In „The General Theory of Employment, Interest and Money“ hat Keynes die Makroökonomie praktisch erschaffen. Keynes war jedoch Mathematiker und kein Ökonom und verstand freie Märkte nicht vollständig, sodass er kaum dafür qualifiziert war, zum einflussreichsten Ökonomen des letzten Jahrhunderts aufzusteigen. Seine Fehlvorstellungen prägen noch immer das Establishment, zu dem die Regierungen und ihre regulierten Finanzsektoren gehören. Da sich allmählich die Erkenntnis durchsetzt, dass diese Politik führende Nationen in eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftskrise treibt, ist eine gründliche Analyse von Keynes’ Irrtümern und Beweggründen längst überfällig. Dieser Aufsatz ist ein kurzer Versuch, dieses Versäumnis zu beheben.
Hayeks Beurteilung von Keynes
Vielleicht hätten wir auf Friedrich Hayek hören sollen, als er sagte, sein Freund Lord Keynes sei kein Ökonom. Diese Beschreibung von Keynes durch Hayek stammt aus einem Videointerview mit Leo Rosten aus dem Jahr 1975:
„Er war ein Mann mit sehr vielen Ideen, der aber nur wenig von Wirtschaft verstand. Er kannte nichts als die Ökonomie Marshalls. Er hatte keine Ahnung von dem, was anderswo vor sich ging. Er wusste sogar sehr wenig über die Wirtschaftsgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Seine Interessen wurden weitgehend von ästhetischen Vorlieben geleitet, und er hasste das neunzehnte Jahrhundert und wusste daher nur wenig darüber, selbst über dessen wissenschaftliche Literatur.“[i]
Wir müssen Hayeks einleitende Aussage genauer betrachten, denn trotz der angeblichen Unkenntnis von Keynes in Wirtschaftsfragen wurde er in der Neuzeit zum einflussreichsten Ökonomen, nachdem 1936 seine Allgemeine Theorie erschienen war. Er erhob eine neue Spezialdisziplin, die Makroökonomie, zum Maßstab, die die heutige wirtschaftswissenschaftliche Literatur beherrscht. Er inspirierte eine Abfolge einflussreicher Ökonomen, die ergebene Anhänger waren und es noch heute sind. Zudem war er der Establishment-Mann schlechthin (was Hayek nie war). Er erhielt ein Stipendium für Eton und besuchte die Universität Cambridge, wo sein Vater Wirtschaftswissenschaften und Moralphilosophie lehrte. In Cambridge geriet er unter den Einfluss von Alfred Marshall (1842–1924). Daher Hayeks Verweis auf die Ökonomie Marshalls im obigen Ausschnitt.
Marshall vertrat die Auffassung, dass vergangene Preise bzw. Daten die Grundlage für die Schätzung künftiger Preise bilden, räumte aber ein, dass unvorhergesehene Faktoren sie beeinflussen würden, etwa Nachfrageschwankungen und das Zusammenspiel mit Schwankungen der Nachfrage nach anderen Gütern. Wie sein Vorgänger William Stanley Jevons, der fest davon überzeugt war, dass sich Preise mathematisch modellieren ließen, spielte er die Subjektivität der Verbraucher herunter. Marshall ging jedoch nicht ganz so weit und verfolgte einen quasi-mathematischen Ansatz, der zunächst auf geometrischer Analyse beruhte, sich dann aber zur Differentialrechnung entwickelte. Dies stand in grundlegendem Widerspruch zu Hayeks Österreichischer Tradition, die Carl Menger 1871 mit seinen Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre begründet hatte.
Doch Hayeks Schlussfolgerung, die Ökonomie Marshalls sei fehlerhaft, weil sie Mengers Subjektivität ignoriere, ist mehr als die Kritik einer Schule an einer anderen. Marshalls Ansatz blieb ohne befriedigende Ergebnisse stecken, während Mengers Theorie zu weiteren Erkenntnissen derer führte, die ihm folgten: von Böhm-Bawerk, von Wieser, von Mises und natürlich Hayek selbst.
Während Keynes die Ansichten seines Mentors übernahm, legte er zugleich zunehmend Gewicht auf die mathematische Analyse der Wirtschaft. Zweifellos blieb er dabei für immer von Marshalls Lehren geprägt. Der Reiz von Marshalls Ansatz für einen Nicht-Ökonomen (wie Keynes) bestand darin, dass philosophische Argumentation durch mathematische Annahmen ersetzt würde. In Verbindung mit induktivem Denken konnten Daten dann als Grundlage für allgemeine Prognosen wirtschaftlicher Ergebnisse dienen und die Grundlage für die staatliche Steuerung der Wirtschaft bilden.
In der Tradition von Adam Smith gehen Jevons, Marshall und Pigou alle von einer Produktionskostentheorie der Preise aus. Doch unsere eigene Erfahrung sagt uns, dass dies nicht zutreffen kann. Hersteller schätzen einen Preispunkt für ihr Produkt auf der Grundlage sich wandelnder Erkenntnisse über die Verbraucher. Sie versuchen, einen Gewinn zu erzielen, indem sie ihre Produktionskosten an diesen Preispunkt anpassen, nicht umgekehrt. Wenn ein Hersteller eine Produktpalette anbietet, wird eines oder mehrere der Produkte möglicherweise mit Verlust verkauft, um die Palette zu vervollständigen. In einer freien Marktwirtschaft geht jeder Hersteller, der nicht auf die sich ändernden Anforderungen der Verbraucher reagiert, aus dem Geschäft. Daher treten die Produktionskosten in den Hintergrund. Nur Regierungen und staatlich sanktionierte Monopole schaffen es, auf Kostenzuschlagsbasis zu arbeiten.
Wie sich die Präferenzen der Verbraucher künftig ändern, lässt sich nicht wissen: Die beste Schätzung künftiger Preise für ihre Nischenprodukte stammt von erfahrenen Unternehmern, die in ihren eigenen Nischenmärkten verwurzelt sind. Marshalls mathematisch-geometrischer Ansatz, Preise auf der Grundlage vergangenen Angebots und vergangener Nachfrage fortzuschreiben, wird zu nicht mehr als einem Gedankenspiel und ist keine tragfähige Grundlage für eine Preistheorie. Wäre Keynes, wie Hayek andeutete, bewusst gewesen, was anderswo auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften vor sich ging, hätte er die Schwächen der Ökonomie Marshalls vielleicht erkannt.
Dass Keynes das neunzehnte Jahrhundert hasste, ist eine interessante Beobachtung. Wenn sie zutrifft (und Hayek war in der Lage, das zu wissen, sodass wir nicht daran zweifeln sollten), könnte sie eine Abneigung gegen die Wirtschaftstheorien des Freihandels erklären, die von Männern wie Cobden in England und Bastiat in Frankreich begründet wurden. Doch gewiss hätte er den Fortschritt erkannt, den der Freihandel einer Nation brachte. Gewiss hätte er Ricardos Theorie der komparativen Vorteile und den Nutzen, den sie brachte, verstanden.
Ebenso könnten ihn die Schriften und Philosophien von Marx und Engels abgeschreckt haben, die eine elementare Bedrohung für das Establishment darstellten. Marx inspirierte die frühen Organisatoren der Labour Party, die 1900 gegründet wurde und aus der Gewerkschaftsbewegung und den sozialistischen Parteien des neunzehnten Jahrhunderts hervorgegangen war. Anfang der 1920er-Jahre überholte sie die Liberale Partei und wurde zur wichtigsten Opposition gegen die Konservativen; 1924 bildete sie ihre erste Regierung, zwölf Jahre bevor Keynes seine Allgemeine Theorie veröffentlichte. Die Bedrohung für das Establishment war bis ins Parlament selbst vorgedrungen.
Dies war keine sanfte methodistische Revolution. Klausel 4 der Satzung der Labour Party, ursprünglich 1918 von Sidney Webb entworfen, einem Apologeten des sowjetischen Kommunismus und Gründer der Fabian Society, verpflichtete die Partei auf das marxistische Ziel, die Produktionsmittel in öffentliches Eigentum zu überführen. Diese Bedrohung für das Establishment ließ die Möglichkeit aufkommen, dass Keynes, bewusst oder unbewusst, danach strebte, einen anderen Weg für die staatliche Kontrolle der Wirtschaft zu finden, da die freien Märkte durch den Marxismus in tödlicher Gefahr zu sein schienen.
Gewiss war vor dem Ersten Weltkrieg das akademische Umfeld in Cambridge solchen Gedanken förderlich, da viele Professoren dem Marxismus gewogen waren. Es bedurfte eines alternativen Sozialismus, und Keynes war bereit, ihn zu erfinden. Die Gesinnung war vorhanden. In den Schlussbemerkungen seiner Allgemeinen Theorie stellt Keynes fest: „Seit dem Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist durch das Instrument der direkten Besteuerung – Einkommensteuer, Zusatzsteuer und Erbschaftsteuer – insbesondere in Großbritannien ein bedeutender Fortschritt bei der Beseitigung sehr großer Vermögens- und Einkommensunterschiede erzielt worden.“
Die offensichtlichen Nachteile einer Politik, die Vermögen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner angleichen will, werden mit keinem Wort erwähnt. Keynes’ lobende Ausführungen zur Umverteilung von Vermögen, die oben zitiert wurden, sind Sozialismus in Reinform, roh und gnadenlos. Sie garantiert dem Staat ein erhebliches Einkommen, das er für seine eigene Bürokratie und andere Ziele ausgeben kann. Und der produktive Nutzen des Vermögens, wenn es nicht durch staatliche Versuche zum Abbau von Vermögensunterschieden zerstört worden wäre, geht vollständig verloren.
Keynes wurde und wird von vielen immer noch als Begründer eines Mittelwegs zwischen Sozialismus und freien Märkten gesehen. Das ist gleichbedeutend mit der Behauptung, ein wenig zu sündigen bedeute, überhaupt nicht zu sündigen. Aber man kann bei der Anwendung einer allgemeinen Theorie nicht selektiv vorgehen. Die Umverteilung eines Teils des Vermögens zerstört dieses Vermögen unweigerlich, und je mehr übertragen wird, desto höher sind die wirtschaftlichen Kosten.
Natürlich ist die Umverteilung von Vermögen durch Besteuerung nicht die einzige Methode der Vermögensvernichtung. Die Inflation, die Verwässerung der Geldmenge, ist die sicherste und am schwersten erkennbare Methode. In der Allgemeinen Theorie umgeht Keynes die Rolle des Bankkredits bei der Aufblähung der Geldmenge völlig. Es ist, als sei ihm nicht bewusst, welche inflationären Folgen der Bank Charter Act von 1845 hatte, der die Möglichkeit der Banken zur Kreditausweitung festschrieb. Vielleicht ein Beleg für Hayeks Behauptung über seine mangelnden Kenntnisse der Wirtschaft des neunzehnten Jahrhunderts.
Keynes war mit den bahnbrechenden Fortschritten der Österreichischen Schule in dieser Hinsicht völlig unvertraut, insbesondere mit von Mises’ Werk Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel von 1912. Bis zu dessen Übersetzung fehlte Keynes eine angemessene Erklärung für den Zyklus aus Kreditausweitung und Kreditverknappung, der die Aufschwünge und Abschwünge in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts speiste. Obwohl die Bevölkerung durch die industrielle Revolution einen Anstieg des Lebensstandards erlebte, waren es die periodischen Abschwünge, die der marxistischen Bewegung Zulauf verschafften.
Der Wert von von Mises’ Analyse des Kreditzyklus kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es ist für uns alle ein großer Verlust, dass Keynes die österreichische ökonomische Literatur nicht kannte, bis sie aus dem Deutschen übersetzt wurde – zu spät, um die Überzeugungen eines Mannes zu erschüttern, dessen Denken sich zunehmend verfestigte und nicht mehr grundlegend verändert werden würde. Sie widerspricht grundlegend der Annahme von Keynes, der Konjunkturzyklus lasse sich steuern. Doch Keynes hatte sich entschieden: Ein wohlwollender Staat musste über die Funktion einer Zentralbank als Kreditgeber der letzten Instanz hinausgehen. Die segensreiche Rolle einer Zentralbank bei der Rettung systemrelevanter Banken vor dem Zusammenbruch hatte sich im späten neunzehnten Jahrhundert zur Zufriedenheit aller erwiesen. Die nächste Aufgabe bestand darin, weiterreichende staatliche Eingriffe zu rechtfertigen, um eine Wiederholung der Abschwünge des späten neunzehnten Jahrhunderts und insbesondere eine Wiederholung der Depression der 1930er-Jahre zu verhindern.
In den 1930er-Jahren wandte sich Keynes vom induktiven Denken Marshalls ab und einem zielgerichteten Streben nach einem bevorzugten Ergebnis zu. Um dorthin zu gelangen, musste er Elemente der klassischen Ökonomie über Bord werfen, die ihm im Weg standen. Sein Ziel war es, die periodischen Abschwünge zu beenden, und sein Vorurteil führte ihn zu einer utopischen Welt ohne sie. Die Schlussbemerkungen seiner Allgemeinen Theorie legen dies dar. Er beklagt unnötig hohe Zinssätze als Anreiz zum Sparen und begeht den Fehler, nicht zu verstehen, dass die Zinssätze in einem freien Markt die Zeitpräferenz für Güter widerspiegeln. Er fährt fort, es wäre nicht schwierig,
„… den Kapitalbestand bis zu dem Punkt zu erhöhen, an dem seine Grenzleistungsfähigkeit auf einen sehr niedrigen Wert gefallen ist … Nun wäre dieser Zustand zwar durchaus mit einem gewissen Maß an Individualismus vereinbar, doch würde er die Euthanasie des Rentiers bedeuten und folglich die Euthanasie der kumulativen, unterdrückerischen Macht des Kapitalisten, den Knappheitswert des Kapitals auszubeuten.“
Dies ist, wie sich zeigt, das eigentliche Ziel der Ökonomie von Keynes. Mit der Umverteilung von Vermögen und dem Staat, der die Bereitstellung von Kapital zu niedrigen Zinskosten sicherstellt, würde das System, in dem Ersparnisse das Investitions- und Betriebskapital für Unternehmer liefern, überflüssig. Der Staat würde die Kontrolle über den Einsatz des Kapitals gewinnen und damit annähernd Vollbeschäftigung sicherstellen. Die Allgemeine Theorie ist keineswegs ein Buch, das seinen Anhängern Wirtschaft erklärt, sondern ein Propagandainstrument, das sie zu seiner Vision eines nichtmarxistischen sozialistischen Nirwanas führen soll.
Die Widerlegung des Say’schen Theorems
Von den vielen Hindernissen für Keynes’ neue Ökonomie war das bedeutendste das, was gemeinhin als Saysches Gesetz bezeichnet wird. Er überwand es, indem er einen Meisterstreich vollführte: Er schrieb es zu einer kaum verständlichen Randbemerkung um, die vage etwas annäherte, das sich auf die wesentlichen Elemente von etwas beziehen konnte, das als Gesetz beschrieben wird. Richtig verstanden ist es jedoch nur in seiner ausführlichen Form, nämlich als Erklärung dafür, wie und warum freie Märkte funktionieren. Fragt man heute Ökonomen nach dem Sayschen Gesetz, greifen sie meist auf eine Variante von Keynes’ Ablenkungsmanöver zurück.
Keynes’ einzige Erwähnung des Sayschen Gesetzes in der General Theory findet sich früh auf Seite 26; er tut es dort ab, damit sein Buch von der Annahme ausgehen kann, es existiere gar nicht. Dies ist die entsprechende Passage:
„Das Saysche Gesetz, wonach der aggregierte Nachfragepreis der Produktion insgesamt für alle Produktionsvolumina ihrem aggregierten Angebotspreis entspricht, ist somit gleichbedeutend mit der Aussage, dass der Vollbeschäftigung nichts im Wege steht. Ist dies jedoch nicht das wahre Gesetz, das die aggregierten Nachfrage- und Angebotsfunktionen verbindet, so bleibt ein äußerst wichtiges Kapitel der ökonomischen Theorie noch zu schreiben, und ohne dieses sind alle Erörterungen über den Umfang der Gesamtbeschäftigung zwecklos.“
Der aggregierte Nachfragepreis der Produktion insgesamt entspricht also ihrem aggregierten Angebotspreis für alle Produktionsvolumina. Das Beste, was sich über Keynes’ Aussage sagen lässt, ist, dass sie nicht unwahr ist; sie ist jedoch nur eine aus dem Gesetz abgeleitete Schlussfolgerung, nicht das Gesetz selbst. Das spielt keine Rolle: Keynes schreibt sodann jenes äußerst wichtige Kapitel der ökonomischen Theorie, auf das im obigen Auszug verwiesen wird und das er nun erfindet, noch bevor der Leser, vielleicht im Bann des Rufs des Autors, Zeit hat zu bedenken, dass der grundlegendste Gemeinplatz der klassischen Ökonomie kurzerhand verworfen wurde.
Um die Tiefe dieser Verzerrung zu erfassen, müssen wir auf verkürzte Darstellungen des Sayschen Gesetzes verzichten und untersuchen, was die klassische Ökonomie zu dieser Frage tatsächlich sagt. Seit der Mensch die Vorteile sozialer Zusammenarbeit entdeckt hat, hat er gelernt, dass jeder Einzelne persönliche Fähigkeiten und Eigenschaften besitzt, die er nutzen kann, um seine Produktion zu maximieren. Indem er seine Produktion gegen die Produktion anderer tauscht, befriedigt er seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche ebenso wie die derjenigen, mit denen er in Austausch tritt, auf wirksamste Weise. Der Handel zwischen Einzelnen wird in einem System des indirekten Tauschs durch die Verwendung eines gemeinsamen Gutes erleichtert, das für alle geeignet und annehmbar ist. Er ist die Grundlage der Arbeitsteilung und der Kitt, der gesellschaftliche Zusammenarbeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt festigt.
So schlicht dargelegt, kann nur ein Ignorant dem Sayschen Gesetz widersprechen. Keynes’ Taschenspielertrick kommt dem Eingeständnis gleich, dass dessen Wahrheit seinen Absichten im Wege steht. Diese Wahrheit muss erstickt werden. Aus ihrer Verheimlichung entsteht das Fundament der Makroökonomie: dass das, was auf individueller Ebene geschieht, auf gesellschaftlicher Ebene irgendwie anders sei. Doch auch das kann nicht stimmen, denn das Saysche Gesetz beschreibt Zusammenarbeit auf gesellschaftlicher Ebene. Die Schaffung der Makroökonomie muss daher voraussetzen, dass Nationen nicht aus zusammenarbeitenden Gemeinschaften bestehen – eine ebenso unannehmbare Annahme, von der Keynes dennoch ausgeht.
Nach seiner Verwerfung des Sayschen Gesetzes entwickelt der Rest des Buches das Fundament der Makroökonomie, einer Welt, die irgendwie abseits der menschlichen Erfahrung liegt. Wenn eine Gemeinschaft durch Arbeitsteilung gedeiht, bleibt in den einzelnen Transaktionen zwischen Käufern und Verkäufern kein Raum für einen Dritten. Keynes erklärt uns nun, dass es auf makroökonomischer Ebene einen Dritten geben könne, nämlich den Staat. Nun kann der demokratische Staat eine wirtschaftliche Rolle rechtfertigen, indem er die Nation in eine Richtung lenkt, die er selbst zum Wohl derjenigen bestimmt, die er vertritt.
Die Wurzel der Logik hinter seinem Wunschkatalog in den Schlussfolgerungen der General Theory besteht darin, dass der wirtschaftliche Nutzen für die Gesellschaft insgesamt den Schaden für das Vermögen einiger Einzelner überwiegt, wenn Vermögen von denjenigen, die unverhältnismäßig viel davon besitzen, zu denjenigen umverteilt wird, die es nicht tun. Und da gemäß den Grundsätzen der Arbeitsteilung ein Teil des Konsums eigennützig für die spätere Verwendung als Ersparnisse beiseitegelegt wird, die in Kapitalinvestitionen zurückfließen sollen, müssten Sparer (von Keynes „Rentiers“ genannt) ebenso wie ausbeuterische Kapitalisten schmerzlos beseitigt werden. Beide Ausgangspunkte halten einer Prüfung nicht stand, doch ist Keynes’ Schaffung der Makroökonomie logisch vielleicht noch weniger haltbar als Marx’ Erfindungen im Kapital, weil Marx sein Werk nicht mit untauglichen Kompromissen befleckte.
Die Furcht, die das Establishment vor einem Jahrhundert vor dem Kommunismus hatte, bestand darin, dass er das Bürgertum um alles zu bringen drohte. Keynes’ Makroökonomie, die auf vertrautem freimarktwirtschaftlichem Terrain zu gründen schien, wurde vom Establishment gerne angenommen. Dennoch ist sie ein alternativer Sozialismus. Wichtig ist: Indem sie die Verantwortung für die Geldschöpfung Regierungen und ihren Zentralbanken überträgt, ist sie auch Inflationismus, ganz wie die Politik von John Law, die in einer früheren Epoche zur Mississippi-Blase und zur anschließenden Zerstörung der französischen Wirtschaft führte.
Doch es ist der kompromissbereite Charakter der keynesianischen Makroökonomie, der für ihr Überleben entscheidend war, während der kompromisslose Charakter des Marxismus, ungeachtet der Unterdrückung und massenhaften Tötung seiner Gegner, nachweislich scheiterte. In den asiatischen kommunistischen Staaten sollen über hundert Millionen Menschen durch Hinrichtungen und Hunger ums Leben gekommen sein. Die politischen Systeme der beiden Staaten, die die größten Opferzahlen unter der eigenen Bevölkerung forderten, der Sowjetunion und Chinas, brachen zusammen und wurden als merkantilistische Staaten neu erfunden. Die keynesianischen Interventionisten sind noch nicht so dramatisch gescheitert, scheinen sich aber dennoch auf einem Kurs dorthin zu befinden.
Die wirtschaftlichen Folgen des Lord Keynes
Der Keynesianische Sozialismus hat so lange überlebt, weil er die freie Marktwirtschaft nie ganz erstickt hat. Solange Einzelne eine gewisse Freiheit haben, ihre Arbeit zu teilen, besitzen sie eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich an die Umstände anzupassen, die ihnen von Regierungen aufgezwungen werden.
In den seltenen Fällen, in denen Regierungen die wirtschaftliche Belastung ihrer produktiven Sektoren strikt begrenzen, hat sich gerade durch das Fehlen des Keynesianischen Sozialismus gezeigt, dass er ein wirtschaftlicher Kostenfaktor und kein Nutzen ist. Die Logik stützt diesen Befund: Wenn man das Vermögen mancher Menschen zerstört, geht es einer Volkswirtschaft schlechter. Man muss kein klassischer oder Österreichischer Ökonom sein, um das zu verstehen. Wirtschaftstheoretische Kenntnisse braucht man hingegen, um zu erklären, warum der Konjunkturzyklus von Keynes keineswegs in der Aktivität des Privatsektors wurzelt, sondern die Folge staatlicher Eingriffe ist, insbesondere auf der Geldseite. Der Konjunkturzyklus ist nur das Symptom; der Kreditzyklus ist die Ursache.
Indem Keynes eine größere geldpolitische Rolle des Staates befürwortete, hat er den Kreditzyklus erheblich verschlimmert und destabilisierender gemacht. Die Belege, die auf die Ursache und damit auf den Schuldigen hinweisen, werden routinemäßig durch makroökonomischen Unsinn, zurechtgebogene Statistiken und noch mehr Geldentwertung verwischt, ein Prozess, der nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann. Das dadurch entstandene Schuldenerbe fängt Regierungen und Privatsektor gleichermaßen in Schuldenfallen, deren Zuschnappen nur durch noch mehr Geldmengenausweitung aufgeschoben wird. Staatliche Währung wird so freigiebig bereitgestellt, dass inzwischen jeder erwartet, Geld werde zur Verfügung gestellt, ohne dass es verdient werden muss. Regierungen sind so überlastet von bestehenden Schulden und unvermeidlichen künftigen Verbindlichkeiten, dass ihr einziger Ausweg in immer tieferen negativen Zinsen und einer sich beschleunigenden Entwertung der Währung zu liegen scheint.
Die erfundene Wissenschaft der Makroökonomie verbiegt sich stets, um sich selbst zu rechtfertigen. Banken schaffen inzwischen keine Kredite mehr für die produktive Wirtschaft, mit Ausnahme der größten und sichersten Kreditnehmer. Makroökonomen bemerken das kaum. In Wirklichkeit bringt die Inflationspolitik heute keinen anderen Nutzen mehr als das bloße Überleben der Regierungen und ihrer konzessionierten Banken. Anstelle der versprochenen Utopie hat uns der Sozialismus von Keynes alle an den Rand des Abgrunds geführt, der den Kommunismus in den 1980er Jahren zerstörte.
Wir sind systematisch blind für die Folgen der Außerkraftsetzung des Sayschen Theorems und der übrigen Grundsätze der Wirtschaftslehre, die im neunzehnten Jahrhundert aufgestellt und anschließend von den Meistern der Österreichischen Schule weiterentwickelt wurden.
Hätten wir doch nur auf Hayek gehört. Der utopische Traum von Keynes verwandelt sich für uns alle in einen Albtraum.
[i] Siehe https://mises.org/wire/hayek-keyness-ignorance-economics
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