Das Board of Governors der Federal Reserve ließ uns ursprünglich glauben, es sei notwendig, die Geldmenge durch quantitative Lockerung auszuweiten, um die Kontraktion der Bankkredite auszugleichen.
Die Bankkreditvergabe schrumpft nicht mehr und befand sich bereits in einer Expansionsphase, als QE3 eingeführt wurde. Dieses Ziel wird nun erreicht, wie die nachstehende Grafik zeigt:

Möglicherweise trägt dazu ein Rückgang der allgemeinen Abschreibungs- und Zahlungsverzugsquoten auf weniger als 1,5 % aller Kredite und Leasingverträge bei, nach dem doppelt so hohen Niveau während der Krise. Laut einem Artikel bei Bloomberg vom 6. August haben „… die Haushalte seit der Krise von 2008/09 ihre Schulden verringert, während die Banken ihre Liquidität erhöht und ihre Kapitalpuffer gestärkt haben“. Sofern die bevorstehende Fiskalklippe es zulässt, sind die Voraussetzungen für eine weitere Ausweitung der Bankkredite also gegeben, und wir können die Vergangenheit hinter uns lassen.
Ganz so einfach ist es jedoch nicht.
Neben der herkömmlichen Bankkreditvergabe ist auch das Schattenbankensystem zu berücksichtigen. Laut dem Global Shadow Banking Monitoring Report 2012 übersteigt es mit 23 Billionen US-Dollar allein in den USA die ausgewiesene Bankkreditvergabe bei Weitem. Gemäß Exhibit 3-3 wuchs das Schattenbankensystem in den USA vor der Bankenkrise mit einer durchschnittlichen jährlichen Rate von über 10 % und ist seither leicht geschrumpft. Dies verdeckt jedoch wahrscheinlich eine jüngere Beschleunigung des Wachstums im Einklang mit der bilanzwirksamen Bankkreditvergabe. Zudem müssen wir das weitaus stärkere Wachstum des Schattenbankensystems in Finanzzentren außerhalb der USA berücksichtigen, insbesondere in Großbritannien, Hongkong, Singapur und der Schweiz, wo die Beschränkungen für die Weiterverpfändung (Re-Hypothekarisierung) oft weniger streng sind.
Das Problem bei diesem Elefanten im Raum besteht darin, dass das Schattenbankensystem keine Absicherung durch Bankkapital benötigt, da es auf Sicherheiten beruht, die von Nichtbank-Instituten und der Allgemeinheit gestellt werden. Es besteht hauptsächlich aus verbrieften Immobilien- und Verbraucherkrediten sowie Hypotheken und aus Staatsschulden. Und weil das globale Finanzsystem vollständig integriert ist, muss auch das Engagement der Eurozone im Schattenbankensystem, das einem Gegenwert von 22 Billionen US-Dollar entspricht, als erhebliches Risiko betrachtet werden: Kein Wunder, dass die Europäische Zentralbank signalisiert hat, die Eurozone um jeden Preis als Ganzes zu retten. Diese Positionen reagieren zudem zinsempfindlich, und ohne Kapitalpuffer zur Aufnahme von Verlusten genügt schon ein geringer Zinsanstieg, um eine Krise auszulösen, selbst ohne äußeren Schock.
Man betrachte nun, was geschieht, wenn die Zinsen durch die wirtschaftliche Erholung, wie sie die Bankkreditstatistiken in der obigen Grafik eindeutig anzeigen, nach oben gedrängt werden. Der Wert dieser Sicherheiten wird fallen, und jede mehr als moderate Zinserhöhung birgt das Risiko, das gesamte Finanzsystem zum Einsturz zu bringen. Die Fed ist, wie die anderen Zentralbanken auch, faktisch in der Falle: Sie kann die Geldmenge nicht mehr entsprechend ihren satzungsgemäßen Zielen steuern. Es ist nun die vorrangige Aufgabe der Fed, sich um das Schattenbankensystem zu sorgen, auf das sie keinen unmittelbaren Einfluss hat, und lediglich sicherzustellen, dass weiterhin ausreichend Sicherheiten guter Qualität zur Verfügung stehen.
In Finanzkreisen herrscht in Bezug auf dieses Problem eine besorgniserregende Sorglosigkeit, was darauf hindeutet, dass die Finanzanlagen das ernste Risiko eines Systemversagens nicht einpreisen. Dieses Problem verlangt ernsthafte Aufmerksamkeit.