Da China das Edelmetall aufkauft, schwindet die Bedeutung der Papiermärkte an der Comex (und in London). Liquidität und Relevanz von Papiergold und Papiersilber im Verhältnis zum physischen Edelmetall nehmen ab.
Dieser Marktbericht analysiert, warum das Open Interest an der Comex auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahren gefallen ist, und welche Folgen dies hat. Offensichtlich wurde den westlichen Papiermärkten Liquidität entzogen, weil das Edelmetall fortwährend in feste asiatische Hände abfließt. Wir legen Belege für die Belastung der Market Maker an der Comex vor, die nur über begrenzte Kapitalressourcen verfügen, und erörtern die Konsequenzen.
Das Open Interest liegt jetzt auf dem niedrigsten Stand seit mehreren Jahren
In dieser Woche ist das Open Interest im Comex-Goldkontrakt auf unter 350.000 Kontrakte gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit mindestens dreizehn Jahren.
Es ist der deutlichste Hinweis auf das nahezu vollständige Fehlen spekulativen Interesses an der Comex, und da die Comex mit London im Arbitragehandel verbunden ist, gilt dies auch für jenen Markt. Das ist umso bemerkenswerter, als der Preisanstieg seit 2023 normalerweise zu mehr spekulativem Interesse führen würde; stattdessen ist es eingebrochen, insbesondere nach Dezember 2024.
Denselben Trend sehen wir beim Silberkontrakt der Comex, den wir als Nächstes betrachten:
Das Open Interest ist auch hier mit Abstand das niedrigste seit dreizehn Jahren, und sein Einbruch hängt eng mit einem Silberpreis zusammen, der seit Mitte Oktober letzten Jahres stark gestiegen ist. Dies verbindet den Einbruch des spekulativen Interesses mit dem extremen Liquiditätsproblem in London, als die Leihrate für Silber am 9. Oktober auf erstaunliche 40 % stieg.
Das Problem ist also die Liquidität bei Futures und Termingeschäften. Höhere Preise dürften die Positionslimits der Market Maker und der Händler der Bullionbanken, zusammen die Kategorie „Swaps“ an der Comex, die traditionell die Short-Seite einnimmt, an ihre Grenzen bringen. Dies belegt unsere nächste Grafik zum Dollarwert der Short-Positionen der Swap-Kategorie:
Viele Jahre lang hielt diese Kategorie ihre gesamten Short-Positionen unter 30 Milliarden US-Dollar, wie die untere gestrichelte Linie zeigt. Dieser Wert verdoppelte sich dann auf etwa 60 Milliarden US-Dollar und erreichte zuletzt nochmals das Doppelte. Bei der aktuellen Preiskonsolidierung und dem gleichzeitigen Rückgang des Open Interest liegt er mit 90 Milliarden US-Dollar immer noch auf unangenehmem Niveau. Das durchschnittliche Short-Engagement je Swap-Teilnehmer beträgt 3,75 Milliarden US-Dollar, nachdem es auf dem Höhepunkt des Goldpreises bei fast 5 Milliarden lag.
Neben der offensichtlichen Belastung der Kapitalressourcen und dem Anstieg des systemischen Risikos gelangen wir zu einem wichtigen Schluss: London und New York fehlt die Kapazität, mit höheren Edelmetallpreisen umzugehen. Mit anderen Worten: Als Mittel, die Nachfrage nach Gold und Silber in Papierkontrakte umzulenken und so die Preise einzudämmen, versagt dieses Instrument nach Jahrzehnten des Erfolgs nun.
Der Grund ist, dass die Nachfrage nach physischer Liquidität inzwischen die Preise bestimmt. Dies ist die Folge des Verkaufs von Dollar gegen Gold durch asiatische Marktteilnehmer. Es zeigt sich in den Lagerbeständen der Comex für Gold und Silber, die trotz des Preisrückgangs der letzten vier Monate weiter abgebaut werden. Dies veranschaulichen die folgenden Grafiken:
Neben der anhaltenden Goldnachfrage der Zentralbanken sind auch Chinas Geschäftsbanken große Käufer. Sie bieten ihren Kunden Goldsparpläne an, die sie wegen fehlender verfügbarer Edelmetalle aussetzen oder einschränken mussten. Den Preisrückgang in London und New York haben sie genutzt, um ihre Bestände aufzufüllen.
Erst gestern wurde jedoch bekannt gegeben, dass dieses Angebot wieder verfügbar wird. Dies stammt aus einer chinesischen Zeitung:
Unterdessen bilden die Kassapreise in London die Nachfrage nach Edelmetall nicht angemessen ab, da sie im Wesentlichen ein „lokaler“ Preis sind, und zwar lokal im Sinne der westlichen Kapitalmärkte. Eine ähnliche Situation zeigt sich beim Öl, wo die Preise vor Ort in Asien deutlich über den US-amerikanischen und europäischen Preisen liegen. Gold und Silber sind nicht die einzigen Märkte, die sich sowohl regional als auch zwischen Papierkontrakten und physischer Realität auseinanderentwickeln.
In London und an der Comex spiegeln die Preise für Gold und Silber ein Kurzfristdenken wider, das tatsächliche Folgen ausblendet. Steigen die Ölpreise, werden Gold und Silber abgewertet. Steigen die Anleiherenditen, werden Gold und Silber abgewertet. In Asien ist die Sichtweise diametral entgegengesetzt. Steigen die Ölpreise, ist der Wert des Dollars bedroht. Die Anleiherenditen steigen, weil die Kaufkraft des Dollars sinkt.
Alles Gründe in Asien, Dollar gegen Gold zu verkaufen. Die Folge ist: Kehrt das spekulative Interesse an die westlichen Kapitalmärkte zurück, ist zu erwarten, dass der Mangel an Liquidität die Gold- und Silberpreise deutlich über ihre Höchststände von Ende Januar treibt. Das allein wird unbequeme Fragen zur Zukunft des Fiat-Dollars aufwerfen.




