Marktbericht: Wirtschaft gerät ins Stocken

So sollte es nicht kommen: Sechs Jahre globaler Geldschöpfung hätten eine wirtschaftliche Erholung sichern sollen. Bis vor Kurzem bestand die Hoffnung, dass die Medizin endlich wirkt; in den letzten Wochen sind die Anleger jedoch merklich vorsichtiger geworden. Liegt es an der Ukraine oder an der Verlangsamung in China?

Was auch immer der Grund ist, die Wahrheit zeigt sich in der nachstehenden Grafik der jüngsten Kurse US-amerikanischer Anleihen.

Renditen US-amerikanischer Anleihen in %

Die Rendite der langlaufenden Anleihe führt den Rückgang an; sie ist unter die Marke von 3,5 % gefallen, und die zehnjährige Anleihe dürfte ihr folgen. Auch die Renditen von Anleihen der Eurozone sind eingebrochen, was entweder auf eine regelrechte Deflation hindeutet oder, angesichts der Nähe zur Ukraine, möglicherweise auf eine Flucht aus Bankeinlagen.

Diese Woche hat sich die Lage in der Ukraine weiter zugespitzt, da Russlands Krim-Strategie auch in anderen ostukrainischen Städten Nachahmung findet. Von den heutigen Friedensgesprächen in Genf wird keine Verbesserung erwartet. Unterdessen scheint Washington die finanziellen Spannungen mit Russland weiter verschärfen zu wollen und könnte Unternehmen, sogar Banken sowie einzelne Oligarchen auf eine schwarze Liste setzen. Die finanziellen Folgen solcher Maßnahmen dürften die Märkte beunruhigen und könnten destabilisierend wirken; sie gefährden die weltweiten Wirtschaftsaussichten, insbesondere angesichts der Konjunkturabkühlung in China.

Die Meinungen über die Auswirkungen auf den Goldpreis gehen auseinander. An den westlichen Kapitalmärkten herrscht weithin die Ansicht, dass eine sich verschlechternde Konjunkturlage eine Flucht aus Rohstoffen in Bargeld auslösen wird. Wer Gold nur als Rohstoff betrachtet, ist daher pessimistisch, hat aber mit ziemlicher Sicherheit bereits verkauft. Die vier Milliarden Asiaten, die den Großteil des weltweiten Goldes besitzen, sehen es anders, denn sie haben aus Erfahrung gelernt, dass stattdessen ihre Währungen zusammenbrechen.

Dies fasst die gegensätzlichen Kräfte hinter dem Goldpreis zusammen. An den Terminmärkten setzen die Wetten auf fallende Kurse, während die Asiaten weiterhin physisches Gold kaufen. Aus diesem Grund ist der Londoner Gold-Forward-Satz (GOFO) am vergangenen Freitag erneut deutlich in die Backwardation gerutscht, als die Terminmärkte die Preise nach unten drückten. Heute Morgen liegt er noch tiefer im negativen Bereich, was darauf hindeutet, dass die Spannungen am Markt weiter zunehmen.

Die Preise für Gold und Silber gaben diese Woche nach: Gold fiel von einem Hoch von 1.331 US-Dollar auf ein Tief von 1.286 US-Dollar am Dienstag, und Silber sank zeitweise bis auf 19,22 US-Dollar. Die folgende Grafik zeigt die Preisentwicklung von Gold und Silber seit Jahresbeginn; dabei ist zu erkennen, dass Silber eindeutig der Verlierer ist.

Gold und Silber seit Jahresbeginn in US-Dollar

Wie letzte Woche erörtert, hat sich jedoch das Open Interest bei Silber an der Comex weiter aufgebaut und liegt mit über 164.000 Kontrakten nun nahe seinen Allzeithöchstständen. Wenn sich das Blatt wendet, sollte Silber die beste Wertentwicklung zeigen.

 

Nächste Woche

Es besteht kaum Zweifel, dass die Lage in der Ukraine die Nachrichten der kommenden Woche dominieren wird. Sollte sie sich zuspitzen, was wahrscheinlich erscheint, könnten Edelmetalle als sicherer Hafen in den Vordergrund rücken.

Der Ostermontag ist in vielen Ländern ein Feiertag.

Montag.

USA: Frühindikator.

Dienstag.

Japan: Frühindikator.
Eurozone: Verbrauchervertrauen (Schnellschätzung).
USA: Verkäufe bestehender Wohnimmobilien

Mittwoch.

Eurozone: Einkaufsmanagerindex (Schnellschätzung).
Großbritannien: Veröffentlichung des Protokolls des geldpolitischen Ausschusses der Bank of England, öffentliche Neuverschuldung.
USA: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (Schnellschätzung), Verkäufe neuer Wohnimmobilien.

Donnerstag.

Großbritannien: CBI-Umfrage zum Groß- und Einzelhandel.
USA: Auftragseingang langlebiger Güter, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Japan: Verbraucherpreisindex.

Freitag.

Japan: Gesamtindex der Wirtschaftsaktivität.
Großbritannien: BBA-Hypothekenbewilligungen, Einzelhandelsumsätze.

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