„Kurz gesagt: Die Fed hat sich verpflichtet, Unternehmen aus der größten wirtschaftlichen Katastrophe seit der Weltwirtschaftskrise – und wahrscheinlich sogar einer noch größeren – zu retten, die rasant steigenden Haushaltsdefizite der US-Regierung zu finanzieren und den Konsum im Inland direkt oder indirekt über das US-Finanzministerium aufrechtzuerhalten. Zugleich treibt sie die Finanzmärkte an, um diese Ziele zu erreichen und die Illusion nationalen Wohlstands zu bewahren.
„Offensichtlich stehen wir an der Schwelle zu einer beispiellosen Ausweitung der Geldmenge.“
Einleitung
Präsident Reagan sagte bekanntlich, die neun Wörter, die man nicht hören wolle, lauteten: „I’m from the government and I’m here to help“ („Ich komme von der Regierung und bin hier, um zu helfen“). Die Regierungen in allen wichtigen Rechtsräumen lösen dieses unerwünschte Versprechen nun ein und nehmen uns alles Mögliche von den Schultern.
Wer Subventionen und Kreditgarantien erhält, ist zweifellos dankbar, wenngleich er dies wahrscheinlich als Pflicht des Staates und als sein gutes Recht ansieht. Doch irgendjemand muss dafür bezahlen. In der Vergangenheit bedeutete die Umverteilung von Vermögen durch Steuern, dass die Besitzenden besteuert wurden, um die Besitzlosen finanziell zu unterstützen – zumindest lautete so die Darstellung. Heute profitiert durch die Geldentwertung nahezu jeder von der monetären Umverteilung.
Das ist nicht kostenlos. Die Regierungen berauben nicht mehr Peter, um Paul zu bezahlen; sie berauben Peter, um auch Peter zu bezahlen. Man sollte meinen, dies sei allgemein bekannt, doch die Peters sind von den scheinbaren Vorteilen, die sie vielleicht erhalten oder auch nicht, so abgelenkt, dass sie die Kosten nicht sehen. Sie erkennen nicht, dass das Gelddrucken nicht mehr nur eine marginale Finanzierungsquelle für überhöhte Staatsausgaben ist, sondern inzwischen zum Normalfall geworden ist.
In den etablierten Medien fehlt jeder Kommentar zu den Folgen der Geldmengenausweitung fast völlig, und im Ruf nach mehr warnen uns sogar Finanzexperten vor einem deflationären Zusammenbruch und fordern, die Fed müsse Negativzinsen einführen, um die Deflation abzuwenden. Es gibt zwar deflationäre Kräfte, weil die Banken ihr Kreditrisiko in einer Zeit steigender Risiken verringern wollen. Wir können jedoch sicher sein, dass die Zentralbanken und ihre politischen Herren alles tun werden, um dem Trend einer schrumpfenden Bankkreditvergabe durch eine Erhöhung der Basisgeldmenge entgegenzuwirken. Es kann nur ein Ergebnis geben: die Entwertung und schließlich die Zerstörung der Fiat-Währungen.
Es war der französische Ökonom des 19. Jahrhunderts, Frédéric Bastiat, der darauf hinwies, dass die Verletzung von Eigentum unsichtbare Folgen hat. Er wählte den biblischen Ansatz eines Gleichnisses, das als Parabel vom zerbrochenen Fenster berühmt wurde. Es kommt nicht darauf an, was man sieht, sondern auf das, was man nicht sieht. Er erzählte von einem Jungen, der ein Fenster einwirft, wodurch der Glaser einen Auftrag erhält, den er sonst nicht gehabt hätte. Das ist sichtbar; unsichtbar sind die produktiven Ausgaben, die andernfalls getätigt worden wären, wenn die Kosten für das zerbrochene Fenster nicht angefallen wären.
Wir sehen das Helikoptergeld, die Kurzarbeitshilfen und die Unternehmen, denen geholfen wird, nicht in die Insolvenz zu gehen. Die Kosten sehen wir jedoch nicht. Wir sehen nicht, wie die gebundenen Ressourcen andernfalls produktiv hätten eingesetzt werden können. Man sagt uns, die Regierung bezahle das alles, aber Steuern werden nicht erhöht.
Hatte Reagans Aphorismus also doch unrecht? Wenn ja, ist der Regierungsangestellte vor unserer Haustür mit seinem Hilfsangebot willkommen zu heißen. Er kommt mit Geschenken. Und was gäbe es ohne Steuererhöhung daran auszusetzen?
Bastiat hat uns die Antwort gegeben. Leider sind die unsichtbaren Folgen einer scheinbar kostenlosen inflationären Finanzierung zahllos, wie wir schmerzhaft feststellen werden.
Der Cantillon-Effekt
Mehr als ein Jahrhundert vor Bastiat stellte ein irischer Bankier in Frankreich, Richard Cantillon, fest, dass neues Geld die Preise in die Höhe trieb, sobald es ausgegeben wurde. Er hatte John Laws Mississippi-Blase miterlebt, die durch gedrucktes Geld und die Ausgabe von Bankkrediten angefacht worden war; Cantillon hatte die Wirkung also selbst beobachtet. Gut vernetzte Spekulanten machten ein Vermögen, und ihre verschwenderischen Ausgaben trieben die Preise für alle anderen nach oben. Die Folge war damals, dass Insider real reich wurden und die Armen ärmer. Bis heute ist der Vorgang, durch den dies geschieht, als Cantillon-Effekt bekannt.
Da dies nun offizielle Politik ist, lautet die Lehre für heute: Ein rascher Anstieg der Geldmengeninflation wird die Armen weiter verarmen lassen, sobald sich die Folgen durch die Wirtschaft ziehen. Er tut dies, indem er die Preise ihrer lebensnotwendigen Güter in die Höhe treibt und die Kaufkraft ihrer Löhne mindert, sofern sie das Glück haben, überhaupt noch beschäftigt zu sein. Doch wie Cantillon in seinem Essai darlegte, steigen die Preise infolge der größeren Menge umlaufenden Geldes ungleichmäßig. Nie traf dies mehr zu als heute, da wir einen beispiellosen Einbruch der Wirtschaftstätigkeit zusammen mit einer scharfen Beschleunigung der Geldmengeninflation erleben: Die Reichen, deren Aktien steigen, können ihr teures Spielzeug zu Schleuderpreisen kaufen, während die Armen, unter denen immer mehr neu arbeitslos sind, bei steigenden Preisen für lebensnotwendige Güter kaum über die Runden kommen.
Es kommt noch schlimmer. Wie zu Cantillons Zeiten zielt die moderne Geldpolitik darauf ab, die Werte von Finanzanlagen zu erhalten und zu steigern. John Laws Marktschreierei sollte die Kombination aus seiner Banque Royale und seinen Mississippi-Unternehmungen aufblähen. Heute betrifft es alle Staatsanleihemärkte, Unternehmensschulden sowie Aktien und Anteile. Die Absicht ist, einen Vermögenseffekt zu erhalten und weiter auszubauen, der das tatsächlich verlorene Vermögen ersetzen soll, das ursprünglich von Unternehmern und Geschäftsleuten aufgebaut wurde, die den Verbraucher erfolgreich bedienten. Alles, was wir jetzt haben, ist Marktschreierei im Stil John Laws.
Die Bereicherung weniger auf Kosten vieler ist ein endlicher Prozess. Das Ergebnis wird zwangsläufig dasselbe sein: Laws System geriet im Dezember 1719 in Gegenwind, und im September des folgenden Jahres war seine ungedeckte Währung gescheitert. Sie war tot, wertlos, eine Ex-Währung. Die empirische Evidenz ist eindeutig. Zentralbanken, die Laws System heute nachahmen, werden ihre Währungen zerstören und mit ihnen alles, was auf ihren Meeren aus Papierkredit und Schulden schwimmt. Die Schnelligkeit, mit der das Mississippi-System zusammenbrach, legt nachdrücklich nahe, dass der heutige Zusammenbruch von Finanz- und Geldsystem ebenso rasch erfolgen wird, sobald die Kontrolle über die Anleihepreise verloren ist.
Aus diesem Grund war es nie wichtiger, die Folgen einer außer Kontrolle geratenden Geldmengeninflation zu verstehen. Wir sollten sie aus dem Studium solider Wirtschaftstheorie und empirischer Evidenz kennen. Die Armen werden hungern, und viele von denen, die durch die Inflation der Finanzanlagen reich wurden, werden sich ihnen schließlich anschließen. Für Letztere wird es einen Punkt geben, an dem sie ein scheiterndes, auf dem Dollar beruhendes Inflationssystem verlassen, um aus den Trümmern des Finanzsystems zu retten, was sie können.
Verzerrungen und Fehlallokationen von Kapital
Es gibt einen Aspekt der durch die Geldpolitik verursachten Zerstörung, der von den politischen Entscheidungsträgern so gut wie nie berücksichtigt wird: die Verzerrung der Kapitalallokation und die daraus folgende Fehlallokation von Kapital. In freien Märkten ist Kapital knapp und muss möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden, damit der Verbraucher angemessen versorgt wird und der Unternehmer seine Gewinne maximieren kann.
Kapital tritt in mehreren Formen auf und umfasst alle Aspekte der Produktion; vor allem einen Betrieb, Maschinen, Arbeitskräfte, Halbfertigerzeugnisse und zu verarbeitende Rohstoffe sowie Geld. Ein Betrieb, etwa eine Fabrik oder Büros, und das Angebot an Arbeitskräften sind in ihrer Kapazität relativ starr. Je nach Einsatz und Kapazität erzeugen sie nur eine begrenzte Gütermenge. Lediglich eine einzige Form von Kapital, nämlich Geld und Kredit, die heute von den Zentralbanken und dem Bankensystem bereitgestellt werden, ist in ihrer ungedeckten Form unbegrenzt flexibel. Folglich stoßen Versuche, die Produktion mit monetären Mitteln anzuregen, an die Kapazitätsgrenzen der anderen Kapitalformen.
Seit den frühen Jahren der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren wird die Geldpolitik zunehmend dazu eingesetzt, die Kapitalallokation zu steuern. Die Wirkung war unterschiedlich, stieß jedoch in der Regel an die Grenzen der anderen Kapitalformen. Wo Arbeitskräfte im Überfluss vorhanden sind, braucht es Zeit, sie mit den erforderlichen Spezialkenntnissen umzuschulen. Dieser Prozess wird von Gewerkschaften behindert, die angeblich ihre Mitglieder schützen, in Wirklichkeit aber der Umverteilung von Arbeitskräften Widerstand entgegensetzen. Staatliche Planungshoheit und zunehmend erdrückende Vorschriften bremsten ebenfalls den Wandel. Änderungen und Erweiterungen in der Nutzung von Betrieben verlängerten daher die Zeit, bis unternehmerische Investitionen mit Gewinnen belohnt wurden. Staatliche Eingriffe haben zudem den Abzug von Geldkapital aus unrentablen Verwendungen, sogenannten Fehlinvestitionen, erschwert und Rezessionen unnötig verlängert.
Als die fortgeschrittenen Volkswirtschaften noch über starke industrielle Kerne verfügten, führten die periodischen Kreditausweitungen und ihre anschließenden abrupten Kontraktionen zu erkennbaren Booms und Krisen im klassischen Sinne, da die Produktion arbeitsintensiver Konsumgüter die Gesamtproduktion dominierte.
Danach folgten zwei weitere Entwicklungen. Die erste war die Aufgabe des Abkommens von Bretton Woods im Jahr 1971, die zu einem erheblichen Anstieg der Rohstoffpreise führte. Dem breit angelegten UN-Rohstoffindex zufolge stieg dieser im Laufe des Jahrzehnts von 33 auf 157, ein Anstieg um 376 %.[i] Diese Kategorie des Produktionskapitals schnitt im Vergleich zu den Anstiegen der US-Verbraucherpreise von 112 % im selben Jahrzehnt ungünstig ab. Das Missverhältnis zwischen diesen und anderen Kategorien der Kapitalallokation machte wirtschaftliches Kalkulieren zu einem fruchtlosen Unterfangen. Die zweite Entwicklung war die Lockerung der Finanzkontrollen Mitte der Achtzigerjahre, der „Big Bang“ in London und die Aufhebung des amerikanischen Glass-Steagall-Gesetzes von 1933, wodurch Geschäftsbanken das Investmentbanking in vollem Umfang aufgreifen und nutzen konnten.
Das Bankenkartell richtete seine Fähigkeit zur Kreditschöpfung zunehmend auf rein finanzielle Aktivitäten aus, hauptsächlich für die eigenen Bücher, und finanzierte damit Finanzspekulation, während die Ausweitung der Bankkredite für Produktionszwecke mit Ausnahme der größeren Unternehmen in den Hintergrund trat. Zum Teil als Reaktion darauf verlagerten Unternehmen in den Neunzigerjahren ihre Produktion in Niedrigkostenstandorte in Südostasien, wo alle Formen des Produktionskapitals mit Ausnahme des Geldkapitals deutlich billiger und flexibler waren.
Es begann eine Phase von einem Vierteljahrhundert der Ausweitung des internationalen Handels, der einen Großteil der inländischen Güterproduktion in den USA, im Vereinigten Königreich und in Europa ersetzte. Diese Ereignisse haben Amerika seiner Industrie beraubt, nicht unfairer Wettbewerb, wie Präsident Trump behauptet hat und wie Deutschlands Beibehaltung seiner Fertigung belegt. Die Folge ist jedoch, dass wir die Auswirkungen der Geldmengenausweitung auf die US-Wirtschaft und andere Volkswirtschaften im Vergleich zu den Hayekschen Dreiecken und Ähnlichem grundlegend anders deuten müssen.
Die Konjunkturzyklusforschung war von einer kapitalistischen Struktur ausgegangen, in der Sparer sparen und dadurch Unternehmern Geldkapital zur Verfügung stellen. Veränderungen der Sparneigung sandten den Unternehmen gegenläufige Signale über die Konsumneigung, woraufhin diese ihre Produktionspläne anpassten. Dieses analytische Modell, das auf dem Verhältnis zwischen Konsumausgaben und Ersparnissen beruht, wurde vom Staat und seinen lizenzierten Banken zerstört, indem Sparer durch ehemalige Sparer ersetzt wurden, die nun nicht mehr sparen und sich sogar verschulden, um zu konsumieren.
Heute wird der inflationäre Ursprung der Investitionsmittel für die Unternehmensentwicklung durch die Finanzintermediation von Risikokapitalfonds, quasistaatlichen Fonds und anderen verschleiert. Da sie verpflichtend sind, legen Pensionsfonds weiterhin Ersparnisse an, doch ihre Begünstigten haben das freiwillige Sparen aufgegeben und Schulden angehäuft, sodass selbst Pensionsfonds nicht völlig frei von monetärer Inflation sind. Allein Versicherungsfonds scheinen innerhalb eines inflationären Systems aus echten Ersparnissen zu bestehen.
Abgesehen von Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen ist Keynes’ Wunsch nach der Euthanasie des Sparers erfüllt worden. Er fuhr fort und deutete an, es werde eine Zeit kommen, „in der wir in der Praxis anstreben könnten … das Kapitalvolumen so weit zu vergrößern, bis es nicht mehr knapp ist, sodass der funktionslose Investor keinen Bonus mehr erhält …“[ii]
Da Bankeinlagen heute überall keine Zinsen mehr abwerfen, ist sein Wunsch in Erfüllung gegangen. Keynes sah jedoch die unbeabsichtigten Folgen seiner inflationistischen Politik nicht voraus, die uns nun heimsuchen. Unter anderem berücksichtigte er die Begrenztheit der nicht monetären Kapitalformen nicht hinreichend, die im Zuge der Geldmengenausweitung zu Engpässen und steigenden Preisen führt.
Die unbeabsichtigten Folgen des Scheiterns der neokeynesianischen Politik werden in Kürze offenbar werden. Die Kontrollmechanismen bei der Bildung und dem Einsatz von Geldkapital im System der freien Marktwirtschaft, das auf der Arbeitsteilung beruht, sind vollständig zerstört und durch Inflation ersetzt worden. Wohin führen Sie uns also von hier aus, Herr Powell, Herr Bailey, Frau Lagarde, Herr Kuroda?
Bestandsaufnahme
Wir können heute feststellen, dass Amerika, das Land, das die Verantwortung für die Weltreservewährung trägt, eine Politik gefördert hat, die seine Wirtschaft verändert hat: Aus einer Volkswirtschaft, die Güter produzierte und deren Bürger ihren Wohlstand aus unterstützenden Dienstleistungen bezogen, ist kaum mehr als ein Finanzkasino geworden. Die Tugenden des Sparens und der Genügsamkeit sind durch verschwenderische, schuldenfinanzierte Ausgaben ersetzt worden. Unrentable Unternehmen werden gestützt, bis die erhoffte Rückkehr zu leichteren Zeiten eintritt, die es nun nicht mehr gibt.
Bargeld und Bankeinlagen (Girokonten und Spareinlagen) entstehen fast vollständig durch Inflation und belaufen sich in den USA derzeit auf 15,2 Billionen US-Dollar, während das gesamte Kapital der Geschäftsbanken knapp unter 2 Billionen US-Dollar liegt. Das zeigt grob, dass sich 13 Billionen US-Dollar auf Kundenkonten auf die Kreditinflation der Banken zurückführen lassen. Ein wachsender Anteil dieser Kunden sind Finanzunternehmen und ausländische Stellen und nicht Verbraucher, die Bargeld- und Sparguthaben halten.
Auf der anderen Seite der Bankbilanzen stehen Verbraucherschulden, die überwiegend außerbilanziell gehalten, letztlich aber in der Bilanz finanziert werden. Ohne Hypotheken belief sich die Summe aus Kreditkarten-, Auto- und Studienkreditschulden Mitte 2019 auf 3,86 Billionen US-Dollar. Das entspricht durchschnittlich 27.571 US-Dollar Schulden je Haushalt und bestätigt, in welchem Ausmaß Verbraucherschulden das Sparen ersetzt haben.[iii]
Mit 20,5 Billionen US-Dollar sind die Bankbilanzen weit größer als die bloße Summe aus Bargeld und Bankeinlagen, was einem Verschuldungsgrad von mehr als dem Zehnfachen des Eigenkapitals entspricht. Die Banker dürften angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage sehr nervös sein, denn sie wissen, dass Kredit- und sonstige Verluste von nur zehn Prozent ihr Kapital vernichten. Zugleich sind ihre Firmenkunden entweder stillgelegt, sodass der Großteil ihrer Ausgaben weiterläuft, während sie keine Einnahmen haben, oder sie leiden unter Zahlungsstörungen in ihren Lieferketten. Kurz: Die Kreditbücher der Banken blicken in den Abgrund. Faktisch steht das gesamte Bankensystem unter Wasser, während die Fed es gleichzeitig auffordert, gemeinsam mit ihr die Wirtschaft zu retten, indem es seine Bilanzen noch weiter ausweitet.
Die Summen in den Lieferketten sind erheblich größer als das BIP der USA. Im Inland machen sie einen beträchtlichen Teil der volkswirtschaftlichen Bruttoproduktion aus, die Zahlungen in den Lieferketten mit rund 38 Billionen US-Dollar erfasst. Im Ausland fließt eine weitere gewaltige Summe in die Dollar-Lieferkette, sodass sich für Amerika insgesamt vielleicht 50 Billionen US-Dollar ergeben. Die Fed sichert den ausländischen Teil über Währungsswaps ab und den inländischen Teil hauptsächlich über das Geschäftsbankensystem. Zudem finanziert sie indirekt die Bemühungen der Regierung, Verbraucher zu stützen, die im Durchschnitt mit 27.571 US-Dollar je Haushalt verschuldet sind.
Kurz gesagt: Die Fed hat sich verpflichtet, die gesamte Wirtschaft vor dem größten wirtschaftlichen Zusammenbruch seit der Weltwirtschaftskrise zu retten, der wahrscheinlich sogar noch größer ausfällt, die rasant steigenden Haushaltsdefizite der US-Regierung zu finanzieren und den Inlandskonsum direkt oder indirekt über das US-Finanzministerium zu erhalten. Zugleich stützt sie die Finanzmärkte, um diese Ziele zu erreichen und die Illusion nationalen Wohlstands zu bewahren.
Wir stehen eindeutig an der Schwelle zu einer beispiellosen Geldmengenausweitung. Ein Teil davon wird, ganz im Stil von John Law, dazu dienen, die aufgeblähten Preise von US-Staatsanleihen aufrechtzuerhalten. Bei den derzeitigen Zinssätzen verschlang der Schuldendienst bereits 40 % dessen, was als diesjähriges Haushaltsdefizit der Regierung erwartet worden war. Diese Rechnung wird nun unkontrollierbar steigen, selbst ohne steigende Anleiherenditen. Auch der Markt für Unternehmensanleihen wird unterstützt. Blackrock wurde beauftragt, die mit gedrucktem Geld finanzierten Anlagen der Fed über ETFs zu leiten, die auf diesen Markt spezialisiert sind. Die Fed stützt also nicht nur den rasch wachsenden Markt für US-Staatsanleihen, sondern auch Unternehmensschulden in US-Dollar.
Ende 1929 wurde eine Erholung am Aktienmarkt durch einen ähnlichen Impuls verlängert: Banken verpflichteten sich zum Kauf von Aktien, und die Fed führte den Märkten durch den Kauf von Staatspapieren Liquidität von 100 Mio. US-Dollar zu. Die Zinsen wurden gesenkt. Als diese Versuche, die Vermögenspreise zu stützen, scheiterten, fiel der Dow und verlor seit September 1929 89 % seines Werts.
Heute sind ähnliche Versuche, Volkswirtschaften und Finanzmärkte durch Geldmengenausweitung zu retten, allen großen Zentralbanken gemeinsam, mit der möglichen Ausnahme der EZB, die vor dem unerwarteten Hindernis steht, dass das Bundesverfassungsgericht in diesen Fragen den Vorrang für sich beansprucht. Es besteht daher das zusätzliche Risiko, dass das weltweite Inflationsvorhaben in Europa scheitert, was rasch zu Finanzierungs- und Bankenkrisen in den verschwenderischen Mitgliedstaaten führen würde. Jede Ansteckung der Finanzmärkte würde zweifellos noch mehr Geldschöpfung durch die anderen großen Zentralbanken erfordern, damit es in ihren Bereichen nicht zu Bankenzusammenbrüchen kommt.
Wo liegt der Ausweg?
Bisher haben nur wenige Kommentatoren die Tragweite dessen erfasst, was einer vollständigen Verstaatlichung der amerikanischen Wirtschaft auf monetärem Wege gleichkommt. Sie haben erst den Anfang erlebt: Die Bilanz der Fed spiegelt die frühesten Phasen der neuen Inflation wider und ist in diesem Jahr bislang um 61 % gewachsen. Die Fed wird nicht nur darum ringen müssen, alles zu finanzieren, sondern auch die schrumpfende Bankkreditvergabe ausgleichen müssen, die bekanntlich bei rund 18 Billionen US-Dollar liegt.
Die Fed muss davon ausgehen, dass die Banken kooperieren und die erforderliche Liquidität weitergeben, um die Wirtschaft zu retten. Abgesehen von den geldpolitischen und operativen Hürden einer solchen Politik kann sie nicht erwarten, dass die Banken die Verantwortung für die Führung von Unternehmen übernehmen wollen, die ohne diese Finanzierung nicht existieren würden. Die Fed oder eine andere Regierungsbehörde muss dann zwischen drei grundsätzlichen Optionen entscheiden: weitere Unterstützung, Rückzug der Unterstützung oder Übernahme der Verantwortung für die Geschäftstätigkeit. Die letzte Option bedeutet vollständige Verstaatlichung.
Wir dürfen uns nicht zu der Annahme verleiten lassen, dies sei ein Ergebnis, das funktionieren kann. Die Verstaatlichung notleidender Banken und ihre spätere Reprivatisierung ist kein guter Präzedenzfall für eine umfassendere Verstaatlichung, denn eine Bank benötigt nicht das unternehmerische Gespür, um die künftige Konsumnachfrage einzuschätzen und die wirtschaftlichen Berechnungen anzustellen, um sie zu bedienen. Die Übernahme von Geschäftstätigkeiten durch den Staat scheitert aus diesem Grund, wie der Zusammenbruch totalitärer Staaten wie der UdSSR und des China unter Mao Zedong gezeigt hat.
Damit bleibt eine klare Wahl zwischen unbefristeter geldpolitischer Unterstützung und dem Entzug der Grundlage für scheiternde Unternehmen. Man muss nicht lange raten, dass dem Entzug starker Widerstand entgegengesetzt würde. Daher dürfte die staatliche Unterstützung für scheiternde Unternehmen unbefristet fortgesetzt werden.
Irgendwann wird die dämmernde Erkenntnis, dass Zentralbanken und ihre Regierungen in diese wirtschaftliche Sackgasse steuern, die Renditen von Staatsanleihen untergraben, ungeachtet der Versuche der Zentralbanken, dies zu verhindern, selbst wenn nicht zuvor schon die sich verschlechternden Aussichten für die Kaufkraft der Fiat-Währungen die Staatsfinanzen zerstören.
Früher, im Verlauf des Abgleitens in die Sozialisierung des Geldes, hatten die Nationen Gelegenheit, den Kurs zu ändern. Leider fehlten ihnen sowohl das Wissen als auch der Mut, eine Rückkehr zu freien Märkten und solidem Geld zu erkennen und umzusetzen. Diese Gelegenheiten bestehen nicht mehr, und es kann nur ein Ergebnis geben: die vollständige Zerstörung der Fiat-Währungen mit allen damit verbundenen Härten.
[i] Bank of England Quarterly Bulletin, März 1981
[ii] Schlussbemerkungen, General Theory. JM Keynes
[iii] Siehe Debt.org
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