
Preislich war es für Gold in dieser Woche ruhig, doch gestern kam es zu einem Anstieg um zehn Dollar. Im europäischen Handel lag Gold heute Morgen bei 2.047 $ und damit 16 $ über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, während Silber mit 22,62 $ um 22 Cent niedriger notierte. Der Comex-Umsatz in beiden Kontrakten war bis gestern verhalten, zog dann aber bei Gold deutlich an, bei Silber hingegen weniger. Dies wird im Folgenden dargestellt.

Das herausragende Merkmal ist die Beschleunigung der Lieferungen: In dieser Woche wurden 2.005 Gold-Kontrakte zur Lieferung gestellt, sodass sich die Gesamtzahl für Februar auf 18.118 Kontrakte beläuft, was mehr als 1,81 Millionen Unzen (56,35 Tonnen) entspricht. Bei Silber waren es gestern mit 2.858 Kontrakten zu je 5.000 Unzen (444,47 Tonnen) eine enorme Zahl, womit sich die Gesamtmenge für Februar auf 563 Tonnen beläuft. Als die Comex diese Kontrakte einführte, war dies nie vorgesehen; die Kontrakte sollten bei Verfall glattgestellt werden, und die Lieferung sollte lediglich die rechnerische Verbindung zwischen dem Papierkontrakt und dem Metall herstellen.
Dieses Problem hat sich schon seit einiger Zeit aufgebaut. Es stellt sich die Frage, wohin das alles führt. Wir wissen, dass Zentralbanken ihre Reserven aufstocken, und für einige der kleineren ermöglicht ein Comex-Kontrakt, bei der Lieferung durch die Raffinerien die Warteschlange zu überspringen. Hinzu kommen mit ziemlicher Sicherheit sehr vermögende Privatpersonen und ihre Family Offices, weniger im Westen, sondern vermutlich in Asien, wo neue Milliardäre entstehen: man denke an Indien. Die chinesische Nachfrage hält unvermindert an; die Auslieferungen der Shanghai Gold Exchange beliefen sich im Januar auf gewaltige 271 Tonnen, den zweithöchsten Wert nach 285,5 Tonnen im Juli 2015. In den vergangenen zwölf Monaten summierten sich diese Auslieferungen auf 3.344 Tonnen, was ungefähr der jährlichen weltweiten Goldminenproduktion entspricht.
Abgesehen von der Minenproduktion und Altmaterial besteht der einzige Ausgleich in der Auflösung von ETF-Beständen, die laut World Gold Council im Januar 51 Tonnen betrug und sich über die vorangegangenen zwölf Monate auf 234,6 Tonnen belief. Als Indikator für das öffentliche Interesse an Gold erklärt dies, warum sich trotz eines Goldpreises oberhalb von 2.000 $ in einem Aufwärtstrend niemand dafür zu interessieren scheint. Es folgt der technische Chart.

Dieser Chart ist technisch sehr positiv. Ein kurzfristiger Rückgang unter 2.000 $ lässt sich jedoch nicht ausschließen und könnte durchaus eintreten, wenn der Ausblick auf niedrigere US-Zinsen als weiter aufgeschoben wahrgenommen wird. Eine solche Stimmung würde wahrscheinlich von Händlern der Edelmetallbanken gefördert, die darin eine Gelegenheit sähen, ihre Papier-Short-Positionen einzudecken.
Sich an den Zinserwartungen zu orientieren, könnte sehr irreführend sein. Das Problem ist zunehmend weniger die Inflation, sondern vielmehr eine massive Schuldenfalle für das US-Finanzministerium. Dies wird unweigerlich zu Druck in Richtung höherer Renditen für US-Staatsanleihen führen. Viele Anlagestrategen sind sich des Problems bewusst, glauben aber, dass es der Fed irgendwie gelingen wird, die Renditen durch QE und möglicherweise durch eine Zinskurvenkontrolle niedrig zu halten. Das könnte sich als sehr gefährliche Haltung erweisen.
Statt über den Nachteil des niedrig verzinsten Goldes nachzudenken, dessen Leihzins üblicherweise unter zwei Prozent liegt, im Vergleich zu höheren Renditen für US-Schatzwechsel im Rahmen eines Carry Trades, der nicht stattfinden wird, sollte man sich Gedanken über den Wert des Dollar-Kredits machen, wenn der Emittent seine Schulden nicht abbauen kann und stattdessen die auflaufenden Zinskosten lediglich fortschreibt.
Dies scheinen all jene chinesischen Bürger zu verstehen, die auf eigene Faust das Äquivalent der jährlichen weltweiten Minenproduktion abnehmen, sowie die neuen Superreichen Indiens und andere in Asien und darüber hinaus. Einer Liquiditätskrise bei physischem Gold dürfte nun eine Schuldenkrise der US-Regierung folgen, die den Wert des Dollars untergräbt.