QE für Dummies

Ein Leser von PeakProsperity.com klagte kürzlich:


„Ich versuche schon seit Längerem, den Mechanismus von QE zu verstehen. Da ich weder Ökonom noch erfahrener Anleger bin, verstehe ich einen Großteil des Fachjargons nicht wirklich. Auch die übliche einfache Definition von QE als ‚Gelddrucken aus dem Nichts‘ genügt mir nicht, um es zu verstehen. Ich habe nach einer Beschreibung von QE für Laien gesucht, nach der ich das Gefühl habe, es begriffen zu haben, aber ohne Erfolg. Meine Schwierigkeit besteht darin zu verstehen, wie das Geld aus dem Nichts in Umlauf gelangt.“

Ich werde daher mein Bestes tun, diese Bitte so anschaulich und unkompliziert wie möglich zu beantworten. Auch ich muss den Mechanismus eines Vorgangs verstehen, um das Gefühl zu haben, ihn zu durchschauen. Und ich halte es für ausgesprochen wichtig, QE (mit vollem Namen „Quantitative Easing“) und das, was es tatsächlich bedeutet, zu verstehen. Denn es ist ohne Zweifel eine der größten marktprägenden Kräfte unserer Zeit. 

Darüber hinaus birgt es außerordentliche Risiken und könnte sich durchaus auch als entscheidender prägender Prozess für die Zukunft erweisen. Und zwar nicht im positiven Sinne.

Trotz seines anspruchsvoll klingenden Namens ist QE nichts Komplizierteres als der Ankauf von „Vermögenswerten“ durch die Fed bei Geschäftsbanken und anderen privaten Finanzinstituten. Ich setze Vermögenswerte in Anführungszeichen, weil die Fed von diesen Instituten keine Dinge wie Grundstücke, Stradivari-Geigen, Diamanten, Gold oder Silber kauft, sondern verschiedene Formen von Schulden.

Die wichtigsten angekauften Schuldenformen sind Staatsanleihen (Treasury Bills, Notes und Bonds) sowie hypothekenbesicherte Wertpapiere (Mortgage Backed Securities, MBS). 

Es könnte durchaus weitere Formen geben, doch derzeit haben wir keinen Einblick in die Zusammensetzung des erheblichen Teils der Fed-Bilanz, der auf die Position „sonstige Vermögenswerte“ entfällt. Darauf gehe ich gleich näher ein.


QE erklärt

Zunächst eine Erklärung von QE:

Quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) ist eine unkonventionelle geldpolitische Maßnahme der Zentralbanken, mit der die Volkswirtschaft angekurbelt werden soll, wenn die konventionelle Geldpolitik wirkungslos geworden ist. 

Eine Zentralbank setzt die quantitative Lockerung um, indem sie  Finanzaktiva von Geschäftsbanken und anderen privaten Institutionen kauft und damit Geld schafft und eine im Voraus festgelegte Geldmenge in die Wirtschaft einspeist.

Die quantitative Lockerung erhöht die Überschussreserven der Banken und treibt die Preise der angekauften Finanzaktiva in die Höhe, wodurch deren Rendite sinkt.

(Quelle – Wikipedia)

QE unterscheidet sich von der normalen Geldpolitik dadurch, dass der Ankauf verschiedener Anleihearten durch die Fed im Normalfall zweierlei bewirkt: Er senkt die Zinsen und erhöht die Geldmenge im System.

Bei QE hingegen können die Zinsen am Interbankenmarkt nicht weiter gesenkt werden, als sie es ohnehin schon sind, da sie bei 0 % liegen. Für den Prozess, bei dem nur noch die Menge des Geldes gelockert wird, verwendet man daher eine andere Bezeichnung: Quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE).

Das ist nur eine hochtrabende Umschreibung dafür, dass die Zentralbank durch frühere Fehler und Fehleinschätzungen in eine Falle geraten ist, in der sie eines ihrer wirksamsten Instrumente verloren hat: den Preis des Geldes. Nun kann sie nur noch an der Menge des Geldes drehen.

Hier ist eine einfache Skizze, die ich angefertigt habe, um zu zeigen, wie simpel dieser hochtrabend klingende Vorgang tatsächlich ist:

Illustration accompanying QE für Dummies

Wenn die Fed diesen Trick anwendet, landen die Vermögenswerte in ihrer Bilanz als – nun ja, als Vermögenswerte natürlich. Glücklicherweise liefert die Fed zeitnah einigermaßen klare Angaben zur Ausweitung ihrer Bilanz. Wir können also recht gut nachvollziehen, was dabei gerade geschieht.

In der Grafik sehen wir, dass die Vermögenswerte der Fed gut ein Jahr lang konstant bei rund 2,75 Billionen US-Dollar lagen. Dann begann jedoch die jüngste QE-Runde (QE4), die die Fed-Bilanz auf über 3 Billionen US-Dollar aufgebläht hat – und sie ist auf dem Weg zu (mindestens) 4 Billionen US-Dollar bis zum Jahresende (2013).

Illustration accompanying QE für Dummies

Hier eine kurze, gelungene Beschreibung des Ablaufs von QE:

Eine Zentralbank [führt QE durch],  indem sie zunächst ihrem eigenen Konto selbst geschaffenes Geld gutschreibt ex nihilo („aus dem Nichts“). Anschließend kauft sie Finanzaktiva an, darunter Staatsanleihen und Unternehmensanleihen, und zwar von Banken und anderen Finanzinstituten in einem Vorgang, der als Offenmarktgeschäft bezeichnet wird.

Durch die Ankäufe, die per Kontogutschrift erfolgen, erhalten die Banken die Überschussreserven, die sie benötigen, um durch Depositenmultiplikation infolge vermehrter Kreditvergabe im Mindestreservesystem neues Geld zu schaffen.

Die Ausweitung der Geldmenge regt somit die Wirtschaft an. Zu den Risiken zählt, dass die Maßnahme stärker wirkt als beabsichtigt und Hyperinflation auslöst, oder dass sie nicht ausreichend wirkt, falls die Banken das zusätzliche Geld schlicht einbehalten, um ihre Kapitalreserven zu erhöhen, während die Ausfälle in ihrem bestehenden Kreditportfolio zunehmen.

(Quelle: Business Insider)


Der Preis des Geldes aus dem Nichts

An dieser Stelle fragen Sie sich vielleicht: Woher hatte die Fed das Geld für den Kauf dieser Vermögenswerte? Die Antwort ist einfach: Es wurde aus dem Nichts geschaffen. Oder ex nihilo, wenn man es mit lateinischen Worten offizieller klingen lassen möchte. 

In der heutigen Zeit wurde natürlich kein tatsächliches Papiergeld geschaffen und getauscht, sondern es genügten ein paar Klicks auf einer Computertastatur. Und – voilà! – Milliarden und Abermilliarden Dollar sind geschaffen.

Es gibt mehrere gravierende Risiken, wenn man die Welt mit erfundenem Geld überschwemmt. Wenn wir sie verstehen, wird klarer, wie die Entscheidung der Fed für QE sie in eine Sackgasse geführt hat, in der ihre Handlungsmöglichkeiten immer weiter schwinden. Es erklärt auch, warum die Fed ihre aggressive Gelddruckerei fortsetzt – und so lange fortsetzen wird, bis es schlicht nicht mehr geht – . 

In Teil II: Warum Sie die Folgen von QE unbedingt ernst nehmen sollten legen wir diese Risiken dar und zeigen die Indikatoren auf, anhand derer Sie sie verfolgen können. Anschließend erläutern wir im Einzelnen, wie der QE-Prozess voraussichtlich entgleisen wird und welche Folgen dies für Ihr Vermögen und Ihr Wohlergehen hat.

Um unsere Lage zu verdeutlichen: Wir erleben das größte und abwegigste Währungsexperiment, das Menschen je an sich selbst durchgeführt haben. Dies sind außergewöhnliche Zeiten, und gleichgültig, wie oft die Mainstream-Presse Sie davon überzeugen will, dass ein steigender Aktienmarkt oder ein sich erholender Immobilienmarkt eine Rückkehr zu einem gesunden wirtschaftlichen Gleichgewicht bedeute: Fallen Sie nicht darauf herein.

Die Fed befindet sich in unerforschtem Gebiet und hat ein Monster geschaffen, das sie nicht mehr kontrollieren kann. Dabei erzeugt sie neue Vermögenspreisblasen, von denen diejenigen profitieren, die als Erste Zugang zum neu gedruckten Geld haben (Banken und Unternehmen), und zwar auf Kosten von Sparern, Pensionären und aller, die finanziell umsichtig handeln. Dies führt selbstverständlich zu einer tiefen und wachsenden Ungleichheit zwischen dem obersten 1 % und allen anderen.

Wenn dieses geldpolitische Abenteuer endet, wie es sowohl die Mathematik als auch die Geschichte erwarten lassen, wird dies chaotisch, unkontrolliert und für Inhaber nahezu aller Arten von Finanzinstrumenten (Aktien, Anleihen, Derivate usw.) sehr schmerzhaft sein. Deshalb ist es so wichtig, die tieferen Ursachen und Risiken von QE zu verstehen, um die besten Zufluchtsorte zu erkennen, mit denen sich die Kaufkraft Ihres Vermögens durch diesen Übergang schützen lässt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Peak Prosperity.

Zurück zu den Goldmoney Analysen