
Die Gold- und Silberpreise gaben sich diese Woche verhalten, da die Märkte die Anhebung des Leitzinses (Bank Rate) durch die Bank of England auf 0,5 % verarbeiteten und die EZB ihren Einlagensatz unverändert bei minus 0,5 % beließ. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag stieg Gold im frühen europäischen Handel heute Morgen um 23 $ auf 1.813 $, und Silber legte im gleichen Zeitraum um 15 Cent auf 22,60 $ zu.
Diese Woche hob die Bank of England ihren Leitzins auf 0,5 % an, wobei einige Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee) für 0,75 % votierten. Die EZB gab keine Änderung ihres Einlagensatzes bekannt, warnte jedoch, dass es länger dauern werde als zunächst angenommen, bis die Preisinflation in der Eurozone wieder unter Kontrolle sei.
Die Finanzmärkte reagierten schockiert auf diese Entwicklungen; Aktien, Anleihen und Gold wurden gestern (Donnerstag) zunächst abgewertet. Gold stabilisierte sich jedoch rasch nach einem Rückgang von knapp 20 $, erholte sich und schloss nur 2 $ im Minus, bevor es heute Morgen weiter anzog.
Offensichtlich beginnen sowohl die Zentralbanken als auch die Märkte zu erkennen, dass eine Anpassung an die Folgen anhaltender und zunehmender Inflation und an die wahrscheinlichen Auswirkungen auf die Zinsen notwendig ist. Obwohl dies für Anleihen, Aktien und Wohnimmobilienpreise äußerst negativ ist, liegt das Anlage-Establishment, geleitet von keynesianischen Überzeugungen, bei der Beziehung zwischen Gold und Zinsen falsch.
Steigende Zinsen stellen nicht die Kosten des Geldes dar, wie gemeinhin angenommen wird, und die Aussicht auf weitere Anhebungen hat daher nichts mit der Kontrolle der Inflation zu tun. Auch wenn es den Marktteilnehmern vielleicht nicht bewusst ist, spiegeln Zinsen die Markteinschätzung der Währungsentwertung wider; sie sind eine Entschädigung für die Inhaber einer Fiat-Währung für deren erwarteten Verlust an Kaufkraft.
Die empirischen Belege bestätigen diese begründete Sichtweise. Im November 1976 lag der Goldpreis bei 130 $ und der Leitzins der US-Notenbank (Fed Funds Rate, FFR) bei 4,95 %. Bis Januar 1980 war Gold um 535 % auf 825 $ gestiegen, und die FFR hatte sich auf 13,82 % fast verdreifacht. Springen wir vor ins Jahr 2004: Im Juni 2004 lag die FFR bei 1 % und Gold bei 385 $. Bis August 2006 stieg die FFR auf 5,25 % und Gold auf 650 $. Der Goldpreis korrelierte eindeutig mit steigenden Zinsen, was bestätigt, dass Zinsen nicht der „Preis“ des Geldes sein können.
Aktuell werden steigende Preise durch eine beispiellose jüngste Ausweitung der globalen Währungen und Kredite angetrieben, mit anderen Worten durch Entwertung. Die Märkte beginnen gerade erst, die möglichen Auswirkungen auf die Verbraucherpreise zu erkennen, und werden in den kommenden Monaten mit ziemlicher Sicherheit zu dem Schluss kommen, dass die Zinsen noch deutlich weiter steigen müssen. Daher hat auch Gold, in entwerteten Währungen gerechnet, noch Aufwärtspotenzial, so wie in der Vergangenheit.
Die folgende Grafik zeigt die technische Lage von Gold: eine Konsolidierung in Form eines sich verengenden Dreiecks, bereit für einen Ausbruch, der die Bewegung von August 2018 bis August 2020 widerspiegeln könnte, als Gold um 79 % von 1.160 $ auf 2.075 $ stieg. Allein aus Sicht der technischen Analyse deutet dies auf ein Kursziel von 1.800 $ x 1,79 = 3.220 $ hin.
Dies ist keine Prognose, sondern lediglich ein Hinweis der technischen Analyse darauf, was bevorstehen könnte, wenn sich die Folgen vergangener und gegenwärtiger Geldentwertung auf die Preise insgesamt auswirken.

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