Schlagen die Bären zurück?

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Gold und Silber stiegen diese Woche zunächst sprunghaft an und gaben dann nach, als die Fed ihren Leitzins um 0,5 % anhob, gefolgt von der Bank of England und der EZB. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag notierte Gold im frühen europäischen Handel um 22 $ niedriger bei 1.775 $, nachdem es am Mittwoch bei 1.824 $ seinen Höchststand erreicht hatte. Silber notierte bei 22,60 $, 85 Cent unter dem Wochenanfangsniveau, nachdem es zwischenzeitlich bis auf 24,12 $ gestiegen war.

Das offene Interesse (Open Interest) in beiden Comex-Kontrakten ist weiterhin niedrig, wie die folgenden beiden Grafiken zeigen.

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Sie zeigen, wie überverkauft der Comex-Papiermarkt geworden ist. Zudem entziehen Lieferungen von physischer Ware der zugrunde liegenden Liquidität weiterhin Mittel. Allein in dieser Woche wurden über 30 Tonnen Gold und 86 Tonnen Silber zur Lieferung angedient. Diese Lieferungen sind inzwischen so alltäglich geworden, dass man leicht übersieht, was sie antreibt. In einem Papiermarkt, in dem die Lieferung eigentlich nur dazu dienen sollte, die Terminkontrakte bei Fälligkeit an die zugrunde liegende physische Ware zu binden, wird sie routinemäßig genutzt, um Engpässe bei Edelmetall zu decken. Das deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Gold und Silber das Angebot aus Minenproduktion und Altmaterial seit mindestens zwei Jahren übersteigt. 

Auch die Statistiken der LBMA belegen Abflüsse von eingelagertem Edelmetall in London. Im Jahr 2023 dürfte sich die Abwanderung von Edelmetall aus dem Papiersystem des Westens beschleunigen, denn das neue Wachstum in Chinas Geldmengenstatistiken ist ein frühes Anzeichen für die wirtschaftliche Erholung des Landes und führt zu einer steigenden industriellen Nachfrage nach Silber. Hinzu kommt die asienweite Entschlossenheit, sich vom Dollar zu entwöhnen, die voraussichtlich auch den Dollar/Gold-Kreuzkurs untergraben wird.

Doch das ist eine Überlegung für die Zeit nach dem Jahreswechsel, wenn das Window Dressing bei Finanzpositionen häufig die Preisniveaus bestimmt. Es liegt im Interesse der Edelmetallbanken, die Preise so weit wie möglich zu drücken, und zum Jahresende kommt es bei beiden Metallen häufig zu einem scharfen Ausverkauf.

Den Rahmen dafür setzte ein Anstieg des Interesses von Managed Money an der Comex, bestehend aus Hedgefonds, die Short-Positionen schließen und neue Long-Positionen eingehen. Die nächste Grafik zeigt Gold.

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Von einer Netto-Short-Position von 43.000 Kontrakten am 27. September zeigt der Commitment-of-Traders-Bericht einen Umschwung auf eine Netto-Long-Position von 23.487 Kontrakten am 6. Dezember (der zum Zeitpunkt der Erstellung letzte verfügbare Wert ­— die Aktualisierung wird heute Abend erwartet). Das ist eine Veränderung von 66.500 Kontrakten. Und obwohl diese Kontraktkategorie weiterhin überverkauft ist, haben die Swaps durchaus noch Spielraum für einen Bärenangriff.

Zugleich könnte der deutliche Rückgang des handelsgewichteten Index (TWI) des Dollars zu einer Jahresendrally führen, wenn Devisenhändler am Rande kurzfristige Gewinne sichern wollen. Der Spielraum für eine solche Erholung wird in der nachstehenden TWI-Grafik veranschaulicht.

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Nachdem der TWI des Dollars im dritten Quartal erheblich gefallen ist, ist er reif für eine bullische Umkehr, sobald Gewinne mitgenommen werden. In sehr ruhigen, illiquiden Märkten könnten die Bären unter den Edelmetallbanken daher leicht zurückschlagen.

Käufer von physischem Edelmetall dürften eine letzte Gelegenheit erhalten, zusätzliche Bestände zu erwerben. Und die Ausgangslage für das kommende Jahr wird dadurch positiver.

 

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