Unsolides Geld ruiniert die Altersvorsorge

Die Defizite bei den Pensionsverpflichtungen wachsen. Es ist ein globales Problem, dem die Treuhänder der Pensionsfonds machtlos gegenüberstehen. Es ist zudem ein Problem, das unter den Teppich gekehrt wird: Künftige und derzeitige Rentner sind sich der Bedrohung ihres Ruhestands in der Regel nicht bewusst. Anleger in Unternehmen mit leistungsorientierten Versorgungsplänen, die einen inflationsangepassten Anspruch auf Basis des letzten Gehalts versprechen, ignorieren dieses wichtige Thema in der Regel, ebenso wie die meisten Börsenanalysten. Die Analysten wissen, dass die Defizite bestehen, doch solange diese in den Anhängen zum Jahresabschluss vergraben sind und nicht unübersehbar in den Bilanzen ausgewiesen werden, scheint man davon auszugehen, dass man sie außer Acht lassen kann.

Die Unternehmensleitungen mögen nicht lautstark darüber sprechen, doch sie sind sich des Problems zweifellos sehr bewusst. In der vergangenen Woche versuchte BT, der britische Telekommunikationskonzern, Kosten zu sparen, indem er ein Gericht davon zu überzeugen suchte, bei der Berechnung der Zahlungen an seine Rentner den Einzelhandelspreisindex (RPI) durch den Verbraucherpreisindex (CPI) ersetzen zu dürfen, mit dem Argument, der RPI sei als Maß für die Inflation nicht mehr geeignet. Der Antrag wurde abgelehnt.

Richter Zacaroli erklärte: „Es lässt sich unmöglich sagen, dass der RPI falsch und der CPI richtig ist, oder auch nur, dass der RPI als Schätzung des voraussichtlichen Anstiegs der Lebenshaltungskosten für Rentner falscher (oder richtiger) ist als der CPI.“ Das Pensionsdefizit von BT wird auf 14 Mrd. £ geschätzt, und das Unternehmen hatte gehofft, durch die Anbindung an den CPI Milliarden zu sparen. Der Richter entschied jedoch, dass die ursprüngliche Vereinbarung aus dem Jahr 2002, die Zahlungen an den RPI zu koppeln, Bestand haben muss.

Der Richter hatte mit seiner Einschätzung sicherlich recht, mehr noch, als ihm wahrscheinlich bewusst war. Das Konzept eines allgemeinen Preisniveaus, das CPI und RPI abbilden sollen, ist tatsächlich nicht messbar, wie die Abweichung zwischen den beiden Indizes zeigt. Der Richter hielt vermutlich beide Maße für gültig, tatsächlich ist es jedoch keines von beiden, da sie versuchen, eine abstrakte Hypothese zu messen.

Dabei war auch BT in dieser Angelegenheit nicht ganz aufrichtig. Seit der Einführung der Indexierung von Pensionen wählten Unternehmen wie BT den RPI aus einem einzigen Grund: Er enthielt Schätzungen zu Veränderungen der Hypothekenkosten, die im Laufe der Zeit gesunken waren. Daher wies der RPI eine niedrigere Preisinflationsrate aus als der CPI. Nachdem sich dies umgekehrt hat, haben BT und andere Unternehmen mit leistungsorientierten Versorgungsplänen eigentlich keinen Grund zur Klage.

Leider sind Defizite bei leistungsorientierten Versorgungsplänen inzwischen die Regel. Allein im Vereinigten Königreich werden sie derzeit auf insgesamt 410 Mrd. £ geschätzt. Dies geschieht trotz der im Laufe der Jahre unternommenen Versuche, die private Altersversorgung auf beitragsorientierte Pläne umzustellen, wodurch Versorgungslücken zum Problem der Rentner werden.

Dabei ist von den nicht kapitalgedeckten öffentlichen Pensionen, die aus dem laufenden Steueraufkommen bezahlt werden, noch gar nicht die Rede. Diese zusätzlichen Verbindlichkeiten in Großbritannien werden auf rund 1,8 Billionen £ geschätzt und belaufen sich zusammen mit den Defiziten der leistungsorientierten Pläne auf mehr als 100 % des BIP. Sowohl das Finanzministerium als auch das Statistikamt (Office for National Statistics) ignorieren das Problem vollständig und widmen ihm in den nationalen Statistiken nicht einmal eine Fußnote.[i]

Dasselbe Problem anderswo

In den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der USA wird, anders als in denen des Vereinigten Königreichs, die Deckungslücke bei den Pensionen des öffentlichen Sektors mit 14,1 Billionen US-Dollar ausgewiesen, was rund 70 % des BIP entspricht. Berücksichtigt man jedoch Medicare und Medicaid, steigt die Gesamtsumme auf 46,7 Billionen US-Dollar[ii]. Unabhängige Schätzungen liegen deutlich höher, bei bis zu 220 Billionen US-Dollar[iii]. Schätzungen zu den Defiziten bei Renten und Gesundheitsversorgung im amerikanischen Privatsektor sind dagegen offenbar schwerer zu finden. Deutschland, Frankreich, Italien und die übrigen Wohlfahrtsstaaten haben ähnliche Probleme.

Die künftigen Kosten der Versorgung nach dem Ruhestand fallen erheblich höher aus, weil die sichtbare Preisinflation durch statistische Methoden gedrückt wird. Auf diese Weise lassen sich möglicherweise die realen Kosten staatlicher Renten senken, nicht aber die Kosten für eine kostenlose oder subventionierte Gesundheitsversorgung einer alternden Bevölkerung. Das Verhältnis der künftigen Pensionsverpflichtungen der USA zu den weitaus größeren Verpflichtungen aus Medicare und Medicaid sagt alles.

Versicherungsmathematiker machen den Rückgang der Anlagerenditen verantwortlich, die von den Zinssätzen bestimmt werden. Doch die Zinsen sind nicht von selbst gesunken: Sie werden von den Zentralbanken unterdrückt, wodurch die Anleiherenditen niedriger ausfallen, als sie es in einem freien Markt wären. Darüber hinaus überfluteten die Zentral- und Geschäftsbanken in allen Wohlfahrtsstaaten die Märkte weiter mit Geld, und zwar in einem sich verstärkenden Tempo, das nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 die meiste Zeit über die kurzfristigen Zinsen überstieg. Nach der großen Finanzkrise 2009 wurden die Zinsen auf null oder sogar in den negativen Bereich gedrückt, und die Geldmengenausweitung beschleunigte sich noch weiter. Ein Großteil dieses überschüssigen Geldes wurde entlang der Zinsstrukturkurve angelegt, was die Renditen der Pensionsfonds drückt.

Anleihekurse, die fest an die kurzfristigen Zinsen gekoppelt sind, haben vor allem Anlegern genützt, die ihre Anleihen nicht bis zur Fälligkeit halten. Pensionsfonds sind sehr langfristige Anleger, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten, und für sie ist die Geschwindigkeit, mit der sich Anleihekupons und Dividenden ansammeln, weitaus wichtiger als Kursschwankungen innerhalb eines Kreditzyklus. Über die Jahrzehnte haben Fondsmanager sinkende Anleiherenditen durch eine höhere Gewichtung von Aktien ausgeglichen und damit im Grunde darauf spekuliert, dass Kursgewinne die nahezu sichere Rendite von Anleihen bei Haltung bis zur Rückzahlung ersetzen. Manchmal geht diese Strategie auf, manchmal nicht.

Neben dem entscheidenden Beitrag der Zinseszinsen auf Anleiherenditen zur Wertentwicklung eines Pensionsfonds wird auch der Barwert künftiger Verpflichtungen berechnet, indem man sie mit den aktuellen Anleiherenditen oder mit einer von den Versicherungsmathematikern des Fonds genehmigten angenommenen Anlagerendite abzinst. Sind diese Sätze niedrig, ist der Kapitalbedarf zur Deckung künftiger Zahlungsströme größer als bei einem höheren Zinssatz.

Die eigentlichen Verantwortlichen für dieses Durcheinander sind die Zentralbanken. Sie berauben gewöhnliche Menschen faktisch ihrer künftigen Renten, um reflationäre Geldpolitik zu finanzieren, und werden dafür nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Regierungen tragen zur Zerstörung des Wertes der Pensionsfonds bei, indem sie dafür sorgen, dass ihre statistischen Methoden den Verlust der Kaufkraft ihrer Währung zu niedrig ausweisen. Offenbar ist es in Ordnung, wenn eine Regierung die Inflationsanpassung manipuliert, um ihre eigenen Verpflichtungen zu senken, während es bei einem Unternehmen wie BT nicht in Ordnung ist, dies zu versuchen.

BT sollte zwar nicht erlaubt werden, seine vertraglichen Verpflichtungen auf diese Weise zu ändern, doch wäre es konstruktiver, wenn BT seinen Einfluss als Lobbyist nutzte, um Regierungsminister von dem verborgenen Schaden zu überzeugen, den die Bank of England und andere Zentralbanken den Pensionen zufügen. Davon sehen wir keine Anzeichen, wahrscheinlich weil das umfassendere Geldproblem von Unternehmen, Treuhändern und sogar von den Versicherungsmathematikern nicht verstanden wird. Zudem sind die Unternehmen selbst an künstlich niedrigen Zinsen interessiert, sowohl um ihre eigenen Kreditkosten zu senken als auch in der Annahme, dass diese den Konsum anregen.

Solides Geld ist die Lösung

Bei solidem Geld stellt sich das Rentenproblem nicht. Gold, das als Geld verwendet wird, wirft ebenso wie Papiergeld einen Ertrag ab, der jedoch tendenziell niedriger ausfällt, weil kein Entwertungsrisiko besteht. Und wenn eine Zentralbank ihre Banknoten und das gesamte elektronische Geld mit Gold deckt, kann sie die Zinsen nicht länger manipulieren. Alle Finanzmärkte sind dann gezwungen, ehrlich zu bepreisen. Die Rendite der Anlagen eines Pensionsfonds spiegelt dann das Kreditrisiko hinsichtlich Schuldner und Laufzeit wider, hinzu kommt der Vorteil der im Zeitverlauf steigenden Kaufkraft des Goldes. Das bedeutet, dass ein klug angelegter Fonds, der das Kreditrisiko sorgfältig auf die Anlagerendite abstimmt, zuversichtlich einen versicherungsmathematischen Überschuss erzielen und seine Rentenbeiträge möglichst gering halten kann.

Die Überlegenheit solider Geldmittel als Anlagemedium für echte Investitionen, im Unterschied zum Papiergeldsystem, das den Instabilitäten schuldengetriebener Kreditzyklen ausgeliefert ist, zeigt die nachstehende Grafik. Sie stellt die vier wichtigsten wohlfahrtsgetriebenen Währungen seit 1969 in Gold gemessen dar, zwei Jahre bevor Präsident Nixon die Vereinbarung über den festen Preis gegenüber dem Dollar beendete.

In Gold bewertete Währungen

Ein auf Dollar lautender Pensionsfonds musste seit 1969 den Verlust von 97,4 % seiner Kaufkraft, gemessen in Gold, ausgleichen. Ein auf Pfund Sterling lautendes Portfolio muss sogar noch mehr ausgleichen, nämlich 98,4 %.[iv] Eine Zeit lang gab es an den Anleihemärkten angemessene nominale Renditen auf langfristige Schulden, doch hätten diese eine jährliche Abwertung von durchschnittlich 7,1 % in Dollar und 8,2 % in Pfund Sterling über die letzten 49 Jahre ausgleichen müssen.

Lässt man die Kosten zunächst außer Acht, entsprächen diese Raten einem Portfolio, das ausschließlich aus physischem Edelmetall besteht. Ein Anlageverwalter hätte jedoch einen Ertrag auf sein Gold erzielt, indem er es gegen Zinsen verleiht, oder wahrscheinlicher, indem er Goldersatz verleiht und dazu geeignete Anleihen erwirbt.[v] Somit hätte nicht nur genügend Einkommen zur Deckung der Verwaltungskosten zur Verfügung gestanden, sodass überschüssige Mittel wieder angelegt werden könnten, sondern die steigende Kaufkraft des Goldes als solides Geld hätte der realen Rendite vielleicht noch ein bis zwei Prozent pro Jahr hinzugefügt. Das würde bedeuten, dass die Beiträge für eine vollständig finanzierte Rente relativ bescheiden ausfallen könnten.

Fazit

Das modische Argument, die älteren Generationen profitierten auf Kosten der jungen, wird durch die verdeckte finanzielle Zerstörung der Renten, die in den kommenden Jahren offenbar werden dürfte, völlig entkräftet. Wenn die Jungen älter werden, werden auch sie feststellen, dass sie Opfer der Zerstörung von Rentenwerten sind, weil die sinkende Kaufkraft staatlich ausgegebener Währungen nur unzureichend ausgeglichen wird.

Geldinflation ist eine versteckte Steuer, und obwohl viele von uns die Auswirkung auf ihr laufendes Einkommen kennen, übertragen nur wenige diese Logik auf ihre Rente. Und noch weniger verstehen, dass staatliche Renten, die aus dem laufenden Steueraufkommen finanziert werden, nicht mit der Preisinflation Schritt halten werden.

Selbst wenn man annimmt, dass Papierwährungen ihre Kaufkraft nicht mit zunehmender Geschwindigkeit verlieren, wird die Rentenkrise mit der Zeit zwangsläufig deutlicher zutage treten, doch wird es der Zerstörung des gegenwärtigen Geldsystems bedürfen, um sie zu beheben.


[i] Siehe https://www.thetimes.co.uk/article/public-sector-retirement-bill-soars-to-1-8-trillion-zrsvdtjgp

[ii] Siehe US National Accounts, Seite 63: https://www.fiscal.treasury.gov/fsreports/rpt/finrep/fr/16frusg/01112017FR_(Final).pdf?utm_campaign=JM-305&utm_medium=ED&utm_source=for

[iii] Professor Kotlikoff.

[iv] Der Euro-Kurs vor seiner Einführung wird auf Grundlage seiner ursprünglichen anteiligen Währungsbestandteile berechnet und beträgt heute nur noch 2 % seines ursprünglichen Wertes von 1969. Der Yen ist 8,6 % wert.

[v]Ein Goldersatz ist stets vollständig gedeckt und jederzeit auf Verlangen in Edelmetall umtauschbar.

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