Marktbericht: Zugrunde liegende Stärke

Gold und Silber verbrachten den größten Teil der Woche damit, die jüngsten Gewinne durch eine überwiegend seitwärts gerichtete Bewegung zu konsolidieren, doch ihre zugrunde liegende Stärke war bemerkenswert. Die erste Grafik zeigt Gold und das Open Interest an der Comex.

 Gold Open Interest 04072014

Der Anstieg des Open Interest zeigt, dass der Preisanstieg auf Käufen beruhte und nicht auf einem Bear Squeeze, bei dem die Preise bei konstantem bis rückläufigem Open Interest gestiegen wären. Dies ist eine wichtige Entwicklung, denn sie deutet darauf hin, dass Spekulanten allmählich glauben, der Abwärtstrend der letzten 30 Monate könnte beendet sein. Ohne Käufe im Rahmen eines neuen Aufwärtstrends wäre jede Erholung auf einen Bear Squeeze beschränkt.

Es scheint, dass die Edelmetallbanken ihre Short-Positionen erhöht haben, doch dafür gibt es möglicherweise einen guten Grund. Hätten sie die Bären ausgepresst und den Goldpreis beispielsweise auf 1.400 US-Dollar steigen lassen, hätten sie zum Halbjahr größere Verluste auf ihren Short-Positionen ausweisen müssen. Mit anderen Worten: Die Schönung der eigenen Gewinn- und Verlustrechnung durch die Edelmetallbanken hatte vorübergehend Vorrang vor der Handelsstrategie.

Das Silberchart sieht auf den ersten Blick anders aus: Das Open Interest ging stark zurück, bevor es in den letzten Handelstagen wieder anzog. Dies zeigt die zweite Grafik.

Silver Open Interest 04072014

Der Rückgang des Open Interest in der zweiten Junihälfte war schlicht auf den Verfall des Juli-Kontrakts zurückzuführen, als über 100.000 Kontrakte entweder geschlossen oder in den nächsten aktiven Monat (September) gerollt werden mussten. Dieser Vorgang ist nun abgeschlossen, wobei einige Bullen verständlicherweise kurzfristige Gewinne mitgenommen haben. Daher ist nun zu erwarten, dass das Open Interest wieder in Richtung der Marke von mehr als 160.000 steigt.

Die Basismetalle haben einen neuen Aufschwung erlebt, der teils die Dollarschwäche und teils einen Bear Squeeze im Gefolge wilder Geschichten über mehrfache Verpfändungen von Lagermetall in chinesischen Häfen widerspiegelt. Platin profitierte besonders, und auch Gold und Silber profitierten offensichtlich.
Die vielleicht interessanteste Nachricht dieser Woche war, dass der Finanzausschuss des britischen Unterhauses (Treasury Committee) hochrangige Vertreter der Financial Conduct Authority und den Geschäftsführer des London International Financial Futures Market vorlud, um Aussagen zum Londoner Goldmarkt und zum Gold-Fixing zu machen. Die Fernsehaufzeichnung finden Sie hier.

Es wird rasch deutlich, dass die Antworten auf die Fragen des Ausschusses unzureichend waren. Die zweite Sitzung, mit Rhona O'Connell von Thompson Reuters und Alberto Thomas, einem Anwalt von Fideres LLP, schien die schlimmsten Befürchtungen des Ausschusses hinsichtlich des Londoner Edelmetallmarktes und des Gold-Fixings zu bestätigen. Der Vorsitzende Andrew Tyrie fasste zusammen: „Sie haben uns eine ziemlich deprimierende Geschichte erzählt: Der Markt kann potenziell manipuliert werden, er ist bei Weitem nicht wettbewerbsfähig genug, an 10 bis 30 % der Handelstage wurde er wahrscheinlich manipuliert, Kunden wurden wahrscheinlich bis zu 40 Basispunkte abgenommen, und die Aufsichtsbehörden hätten früher handeln können und müssen, insbesondere nach dem LIBOR. Gibt es also einen Grund, dies nicht als einen entsetzlichen Fall zu betrachten?“

Es ist klar, dass dem Londoner Goldmarkt eine grundlegende Neuordnung bevorsteht, die eine engere Regulierung und mehr Transparenz mit sich bringt. In diesem Umfeld werden sich die Edelmetallbanken voraussichtlich mit aggressiven Handelsaktivitäten zurückhalten, bis die regulatorische Lage klarer ist.

Nächste Woche

Montag.

Japan: Frühindikator, Daten zur Kreditvergabe der Banken, Leistungsbilanz.
Eurozone: Sentix-Index

Dienstag.

Großbritannien: Industrieproduktion, Produktion im verarbeitenden Gewerbe.
USA: Verbraucherkredite.
Japan: Economy-Watchers-Umfrage.

Mittwoch.

Japan: Geldmenge M2, Maschinenaufträge (Key Machinery Orders).

Donnerstag.

Japan: Verbrauchervertrauen.
Großbritannien: Handelsbilanz, Zinsentscheidung der Bank of England.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Großhandelsbestände.

Freitag.

USA: Haushaltsdefizit.

Zurück zu den Goldmoney Analysen