Schutz vor einem Währungskollaps

Während die Märkte windstill erscheinen, verschlechtern sich die finanziellen Bedingungen rasch. Letzte Woche gab Jamie Dimon von JPMorgan Chase das deutlichste Signal dafür, dass die Bankkredite zu schrumpfen beginnen. Russland hat seinen Rubel konsolidiert, der inzwischen mit Abstand zur stärksten Währung geworden ist. Die Fed gab in der Vorwoche bekannt, dass ihre Bilanz ein negatives Eigenkapital aufweist. Und es mehren sich die Anzeichen für einen aufkeimenden „Crack-up-Boom“.

Russland scheint den Rubel nun vor diesen Entwicklungen im Westen zu schützen, während es zuvor lediglich die Vormachtstellung des Dollars angegriffen hat. China hat noch keine defensive Währungspolitik formuliert, dürfte den Renminbi aber zumindest für den Außenhandel mit einem Rohstoffkorb unterlegen. Wenn dies von den Mitgliedern der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und der BRICS-Staaten breiter aufgegriffen wird, könnte die Entstehung einer neuen, rohstoffbasierten Superwährung in Zentralasien die globale Hegemonie des Dollars beenden. 

Dies sind bedeutende Entwicklungen. Und schließlich untersuche ich aufgrund des breiten Interesses an dem Thema die Aussichten für die Werte von Wohnimmobilien im Falle eines Zusammenbruchs der westlichen Fiat-Währungen.

Die Mechanik einer Apokalypse

Entgegen der Meinung des Establishments warne ich seit Jahren davor, dass der Welt ein Zusammenbruch der Fiat-Währungen bevorsteht. Der Grund war und ist, dass die Geld- und Wirtschaftspolitik uns genau dorthin führt. Es stellen sich nur zwei Fragen: ob die Behörden weltweit die Gefahren ihrer inflationären und sozialistischen Politik erkennen und den Kurs ändern würden (äußerst unwahrscheinlich) und, falls nicht, in welcher Form die letzte Krise eintreten würde.

Die Geschichte lehrt uns, dass Fiat-Währungen immer scheitern und durch das gesunde Geld der Menschheit ersetzt werden – Gold und Silber. Nachdem die Fiat-Währungen nun eine rasche Entwertung erfahren haben, auf die stark steigende Rohstoffpreise folgten, müssten die Zinsen erheblich höher sein. Dennoch werden sie in der Eurozone und in Japan weiterhin im negativen Bereich niedrig gehalten. Die Zurückhaltung der EZB und der Bank von Japan, einen Anstieg zuzulassen, ist deutlich spürbar. Schlimmer noch: Schon allein die Drohung einer Verlangsamung bei der Ausgabe zusätzlicher Kredite durch die Geschäftsbanken führt dazu, dass wir plötzlich einem scharfen Rückgang der Wirtschafts- und Finanzaktivität gegenüberstehen.

Die Geschäftsbanken in der Eurozone und in Japan sind bedenklich stark verschuldet und werden die Kombination aus höheren Zinsen, schrumpfenden Bankkrediten und einem Wirtschaftsabschwung kaum überstehen, ohne von ihren jeweiligen Zentralbanken gerettet zu werden. Doch die Anleihebestände der Zentralbanken selbst sind so gewaltig, dass die Verluste aus steigenden Renditen sie in ein negatives Eigenkapital gebracht haben. Selbst die Fed, die sich in einer weit besseren Lage als die EZB und die BOJ befindet, hat eingeräumt, dass die nicht realisierten Verluste auf ihr Anleiheportfolio 330 Mrd. US-Dollar betragen und ihr Eigenkapital damit sechsfach aufgezehrt haben.

Ohne die Zufuhr riesiger Mengen neuen Kapitals von ihren bestehenden Anteilseignern sind die großen Zentralbanken also bankrott, die großen Geschäftsbanken werden es bald sein, und die Preise steigen unkontrolliert, was Zinsen und Anleiherenditen weiter in die Höhe treibt. Und um das Elend zu vervollständigen, brauchen wir jetzt nur noch eine Kontraktion der Bankkredite – so nötig wie ein Loch im Kopf. Auf das Stichwort hin erhielten wir letzte Woche eine Warnung, dass auch dies bevorstehen könnte, als Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase, der größten Geschäftsbank Amerikas und dem wichtigsten Zugangskanal der Fed zum Geschäftsbankennetz, seine Einschätzung der Finanzlage von „stürmisch“ vor nur neun Tagen auf „Hurrikan“ hochstufte. Dies wurde weithin berichtet. Weniger beachtet wurden seine Bemerkungen dazu, was JPMorgan Chase dagegen zu tun gedenkt. Dimon sagte weiter, die Bank bereite sich auf „ein nicht gutartiges Umfeld“ und „schlechte Ergebnisse“ vor.

Wir können sicher sein, dass die Fed mit Herrn Dimon darüber gesprochen haben wird. Der Chefökonom von JPMorgan, Bruce Kasman, wurde daraufhin dringend beauftragt, zurückzurudern, und sagte, er sehe nur eine Verlangsamung. Das ist unerheblich. Das Signal ist gesendet, und der Schaden ist angerichtet.

Wir werden von Dimon zu diesem Thema wohl nicht mehr hören. Doch man kann sicher sein, dass die internationalen Bankiers weltweit dies zur Kenntnis genommen haben, sofern nicht bereits zuvor, und ebenfalls ihre Kreditvergabe zurückfahren werden.

Die Überwachung der Bankkredite ist deshalb wichtig, weil ihre Kontraktion stets eine Krise auslöst. Diesmal dreht sich die Krise stärker als in der Vergangenheit um Finanzanlagen, denn in den letzten vierzig Jahren hat sich die Ausweitung der Bankkredite zunehmend nicht auf die Förderung der Produktion realer Güter konzentriert – diese wurde ins Ausland verlagert –, sondern auf die Schaffung finanzieller Flüchtigkeiten wie unproduktive Schulden, Verbriefungen von Wertpapieren, Derivate und Derivate von Derivaten. Wenn man so will, hat die Welt der ungedeckten Währungen eine parallele Welt rein finanzieller Vermögenswerte hervorgebracht.

Dies ändert sich nun. Rohstoffe finden indirekt wieder Eingang in das Geldsystem, und zwar aufgrund der Sanktionen gegen Russland, den größten Rohstoffexporteur der Welt. Die Finanzierung von Spekulationsgeschäften geht bereits zurück, wie Abbildung 1 zeigt. Angesichts der jüngsten Schwäche an den Aktienmärkten ist das kaum überraschend. Man sollte jedoch bedenken, dass dies wahrscheinlich nicht darauf zurückzuführen ist, dass Spekulanten clever am Höhepunkt des Bullenmarktes Gewinne mitnehmen. Es wird ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Nachschussforderungen aufgezwungen, ein Schicksal, das auch die Spekulanten im Kryptobereich ereilt hat.

ProtectionStrategy1.png

Bankeinlagen, die die andere Seite der Bankkredite darstellen, machen den größten Teil des umlaufenden Geldes aus. Seit 2008 sind die Dollar-Bankeinlagen (M3 abzüglich des Bargeldumlaufs) um 160 % auf knapp 19,5 Billionen US-Dollar gestiegen. Hinzu kommt jedoch das Problem der Schattenbankkredite, die nicht zu beziffern sind und mit sinkenden Preisen für Finanzanlagen wahrscheinlich verschwinden werden. Auch die Eurodollars, die ebenfalls außerhalb der Geldmengenzahlen liegen, werden sich voraussichtlich verringern. 

Wir bewegen uns nun rasch auf den menschlichen Wunsch zu, das Vorhandene zu schützen. Das ist Angst, anstelle des Wunsches, leicht Geld zu verdienen, also der Gier. Angesichts der Zurückhaltung der Banken, selbst das bestehende Niveau der Bankkredite aufrechtzuerhalten, können wir mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass die Bewegung schnell verlaufen und die breite Öffentlichkeit unvorbereitet treffen wird. Es ist der Stoff, aus dem eine Apokalypse gemacht ist.

Eine Finanz- und Wirtschaftskrise wird mittlerweile weithin erwartet. Jeder, den ich in der Finanzbranche treffe, spürt die Gefahr, ohne sie genau benennen zu können. Fast alle sprechen davon, dass die Behörden die Kontrolle zurückgewinnen, vielleicht von einem finanziellen Neustart, ohne zu wissen, was das sein könnte. Doch kaum jemand zieht die Möglichkeit in Betracht, dass es den Behörden diesmal nicht gelingen wird, eine Krise aufzuhalten, bevor sie unsere Welt auf den Kopf stellt.

Dennoch ist eine Krise, wenn sie eintritt, stets ein Schock. Ihr Zeitpunkt ist jedoch immer an die Entwicklung der Bankkredite gekoppelt.

Der Bankkreditzyklus

Die eigentliche Rolle der Banken in der Wirtschaft besteht darin, Kredit zu schaffen und mit ihm zu handeln. Die staatliche Lizenz erlaubt es ihnen, Kredit dort auszugeben, wo zuvor keiner existierte. Zunächst belebt dies die Wirtschaftstätigkeit und wird begrüßt. Die negativen Folgen zeigen sich erst später in Form eines Rückgangs der Kaufkraft der ausgeweiteten Währung, zunächst an den Devisenmärkten, dann an den Märkten für Industrierohstoffe und Rohmaterialien und schließlich in der Binnenwirtschaft. Der Grundstein für den anschließenden Abschwung wurde durch die frühere Kreditausweitung gelegt. So sicher wie auf den Tag die Nacht folgt, tritt er ein und wird durch eine Kreditverknappung ausgelöst. Seit dem Ende der napoleonischen Kriege weist dieser Zyklus aus Kreditausweitung und Kreditverknappung eine regelmäßige Periodizität von etwa zehn Jahren auf, mal kürzer, mal länger. 

Ein Bankkreditzyklus beschreibt den Ursprung periodischer Booms und Rezessionen treffender als die Bezeichnung Konjunktur- oder Geschäftszyklus, die nahelegt, dass die Ursache im Verhalten der Bankkunden und nicht im Bankensystem liegt. Wie es dazu kommt, ist wichtig für das Verständnis, warum es stets in eine kontraktive Krise mündet.

Die Schaffung von Bankkredit ist eine einfache Frage der doppelten Buchführung. Wenn eine Bank einem Kreditnehmer ein Darlehen zusagt, erscheint dieses in der Bilanz der Bank als Aktivposten, dem eine entsprechende Verbindlichkeit gegenüberstehen muss. Diese Verbindlichkeit ist die Gutschrift auf dem Einlagenkonto des Kreditnehmers, die stets dem als Aktivposten ausgewiesenen Darlehen entspricht. Dies ist für die Bank weitaus profitabler, als Zinsen auf Termineinlagen zu zahlen, um ein Darlehen der Bank zu refinanzieren, was gemeinhin als die Art und Weise gilt, wie Banken Kredit schaffen.

Das Verhältnis zwischen seinem eigenen Kapital und dem Umfang des Kreditgeschäfts, das ein Bankier betreibt, ist seine wichtigste Überlegung. Indem er Kredit in einem Vielfachen seines eigenen Kapitals vergibt, erhöht er die Rendite auf sein Eigenkapital. Zugleich setzt er sich jedoch einem erhöhten Risiko durch Kreditausfälle aus. Daraus folgt: Wenn er die Konjunkturaussichten für gut hält, wird er mehr verleihen, als er es sonst täte.

Bankiers neigen jedoch durch ihre Verbände sowie ihre gesellschaftlichen und geschäftlichen Kontakte dazu, zu einem gegebenen Zeitpunkt eine gemeinsame Sicht auf die Konjunkturaussichten zu teilen. Darüber hinaus verfügen sie über eigene Quellen wirtschaftlicher Informationen, von denen einige branchenweit geteilt werden. Sie stehen auch im Wettbewerb und sind in guten Zeiten bereit, Rivalen im Kreditgeschäft zu unterbieten, indem sie ihre Kreditzinsen unter das Niveau senken, das sich bei einem freien Marktzins möglicherweise ergäbe. 

Da sie Kredithändler und keine Ökonomen sind, verstehen sie wahrscheinlich nicht, dass sich verbessernde Wirtschaftsbedingungen – im keynesianischen Jargon Wachstum – kaum mehr als ein Spiegelbild ihrer eigenen Kreditausweitung sind. Die Geldentwertung durch zusätzliche Kredite führt zu steigenden Preisen und Zinsen, insbesondere bei Fiat-Währungen, und untergräbt unternehmerische Kalkulationen und Annahmen. Die Insolvenzen beginnen zuzunehmen, wie die folgende Schlagzeile des Daily Telegraph vom vergangenen Montag zeigt:

ProtectionStrategy2.png

Obwohl sich diese Schlagzeile auf das Vereinigte Königreich bezog, sind dieselben Faktoren auch anderswo erkennbar. Kein Wunder, dass Jamie Dimon besorgt ist.

Als Faustregel gilt: Bankkredit macht etwa 90 % der umlaufenden Zahlungsmittel aus, die übrigen 10 % entfallen auf Banknoten. In den USA beläuft sich der Banknotenumlauf heute auf 2,272 Billionen US-Dollar, und die weit gefasste Geldmenge M3, die auch engere Geldformen enthält, liegt bei 21,8 Billionen US-Dollar; Banknoten machen somit 10,4 % des Gesamtbetrags aus. Im Dezember 2018, nach der Lehman-Krise, lag das Verhältnis bei 10,7 %, also bei ähnlichen Werten in unterschiedlichen Phasen des Kreditzyklus. Daher bestimmt in allen Phasen des Zyklus das Gleichgewicht zwischen Gewinngier und Verlustangst im kollektiven Denken der Banker die Aussichten für Boom und Krise, und nicht eine Ausweitung der Notenausgabe.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Schwerpunkt der Kreditvergabe: ob Kredite vorwiegend an Hersteller von Konsumgütern und Anbieter von Dienstleistungen für Verbraucher vergeben wurden oder überwiegend zur Unterstützung von Finanzaktivitäten. Seit dem „Big Bang“ in London und der Aufhebung des Glass-Steagall Act in Amerika schaffen die Großbanken zunehmend Kredite für rein finanzielle Aktivitäten und überlassen die Kreditvergabe an die Realwirtschaft („Main Street“) kleineren Banken. Da die Kreditausweitung darauf ausgerichtet war, Finanzaktivitäten zu stützen, hat sie die Werte von Finanzanlagen aufgebläht. Während die Zentralbanken die Zinsen niedrig hielten, schufen die Großbanken somit die Kredite, mit denen Käufer von Finanzanlagen die dramatischste, breiteste und langlebigste Investitionsblase der Finanzgeschichte erleben konnten.

Da die Zinsen nun steigen, ist das Blasenumfeld vorbei und wird von einem Bärenmarkt abgelöst. Das „smarte Geld“ verlässt die Bühne, und die Öffentlichkeit sieht sich der Auflösung der Blase gegenüber. Die Kombination aus steigenden Zinsen und schrumpfendem Bankkredit ist ebenso baissefördernd, wie fallende Zinsen und der Treibstoff einer expandierenden Kreditvergabe haussefördernd waren. Als Kreditsicherheiten haben Banken in größerem Umfang als früher Finanzanlagen behalten, und ihre Versuche, sich durch Notverkäufe von Aktien und Anleihen vor Verlusten zu schützen, wenn diese die Kreditverpflichtungen nicht mehr decken, können den Zusammenbruch der Finanzmärkte nur beschleunigen.

Russlands neue Priorität ist es, der Krise des Westens zu entkommen

Während die gegen Russland verhängten Finanzsanktionen zu einer Situation des Auge-um-Auge geführt haben, in der Russland erklärt, von den „Unfreundlichen“ nur noch Zahlungen in Rubel anzunehmen, kann kaum ein Zweifel bestehen, dass die Sanktionen für diejenigen, die sie verhängt haben, enorme Kosten verursacht haben. In einem kürzlich geführten Interview hat Putin das Inflationsproblem des Westens zutreffend benannt:

„In einem Fernsehinterview im Anschluss an sein Treffen mit dem Vorsitzenden der Afrikanischen Union, Macky Sall, in Sotschi fügte Putin hinzu, der Versuch, die Turbulenzen in der Ukraine  für die explodierenden Lebenshaltungskosten im Westen verantwortlich zu machen, laufe darauf hinaus, sich der Verantwortung zu entziehen. Nahezu alle Regierungen hätten fiskalische Konjunkturmaßnahmen genutzt, um Menschen und Unternehmen zu helfen, die von den Covid-19-Lockdowns betroffen waren. Putin betonte, Russland habe dies „viel sorgfältiger und gezielter“ getan, ohne das makroökonomische Gesamtbild zu stören oder die Inflation anzuheizen. In den Vereinigten Staaten hingegen sei die Geldmenge in weniger als zwei Jahren um 38 % – bzw. 5,9 Billionen US-Dollar – gestiegen, was er als ‚beispiellosen Ausstoß der Notenpresse‘ bezeichnete.“[i]

Das ist wichtig. Während die Währungsbehörden des Westens und ihre Regierungen den Zusammenhang zwischen der beispiellosen Ausweitung von Währung und Kredit und den Folgen für die Preise verdrängt haben, hat Putin, sofern das obige Zitat zutrifft, den Kern getroffen. Da die Russen die destabilisierenden Auswirkungen der westlichen Geldpolitik offensichtlich verstehen, ist es nur logisch, dass sie sich vor den Folgen schützen. Sie werden nicht wollen, dass der Rubel zusammen mit den westlichen Währungen sinkt.

Und tatsächlich entkoppelt die Politik, russische Energieexporte an Zahlungen in Rubel zu knüpfen, den Rubel von der wachsenden Finanzkrise des Westens. Sie bestätigt zudem, dass die Beschreibung eines „Bretton Woods 3“ durch Zoltan Pozsar[ii], bei dem sich Währungen von einer Welt der Finanzaktivität hin zu einer Rohstoffdeckung bewegen, zutreffend ist. Es handelt sich nicht mehr nur um eine russische Reaktion im Rahmen eines Finanzkriegs, sondern inzwischen um eine protektionistische Maßnahme.

Russland nimmt die Stellung des weltweit größten Exporteurs von Energie und Rohstoffen ein. Sich von Russland abzuschneiden, mag im engen politischen Kontext eines Stellvertreterkriegs in der Ukraine vertretbar sein, aus wirtschaftlicher Sicht ist es jedoch Wahnsinn. Die andere Nation, auf die sich der Westen stark stützt, China, hat noch keine angemessene währungspolitische Antwort formuliert. Doch die Schnelligkeit, mit der China nach der Senkung der Zinsen auf null durch die Fed und der Ausweitung der quantitativen Lockerung auf monatlich 120 Mrd. US-Dollar im März 2020 begann, Rohstoffe und Getreide zu horten, zeigt, dass es die Preisfolgen der inflationistischen Politik des Westens ebenfalls versteht.

Der Unterschied zwischen China und Russland besteht darin, dass Russland ein Rohstoffexporteur ist, China hingegen ein Rohstoffimporteur. Chinas Währungsposition ist daher grundlegend anders. Die chinesischen Berater, die die keynesianische Ökonomie verinnerlicht haben, werden gegen eine engere Währungsbeziehung zum Dollar argumentieren, insbesondere in einer Zeit deutlich nachlassenden BIP-Wachstums in China. Sie könnten auch anführen, dass China bevorzugten Zugang zu rabattierten russischen Exporten hat, dessen Vorteile verspielt würden, wenn der Yuan spürbar aufwerten würde. Man kann sich vorstellen, dass Russland sich seiner „Bretton-Woods-3-Strategie“ sicher ist, während China noch einige zentrale Entscheidungen treffen muss.

Doch alles ist relativ. Es stimmt, dass China erhebliche Preisnachlässe auf russische Energie und andere Rohstoffe angeboten werden. Es liegt in Chinas Interesse, so viele russische Rohstoffe wie möglich anzuhäufen, insbesondere Energie. Aber sie müssen bezahlt werden. Im Wesentlichen gibt es zwei Finanzierungsquellen. China kann seine Bestände an US-Staatsanleihen verkaufen oder alternativ zusätzliche Renminbi ausgeben. Letzteres erscheint wahrscheinlicher, da es den Dollar aus chinesisch-russischen Handelsabrechnungen fernhalten würde und den Start eines neuen Offshore-Renminbi-Marktes beschleunigen könnte.

All diese Schritte sind Reaktionen auf eine Krise, die durch westliche Sanktionen ausgelöst wurde. Angesichts der in Gramm Gold gemessenen Geschichte der Preisstabilität bei Energie und den meisten anderen Rohstoffen stellt Russlands Schritt eine kaum durchschaubare Abkehr von der Welt des Fiatgelds und der damit verbundenen finanziellen Vergänglichkeiten hin zu einem Stellvertreter für einen Goldstandard dar. Er ist ein staatlich gelenktes Äquivalent des Goldstandards, bei dem Russland die Rohstoffmärkte nutzt, ohne etwas Monetäres liefern zu müssen. Er schützt den Rubel vor einer kollabierenden westlichen Währung und einem kollabierenden Finanzsystem und funktioniert vorerst, wird sich aber zu einem sichereren Geldsystem weiterentwickeln müssen. 

Eine Möglichkeit könnte die Nutzung der für die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU) geplanten neuen, rohstoffbasierten Handelswährung sein, die voraussichtlich das gesamte Netzwerk der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit einbeziehen wird, möglicherweise auch die rohstoffexportierenden BRICS-Staaten. Berichten zufolge haben sogar einige Staaten im Nahen Osten Interesse bekundet, was sich jedoch schwer überprüfen lässt. Im Finanzkrieg gegen den Dollar würde die Bekanntgabe der Bedingungen der neuen Währung eine erhebliche Eskalation bedeuten und die Vormachtstellung des Dollars für über die Hälfte der Weltbevölkerung mit einem Schlag beenden. 

Sie würde zudem ein Fragezeichen hinter die geschätzten 33 Billionen US-Dollar an US-Finanzvermögen und Bankeinlagen setzen, die sich im Besitz von Ausländern befinden. Der Zeitpunkt ist dabei von Bedeutung: Wird die neue Handelswährung der EAWU nach einer Krise des Dollars eingeführt, wäre der Schritt eher protektionistisch als aggressiv, doch dürfte er in beiden Fällen eine umfangreiche Liquidation von Dollar an den Devisenmärkten auslösen.

Der Elefant im Währungsraum ist Gold. Es ist das, was Zoltan Pozsar von der Credit Suisse als „Outside Money“ bezeichnet. Das heißt, Geld, das nicht als Fiatgeld von Zentralbanken per Tastendruck am Computer oder durch die Ausweitung der Bankkredite geschaffen wird. Ein Rohstoffkorb für die vorgeschlagene Handelswährung der EAWU ist kaum mehr als ein Ersatz dafür, ihre Währungen an Gold zu koppeln. 

Warum führen Russland und China also nicht einfach Goldstandards ein? Dafür gibt es wahrscheinlich drei Gründe:

Die Flucht in Sachwerte

Während die nationalen Regierungen angesichts der Sanktionen gegen Russland ihre Position, den Status ihrer Reserven und den besten Schutz in einem sich verschärfenden Finanzkonflikt zwischen der angelsächsisch geführten NATO und Russland prüfen, handeln auch gewöhnliche Menschen im eigenen Interesse.

Den meisten von uns ist bewusst, dass die Preise für gebrauchte Autos stark gestiegen sind, in vielen Fällen auf ein höheres Niveau als bei Neuwagen. Das Phänomen wird auch bei Yachten und Motorbooten beobachtet. Und am Dienstag wurde berichtet, dass US-Bürger ihre Kreditkartenausgaben auf unerwartete Höhen gesteigert haben. Ist das ein Beleg für eine Flucht aus unverzinsten Bankeinlagen oder für das Aufkommen breiterer Sorgen über steigende Preise und die Notwendigkeit, Waren zu erwerben, solange sie noch zu annähernd heutigen Preisen erhältlich sind?

Wenn es um ihre eigenen Interessen geht, sind die Menschen nicht dumm. Sie verstehen, dass die Preise steigen und dass kein Ende in Sicht ist. Ihr Leitsatz lautet, jetzt zu kaufen, bevor die Preise weiter steigen, solange sie erschwinglich sind und die Liquidität zur Hand ist. Es ist zwar wahrscheinlich zu dramatisch, dieses Verhalten als Crack-up-Boom zu bezeichnen, doch wenn nichts unternommen wird, um es zu stoppen, scheint sich ein solcher Boom zu entwickeln.

Doch der Vermögenswert, an den viele Menschen denken, ist Wohnimmobilien. Da die Preise für Wohnimmobilien von der Verfügbarkeit und den Kosten der Hypothekenfinanzierung abhängen, werden steigende Zinsen die Immobilienwerte untergraben. Da der Verlust an Kaufkraft der Währungen noch nicht in ausreichend hohen Zinsen zum Ausdruck kommt, ist zu erwarten, dass die Hypothekenzinsen für neue und variabel verzinste Kredite erheblich steigen und die Preise für Wohnimmobilien sinken lassen. Dies setzt jedoch voraus, dass keine Finanz- und Währungskrise eintritt, bevor die Zinsen hinreichend gestiegen sind, um künftige Kaufkraftverluste einer Währung einzupreisen.

Es erscheint unwahrscheinlich, dass dies geschieht. Wahrscheinlicher ist, dass Erhöhungen von nicht mehr als wenigen Prozentpunkten ausreichen, um die Währungsordnung des Westens zu destabilisieren, wobei sich das Systemrisiko rasch von den schwächsten Punkten aus ausbreitet — der Eurozone und Japan, wo aus dem negativen Bereich steigende Zinsen die EZB und die Bank of Japan als nachweislich insolvent entlarven werden, während die großen Geschäftsbanken in beiden Rechtsräumen die am höchsten verschuldeten Gruppen sind.

Sollte dies der Fall sein und sollte eine Bankenkrise, die in einer platzenden Finanzblase ihren Ursprung hat, die Rettung der Geschäftsbanken durch insolvente Zentralbanken erforderlich machen, besteht ein erhebliches Risiko, dass die Fiat-Währungen des Westens ihre Glaubwürdigkeit verlieren und ebenfalls zusammenbrechen. Neben der Wirkung steigender Hypothekenkosten (die durch die aufkommende Krise wahrscheinlich begrenzt werden) müssen wir daher die Werte von Wohnimmobilien in Währungen betrachten, die implodiert sind. Es ist nicht auszuschließen, dass die Immobilienpreise, nominal in Fiat-Währungen gemessen, nach einer kurzen Phase der Unsicherheit steigen. Ein Haus, das heute eine Million Dollar kostet, könnte viele Millionen wert werden, doch viele Millionen könnten nur wenige Unzen Gold kaufen.

Dies scheint die Situation in Deutschland im Jahr 1923 gewesen zu sein, über die Stefan Zweig, der österreichische Autor, berichtete; in seiner Autobiografie schilderte er, dass man auf dem Höhepunkt der Inflation für 100 US-Dollar ein ordentliches Stadthaus in Berlin kaufen konnte.[iii] Das mögen mehrere hundert Millionen Papiermark gewesen sein, doch damals entsprachen 100 US-Dollar weniger als fünf Unzen Gold.

Jeder Anleger in Sachwerte wie Immobilien und Agrarland muss darauf vorbereitet sein, einen Zusammenbruch der Werte von Finanzanlagen und eine Währungskrise durchzustehen. Für eine gewisse Zeit wird er Mieten hinnehmen müssen, die die Kosten für den Erhalt der Immobilie nicht decken.

Die Botschaft aus Deutschland im Jahr 1923 lautet jedoch, dass es weitaus besser ist, das zu horten, was nach den Worten der Römer rechtlich als Geld gilt, nämlich das beständige, physische Gold. Und die Lehren der Geschichte, gestützt von reiner Logik, sagen uns unmissverständlich, dass Gold keine Portfolioanlage ist. Es ist nichts weiter als Geld: ein unbestechliches Tauschmittel, das man hortet und ausgibt, wenn alles andere versagt hat.


 

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung durch Goldmoney oder den Autor bzw. die Autoren dar. Sie sollten nicht auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Informationen handeln oder sich auf diese verlassen, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, die Verlässlichkeit der Informationen im Artikel sicherzustellen; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf künftige Ergebnisse verstanden werden können, und man sollte sich nicht darauf verlassen. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die infolge der in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen entstehen, und jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.


[i] Siehe https://english.almayadeen.net/news/politics/putin:-us-inflation-result-of-unprecedented-money-printing

[ii] Siehe https://ieo.imf.org/-/media/IEO/Images/Seminars/birth-of-bretton-woods-iii-flyer.ashx

[iii] Die Welt von Gestern, von Stefan Zweig.

Zurück zu den Goldmoney Analysen