Es gibt besorgniserregende Anzeichen dafür, dass 2021 das Ende der Fiat-Währungen unter Führung des US-Dollars bringen wird. Die US-Dollar-Geldmenge ist in außergewöhnlichem Tempo gewachsen, und dieser Prozess wird sich fortsetzen.
Zu den Signalen der Märkte, dass ein Währungskollaps zunehmend wahrscheinlich wird, zählen ein schwächerer Dollar an den Devisenmärkten, ein Bitcoin-Preis, der eine wachsende Diskrepanz zwischen der Ausgaberate von Bitcoin und derjenigen von Fiat-Geld widerspiegelt, rasch steigende Rohstoffpreise sowie eine Blase bei nicht festverzinslichen Finanzanlagen.
Das gängige Denken bringt diese Ereignisse bislang nicht mit einem sich anbahnenden Zusammenbruch der Fiat-Währungen in Verbindung. Doch es ist nur eine Frage relativ kurzer Zeit, möglicherweise beschleunigt durch eine Bankenkrise, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass ein Zusammenbruch von Finanzanlagen und Währungen nach dem Vorbild von John Law bevorsteht.
Gold ist im vergangenen Jahr in Dollar gerechnet zwar um 25 % gestiegen, doch es spiegelt einen zunehmend wahrscheinlichen Zusammenbruch der Fiat-Währungen noch nicht wider. Dieser wird, so das Ergebnis dieses Artikels, voraussichtlich im neuen Jahr eintreten.
Einleitung
Wir gehen mit der wachsenden Erkenntnis ins neue Jahr, dass sich die Entwertung der Fiat-Währungen beschleunigt. Es überrascht kaum, dass Bitcoin-Anhänger, die sich mit den relativen Ausgaberaten von Währungen befasst haben, bei der Absicherung gegen die zunehmende Währungsentwertung die Vorreiter sind. Bestärkt werden sie durch Statistiken in Diagrammen wie dem in Abbildung 1.

Institutionelle Anleger drängen in zunehmender Zahl in den Vermögenswert, der ihnen als einzige Absicherung gegen die immer umfangreichere quantitative Lockerung und die staatlichen Haushaltsdefizite erscheint. Die traditionellen Absicherungen, die Edelmetalle, meiden sie weiterhin, weil sie nur eine Seite der Medaille sehen. Bitcoin legt deshalb so stark zu, weil seine Ausgabe im Verhältnis zu Fiat-Geld stark begrenzt ist. Anlageverwalter denken jedoch weiterhin in Gewinnen, die in der Fiat-Währung ihres eigenen Staates gemessen werden. Für sie ist Bitcoin eine Anlage oder Spekulation, und trotz der Geldinflation halten sie Geld weiterhin für Dollar, Euro oder Ähnliches, das am Ende gegen Fiat-Geld verkauft wird. Ihr Auftrag ist die Verwaltung von Geld, stets in Fiat-Währung abgerechnet, und sie sollen eine entsprechend gemessene Anlageperformance erzielen.
Was Fiat-Geld betrifft, sehen sie die Ausweitung der Geldmenge, doch in ihrer verworrenen Einschätzung der Zukunft glauben sie weiterhin, dass die Zentralbanken ihre Volkswirtschaften irgendwann mit geldpolitischen Mitteln vor dem Desaster retten werden. Auch wenn der kurzfristige Ausblick unklar ist, deuten sie steigende Rohstoffpreise als Erwartung einer höheren künftigen Produktion. Die beeindruckende Entwicklung der Aktienmärkte, die als vorausschauend gelten, sendet dieselbe Botschaft. Wenn Covid vorüber ist, vielleicht im späten Frühjahr, scheint die verbreitete Meinung zu sein, dass die Geschäftstätigkeit wieder anläuft und die Wirtschaft weiter wächst.
Während die Portfoliomanager des Establishments ihren Träumen nachhängen, schloss Gold das Jahr nur 25 % im Plus und wurde von den meisten Rohstoffen deutlich übertroffen. Das ist als Anlage eine respektable Wertentwicklung, wurde von den Aktien- und Krypto-Anhängern aber kaum wahrgenommen.
Die zugrunde liegende Entwicklung ist die sich beschleunigende Entwertung von Fiat-Geld. Das Diagramm in Abbildung 1 ist nicht bloß eine Reaktion auf Covid. Die Rate der M1-Geldinflation steigt seit Jahren, doch erst jetzt ist die Zuwachsrate hyperinflationär, ein anderes Wort dafür gibt es nicht. Die inflationäre Reaktion der Fed bezog sich bislang nur auf die erste Runde im Kampf gegen Covid. Die zweite Runde spiegelt sich noch nicht in der Hyperinflationsrate wider, da sie durch zerstrittene Politiker verzögert wurde. Zudem hat die Fed ihr flexibles Instrumentarium noch nicht voll eingesetzt, um zu verhindern, dass die US-Wirtschaft durch die Krise am US-Repomarkt vom September 2019 vor Covid sowie durch die Handels- und Finanzkonflikte zwischen den USA und China, die Ende 2018 ernsthaft begannen, destabilisiert wird.
Das globale Bankensystem zieht derzeit Kredite von industriellen Kreditnehmern ab, weil die Gier der Bankiers nach Kreditgeschäften nun der Furcht vor notleidenden Krediten gewichen ist. Die Geschäftsbanken müssen angesichts zusammenbrechender Unternehmen und gestörter Lieferketten ihre Bilanzen rasch verkürzen, sonst geraten sie selbst in eine Krise.
Dies ist kein Kreditumfeld, das die Unterstützung durch eine Ausweitung der Bankkredite bietet, die sich die Fed oder jede andere Zentralbank wünschen würde. Selbst ohne eine offene Bankenkrise werden die Fed und das US-Finanzministerium bei ihren Versuchen, die US-Wirtschaft vor einem unvermeidlichen Einbruch zu bewahren, zusammenarbeiten müssen. Sie können nicht erfolgreich sein, aber sie müssen es versuchen und opfern dabei den Dollar als bewussten Akt der Wirtschaftspolitik.
Daher werden der Dollar und alle an ihn gebundenen Fiat-Währungen wertlos werden, denn in allen wohlfahrtsstaatlich geprägten Nationen besteht ein klarer Auftrag, die Geldinflation fortgesetzt und in nun rasch zunehmendem Tempo einzusetzen.
Währungswerte werden letztlich von den Märkten bestimmt
Aus den Theorien des Tausches und aus historischen Beispielen wissen wir, dass Fiat-Geld nur dann Geld ist, wenn die Bevölkerung es als solches akzeptiert, und dass die Öffentlichkeit es unabhängig von der umlaufenden Menge vollständig ablehnen kann. Die Ablehnung des Tauschmittels geschieht nicht leichtfertig. Sie tritt nur ein, wenn der Staat die Menge so rücksichtslos ausweitet, dass die Öffentlichkeit, die zunächst nur langsam begreift, dass die Kaufkraft ihres Geldes ausgehöhlt wird, gemeinsam erkennt, was ihre Regierung mit dem Geld anstellt, und dass keine Hoffnung mehr für dieses Geld besteht.
Dass dieser Prozess beim heutigen Dollar schnell ablaufen kann, erklärt sich aus den besonderen Umständen der gegenwärtigen Lage im Vergleich zu früheren Hyperinflationen, und zwar aus folgenden Gründen:
• Der rasche Anstieg des Bitcoin-Preises und anderer führender Kryptowährungen hat eine bedeutende und wachsende Minderheit von Menschen vor den Folgen einer Ausweitung der Menge staatlich ausgegebenen Fiat-Geldes gewarnt. Durch Bitcoin, dessen Preis rasch steigt, alarmiert, begreifen immer mehr Menschen in der breiteren Bevölkerung die Botschaft. Für Bitcoin-Optimisten ist es nur ein kleiner Schritt zu erkennen, dass der steigende Bitcoin-Preis eine Warnung vor einem Währungszusammenbruch ist und nicht nur das Argument des relativen Angebots, das heute im Mittelpunkt der Berichterstattung steht.
• Wenn sich breiter die Erkenntnis durchsetzt, dass die schwächelnde Wirtschaft nicht nur ein Covid-Problem ist, sondern dass sich bereits zuvor ein Einbruch wie in den 1930er-Jahren abzeichnete, werden Investmentmanager erkennen, dass die Hyperinflation der Geldmenge nicht nur eingetreten ist, sondern anhalten und am Ende die Währung zerstören wird.
• Ausländische Inhaber von Dollars und Dollar-Vermögenswerten beginnen, ihren Bestand von 27 Billionen US-Dollar abzustoßen, wodurch die gesamte Finanzierung des explodierenden Defizits der US-Regierung auf den Schultern der Fed lastet. Die Finanzierung des Haushaltsdefizits und der Agency-Schulden durch die Fed mittels QE wird auf den Gegenwind steigender Zinsen treffen, die einen zunehmenden Zeitpräferenzfaktor widerspiegeln, der ihr über die Devisenmärkte aufgezwungen wird.
• Wenn deutlich wird, dass die Fed die Kontrolle über die Kurse der US-Staatsanleihen und damit über die Bewertungen am Aktienmarkt verloren hat, wird der Dollar gemeinsam mit den Vermögenspreisen zusammenbrechen. Der engste Präzedenzfall ist die gescheiterte Mississippi-Blase von John Law im Frankreich des Jahres 1720. Dieser Prozess der Vermögensvernichtung dürfte abrupter verlaufen als die europäischen Hyperinflationen der frühen 1920er-Jahre.
• Wenn eine solidere Form des umlaufenden Geldes verfügbar ist, kann die Wirtschaftstätigkeit in gewissem Umfang fortbestehen und damit den endgültigen Zusammenbruch der Fiat-Währung hinauszögern. In Deutschland zirkulierten zwischen 1920 und 1923 goldgedeckte US-Dollar, und Geschäftsverträge wurden zunehmend entweder in Dollar abgeschlossen oder nach dem Wechselkurs angepasst. Heute gibt es keine entsprechende Form umlaufenden soliden Geldes, die das Leben der Fiat-Währungen verlängern könnte.
Der Zusammenbruch des Fiat-Geldes vernichtet die Finanzdienstleistungen
Unsere Analyse deutet klar auf einen kombinierten Zusammenbruch von Finanzanlagen und Währungen hin, der voraussichtlich unerwartet plötzlich eintreten würde und mit Sicherheit verheerend wäre. Nehmen wir einmal an, es käme zu einem vollständigen Zusammenbruch der Fiat-Währungen: Dann würden alle bestehenden Finanzkontrakte, da sie auf Fiat-Währungen lauten, wertlos. Die aufgelaufenen OTC-Derivate mit einem Nominalwert von rund 606 Billionen US-Dollar würden hinfällig, ebenso weitere 30 Billionen US-Dollar an börsengehandelten Derivaten, denn auf einer Seite steht stets eine Fiat-Währung oder der Zinssatz einer Fiat-Währung[i]. Die globalen Anleihemärkte mit weiteren 128 Billionen US-Dollar würden ebenfalls ausgelöscht.[ii] Aktien würden den größten Teil ihres Wertes oder ihn vollständig verlieren, bis sie in der Nachfolgerin des Fiat-Geldes bepreist werden können. Und da Bankkredit in seiner Fiat-Form eine auf Fiat lautende Finanzanlage ist, können wir uns davon verabschieden. Auch von Renten- und Versicherungsfonds müssten wir uns verabschieden.
Teil der Beseitigung von Derivaten ist der Londoner OTC-Markt für Gold-Terminabwicklung sowie die börsennotierten Goldkontrakte an der Comex. Die Nominalwerte dieser OTC-Kontrakte beliefen sich laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Ende Juni 2020 auf 867 Mrd. US-Dollar. Heute ist der wichtigste Gold-Future an der Comex mit 111 Mrd. US-Dollar kapitalisiert, was zusammen mit den Goldkontrakten anderer Börsen insgesamt etwa eine Billion US-Dollar ergibt. Wer glaubt, über diese Märkte Goldengagement zu besitzen, wird feststellen, dass dies nicht der Fall ist, und dieser Erkenntnisprozess wird zwangsläufig einen Ansturm auf physisches Gold auslösen.
In heutigen Dollar bedeutet das die Vernichtung von etwa einer Billiarde US-Dollar an Finanz- und Bankkontrakten. Wie später in diesem Artikel beschrieben, gibt es jedoch eine Lösung: das Gold im Besitz von Zentralbanken und Regierungen einzusetzen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Wo Regierungen mutig genug dazu sind, können ihre Währungen zu Goldsubstituten werden. Soweit sich die Finanzmärkte von reinem Fiat-Geld hin zu diesen Goldsubstituten entwickeln, haben sie eine Zukunft. Soweit sie aber derzeit vom Treibstoff der Geldmengeninflation abhängen, wird diese Zukunft stark eingeschränkt oder beseitigt sein. Und nachdem unter Goldstandards für verschiedene Währungen wieder eine gewisse Normalität eingekehrt ist, dürfte der relativ niedrige und stabile originäre Zins für Gold die künftige Nachfrage nach Derivaten noch weiter beschränken.
Bitcoin eignet sich nicht als Ersatz für Fiat-Geld
Sehr zum Leidwesen der Krypto-Gemeinde ist es unwahrscheinlich und ungeeignet, dass Bitcoin aus zwei wichtigen Gründen das Fiat-Geld als allgemeines Tauschmittel ablöst. Der erste Grund ist, dass Zentralbanken keine besitzen und kein Interesse daran haben, irgendeine Form von Kryptowährung zu übernehmen, außer solchen, deren Register sie selbst kontrollieren. Wir wissen, dass sie darum wetteifern, digitale Zentralbankwährungen (CBDCs) in Betrieb zu nehmen, teils um private Alternativen abzuwehren. Doch diese geplanten CBDCs sind nur eine weitere Form von Fiat-Geld und werden ebenso sicher scheitern wie die mandats territoriaux des revolutionären Frankreichs, nachdem die Öffentlichkeit die inflationierten und verhassten Assignaten abgelehnt hatte.
Zentralbanken und Finanzministerien besitzen hingegen Gold, mit großer Sicherheit jedoch weniger als die vom World Gold Council gemeldeten 35.171,3 Tonnen, wenn man Leihgeschäfte, Darlehen und Doppelzählungen berücksichtigt. Die Mehrheit besitzt aber zumindest etwas Gold. Auch wenn es wahrscheinlich nur der letzte Ausweg sein wird, ist die Umwandlung ihrer Fiat-Währungen in Goldsubstitute für eine Zentralbank die einzige Möglichkeit, einen vollständigen Währungszusammenbruch und damit den Zusammenbruch sämtlicher Staatsausgaben zu vermeiden.
Der zweite Grund, warum Bitcoin und ähnliche Alternativen ungeeignet sind, wurde von Ludwig von Mises in anderem Zusammenhang benannt, nämlich in der Debatte über die sozialistische Wirtschaftsrechnung. Mises wies darauf hin, dass eine Volkswirtschaft nur funktioniert, wenn Marktpreise ungehindert gebildet werden können, damit Unternehmer und Unternehmen die Erträge von Investitionen berechnen können. Die andere Seite der Preise ist ihre Messung in Geld. Als staatlich ausgegebene Währungen als Goldsubstitute funktionierten, was zur Zeit der Debatte für die kapitalistischen Volkswirtschaften galt, blieb ihre Kaufkraft über einen typischen Investitionszyklus hinweg weitgehend stabil, sodass Unternehmen und Unternehmer die Erträge einer geplanten Investition abschätzen konnten. Würde eine starre Kryptowährung mit begrenzter Ausgabemenge wie Bitcoin das Zahlungsmittel anstelle von Fiat-Geld, könnte wegen der Auswirkungen auf die künftigen Preise keine mehrjährige Projektinvestition in Betracht gezogen werden. Gemessen in knappen Bitcoin und bei einer festen Obergrenze der Gesamtausgabe lägen die Preise für Fertigprodukte am Ende der Investition deutlich unter den Produktionskosten, womit das Projekt selbst ausgeschlossen wäre.
Das wird Kryptowährungen wie Bitcoin nicht daran hindern, weiter zu steigen, solange immer mehr Anleger sie in einer Zeit rasch zunehmender Fiat-Entwertung als unverzichtbaren Vermögensschutz ansehen. Das ist jedoch eine andere Funktion als die eines praktischen Tauschmittels.
Die Rückkehr zu solidem Geld
Gold gilt aufgrund seiner ihm innewohnenden Flexibilität als solides Geld. Wenn der Markt es verlangt, kann es auf oberirdische Goldbestände zurückgreifen, die derzeit anderweitig verwendet werden, vor allem als Schmuck, auf den wahrscheinlich etwa die Hälfte allen jemals geförderten Goldes entfällt. Und die jährliche Minenproduktion hat die oberirdischen Bestände im Lauf der Geschichte in ähnlichem Tempo erhöht wie das Wachstum der Weltbevölkerung. Dies sind die notwendigen Voraussetzungen für eine geeignete, von freien Märkten gewählte Form des Geldes. Deshalb war es seit Jahrtausenden stets metallisches Geld, zu dem alle zurückkehren, wenn das der Bevölkerung vom Staat auferlegte Geld versagt.
Wir wissen, dass die ständig zunehmende Inflation des Dollars in eine Hyperinflation übergegangen ist oder gerade übergeht. Damit ist gemeint, dass es für die Fed inzwischen praktisch unmöglich ist, den Forderungen nach einer fortgesetzten exponentiellen Beschleunigung der Geldmenge zu widerstehen, die mit der Zerstörung des Dollars endet. Da dies so ist, kann einen raschen und endgültigen Verfall der Kaufkraft des Dollars nur aufhalten, dass er in einen glaubwürdigen Goldersatz verwandelt wird, den die Öffentlichkeit akzeptiert, wenn sie in den Abgrund eines völligen Währungs- und Wirtschaftszusammenbruchs blickt.
Unter der Annahme, dass die 8.133,5 Tonnen Gold des US-Finanzministeriums noch vorhanden sind und nicht verkauft, verleast oder verliehen wurden, ist es vergleichsweise einfach, Fiat-Dollar in voll einlösbare Goldersatzmittel umzuwandeln und Goldmünzen wieder in Umlauf zu bringen. Das lässt sich nicht bestreiten; allerdings sind die drastischen Kürzungen der Staatsausgaben, die mit solidem Geld einhergehen müssen, ein schwierigeres Thema, das gleichzeitig angegangen werden muss.
Die größten Hindernisse sind sowohl intellektueller als auch politischer Natur. Intellektuell, weil das Establishment aus Geldpolitik und Wirtschaft in den vergangenen fünfzig Jahren bestritten hat, dass Gold eine monetäre Rolle spielt. Politisch, weil sich der amerikanische Staat durch die Durchsetzung des Dollars und mit Unterstützung des militärisch-industriellen Komplexes als Beschützer der Welt vor chinesischen und russischen Ambitionen sieht, eine Hegemonie, die er nur ungern verlieren wird.
Die gegenwärtige Geostrategie Amerikas wird dadurch noch schwerer aufzugeben, dass Russland sich durch die Abkehr vom Dollar bereits quasi von selbst auf einen Goldstandard vorbereitet hat. Gemeinsam mit seinen Bürgern hat China seit 1983 als bewusste politische Maßnahme schrittweise den Markt für physisches Gold aufgekauft.[iii] Es besteht kein Zweifel, dass China seither erhebliche Mengen an Edelmetall angesammelt hat, die nicht als Währungsreserven ausgewiesen sind und mit denen es den Yuan decken kann. Man kann argumentieren, dass die wirtschaftlichen Vorteile eines Goldstandards für den Yuan und eines Verzichts der chinesischen Regierung auf inflationäre Finanzierung mit weniger Anpassungsschmerz verbunden wären als für jede andere Nation. Anders als in Russland werden chinesische Privatpersonen, die rund 17.000 Tonnen besitzen, durch die Einführung eines Goldstandards eine Vermögensdividende erhalten. Folglich würde die Wiedereinführung eines US-Goldstandards vom ständigen Establishment Amerikas als Übertragung unannehmbarer Vermögens- und Wirtschaftsmacht an seine Feinde angesehen.
Je länger Amerika zögert, den kollabierenden Dollar an Gold zu binden, desto schlimmer wird es für das Land. Und unter der Annahme, dass es tatsächlich 8.133,5 Tonnen unbelastetes Währungsgold besitzt, ist dies nicht nur das niedrigste Verhältnis zwischen nationalem Goldbesitz und oberirdischen Beständen seit über hundert Jahren, sondern auch das niedrigste Verhältnis seines Goldes zum gesamten Währungsgold aller Zentralbanken.
Von diesem Punkt vor einer Dollarkrise aus ist schwer zu beurteilen, wie schnell die Fed und die US-Regierung ihre einzige Option richtig einschätzen und ergreifen werden. Ein erheblicher Nachteil wird die Notwendigkeit sein, zu ausgeglichenen Haushalten zurückzukehren, was massive Ausgabenkürzungen nicht nur bei der öffentlichen Wohlfahrt, sondern auch im aufgeblähten Verteidigungshaushalt mit sich bringt. Wenn man es falsch macht, könnten 8.000 Tonnen Währungsgold bemerkenswert schnell verschwinden.
Rein als Arbeitsannahme sollten wir in diesem frühen Stadium davon ausgehen, dass ein rascher Verfall der Kaufkraft des Dollars sie zu 95 bis 100 % vernichten wird; der Erhalt eines etwaigen Restwerts wäre die Folge der Umwandlung von Fiat-Dollar in glaubwürdige Goldersatzmittel.
Das Vertrauen in dieses Ergebnis speist sich aus den psychologischen Kräften, die bei früheren Zusammenbrüchen von Fiat-Geld sichtbar wurden, sowohl auf Seiten der Regierung als auch auf Seiten der Öffentlichkeit. Insbesondere die Lehren aus dem Zusammenbruch von John Laws Mississippi-Projekt weisen besorgniserregende Parallelen zur gegenwärtigen Lage auf. Law nutzte die Inflation seines ungedeckten Livre, um die Aktienkurse seines Mississippi-Unternehmens und seiner Banque Royale in die Höhe zu treiben. Am Ende stand die Zerstörung des Livre und damit auch der verbliebenen Vermögenswerte im gesamten Unternehmen, als die Blase platzte. Ähnlich speisen die heutigen Zentralbanken mit ihren quantitativen Lockerungen monetäre Inflation in die Vermögensverwaltungsbranche ein, die letztlich im Auftrag der Zentralbanken die anlagefähigen Vermögenswerte aufbläht.
Wenn dies das Modell ist, auf das wir achten müssen, dann wird der Verfall der Kaufkraft der Fiat-Währungen nicht dem Muster der deutschen Inflation von 1919 bis 1923 folgen, insbesondere nicht der Schlussphase zwischen Mai und November 1923. Er wird von der Geschwindigkeit des Zusammenbruchs der Finanzwerte bestimmt sein, insbesondere der Anleihen, deren Kurse bemerkenswert hoch und deren Renditen unterdrückt sind. Die Flucht aus kollabierenden Fiat-Währungen wird weiterhin an Rohstoffen gemessen werden. Auf Verbraucherebene könnte die Vernichtung des Wertes von Ersparnissen und Geldliquidität zu schnell für einen lehrbuchmäßigen Crack-up-Boom erfolgen. Die Zeit, um kollabierende Währungen abzustoßen, würde dramatisch verkürzt, und natürlich wird ein Teil der Flucht aus scheiternden Währungen in das begrenzte Angebot an Goldmünzen und Edelmetall gehen.
Die Aussichten für die Kaufkraft des Goldes
Die Einleitung dieses Artikels beschreibt den Hintergrund einer Verschiebung der Kaufkraft weg von scheiternden Papierwährungen. Sie kommt zudem zu dem Schluss, dass den Zentralbanken irgendwann keine andere Wahl bleiben wird, als Papierwährungen in Goldsubstitute zu verwandeln. Sie hat darauf hingewiesen, dass Versuche eines monetären Neustarts ohne die Deckung durch monetäres Gold nicht nur scheitern werden: Sollte der Wertverfall der bestehenden Papierwährungen so rasant verlaufen, wie diese Analyse nahelegt, bliebe auch nicht genügend Zeit, Alternativen wie digitale Zentralbankwährungen einzuführen, und diese würden ohnehin rasch scheitern.
Während der Kaufkraftverlust einer Papierwährung zunehmend offensichtlich wird, wird die Nachfrage nach physischem Gold dessen Kaufkraft erhöhen, gemessen an den Gütern und Vermögenswerten, die man dafür erwerben kann. Der Wunsch, die relativ begrenzten Goldmengen zu horten, wird zeitgleich mit dem Wunsch wachsen, Papiergeld loszuwerden.
Viele Menschen, die sich mit Papiergold geschützt glauben, werden feststellen, dass es sich in Luft auflöst, weil es nicht durch ohne Weiteres verfügbares physisches Edelmetall gedeckt ist. Sie dürften die allgemeine Nachfrage nach physischem Gold noch verstärken.
Es geht daher nicht allein darum, dass die Kaufkraft des Dollars von heute an beispielsweise 98 % verliert. Hinzu kommt eine Einschätzung der Knappheit des Goldes, die sich aus dem immer entschlosseneren Horten des Metalls ergibt. Das Zusammenwirken dieser Faktoren lässt die Preise in Papiergeld steigen, während sie in Gold gemessen katastrophal fallen. Beispiele für diesen Effekt waren in Deutschland und Österreich in den Jahren 1922/23 alltäglich, als Landgüter und Wohnimmobilien für sehr geringe Goldbeträge zu haben waren: Für 100 US-Dollar erhielt man ein Haus mit sechs Schlafzimmern in einer vornehmen Straße in Berlin, zu einer Zeit, als der US-Dollar mit 20,67 Dollar je Unze noch als vertrauenswürdiges Goldsubstitut galt.[iv]
Aus der dokumentierten Geschichte und aus theoretischen Überlegungen folgt, dass Hyperinflation die gebildete Mittelschicht verarmen lässt und der breiten Bevölkerung Not und Hunger bringt. An der Schwelle zum neuen Jahr scheint dies die Perspektive für jeden zu sein, der nicht die Vorsorge trifft, Gold zu horten. Angesichts dieser Faktoren ist es wenig sinnvoll, über weniger wichtige Fragen zu sprechen, etwa über die Funktionsweise der Papiergoldmärkte, geschweige denn der trügerischen Praxis zu folgen, Preisprognosen abzugeben.
Silber
Die Aussichten für Silber erscheinen weniger eindeutig als für Gold, schon weil Silber von den Zentralbanken nicht in ihren Währungsreserven gehalten wird. Nachdem Silber in den 1870er-Jahren demonetisiert wurde, als Deutschland zum Goldstandard überging, begann der in Gold gemessene Silberpreis einen langen Rückgang von etwa 15:1 auf ein Rekordniveau von 125:1 im März des vergangenen Jahres. Seitdem hat sich Silber auf derzeit 71:1 erholt.
Es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass sich Silber, wenn die relative Geldqualität des Goldes gegenüber Papierwährungen infolge der hyperinflationären Politik der Zentralbanken zunimmt, wieder einem Verhältnis zu Gold annähern wird, wie es zu Zeiten metallischer Währungsstandards bestand. Damals bestanden die Münzen aus Gold, Silber und Kupfer. Auch wenn die Aufgabe der Silberwährungen in Europa zu einem Rückgang des Silberpreises im Verhältnis zu Gold führte, zirkulierte Silber weiterhin als Geld. Stellt man tatsächlich sicher, dass das Silber-Gold-Verhältnis in der Münzprägung das von Isaac Newton angesetzte Verhältnis von 15,5 zu eins um eine angemessene Spanne übersteigt, treten die einer bimetallischen Währung innewohnenden Probleme nicht auf. In der Reihenfolge der Ereignisse muss jedoch zuerst ein Goldstandard mit Devisendeckung neben ansonsten wertlosem Papiergeld etabliert werden.
Es scheint daher, dass eine Rückkehr zu glaubwürdigen Goldsubstituten letztlich zu einem niedrigeren Silber-Gold-Verhältnis führen wird; in diesem Stadium der Entwicklung ist es jedoch schwer vorstellbar, dass es weit unter 20:1 fällt. Dies bedeutet, dass die Kaufkraft von Silber während des Zusammenbruchs des Papiergeldes die des Goldes deutlich übertreffen wird und sich in relativer Betrachtung mehr als verdoppelt.
[i] Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Juni 2020 für OTC-Derivate und Dezember 2020 für börsengehandelte Derivate.
[ii] Schätzung der International Capital Market Association, August 2020
[iii] 1983 übertrug die chinesische Regierung der Volksbank das Monopol für den gesamten Handel mit Gold und Silber.
[iv] Berichtet in Stefan Zweigs zeitgenössischer Autobiografie Die Welt von Gestern.
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