Dieser Artikel räumt mit dem Irrglauben auf, das BIP spiegele die wirtschaftliche Gesundheit wider. Er erklärt, wie Geldströme dazu geführt haben, dass die Märkte für Finanzanlagen aufgebläht werden, während die nichtfinanziellen Bereiche des BIP in tiefer Not stecken. Und er erklärt, warum in einer Zeit rascher Geldmengenausweitung alle Versuche, die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Realwirtschaft zu beziffern, noch bedeutungsloser werden.
Die Finanzmärkte wirken wie ein Inflationsreservoir. Und wenn der Damm bricht, werden die Anleiherenditen deutlich steigen und die Werte anderer Finanzanlagen untergraben. Die nichtfinanzielle BIP-Wirtschaft wird dann mit voller Wucht die Geldentwertung zu spüren bekommen, mit verheerenden Folgen für die einfachen Menschen: die Arbeitslosen (von denen es viele geben wird), die Geringverdiener und die Rentner, die von kargen Renten und Ersparnissen leben.
Die Makroökonomie hat die staatlichen Planer in allen Volkswirtschaften mit hohem Wohlfahrtsniveau kopfüber in eine Geld- und Wirtschaftspolitik der Zerstörung geführt, aus der es keinen politisch akzeptablen Ausweg gibt.
Einleitung
Nur wer wenig Wahrnehmungsvermögen besitzt, ist sich nicht bewusst, dass die Wirtschaft seines Landes in tiefen Schwierigkeiten steckt. Es handelt sich um weit mehr als eine durch die Pandemie ausgelöste Störung unseres Lebens, die sich in Kürze wieder normalisieren wird. Wir sollten nicht vergessen, dass am US-Repo-Markt bereits Liquiditätsengpässe aufgetreten waren und die Fed zwangen, ihre Politik der Bilanzverkürzung umzukehren, noch bevor das Coronavirus überhaupt existierte. Und davor hatte der Zollstreit zwischen den USA und China den internationalen Handel fast zum Stillstand gebracht.
Der Zollstreit entwickelte sich zu einem Finanzkrieg, der sich auf Hongkong konzentrierte und den Shanghai-Connect-Weg für internationale Investitionen in China schloss. Amerika setzt sich nun erfolgreich dafür ein, dass seine Verbündeten keine chinesische Technologie kaufen. Die wirtschaftliche Wirkung besteht darin, dass sich Amerika von der größten Fertigungswirtschaft der Welt isoliert, und indem es seine Verbündeten dazu bewegt, sich von chinesischer Technologie abzuschotten, wird China selbst teilweise vom westlichen Handel isoliert.
Anders ausgedrückt: Als schlechter Hintergrund für den Binnenhandel aller Länder wird der Welthandel weiter schrumpfen. In dieser Hinsicht haben wir einen Doppelgänger der 1930er Jahre, mit zwei großen Unterschieden: Das heutige Geld ist reines Fiat-Geld, während damals ein Goldkernwährungssystem den Dollar stützte, und die von Keynes und seinen Zeitgenossen erfundene Makroökonomie findet nun Anwendung. In den Dreißigern drehte sich alles um Gold; in den neuen Zwanzigern dreht sich alles um Fiat-Geld und seine Ströme.
Das Saysche Gesetz wird uns einholen
Als eine von Keynes erfundene Kategorie, mit der die klassische Theorie beseitigt werden sollte, beruht die Makroökonomie darauf, sich von dem zu entfernen, was wir aus der menschlichen Psychologie und der Lebenserfahrung abgeleitet haben. Makroökonomen behaupten, auf aggregierter Ebene gelte eine andere Analyse, ohne überzeugend zu erklären, warum dies so sein soll.
Der Ursprung ihrer Geringschätzung der etablierten Theorie liegt in der Leugnung des Say’schen Gesetzes, wonach wir unsere Arbeit teilen, um unsere Produktion und damit unsere Fähigkeit zur Befriedigung unserer Bedürfnisse und Wünsche zu maximieren. Die Aufgabe des Geldes besteht darin, unsere Produktion in unsere Bedürfnisse und Wünsche zu verwandeln, indem es uns ermöglicht, verschiedene Produkte zu bewerten und zwischen ihnen zu wählen. Durch sprachliche Taschenspielertricks brachte Keynes die Zunft der Ökonomen dazu, diese Binsenwahrheit zu verwerfen, indem er in seiner General Theorywie folgt ausführte:
„Das Say’sche Gesetz, wonach der aggregierte Nachfragepreis der Gesamtproduktion dem aggregierten Angebotspreis für alle Produktionsmengen entspricht, ist somit gleichbedeutend mit der These, dass der Vollbeschäftigung nichts im Wege steht. Ist dies jedoch nicht das wahre Gesetz, das die aggregierten Nachfrage- und Angebotsfunktionen verbindet, so bleibt ein äußerst wichtiges Kapitel der Wirtschaftstheorie noch zu schreiben, ohne das alle Erörterungen über die Zukunft der Gesamtbeschäftigung nutzlos sind.“[i]
Das Say’sche Gesetz wurde danach nicht mehr erwähnt. Nach dieser Sparsamkeit mit der Wahrheit schrieb er dann in der übrigen General Theoryjenes „äußerst wichtige Kapitel der Wirtschaftstheorie“, das die Grundlage der heutigen mathematischen Makroökonomie bildet. Mit diesem einen Kunstgriff war die Büchse der Pandora geöffnet. Die Götter hatten versprochen, sie enthalte besondere Gaben, doch als Pandora sie öffnete, entwichen alle Krankheiten und Plagen, welche die Götter darin verborgen hatten, und suchten die Menschheit heim; allein die Hoffnung blieb im Inneren gefangen. Die Alten hatten recht.
Keynes war kein Ökonom, sondern ein Mathematiker, wie sein Freund, der österreichische Ökonom Hayek, bestätigte.[ii]Hinter der Mathematik stehen Daten, die für die Gleichungen von Keynes erforderlich sind; dies führte zur Einrichtung staatlicher ökonometrischer Abteilungen, ungeachtet ihres Missbrauchs. Damit entweicht eines der Übel der Pandora aus der Büchse, denn die Makroökonomie konstruiert eine positive Rolle für Regierungen und gewährt ihnen freie Hand, individuelle Freiheiten zu beseitigen sowie persönliches Vermögen zu besteuern und zu zerstören, ohne dass es einen ökonomischen Widerspruch gäbe.
Nachdem die Makroökonomie eine so grundlegende ökonomische Binsenwahrheit wie die Arbeitsteilung verzerrt und die wahre Rolle des Geldes nie verstanden hat, hat sie sich dahin entwickelt, jede Realität zu ignorieren. Sie ist zur Rechtfertigung einer Mischung aus Kapitalismus und Sozialismus geworden. Staatliche Eingriffe, so wurde argumentiert, verbessern den Kapitalismus, und der Wohlfahrtsstaat bringe eine freundlichere, bessere Gesellschaft hervor. Wir wollen uns nicht davon abbringen lassen, die Schwächen dieser Argumentation aufzuzeigen, sondern gehen zu einer Verfälschung der Makroökonomie über: der Entwicklung von solidem, goldgedecktem zu unsolidem, ungedecktem Staatsgeld, dessen Menge nach dem Willen des Staates ausgeweitet wird. Und am bemerkenswertesten ist, dass die in Staatsgeld erfassten Statistiken zu den Zeitpunkten T1, T2, …Tndie unterschiedlichen Geldmengen hinter den einzelnen Datenpunkten weder erwähnen noch berücksichtigen, was sie als Grundlage jeder Preistheorie disqualifiziert.
Man kann zu Recht einwenden, dass es unmöglich ist, die Preiseffekte von Veränderungen der Geldmenge auf die erfassten Preise zu quantifizieren. Darum geht es jedoch nicht; entscheidend ist, dass die Daten von Anfang an verfälscht sind und dass datengestützte Analysen, da sie aufgrund der Veränderungen der Geldmenge unzuverlässig sind, nie ernst genommen werden sollten.
Das ist nicht die Welt, in der der Staat zunehmend in unserem Namen unsere Angelegenheiten regelt. Und da wir nun möglicherweise einer Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre in der Version 2.0 gegenüberstehen, sollten wir verstehen, wie und warum sie durch die Statistiken, auf die Makroökonomen ihre Analyse stützen, falsch dargestellt werden wird.
Bruttoinlandsprodukt
Im Bestreben, alles zu messen, haben uns die Ökonometriker das zweifelhafte Geschenk des Bruttosozialprodukts und des Bruttoinlandsprodukts beschert, wobei Letzteres heute in Mode ist und Ersteres früher. Obwohl es verschiedene Methoden der Messung gibt, wird das BIP gemeinhin als Maß für die Ausgaben verstanden, das sich aus Konsumausgaben der privaten Haushalte, Staatsausgaben, Investitionsausgaben und Nettoexporten zusammensetzt. Dem Leitfaden der Bank of England zufolge misst es die Größe und die Gesundheit der Wirtschaft.[iii]Und das US-amerikanische Bureau of Economic Analysis sagt ähnlich: „Die Wachstumsrate des BIP ist der beliebteste Indikator für die gesamtwirtschaftliche Gesundheit der Nation.“[iv]
Es ist zwar ein Maß für die Größe einer Volkswirtschaft, doch es ist ein Irrtum, es als Maß für ihre Gesundheit zu bezeichnen. Wirtschaftstheorie und empirische Evidenz sind in dieser Frage eindeutig: Eine von Staatsausgaben dominierte Volkswirtschaft ist im Vergleich zu einer von privaten Ausgaben dominierten keine gesunde Volkswirtschaft; dennoch können diese beiden unterschiedlichen Modelle dieselben Gesamtverbrauchszahlen hervorbringen. Als Gordon Brown um die Jahrtausendwende britischer Schatzkanzler war, lieferte er durchweg ein BIP-Wachstum, das über den Prognosen unabhängiger Ökonomen lag. Zerlegte man jedoch die Zahlen, so zeigte sich, dass es nicht, wie alle annahmen, durch eine gut laufende Privatwirtschaft erreicht wurde, sondern dadurch, dass der Staat mehr ausgab als erwartet.
Wir müssen Veränderungen des BIP daher von der wirtschaftlichen Gesundheit trennen, oder genauer gesagt: Sie sagen uns nichts über menschlichen Fortschritt oder Rückschritt. Es ist schlicht eine Summe erfasster Transaktionen, ein nationales, aber weniger genaues Gegenstück zur Umsatzzahl eines Unternehmens. Wir können noch weiter gehen. Nehmen wir an, die Geldmenge in der Volkswirtschaft sei fest. Dann müssen die Nettoexporte null betragen, da das Gegenstück zu einem Handelsungleichgewicht die Netto-Geldflüsse sind. Damit bleibt die Aufteilung des BIP auf private, staatliche und investive Kategorien offensichtlich frei anpassbar, ohne dass sich die BIP-Summe ändert.
Unter der Annahme, dass sich das Verhältnis der erfassten BIP-Transaktionen zu den nicht erfassten und ausgeschlossenen Transaktionen, aus denen sich eine Gesamtwirtschaft stets zusammensetzt, nicht ändert, werden alle einzelnen Akteure in allen BIP-Kategorien ihre Ausgabenprioritäten innerhalb einer festen Geldsumme neu ordnen. Das BIP steigt oder sinkt dadurch nicht, wohl aber kann sich der Nutzen für die menschlichen Lebensumstände erhöhen oder verringern.
In der Realität wird die Lage dadurch verkompliziert, dass große Teile der Transaktionen vom BIP ausgeschlossen sind. Der Erwerb von Wertpapieren und der Handel mit Gebrauchtwaren sind Beispiele für solche Ausschlüsse. Bleiben wir aber vorerst bei der Fiktion, dass es keine Bewegung zwischen dem BIP und seinen Ausschlüssen gibt. Nehmen wir nun weiter an, die Geldmenge steige, ausgehend von der Zentralbank. Das zusätzliche Geld fließt sowohl in das BIP als auch in die ausgeschlossenen Kategorien. Das Ausmaß, in dem das zusätzliche Geld beide Kategorien beeinflusst, ist schlicht additiv. Mit anderen Worten: Das BIP als Summe der erfassten Transaktionen steigt genau um das zusätzliche Geld, das für Posten innerhalb der Statistik ausgegeben wird. Abgesehen von den Verzerrungen, die allein mit der Aufnahme des zusätzlichen Geldes in die Wirtschaft verbunden sind, wird mehr Geld für dieselbe Gütermenge ausgegeben. Nach einer Anpassungsphase kauft lediglich jede Geldeinheit im Durchschnitt entsprechend weniger.
Bestätigen können wir dies mit Blick auf das Saysche Theorem, wonach wir unsere Arbeit teilen und uns auf das spezialisieren, was wir gut können, um die Dinge zu kaufen, die wir brauchen und wollen. Geld ist lediglich die Ware, mit der wir unsere eigene Produktion in Konsum umwandeln und mit der wir verschiedene Güter bewerten und miteinander vergleichen können. Die Geldmenge und ihre Kaufkraft sind für seine Funktion als Transaktionsmedium in dieser Hinsicht unerheblich. Man kann es auch anders ausdrücken: Ein Verbraucher in Europa, Indien oder Amerika nutzt die jeweilige Landeswährung, um die Teilung seiner Arbeit zu ermöglichen. Ob es Euro, Rupien oder Dollar sind, spielt keine Rolle, solange sie als Tauschmittel akzeptiert werden.
Ein Anstieg des BIP spiegelt daher nicht die Gesundheit einer Volkswirtschaft wider, sondern nur das zusätzliche Geld, das als Kategorie der wirtschaftlichen Messung in sie hineininflationiert wurde. Und wer abschätzen möchte, wie viel des zusätzlichen Geldes im Lauf eines Zeitraums in erfasste Transaktionen geflossen ist, muss lediglich die Differenz zwischen dem aktuelleren und dem früheren BIP-Wert messen, bereinigt um etwaige Änderungen der Nettoexporte.
Unter den monetären Bedingungen, mit denen wir heute konfrontiert sind, also einer stark beschleunigten Geldmengeninflation, wird das nominale BIP nach einer kurzen Phase der Aufnahme in den allgemeinen Kreislauf mit zunehmender Rate steigen. Doch wie wir gesehen haben, werden diejenigen, die darin ein Zeichen für eine gesunde Wirtschaft sehen, gründlich in die Irre geführt.
Mit diesem Wissen ausgestattet, wissen wir, dass Volkswirtschaften, die ihre Währungen durch Geldmengeninflation zerrütten, hohe Wachstumsraten in der Statistik des nominalen BIP aufweisen werden. Aber können wir Beispiele finden, die das belegen? Das ist aus zwei Gründen schwierig. Erstens sind die verfügbaren Statistiken so ungenau, dass sie noch bedeutungsloser sind als jene von Staaten mit moderateren Raten der Geldmengeninflation; und zweitens verzichten Statistiker internationaler Organisationen auf Messungen in Landeswährung und ersetzen sie durch Dollar-Gegenwerte zu offiziellen Wechselkursen.
Ob man einen offiziellen Wechselkurs oder den Schwarzmarktkurs verwendet, der stets der genauere der beiden ist, führt zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Das wird von staatlichen Statistikern jedoch ignoriert. Und wir haben anhand von Beispielen hoher Geldmengeninflation festgestellt, dass die Unzulänglichkeit der statistischen Analyse und die falschen Vorstellungen über das BIP dadurch bestätigt werden, dass Ökonometriker in diesen Extremfällen die Grundsätze ihrer eigenen Methode verwerfen. Aber wir alle werden inzwischen zu Extremfällen.
Staaten mit hohen Ausgaben stehen vor einer Phase beschleunigter Geldmengeninflation, sowohl beim Dollar als ihrer internationalen Währung als auch bei ihrer eigenen, getrieben von dem Zwang, ihre Volkswirtschaften aus den Krisen zu retten, für die sie in erster Linie selbst verantwortlich waren. Erst diese Woche prognostizierte die Atlanta Fed für das laufende zweite Quartal einen Einbruch des US-amerikanischen BIP um 41,8 %, zugegebenermaßen die unmittelbare Folge der Lockdowns. Wenn die Lockdown-Regeln aufgehoben werden, wird es eine statistische Erholung geben.
Darüber hinaus besteht kein Zweifel, dass die Übertragung des raschen Anstiegs der von der Fed in den vergangenen Wochen ausgegebenen Geldmenge auf die BIP-Bestandteile Zeit braucht, nicht zuletzt wegen der Zurückhaltung der Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe und weil der Rückgang von Konsum und Güterangebot gegenwärtig und gravierend ist. Wir wissen jedoch, dass die in der BIP-Statistik enthaltene Geldmenge durch Staatsausgaben und Helikoptergeld zunehmen wird. Das nominale BIP wird sich erholen, doch die Erholung spiegelt lediglich die Menge des neuen Geldes wider, auch wenn die Wirtschaftstätigkeit wahrscheinlich stark gedrückt bleiben wird.
Das zusätzliche Geld wird sich in den Preisen der Waren und Dienstleistungen niederschlagen, für die es ausgegeben wird. Die Folgen für die Preise sind jedoch nicht so einfach. Veränderungen bei Angebots- und Nachfragefaktoren einzelner Güter wirken sich jeweils auf die einzelnen Preise aus, während die erhöhte Geldmenge, wenn sie in die Wirtschaft aufgenommen wird, eine weitere Wirkung hat. Ebenso wichtig sind die unterschiedlichen Entscheidungen, die Menschen unter diesen veränderten Umständen treffen. Und hier untergräbt der Trugschluss, das Saysche Theorem zu missachten, die Aussagekraft des statistischen Ansatzes wirklich.
Seit dem Lockdown wegen des Virus hat das, was die Menschen zuvor wünschten, wenig mit ihren Bedürfnissen und Wünschen in den kommenden Monaten zu tun. Die Annahme hinter dem BIP ist dagegen, dass das, was gestern gewünscht wurde, auch morgen gewünscht wird, wobei etwaige Anpassungen der Ergebnisse im Nachhinein vorgenommen werden. Die Geldmengenausweitung stützt, soweit sie in der nicht-finanziellen BIP-Wirtschaft ausgegeben wird, die Produktion von gestern. Die Umschichtung von Kapital in all seinen Formen, also von Geld, Arbeit, Betrieben und Produktionsvorleistungen, um auf Veränderungen zu reagieren, wird dadurch entmutigt und eingeschränkt.
Darüber hinaus verarmt die Entwertung von Einkommen und Ersparnissen die Menschen noch weiter. Die Inflation der Geldmenge überträgt Vermögen und Einkommen stets von Sparern und Privatpersonen auf Schuldner. Da Staaten die größten Schuldner mit stetig wachsenden Beträgen sind, sind sie die größten Nutznießer der Vermögensübertragung, und ihre Wähler sind die Verlierer. Die Verarmung der breiten Masse durch Geldmengeninflation garantiert, dass geldpolitische Maßnahmen, die als Rettung der nicht-finanziellen Wirtschaft angepriesen werden, scheitern werden.
Reservoir-Effekte
Ökonometriker unterteilen wirtschaftliche Kategorien in Transaktionen, die im BIP enthalten sind, und andere, die ausdrücklich ausgeschlossen werden. Diese Unterscheidung ist künstlich, denn in der Praxis wird Geld unterschiedslos für den Erwerb von Gütern in beiden Kategorien verwendet.
Abgesehen von der Absicht, den Konsum in ein statistisches Raster einzuordnen, gibt es keine wirtschaftliche Rechtfertigung für die Trennung zwischen den vom BIP ausgeschlossenen Finanzanlagen und den nichtfinanziellen Waren und Dienstleistungen, für die das BIP entwickelt wurde. Und wenn zusätzliches Geld, das die Wirtschaft stimulieren soll, in Finanzanlagen geleitet wird, ist seine Wirkung auf die vom BIP erfasste nichtfinanzielle Wirtschaft dadurch begrenzt.
Indem eine Zentralbank den Staat finanziert und sicherstellt, dass die Geschäftsbanken über ausreichend Liquidität verfügen, erreicht sie diese Ziele durch den Ankauf von Staatsschulden und anderen Wertpapieren von Geschäftsbanken. Die nichtfinanzielle Wirtschaft, deren größter Teil im BIP abgebildet ist, erhält das neue Geld erst mit der Zeit, nämlich über Staatsausgaben und Bankkredite, sofern die Banken zur Kreditvergabe bereit sind.
Die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Verzerrungen sind zahlreich. Uns interessiert hier jedoch der „Reservoir-Effekt“, der entsteht, wenn das neue Geld in Staatspapieren geparkt wird. Da die Geschäftsbanken ihre Kreditrisiken unbedingt begrenzen wollen und deshalb zögern, Zentralbankgeld an die nichtfinanzielle Wirtschaft weiterzugeben, widmen sie ihre Bilanzen Finanzanlagen, vor allem Staatsschulden, in dem Wissen, dass die Zentralbank diese weiterhin ankaufen wird. Aus diesem Grund bleiben Staatsanleihen, die von den Bankenaufsichtsbehörden als risikofrei eingestuft werden, bei gedrückten Renditen stark nachgefragt, und andere Anlageklassen orientieren sich an ihnen.
Darüber hinaus dehnen die Zentralbanken den Grundsatz des Ankaufs von Staatsschulden auf den Ankauf von Unternehmensanleihen aus, damit auch deren Preise fest abgesichert sind. Regierungen gewähren Aktien Unterstützung oder planen dies, entweder direkt oder über ihre Staatsfonds und Zentralbanken. Alle großen Regierungen stützen nicht nur die Finanzmärkte, sondern erweitern auch das Spektrum der Vermögenswerte in ihren Stützungsmaßnahmen. Daher besteht in der Verwendung dieser Geldflüsse eine inhärente Schieflage zugunsten von Finanzanlagen, und das in einer Zeit wirtschaftlicher Not in der nichtfinanziellen Wirtschaft.
Unterdessen führt der Überschuss der Staatsausgaben über die Steuereinnahmen dazu, dass die aus dem Verkauf von Staatsschulden aufgebrachten Mittel über die Hände des Staates in die im BIP erfasste nichtfinanzielle Wirtschaft gelangen. Der Reservoir-Effekt des sich in Finanzanlagen ansammelnden Geldes wird allmählich durch Abflüsse daraus in das BIP ausgeglichen. Nicht alles davon wird in BIP-Kategorien ausgegeben, denn die Nettoexporte in der BIP-Gleichung werden tendenziell negativ oder, falls sie es bereits sind, noch negativer, sofern sich die Sparquote nicht ausgleichend verändert.
Die gegenwärtige Lage gleicht somit einem Reservoir, das mit neu geschaffenem Geld gefüllt ist und die Preise von Vermögenswerten statt die von Waren und Dienstleistungen aufbläht. Dies ist jedoch ein vorübergehender Zustand, und das Reservoir des aufgeblähten Geldes wird beginnen, sich durch Staatsausgaben zu entleeren, und nicht durch eine Ausweitung der Bankkredite, da die Banken Risiken scheuen.
Die Folgen des Reservoir-Effekts werden von den Zentralbanken wahrscheinlich nicht in vollem Umfang erkannt, denn sie beobachten derzeit eine schrumpfende Nachfrage in den BIP-Komponenten: Man erinnere sich an die Prognose der Atlanta Fed, wonach das BIP im laufenden Quartal um 41,8 % einbrechen würde. Doch wenn Zentralbanken und andere staatliche Stellen das Tempo, mit dem sie Finanzanlagen aufblähen, nicht beibehalten, werden die dramatisch fehlbewerteten Märkte schlicht zusammenbrechen. In der Schlussfolgerung, dass die Stimulierung um jeden Preis aufrechterhalten werden muss, dürften die Zentralbanken die Geldmengenausweitung erneut beschleunigen, indem sie zunehmend aggressiv Finanzanlagen von Geschäftsbanken ankaufen, um die Vermögensblase aufgebläht zu halten.
Die Wirkung auf die Preise im nichtfinanziellen Sektor wird stets erst im Nachhinein erfasst. Die Flut neuen Geldes, die in ein überlaufendes Reservoir des Finanzsektors strömt, fließt den Fluss des Staates hinab und überschwemmt die flussabwärts gelegene nichtfinanzielle Wirtschaft. Trotz aller Insolvenzen und trotz der Arbeitslosigkeit beginnen die Preise alarmierend zu steigen, insbesondere für lebensnotwendige Güter. Was tut die Zentralbank dann? Sie kann den Hahn nicht zudrehen, weil ihre neokeynesianischen Makroökonomen keine andere Politik kennen als den Inflationismus.
Die Politik, die eine beschleunigte Geldmengenausweitung verlangt, muss sich zunehmend auf die Bemühungen der Zentralbanken konzentrieren, die Werte von Finanzanlagen zu erhalten. Beginnen diese zu versagen, sind noch größere Ankaufsvolumina erforderlich, um die Renditen von Staatsanleihen niedrig zu halten, insbesondere wenn ausländische Inhaber ihre Bestände verkaufen. Um unser Reservoir-Bild fortzuführen: Der Damm wird unweigerlich brechen, und die Anleger werden versuchen, in panischer Flucht aus den Finanzanlagen zu entkommen, und zwar … wohin?
In Baissemärkten von der wahrscheinlichen Größenordnung dieses Marktes fallen die Preise zu schnell, als dass jemand, der auf eine bessere Verkaufsgelegenheit hofft, noch viel aus den Trümmern retten könnte. Die Vermögenswerte werden größtenteils vernichtet sein. Den Anlegern wird deutlich geworden sein, dass die Regierungen bei steigenden Anleiherenditen in einer Falle sitzen, gebildet aus übermäßiger Verschuldung und der Aussicht auf deutlich höhere Kreditkosten.
Sobald er einsetzt, dürfte der Vertrauensverlust in Staatsschulden rasch verlaufen, vielleicht innerhalb weniger Monate, und wahrscheinlich auch das Geld des Staates mit in die Tiefe reißen. Für einen bestätigenden Präzedenzfall müssen wir nicht weiter blicken als bis zu John Laws Mississippi-Blase, die, einmal geplatzt, seine ungedeckte Währung in etwa sieben Monaten zerstörte. Er hatte nahezu buchstabengetreu dieselbe Politik verfolgt wie die heutigen Zentralbanken. Der einzige Unterschied war, dass er Frankreich in den Bankrott trieb. Heute ist es global.
[i]Keynes, The General Theory of Employment, Interest and Money, Kapitel 3.1.
[ii]Siehe https://mises.org/wire/hayek-was-right-keynes-was-not-economist
[iii]Siehe https://www.bankofengland.co.uk/knowledgebank/what-is-gdp
[iv]Siehe bea.gov/data/gdp/gross-domestic-product
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