Im Vereinigten Königreich gibt es Anzeichen für eine Belebung der Konsumausgaben, die sich wahrscheinlich auch anderswo zeigt. Dahinter stehen vermutlich zwei Faktoren: Der erste ist möglicherweise saisonal bedingt und wird vom schönen Wetter unterstützt. Der zweite ist weniger offensichtlich, verstärkt aber den ersten und fördert den Kauf hochpreisiger Güter; es handelt sich um günstige Verbraucherfinanzierung in Verbindung mit wachsenden Erwartungen höherer Zinsen in der Zukunft.
Zinserwartungen befeuern daher die Nachfrage nach hochpreisigen Gütern wie Autos und Elektronikartikeln, bei denen die Kreditkosten gesenkt wurden, um den Absatz zu stützen. Auch die Nachfrage nach Festzinshypotheken scheint zu wachsen, und dank Banken, die kurzfristig Geld aufnehmen und langfristig verleihen, gibt es einige sehr verlockende Umschuldungsangebote. Zusammengefasst bilden niedrige Finanzierungskosten und ein ordentlicher Sommer die Grundlage für einen Anstoß des wirtschaftlichen Optimismus.
Ökonomen revidieren ihre Erwartungen zum BIP-Wachstum bereits nach oben. Allerdings dürfte die Tendenz zu steigenden Preisen zunehmen, bedingt durch Kapazitätsengpässe in Unternehmen, die ihre Gewinne in den letzten drei oder vier Jahren durch zurückgehaltene Investitionen gestützt haben. Folglich werden die Preissteigerungen höher ausfallen als allgemein erwartet.
In den USA ist die Lage ähnlich, mit einem zusätzlichen Faktor. US-Verbraucher reagieren stärker als britische auf das Vertrauen in Aktienmärkte und Immobilienpreise, und die Nachrichten hierzu waren optimistisch. Die Zinsen sind niedrig, und sie werden steigen – also kauft man hochpreisige Güter jetzt. Die Kosten für Kauf und Finanzierung eines durchschnittlichen Hauses sind bereits um geschätzte 40 % gestiegen.
Regierungen und Ökonomen werden glauben, die ersehnte Erholung erreicht zu haben. Leider wird sie mit ziemlicher Sicherheit von einer Preisinflation getrübt sein, die höher ausfällt, als der Nachfrageanstieg vermuten lässt. Während die nominalen BIP-Wachstumsraten also etwas besser ausfallen werden als derzeit erwartet, wird man von vorübergehenden Kapazitätsengpässen sprechen.
Das Endergebnis ist, dass die Zentralbanken zwar erkennen werden, dass die Preisinflation ein wachsendes Problem darstellt, sie aber zögern werden, mit höheren Zinsen gegen die Inflation vorzugehen. Und wenn die Verbraucher sehen, dass die Zentralbanken der Entwicklung hinterherhinken, wird dies eine weitere Kreditaufnahme der Verbraucher begünstigen.
Dies führt in die zweite Phase der Inflation. Die erste bestand in der Ausweitung von Bargeld und Einlagengeld, die zweite besteht in dessen Mobilisierung. Der Preiseffekt dürfte dramatisch ausfallen, wenn das Geld von der Wall Street in die Main Street fließt (oder, in britischen Begriffen, von der City of London in die High Street). Hinzu kommt jedoch ein Währungseffekt, den nur wenige Ökonomen berücksichtigen: Die Märkte beginnen, die künftige Kaufkraft von Papierwährungen abzuzinsen und erwartete, höhere Preise zeitlich vorzuziehen, während die Zentralbanken offenbar zögern, die Zinsen anzuheben. Das Volcker-Rezept, die Inflation durch höhere Zinsen abzuwürgen, ist für die Entscheidungsträger schlicht keine Option.
Die Zentralbanken dürften sich zwangsläufig stärker auf den Schaden konzentrieren, den steigende Anleiherenditen für die Staatsdefizite und die Bankbilanzen verursachen. Zudem sind sie sich der Auswirkungen höherer Kreditkosten auf die heutige hohe Verschuldung der Verbraucher sehr bewusst.
Die Schlussfolgerung lautet: Die inflationäre Reaktion der Zentralbanken auf die Bankenkrise vor fünf Jahren wird in den kommenden Monaten erheblich schwieriger, da sich die monetäre Inflation in Preisinflation verwandelt.