Nach dem starken Lauf seit Anfang Dezember musste es dazu kommen, daher überrascht eine Konsolidierung bei den Edelmetallen kaum. Gold notiert im frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag) mit 1.337 $ unverändert, Silber liegt mit 17,10 $ zehn Cent im Minus. Seit dem Tiefpunkt am 11. Dezember ist Gold in Dollar um 7,7 % gestiegen, Silber um 8,9 %.
Treiber war die Schwäche des Dollars. Das nächste Diagramm, das Gold auf den Jahresbeginn 2017 normiert, zeigt, dass die Wertentwicklung in anderen Währungen weniger stark war.
Seit dem 1. Januar 2017 ist Gold in Dollar heute Morgen um 16,2 % gestiegen, am anderen Ende der Skala steht der Euro mit einem Minus von 0,4 %. Dieser Punkt wird von Händlern, die nur in Dollar denken, wahrscheinlich unterschätzt. Der maßgebliche Preis wird jedoch in Dollar festgelegt, nicht zuletzt, weil dies die Währung der Comex ist und Spekulanten über Futures Preistrends nutzen.
Der Dollar-Cash-Future hat die im vergangenen Jahr markierten Tiefststände unterschritten, was viel Kommentar ausgelöst hat. Auf der anderen Seite sind die spekulativen Long-Positionen in Euro-Futures auf Rekordniveau gestiegen, es ist also nicht nur Gold überkauft.
Zugleich sind die Renditen von US-Staatsanleihen stark gestiegen, was darauf hindeutet, dass internationale Portfolios ebenso wie Währungsspekulanten aus dem Dollar flüchten. Bisher wurde dieses Phänomen weitgehend nicht berichtet. Die chinesische Ratingagentur Dagong Global, deren Aussagen als Ausdruck der Sichtweise Pekings gelten, erklärte diese Woche jedoch, der Ausblick für die USA sei negativ, da Steuersenkungen die Rückzahlungsfähigkeit verschlechterten, und senkte das Rating auf BBB+. Damit stehen die USA auf gleicher Stufe wie Kolumbien und Peru und unter Russland und Botswana.
Besonders interessant ist, dass China mit über 1,1 Billionen $ der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen ist. Warum sollte eine staatlich kontrollierte Ratingagentur den ungewöhnlichen Schritt unternehmen, den Wert der größten Anlagekategorie in den eigenen Reserven zu untergraben?
Offenbar spielt sich im Hintergrund etwas ab. Auffällig ist, dass ein weiteres Ereignis, das als nachteilig für den Dollar gilt, nämlich die Einführung eines in Yuan notierten Ölfutures, immer wieder verschoben wurde. Zuletzt hieß es, der Handel werde voraussichtlich am 18. Januar beginnen, also gestern. Zweifellos wird diese Geschichte weitergehen.
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätten die Chinesen beschlossen, statt gegen den Petrodollar vorzugehen, den Dollar selbst zu untergraben. Politisch könnte das Sinn ergeben, denn die Folgen einer durchaus vernünftigen Bonitätsanalyse sind vielleicht weniger angreifbar als ein gezielter Angriff auf den Petrodollar. Das ist natürlich Spekulation, aber man kann nachvollziehen, dass umfangreiche Portfoliobestände an auf USD lautenden Anleihen derzeit Verluste machen und äußerst nervös sein müssen.
Zum Schluss ein Update zur technischen Lage von Gold, das sich in Dollar in einem Angebotsbereich befindet. Unser letztes Diagramm zeigt, dass das Bild weiterhin sehr positiv ist, wobei die gleitenden Durchschnitte in bullischer Reihenfolge liegen.
Gold muss jedoch das theoretische Angebot unter der oberen gepunkteten Linie überwinden, die bei 1.360 $ liegt. Eine weitere Konsolidierung könnte nötig sein.
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