Jeder Rohstoffmarkt hat seine eigene Geschichte zu erzählen: Die Ölpreise fallen, weil sich die OPEC nicht auf Förderkürzungen einigen kann, die Stahlbranche sieht sich einem Überangebot aufgrund von Überkapazitäten gegenüber, und selbst der Maispreis ist gefallen, vermutlich wegen guter Ernten.
In lokalen Währungen trifft dies weniger zu. Der Unterschied zwischen den Preisen in lokalen Währungen und den Preisen in US-Dollar spiegelt selbstverständlich die Schwäche der meisten Währungen gegenüber dem Dollar an den Devisenmärkten wider. Das zeigt uns, dass der gemeinsame Faktor, ungeachtet der Entwicklung bei den einzelnen Rohstoffen und den einzelnen Währungen, der US-Dollar ist.
Das ist vielleicht offensichtlich, doch der Rückgang der Rohstoffpreise und der Anstieg des US-Dollars müssen im Zusammenhang betrachtet werden. Wir sollten festhalten, dass für den größten Teil der Weltbevölkerung die Befürchtung, wir stünden vor einer globalen Deflation (womit gemeinhin fallende Preise gemeint sind), bislang nicht zutrifft. Ebenso wenig trifft der Schluss zu, der Rückgang des Ölpreises deute auf einen plötzlichen Einbruch der Energienachfrage hin. Als der Dollarpreis für Öl zu fallen begann, gaben auch die Wechselkurse aller anderen wichtigen Währungen nach. Dies bestätigt, dass ein erheblicher Teil der Ölpreisbewegung auf die Stärke des Dollars zurückging, was auch für die Rohstoffpreise insgesamt gegolten haben dürfte.
Wir können lediglich feststellen, dass sich die Präferenzen im Durchschnitt hin zum Halten von Dollar und weg vom Halten von Rohstoffen verschoben haben. Aus dieser Sicht lässt sich erkennen, dass sich ein Trend zum Lagerabbau allein aus finanziellen und nicht aus geschäftlichen Gründen entwickeln kann, weil Unternehmen, die in Dollar bilanzieren, auf überschüssigen Lagerbeständen finanzielle Verluste erleiden. Es ist die Aufgabe von Spekulanten, diese Entscheidungen vorwegzunehmen, und genau das haben wir in den vergangenen Monaten beobachtet.
Makroökonomen, die per Definition entweder Keynesianer oder Monetaristen sind, beginnen, fallende Rohstoffpreise und einen steigenden Dollar als Beleg für eine unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu deuten. Bleibe diese unbeachtet, führe sie zu Deflation, steigender Arbeitslosigkeit, Insolvenzen, fallenden Vermögenspreisen und Bankenpleiten. Dies sei, so sagen sie, ein Ergebnis, das um jeden Preis vermieden werden müsse, indem die gesamtwirtschaftliche Nachfrage so angeregt wird, dass nichts davon eintritt.
Ob diese Einschätzung zutrifft oder nicht, ist nicht der entscheidende Punkt. Sie versäumen es, zu berücksichtigen, dass ein Teil der Bewegung der Rohstoffpreise auf die Währung selbst als Numéraire aller Preise zurückzuführen ist.
Als Beleg dafür genügt ein Blick auf die Haltung der Fed und jeder anderen Zentralbank, die im Rahmen ihrer Geldpolitik die Preisinflation anstrebt. Bei der Gestaltung der Geldpolitik wird die Möglichkeit, ja Wahrscheinlichkeit nicht berücksichtigt, dass sich die Präferenzen künftig gegen den Dollar oder auch jede andere Währung und zugunsten von etwas anderem verändern. Das Tragische an diesem mangelnden Marktverständnis ist, dass die Geldpolitik sehr wahrscheinlich nicht nur den Anstieg des Dollars begrenzen wird, wie es beabsichtigt ist, sondern ihn am Ende untergraben wird, wenn sich die Präferenzen in die andere Richtung verschieben.
Die Lehre daraus ist, dass die Fed vielleicht einige Menschen die ganze Zeit und alle Menschen einen Teil der Zeit täuschen kann, doch am schlimmsten ist, dass sie sich selbst täuscht. Und wir sollten bedenken, dass die Stärke des Dollars nur ein Trend ist, der sich jederzeit leicht umkehren kann.