Im Wochenverlauf schlossen Gold und Silber nahezu unverändert, nachdem sie am Montag kräftig gestiegen waren und danach nachgegeben hatten. Gold lag im frühen europäischen Handel heute Morgen unverändert gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag bei 1.325 $, Silber lag 3 Cent tiefer bei 16,32 $. Die Handelsvolumina an der Comex waren nach der Osterpause bei beiden Kontrakten deutlich gedämpft.
Im Hintergrund hat sich die Erholung des Dollars fortgesetzt; sein handelsgewichteter Index stieg im Wochenverlauf um etwa ½ %. Das reichte nicht aus, um Gold aus der Bahn zu werfen, wohl aber, um die aggressiven Goldbullen in Schach zu halten. Auch die extreme Volatilität an den Aktienmärkten, die durch einen sich abzeichnenden Handelskrieg zwischen den USA und China ausgelöst wurde, hat Gold nicht beflügelt.
An den Finanzmärkten verbreitet sich der Eindruck, dass das Wirtschaftswachstum nachlassen könnte, da die US-Geldmenge zu stagnieren scheint und die Aktienmärkte an der Wall Street Anzeichen für den Eintritt in einen Bärenmarkt zeigen. Sollte dies zutreffen, würde man auch die Inflationsgefahr als geringer einschätzen. Ob das richtig oder falsch ist, wird nur die Zeit zeigen, doch es besteht kaum ein Zweifel, dass der Stimmungswandel die Preise der unedlen Metalle, einschließlich Silber, beeinflusst.
Silber ist in geradezu absurdem Maß überverkauft. Hedgefonds halten Rekord-Short-Positionen und haben diese bei jedem Anzeichen von Kursschwäche weiter aufgestockt. Wir warten heute Abend nach Handelsschluss auf den Commitment-of-Traders-Bericht, der dies weiter bestätigen dürfte; schon jetzt zeigt sich jedoch die Auswirkung auf das Open Interest an der Comex im Verhältnis zum Preis. Dies ist unsere nächste Grafik.
Das Open Interest ist auf ein Allzeithoch gestiegen, während sich der Preis seit Dezember 2015 in einer sich verengenden Spanne bewegt. Aus technischer Sicht erleben wir einen Angriff auf den Preis, der jedoch daran zu scheitern scheint, ihn unter 16 $ zu drücken. Der Grund, warum Silber gestützt wird, hängt mit dem Aufbau physischer Silberbestände durch JPMorgan bei Kursrückgängen zusammen; die Bank hat in den Comex-Lagern 141 Millionen Unzen angehäuft. Das entspricht 16 % der weltweiten jährlichen Minenproduktion. Warum tut JPM das?
Ich vermute, dass die Bank das Silber im Auftrag Chinas ansammelt. China verbraucht mehr Silber als jedes andere Land, deutlich mehr, als es selbst fördert. Einen Teil importiert es in Form von Doré, doch es muss trotzdem Silber an den Märkten kaufen. Zudem dürften die Planer in China künftig mit einem steigenden Bedarf an Silber sowie an anderen unedlen Metallen rechnen.
Es liegt daher in Chinas Interesse, Silberreserven aufzubauen. Eine plausible Erklärung für JPMs Silberaufbau ist, dass die Bank von China beauftragt wurde, physisches Silber an der Comex zu erwerben. Falls dies zutrifft, erklärt es auch, warum der Preis trotz aller Leerverkäufe pessimistischer Hedgefonds nicht weiter fällt. Entscheidend wird sein, ob Silber die Marke von 17 $ und mehr erreicht. Dann ist mit einem massiven Short Squeeze bei den Hedgefonds zu rechnen, die vermutlich glauben, dass fallende Aktienkurse auf eine neue Rezession, einen stärkeren Dollar und damit auf eine geringere Silbernachfrage hindeuten.
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