Während sich die Silberbestände in den Tresoren der SGE/SHFE verbessern, bleibt die Knappheit in London bestehen, und die Lieferungen an der Comex nehmen stark zu. Gleichzeitig wird eine globale Krise am Anleihemarkt den Goldpreis weiter steigen lassen.
Da China seine eigenen Silbervorräte schützt, dürfte sich die Silberverknappung fortsetzen, zumal Indien seine Nachfrage weiter steigert. Zugleich deuten die Entwicklungen an den globalen Anleihemärkten zunehmend auf eine Finanzierungskrise der US-Regierung hin, die sich nur durch massive quantitative Lockerung (QE) lösen lässt und 2026 zu einer Abwertung des Dollars führen wird.

Im europäischen Handel am heutigen Morgen lag Gold bei 4.224 US-Dollar und damit auf Wochensicht kaum verändert, während Silber mit 58,20 US-Dollar um 1,60 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag notierte. An den meisten Tagen markierte Silber neue Höchststände, bevor es gestern (Donnerstag) kurzzeitig zu Verkäufen kam.
Es war eindeutig die Woche des Silbers, auch wenn es in China etwas abzukühlen schien. Die Bestände in den Tresoren der SGE/SHFE stiegen über die Marke von 600 Tonnen auf 688 Tonnen, was darauf hindeutet, dass die Panik vorüber ist. China führt jedoch ab Januar strenge Lizenzkriterien ein, um die Exporte zu beschränken und die heimische Versorgung zu schützen. Mehr dazu weiter unten.
Unterdessen hält die Silberverknappung in London und an der Comex an, und die Liquidität bleibt angespannt. Die Lieferungen an der Comex im Zusammenhang mit dem Auslaufen des Dezember-Kontrakts belaufen sich bislang auf 1.570 Tonnen, womit sich die Gesamtmenge für 2025 auf 14.404 Tonnen erhöht. Das belegt, dass die Comex die größte einzelne Silberquelle der Welt ist, getrieben ausschließlich von der industriellen Nachfrage.
Ein Großteil dieser Nachfrage stammt aus einer neuen Quelle: Indien. Die indische Wirtschaft wächst rasant und erlebt einen wirtschaftlichen Wandel, der dem ähnelt, der China in den vergangenen Jahrzehnten angetrieben hat. Die Investitionen in die Fertigung nehmen stark zu, nirgends mehr als in der Photovoltaik. Und wohin wenden sich die großen indischen Konglomerate für ihr Silber, wenn die Raffinerien bereits ausgelastet sind und lange Wartezeiten haben? Natürlich an die Comex.
Da China über die Hälfte des weltweiten Angebots an raffiniertem Silber beherrscht und die Exporte beschränkt, um seine Industrien zu schützen, kann es nur ein Ergebnis geben: Die heftigste Verknappung bei der Industrieversorgung hat gerade erst begonnen. Die Anleger in Asien beginnen dies erst allmählich zu verstehen. In einem Tweet von heute Morgen meldete BullionStar in Singapur eine stark steigende Nachfrage nach Silber und verkaufte wertmäßig dreimal so viel Silber wie Gold.
Angesichts dieser Aufmerksamkeit für Silber ist es vielleicht verständlich, dass Gold unter dem Radar fliegt. Es gibt jedoch bedeutende Entwicklungen, die das globale Währungssystem zunehmend destabilisieren. Während die Fed das Inflationsziel zugunsten einer geldpolitischen Lockerung aufgibt, steigen die Anleiherenditen andernorts stark an. Die nachstehenden Charts sollten die Alarmglocken läuten lassen.

Globale Carry Trades beruhen auf niedrigen Zinsen und Anleiherenditen in Yen und Euro. Doch die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) und deutscher Bundesanleihen steigen steil an, und dieser Trend dürfte sich beschleunigen. Gleichzeitig beginnen die US-Arbeitslosenzahlen zu steigen, und die Fed wechselt von quantitativer Straffung (QT) zu QE. Da der Carry Trade zusammenzubrechen droht und eine Rezession den Finanzierungsbedarf der USA erhöhen könnte, gibt es nur einen Weg, dieses Dilemma zu lösen: QE durch die Fed in unvorstellbarem Ausmaß.
Die Abwertung des Dollars wird 2026 erheblich ausfallen und Gold deutlich steigen lassen – nicht weil Gold steigt, sondern weil die Kaufkraft des Dollars durch die einzige Politik zerstört wird, die ein von Trump ernannter Nachfolger von Jay Powell an der Spitze der Fed verfolgen kann.
Wir schließen mit einem technischen Chart zum Gold-Silber-Verhältnis, das stark fällt:
