der Yuan seine Unterstützung bereits durchbrochen und dürfte noch weiter fallen. Kein Wunder, dass Chinas Bürger die Goldpreise auf erhebliche Aufschläge treiben: Es ist ihr Ausweg aus einer fallenden Währung. Die Inder müssen sich an höhere Goldpreise in Rupien erst noch gewöhnen, doch dürfte das nur eine Frage der Zeit sein.
Ein besonderes Ziel unter den Währungen ist Russlands Rubel, wie unsere nächste Grafik zeigt.

Um den Abwärtstrend zu stoppen, erhöhte Russlands Zentralbank im August ihren Zinssatz um 3,5 % auf 12 %, was den Rubel zunächst stützte, doch er sinkt nun wieder in Richtung seines jüngsten Tiefs gegenüber dem Dollar. Während Putin und sein Wirtschaftsberater Maxim Oreschkin jedoch ein vernünftiges Verständnis von Geldpolitik zu haben scheinen, lässt sich dies von der Führung der russischen Zentralbank nicht sagen. Zum Zeitpunkt der Zinserhöhung schrieb Oreschkin, dass „eine jüngste Beschleunigung der Inflation und die sinkende Währung das Ergebnis einer lockeren Geldpolitik“ seien und dass die Zentralbank „über alle notwendigen Instrumente verfügt, um die Lage zu normalisieren“.[i]
Das Problem besteht darin, dass die Zentralbank eine expansive Fiat-Geldpolitik verfolgt hat und es zuließ, dass die Geldmenge M0 im Jahr bis August um 26 % gewachsen ist. Hätte man diese Ausweitung der Zentralbankkredite direkt angegangen, hätte dies mehr zur Stabilisierung des Rubels beigetragen als lähmende Zinserhöhungen. Zwar lässt sich ein Großteil der Destabilisierung des Rubels auf die anhaltenden Kosten des Krieges zurückführen, doch besteht kaum ein Zweifel, dass sie teilweise auch auf die jüngste Stärke des Dollars zurückzuführen ist. Wie im Verhältnis zwischen dem Dollar und den meisten anderen Fiat-Währungen wirkt auch gegen den Rubel ein relativer Vertrauensfaktor. Unabhängig von Zinsdifferenzen beruht der Wert von Fiat-Währungen auf nichts anderem als dem Vertrauen in sie. Und Russland steht nun vor dem Problem, dass es in einem Fiat-Währungssystem, das an den westlichen Kapitalmärkten betrieben wird, dem Vertrauen und der Kreditwürdigkeit des US-Dollars nie gleichkommen kann. Unter den gegenwärtigen Währungsbedingungen kann der Dollar den Rubel stets untergraben, weil die USA die Agenda der Fiat-Währungen bestimmen.
Die Schwäche des Rubels ist möglicherweise der einzige wirkliche Druckpunkt, den die USA und die NATO ausüben können. Der Krieg in der Ukraine entwickelt sich zu einem weiteren Debakel der NATO, das nur deshalb nicht als das Scheitern erscheint, das es ist, weil das westliche Bündnis die Berichterstattung seiner Medien kontrolliert. In einer von Propaganda bestimmten Welt können wir die Wahrheit nicht kennen. Doch jeder militärische Befehlshaber, der wie Napoleon und Hitler glaubt, eine Landarmee könne die Russen in Osteuropa besiegen, macht sich etwas vor. Während sie die ukrainische Armee zermürben, richten sich die Russen auf einen langen Zeitraum ein und erwarten, dass wachsender Dissens unter den NATO-Mitgliedern deren Einheit untergräbt. Dieser Plan scheint aufzugehen.
Der Energiekrieg könnte für den Rubel erheblich nach hinten losgehen
Es ist zu erwarten, dass der Dissens in der NATO in diesem Winter zunimmt, wenn sich die Energieknappheit bemerkbar macht. Die jüngste Salve im Energiekrieg ist zeitlich auf den Winter der Nordhalbkugel abgestimmt. Russland und Saudi-Arabien haben gemeinsam das Ölangebot verknappt und die Rohölpreise über die Preisobergrenzen der G7 getrieben. Ein Bereich, in dem die Energieversorgung die Europäer unmittelbarer treffen wird, ist Heizöl, das auch als Richtgröße für die Dieselpreise gilt und allein im letzten Quartal in Dollar um fast 50 % gestiegen ist.
Die Bedeutung von Diesel liegt darin, dass die Logistik in Europa (und Amerika) nahezu vollständig von ihm abhängt. Zusätzlich zu den früheren Kürzungen der OPEC+ um 2 Millionen Barrel pro Tag setzen die jüngsten Förderkürzungen Russlands und Saudi-Arabiens um 1,3 Millionen Barrel pro Tag die Versorgung mit Destillaten (zu denen Diesel gehört) unter Druck. Zudem plant Russland, seine Dieselexporte um ein Viertel zu kürzen, teils wegen Raffineriewartungen (angeblich), teils um Lieferungen in die heimische Wirtschaft umzulenken. Zwar sind die Gasspeicher der EU mit 90 % der Kapazität relativ gut gefüllt, doch reicht dies bei Weitem nicht aus, um die EU durch den Winter zu bringen. Ab Dezember wird es ein Gerangel um zusätzliche Lieferungen geben. Und das Ende des Abkommens über Getreideexporte über das Schwarze Meer wird auch die Lebensmittelpreise zusätzlich unter Druck setzen.
Das westliche Bündnis wird daher mit weiterem Inflationsdruck konfrontiert sein, der höheren Zinsen und Anleiherenditen voraussichtlich neuen Auftrieb verleihen wird. Schon jetzt entwickelt sich in wichtigen westlichen Volkswirtschaften eine Kreditkrise, in der Banken angesichts einer Rezession versuchen, ihr Risiko an den Finanz- und Nichtfinanzmärkten zu verringern. Und je stärker sich die Kreditklemme verschärft, desto wahrscheinlicher wird eine neue Welle von Bankenzusammenbrüchen.
Das Problem für Russland besteht darin, dass die Folgen für den Rubel wahrscheinlich weitaus schlimmer sind, wenn es eine Energiepolitik verfolgt, die Dollar und Euro schwächen soll. Das nächste Diagramm, das den Ölpreis in Gold und in Rubel darstellt, veranschaulicht dies.

Zunächst ist festzuhalten, dass der Rubel 1998 im Verhältnis 1000:1 umgestellt wurde. Um diesen Faktor rückwirkend bereinigt, entsprachen im Juni 1992 einem neuen Rubel 7,25 US-Dollar, und ein Barrel Öl hatte einen Wert von 2,03 Gramm Gold. Heute entfallen auf einen Dollar fast 100 Rubel, und ein Barrel Öl kostet über 7.500 Rubel. Als Fiat-Währung hat sich der Rubel im Verhältnis zum Dollar, geschweige denn zu Gold, wie eine Währung eines Entwicklungslandes verhalten. Und der Inlandspreis für Öl in Russland ist mit dem Zusammenbruch des Rubels in die Höhe geschnellt. Darüber hinaus ist die außergewöhnliche Volatilität des Ölpreises in Rubel für die heimische Wirtschaft äußerst störend, da Heizen für Russlands Bürger in den extrem kalten Wintern unerschwinglich wird.
Um diese Notlage zu beziffern: Zwischen September des vergangenen Jahres und Ende Juli stieg der Ölpreis in Rubel von 4.707 Rubel pro Barrel auf 7.500 Rubel: Das ist ein Anstieg um 59 %. In Dollar stieg der Preis von 78,72 auf 81,72 Dollar, also um weniger als 4 %. Der Energiekampf kann eindeutig nicht von Putin gewonnen werden, denn wenn man in Deutschland friert, friert man in Russland erst recht.
Die obige Grafik stellt Putins Energiekrieg in den richtigen Zusammenhang. Der Entzug von Energie vom westlichen Markt wird deren Währungen zweifellos destabilisieren. Doch der Rückschlag für den Rubel wird noch schlimmer ausfallen. Die russischen Analysten, darunter Maxim Oreschkin und Sergej Glasjew (der bereits einen Goldstandard für den Rubel empfohlen hat), müssen dies sicherlich wissen. Die Grafik zeigt zudem, dass der Ölpreis, in Gold gemessen, erheblich stabiler ist. Im Juni 1992 kostete ein Barrel Öl 2,03 Gramm, heute sind es 1,41 Gramm, ein Rückgang von 30 %. Bedenkt man, dass Gold echtes Geld ist und Währungen höchst instabile Kredite sind, erhält Russland heute für sein Öl 30 % weniger als 1992.
Wie die Saudis ist sich auch Russland bewusst, dass die amerikanische Geldpolitik den wahren Wert seines Öls untergraben hat, was es nicht korrigieren konnte, ohne den Ölpreis an Gold zu binden. Es kann kaum Zweifel daran geben, dass Russlands Bestreben, die Kontrolle über die Energiewerte zu übernehmen, hinter dem Vorschlag einer neuen, goldgedeckten BRICS-Währung stand und dass dieser Teil eines zweistufigen Plans war.
Der erste Schritt bestand darin, den Märkten das Signal zu senden, dass die Ära des Fiat-Dollars vorüber sei. Dies sollte den zweiten Schritt rechtfertigen: Russland und China, gefolgt von weiteren Staaten des BRICS-Lagers, würden ihre eigenen Währungen als Schutzreaktion auf einen sinkenden Dollar auf Goldstandards umstellen. China wollte jedoch nicht in die Offensive gegen den Dollar gehen, und die keynesianisch geprägten Inder waren nicht überzeugt.
Russland übernimmt im nächsten Jahr den BRICS-Vorsitz, daher können wir davon ausgehen, dass die neue BRICS-Währung nicht vom Tisch ist. Sollte Russland die Ölwaffe gegen den Westen einsetzen, muss es unterdessen den Rubel dringend wieder auf einen Goldstandard stellen (er befand sich auf einem Goldstandard, bis Chruschtschow den Rubel 1961 abwertete). Zögert Russland in dieser Frage, wird Putins Vermächtnis, ein Peter der Große der Neuzeit zu sein, durch seine eigene Währung zerstört werden.
Die praktische Umsetzung eines russischen Goldstandards
Mitten in einem Krieg setzt eine Regierung ihren Goldstandard üblicherweise aus. Das legt nahe, dass Russland einen Goldstandard erst nach Beendigung seiner Spezialoperation in der Ukraine erwägen kann. Das moderne Äquivalent eines Goldstandards, das Currency Board, wurde jedoch in neuerer Zeit erfolgreich in Ländern mit weitaus höheren Haushaltsdefiziten als dem Russlands eingerichtet. Russland befand sich im vergangenen Jahr trotz der Militärausgaben in der glücklichen Lage, ein Haushaltsdefizit von nur 2,3 % des BIP zu haben. In diesem Jahr sind die Militärausgaben stark gestiegen, und das Defizit dürfte schätzungsweise rund 5 % des BIP betragen, die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP aber weiterhin bei etwa 20 % liegen.
Über grobe Näherungswerte hinausgehende Zahlen zur russischen Wirtschaft sind schwer zu bekommen, und die Volatilität des Rubels erschwert die Analyse zusätzlich. Einige dieser Zahlen unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von der wirtschaftlichen Lage Großbritanniens im Jahr 1816, als eine Rückkehr zum Goldstandard geplant wurde. Die Ausnahme ist die geschätzte Schuldenquote im Verhältnis zum BIP, die mit knapp 200 % zehnmal so hoch war wie die Russlands heute. Es gibt daher keinen Grund, warum Russland den Rubel nicht sofort auf einen Goldstandard stellen könnte.
Das Ziel ist dabei einfach: sicherzustellen, dass die Kaufkraft des im Umlauf befindlichen Kredits ihren Wert in Bezug auf Waren und Dienstleistungen mit möglichst geringen Schwankungen behält. Sparer könnten Guthaben auf ihren Bankkonten ansammeln, und Unternehmer könnten die Rentabilität ihrer Investitionen mit größerer Sicherheit berechnen. Bei einer Einkommensteuer von derzeit pauschal 13 % und einer Körperschaftsteuer von 20 % wird der wirtschaftliche Fortschritt unter diesen Bedingungen überraschend schnell vorankommen. Und es spricht vieles dafür, dass Russland rasch zu einem wirtschaftlichen Gegengewicht zur schieren Macht Chinas würde, statt vom Raubbau an seinen natürlichen Ressourcen zu leben. Es ist nicht nur notwendig, dass Russland sich vom Schicksal des westlichen Fiat-Währungssystems distanziert, sondern auch für das Vermächtnis von Präsident Putin.
Die Methode zur Sicherung der Geldwertstabilität ist ebenso einfach: den auf Rubel lautenden Kredit an Gold zu binden, das sowohl rechtlich als auch von Natur aus das Geld des Volkes ist. Es ist die höchste Form des Kredits, da es kein Gegenparteirisiko gibt. Seine Kaufkraft im allgemeinen Sinne ist über Jahrtausende stabil geblieben. Wichtig ist, dass es die Währung der politischen Kontrolle und dem Einfluss des Dollars entzieht. Es erlaubt die Schaffung und Vernichtung von Kredit, die ausschließlich von den Bedürfnissen des russischen Volkes, sowohl als Unternehmer als auch als Verbraucher, bestimmt werden.
Beim Aufbau eines neuen Goldstandards für Russland können wir aus den Lehren der Vergangenheit lernen, insbesondere aus der Einführung der britischen Gold-Sovereign-Münze, die auf 113 Grain (7,99 Gramm) für eine Ein-Pfund-Banknote der Bank of England festgelegt war und nach Wahl des Inhabers frei umtauschbar war. Bei der Umsetzung des britischen Goldstandards wurden in den fast hundert Jahren seines Bestehens Fehler gemacht, doch im Lichte der Erfahrung sollten wir wissen, wie sie sich heute vermeiden lassen.
Die wesentlichen Fehler des Bank Charter Act von 1844 bestanden darin, nicht zu erkennen, dass die Einlösung von Banknoten gegen Sovereign-Münzen bedeutungslos war. Die gelegentlichen Ansenstürme auf die Goldreserven der Bank of England gingen stets von Schecks aus, die auf die Bank für Edelmetall ausgestellt wurden. Erstaunlicherweise wurde diese Form der Einlösung von den Verfassern des Gesetzes nicht vorhergesehen, was zu den Krisen von 1847, 1857 und 1866 führte. Das Gesetz wurde bei diesen drei Anlässen ausgesetzt, die Krisen wurden abgewendet, und das Gesetz wurde anschließend jedes Mal wieder in Kraft gesetzt.
Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass diese Ansenstürme auf die Edelmetallreserven der Bank in einen ungefähr zehnjährigen Zyklus aus Ausweitung der Bankkredite und Krise passen, einen Zyklus, der bis heute erkennbar ist. Die Aussetzung von 1847 erfolgte, nachdem die Bank den Geschäftsbanken umfangreiche Vorschüsse gewährt hatte, um sie vor der Insolvenz zu retten. Die Vorschüsse der Bank reichten jedoch nicht aus, um die Krise zu stoppen. Da das Parlament in einen wirtschaftlichen Abgrund blickte, ermächtigte es die Bank, Banknoten nach eigenem Ermessen auszugeben, und die Panik legte sich sofort.
Zehn Jahre später, im November 1857, bestanden die Geldreserven der Bank aus Gold und Silber, die zusammen mit den zurückgekauften eigenen Banknoten auf nur noch 387.144 £ gesunken waren, verglichen mit Verbindlichkeiten gegenüber Geschäftsbanken in Höhe von 5.458.000 £. Die Bank stand kurz davor, den Geschäftsbetrieb im Rahmen der Bestimmungen des Gesetzes einstellen zu müssen. Daraufhin ermächtigte die Regierung die Bank, ihre Verbindlichkeiten nach eigenem Ermessen auszuweiten, jedoch zu einem Diskontsatz von mindestens 10 %. Am folgenden Tag ging die Panik vorüber.
Im Jahr 1866 brach das bedeutende Diskonthaus Overend Gurney zusammen. Erneut genehmigte die Regierung die Aussetzung des Gesetzes, sodass die Bank of England ihre Verbindlichkeiten zur Bewältigung der Krise ausweiten konnte, wiederum zu einem strafend hohen Diskontsatz von mindestens 10 %. Wie zuvor endete der Ansturm auf die Goldreserven der Bank of England.
In allen drei Fällen bewahrte die Aussetzung des Gesetzes von 1844 das Land vor unabsehbarem wirtschaftlichem Schaden. In dieser Hinsicht war das Gesetz ein Fehlschlag. Auf den Beschränkungen des Gesetzes um jeden Preis zu bestehen und Banken und Unternehmen schlicht scheitern zu lassen, ist niemals eine Option. Ein erfolgreicher Goldstandard muss daher die Steuerung und Eindämmung von Bankenkrisen ermöglichen, der unvermeidlichen Folge periodischer Kreditüberexpansionen. Es muss die Flexibilität bestehen, ansonsten zahlungsfähige Geschäftsbanken in Krisenzeiten zu stützen. In allen drei genannten Fällen war es die Aufgabe der Bankabteilung, die Krise durch zusätzliche Kredite abzuwenden. Die Notenausgabeabteilung hätte nicht eingreifen müssen, und wäre die Trennung zwischen beiden im Detail anders gestaltet gewesen, hätte das Gesetz nicht zwingend ausgesetzt werden müssen.
Ich sollte einen weiteren Fehler bei der Abfassung des Gesetzes von 1844 erwähnen. Damals nahm man an, dass ein Abfluss von Edelmetall aus dem Land nur dann eintrete, wenn die Handelsbilanz gegenüber anderen Nationen ungünstig sei, weil Zahlungen in Gold abgewickelt würden. Dies war zwar offensichtlich richtig, doch es gab einen weitaus größeren Einfluss auf die Edelmetallströme: Unterschiede bei den Diskontsätzen (in moderner Terminologie: Zinssätzen) zwischen Finanzplätzen, deren Währungen an einen Goldstandard gebunden waren.
Übersteigt der Zinssatz an Finanzplatz A den an Finanzplatz B um mehr als die Kosten des Edelmetalltransports zwischen beiden, so fließt Edelmetall von B nach A. Deshalb darf die Festsetzung der Zinssätze ausschließlich der Steuerung der Edelmetallströme dienen. Zur weiteren Erklärung muss man verstehen, dass der künftige Wert von Gold die damit aufgelaufenen Zinsen einschließt, die in Gold zahlbar sind. Ist daher die Summe aus Kapital und Zinsen an einem Ort geringer als an einem anderen, wird das Gold natürlicherweise vom ersteren zum letzteren wandern.
Mit diesem Wissen kann Russland den Rubel mühelos auf einen Goldstandard stellen und diesen aufrechterhalten. Vor dem Hintergrund des Vorstehenden sind im Folgenden die grundlegenden Prinzipien dargelegt, die zur Erreichung dieses Ziels erforderlich sind.
- Ziel ist es sicherzustellen, dass Rubel-Banknoten und Guthaben bei der Notenausgabeabteilung (siehe unten) jederzeit frei in Goldmünzen und Edelmetall eingelöst werden können.
- Die Ausgabe und Rücknahme von Rubel-Banknoten muss von der Zentralbank der Russischen Föderation auf eine neue Einrichtung übertragen werden, die ausschließlich mit der Steuerung der Notenausgabe betraut ist und die wir als Notenausgabeabteilung bezeichnen. Die Goldreserven der Zentralbank müssen ebenfalls auf die Notenausgabeabteilung übertragen werden. Außerdem muss die Notenausgabeabteilung die alleinige Befugnis zur Festsetzung der Zinssätze mit dem Auftrag erhalten, jederzeit ausreichende Edelmetallbestände zu halten. Auf diese Weise sind die Zinssätze nicht mehr Gegenstand der Geldpolitik, sondern werden den Märkten überlassen.
- Die Bankabteilung wird ihre übrigen Aufgaben im Auftrag des russischen Staates weiterhin wahrnehmen, mit Ausnahme der Festsetzung der Zinssätze. Sie handelt bei der Bewältigung von Zusammenbrüchen von Geschäftsbanken nach eigenem Ermessen und gewährt oder entzieht Kredite, wenn dies zur Wahrung der Stabilität des gesamten Kreditsystems erforderlich ist.
- Die Trennung zwischen der Banking Department und der Issue Department muss gesetzlich festgelegt und bestätigt werden. Als getrennte Einheiten verfügt jede über eine eigene Bilanz, sodass die Kreditaktivitäten der einen von denen der anderen getrennt sind.
- Neben der Befugnis zur Festlegung der Zinssätze wird die Issue Department ermächtigt, Reserveguthaben (das Gegenstück zu den bei ihr eingereichten Edelmetallen) zu führen und diese mit einem geringen Abschlag auf den offiziellen Zinssatz zu verzinsen. Die Aktiva in der Bilanz der Issue Department, die diese Reserven ausgleichen, werden als verzinsliche Einlagen bei der Banking Department gehalten. Dadurch kann die Issue Department zwischen ihren Verbindlichkeiten und Vermögenswerten einen ausreichenden Gewinn erzielen, um ihre Kosten und die Kosten der Münzprägung zu decken.
- Sämtliche Beschränkungen und Steuern auf Goldmünzen und Edelmetalle müssen gesetzlich aufgehoben werden. Auch alle Devisenbeschränkungen und -kontrollen müssen abgeschafft werden, um den freien Fluss von Edelmetallen zu ermöglichen.
Derzeit werden die offiziellen Goldreserven Russlands mit 2.301 Tonnen angegeben. Man geht davon aus, dass Russland über zwei staatliche Fonds, den Gokhran (Staatlicher Fonds für Edelmetalle) und den Nationalen Wohlfahrtsfonds Russlands, weitere 7.000 bis 9.000 Tonnen besitzt. Deren Bestände müssten nicht in die Issue Department überführt werden (auch wenn dies für die Fonds vorteilhaft sein könnte), doch eine öffentliche Angabe ihres Umfangs wäre hilfreich, um die anfängliche Glaubwürdigkeit des Goldstandards zu begründen.
Der Rubel muss durch sein Gewicht in Gramm Gold definiert und vollständig in Goldmünzen umtauschbar sein. Neue Münzen müssen entsprechend geprägt werden, möglicherweise mit einem Nennwert von 50.000 Rubel und umtauschbar in diesen Einheiten (derzeit das Äquivalent von etwa 500 US-Dollar und damit ähnlich dem Wert eines britischen Sovereign). Die Zeit, die für Entwurf und Prägung der neuen Münze benötigt wird, verzögert ihre Einführung, doch es gibt keinen Grund, warum eine Umtauschmöglichkeit für Edelmetalle nicht sofort starten könnte.
So wird es funktionieren.
Die Umtauschmöglichkeit für Edelmetalle läuft nicht über die Banking Department, sondern über die Issue Department. Damit eine Geschäftsbank ein Guthaben bei der Issue Department halten kann, müssen zunächst Edelmetalle eingezahlt werden. Und genau hier kommen die Lehren aus dem Bank Charter Act von 1844 zum Tragen.
Banken, die zur Kontoeröffnung bei der Issue Department berechtigt sind, können Gold auf inländischen und ausländischen Märkten kaufen, wo der Leasingsatz für 12 Monate derzeit unter 2 % liegt. Wir können dies als Richtwert für den Zinssatz ansehen, den die globalen Märkte für die Ausleihe von Gold zahlen. Somit verfügt der Inhaber von 100 Unzen Gold in einem Jahr über das Äquivalent von 102 Unzen (unter der Annahme, dass die Zinsen im Einklang mit dem Goldpreis auflaufen und in Gold gezahlt werden, was nicht der Fall ist). Der Leitzins der Bank von Russland beträgt unterdessen 12 %. Der Renditevorteil für einen Käufer von Gold auf internationalen Märkten, der dieses Gold bei der Issue Department einlegt, beträgt 10 %, aufgelaufen in Gold.
Nun wird offensichtlich, dass russische und andere Banken, die Zugang zur Issue Department haben, die Golddepositen bereitstellen werden, sodass die Issue Department rasch alle Edelmetalle ansammeln wird, die sie für den Betrieb eines sicheren Goldstandards benötigt. Ebenso klar ist, dass die Issue Department mit der Möglichkeit, den Zinssatz zu steuern, ihre Goldreserven verwalten kann.
In der Anfangsphase ist Glaubwürdigkeit offensichtlich entscheidend. Diese lässt sich rasch erreichen, indem die russischen Banken den Plan unterstützen, wozu sie zwangsläufig verpflichtet sind. Jede Bank im russischen Zahlungsnachrichtensystem SPFS kann ein Konto bei der Issue Department eröffnen. Dies sollte auf jede lizenzierte Bank in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und in den BRICS-Staaten ausgeweitet werden, sofern sie über einen gesicherten Nachrichtensystemzugang zur Issue Department verfügt. Diese Banken können sowohl als Auftraggeber als auch im Namen ihrer Kunden handeln. Russische Oligarchen und Wehrdienstflüchtige, die ihre Rubel verkauft haben, würden sie mit ziemlicher Sicherheit eilig zurückkaufen und über ihre Banken sogar Gold bei der Issue Department einlegen.
Bei den derzeitigen Zinsunterschieden dürften die Zuflüsse an Edelmetallen erheblich sein: Arbitrage mit den westlichen Edelmetallmärkten wird dies sicherstellen. Angesichts der aktuellen Sanktionen gegen Russland stehen London und andere Märkte unter der Kontrolle des westlichen Bündnisses sanktionierten Banken nicht direkt zur Verfügung, ein Umstand, der dem Goldhandel auf asiatischen und nahöstlichen Märkten voraussichtlich einen erheblichen Schub verleihen wird. Sanktionen werden Goldlieferungen nicht aufhalten. Dennoch wird Russlands Erfolg zwangsläufig Nachahmer finden, mit ziemlicher Sicherheit die Saudis, und falls nicht sofort, werden die Chinesen unweigerlich folgen.
Ein in Gold bewerteter Rubel wird Energiezahlungen in sich entwertenden Fiat-Währungen für Russland zudem noch unattraktiver machen, denn diese müssten verkauft werden – wofür? Die Kluft zwischen der Fiat-Welt und den Währungen mit Goldstandard wird zu einem sehr breiten Graben werden. Ein neuer Impuls für die verzögerte BRICS-Handelsabwicklungswährung wird zwangsläufig folgen, insbesondere da Russland im Januar den BRICS-Vorsitz übernimmt. Indiens Hoffnung, dass die Zahlungsbedingungen für Öl von Nationen mit Fiat-Währungsstandards festgelegt werden, sollte verworfen werden.
Für die übrigen BRICS-Währungen wird eine Currency-Board-Beziehung zu einer goldgedeckten Währung zu einer realistischen Option. Die naheliegendere Alternative zum Rubel (den Russland ohnehin möglicherweise nicht wünscht) ist die Anbindung an Chinas Renminbi – falls oder sobald China einen Goldstandard einführt. China könnte Russland bei der Einführung eines eigenen Goldstandards ohnehin dicht folgen, denn die Folgen für Dollar und Euro könnten so untergrabend sein, dass China sich veranlasst sieht, seine eigene Währung zu schützen.
Die Auswirkungen der Hinwendung zu Goldstandards auf den Dollar
Feuer und Wasser, Tag und Nacht, Diamanten und Staub: Welche Metapher man auch wählen mag, es dürfte klar sein, dass eine Mischung aus Goldstandards und Fiat-Währungen nicht lange Bestand haben wird. In Fiat-Währungen gemessen dürfte der Wert des Goldes erheblich steigen, wenn die Zentralbanken im sogenannten Globalen Süden (den asiatischen Hegemonen und den ihnen nahestehenden Staaten) dazu übergehen, Fiat-Währungen in ihren Reserven durch Gold zu ersetzen.
Laut Ambrose Evans-Pritchard (Daily Telegraph vom Mittwoch) „hält der Globale Süden drei Viertel der weltweiten Devisenreserven von 12 Billionen Dollar (59 Prozent davon in Dollar)“. Und zusätzlich zu einem Haushaltsdefizit von mehr als 2 Billionen Dollar muss die US-Regierung im kommenden Jahr rund 30 % ihrer bestehenden Schulden refinanzieren.
Die Folgen einer Hinwendung zu Gold für die Finanzierung der Defizite des westlichen Bündnisses werden daher erheblich sein, denn der Globale Süden wird nicht nur aufhören, dessen Anleihen zu kaufen, sondern auch versuchen, seine bestehenden Bestände zu veräußern. Ohne drastische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen wird eine zunehmende Monetarisierung der Staatsschulden unvermeidlich. Verabschieden Sie sich von niedrigerer Inflation, niedrigeren Zinsen und niedrigeren Anleiherenditen: Rechnen Sie mit einbrechenden Anleihekursen und kollabierenden Vermögenswerten. Welche übermäßig verschuldete Bank übersteht den Druck auf ihre Bilanz? Welche der Zentralbanken des westlichen Bündnisses, die bereits tief im negativen Eigenkapital stecken, wird die Schulden ihrer Regierung vor dem Hintergrund stark steigender Anleiherenditen mit weiterer quantitativer Lockerung monetarisieren können?
Die Energiepreise, die in Gramm Gold gemessen bereits niedrig sind, werden in kollabierendem Fiat-Geld gemessen zwangsläufig steigen. Führt Russland tatsächlich einen Goldstandard für den Rubel ein, wäre das finanziell und wirtschaftlich das Äquivalent eines Atomangriffs auf das gesamte Fiat-Währungssystem. Es kann kaum Zweifel daran geben, dass diese Folgen für das globale Finanzsystem der Grund dafür sind, dass Russland bisher gezögert hat. China ist mit Sicherheit zu einem ähnlichen Schluss gelangt, und das ist ein Grund, weshalb es zu vorsichtig war, Russlands Vorschlag für ein goldgedecktes Handelsabwicklungsmittel zu unterstützen. Doch Russland erreicht einen Punkt, an dem es keine andere Möglichkeit mehr hat, seine Währung zu stabilisieren.
Russland und die NATO (womit eigentlich Amerika gemeint ist) haben sich in Positionen manövriert, aus denen sie nicht mehr zurückkönnen. Wenn Russland seine Währung nicht stabilisiert, wird sein wahrscheinlicher Sieg in der Ukraine ein Pyrrhussieg sein. Putins Politik, die Energiepreise in die Höhe zu treiben, wird für die russische Bevölkerung in diesem Winter wegen eines kollabierenden Rubels schlimmere Folgen haben als für Europäer und Amerikaner. Und ein kollabierender Rubel wird auch die Lebensmittelpreise steigen lassen – eine Kombination, die Putins Regierung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Fall bringen wird.
Wie man es auch betrachtet: Der Währungsfaktor ist vor allem anderen entscheidend, und den Russen bleibt keine andere Wahl, als den Rubel zu stabilisieren, indem sie ihn in Gramm Gold definieren und ihn, wie in diesem Artikel beschrieben, sofort umtauschbar machen.
Es wird ein tragisches Ende des auf dem Dollar basierenden Fiat-Währungsregimes sein.
[i] Zitiert von CNBC. Siehe https://www.cnbc.com/2023/08/17/russias-inflation-spike-sets-kremlin-and-central-bank-on-collision-course.html