
Die negative Stimmung an den Papiermärkten für Edelmetalle hält an, während die makroökonomisch orientierte Anlegerwelt versucht, sich mit höheren Zinsen abzufinden. Im frühen Handel in Europa lag Gold heute Morgen bei 1.659 US-Dollar, 34 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Im gleichen Zeitraum fiel Silber um 1,25 US-Dollar auf 18,78 US-Dollar. Die Handelsvolumina an der Comex sind zwar insgesamt niedrig, zogen jedoch gestern an, nachdem es am Mittwoch nach höher als erwartet ausgefallenen US-Verbraucherpreisdaten (CPI) zu einem leichten Ausverkauf gekommen war. Diese deuten auf höhere Zinsen seitens der Fed hin, als der Markt vor Veröffentlichung der Zahlen eingepreist hatte.
Wir haben die Beobachter der Edelmetallmärkte davor gewarnt, dass diese Bedingungen wahrscheinlich andauern werden, solange sich Anleger durch eine keynesianische Brille auf makroökonomische Faktoren konzentrieren und ihre Ausrichtung an die neuen Realitäten anpassen. Insbesondere Hedgefonds handeln eindimensional: Sie verkaufen Dollar, um Papiergold zu kaufen, oder verkaufen Papiergold, um Dollar zu kaufen. Unter diesen Bedingungen halten sie den Dollar und kurzfristige Dollar-Instrumente für sichere Häfen. Sie argumentieren, dass Gold keine Erträge abwirft und daher durch steigende Zinsen benachteiligt wird, während der Dollar der Fed von Unsicherheit profitiert.
Das ist die vorherrschende Stimmung an den Papiermärkten, und wir sehen, dass die Positionierung an der Comex inzwischen stark überverkauft ist. Zunächst betrachten wir Gold und dessen Open Interest.

Mit einem Tiefstand von 431.395 Kontrakten ist dieser Indikator so überverkauft wie nur möglich. Er spiegelt ein minimales Interesse der Spekulanten wider. Auf der Verkaufsseite haben die Kategorien Produzenten und Swaps ihre Bücher weitestgehend ausgeglichen.
Unsere nächste Grafik zeigt die Swaps, überwiegend die Handelsabteilungen von Edelmetallbanken.

Laut dem letzten Commitment-of-Traders-Bericht (4. Oktober) ist ihre Netto-Short-Position auf 13,4 Mrd. US-Dollar gesunken, nachdem sie am 27. September noch bei nur 8 Mrd. US-Dollar gelegen hatte. Bei Silber waren sie am 4. Oktober tatsächlich mit 11.189 Kontrakten netto long, was ungewöhnlich ist. Doch wie bei Gold deutet auch das Open Interest bei Silber an der Comex auf stark überverkaufte Bedingungen hin.

Mit weniger als 130.000 Kontrakten liegt das Open Interest unter dem Stand vom März 2020, als der Preis auf 11,64 US-Dollar gedrückt wurde.
Unter diesen Bedingungen sind es die Papieranleger, die unter die Räder kommen. Und es besteht kein Zweifel, dass die Edelmetallbanken versuchen, sie aus dem Markt zu drängen, einschließlich glückloser Anleger in ETFs, die als Quelle lieferbarer Edelmetalle gelten.
Zentralbanken, alte Vermögen und Privatpersonen nutzen die Gelegenheit, physische Edelmetalle in Barren- und Münzform zu erwerben, im Bewusstsein wachsender systemischer Risiken für Währungen und Finanzsysteme. Die Lieferungen an der Comex setzen sich zügig fort: Seit dem 30. September wurden 67 Tonnen Gold zur Lieferung gestellt. Zudem sinken die zur Lieferung registrierten Bestände in den Comex-Lagern.
An anderen Märkten steigen die Anleiherenditen weiter. Als Nächstes betrachten wir die zehnjährige US-Staatsanleihe.

Bei den Devisen verschiebt sich jedoch der Schwerpunkt. Wir haben gesehen, wie das Pfund Sterling und der Euro gegenüber dem Dollar schwächer wurden, doch sie scheinen sich nun zu stabilisieren. Stattdessen stehen die führenden asiatischen Währungen im Fokus, wobei der chinesische Yuan und der japanische Yen neue Höchststände erreichen (d. h., diese Währungen werden schwächer). Diese Grafiken folgen als Nächstes.

Vielleicht tritt die Währungsturbulenz in eine neue Phase ein.
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