Marktbericht: Wer sanktioniert wen?

Illustration accompanying Marktbericht: Wer sanktioniert wen?
Gold und Silber gaben in dieser Woche per saldo leicht nach und schienen in der Schwebe zu hängen, während die Händler versuchten, die Nachrichtenlage einzuordnen. In Europa notierte Gold heute Morgen bei 1.935 $, 22 $ unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber lag bei 24,75 $, 73 Cent niedriger auf Wochensicht. Die Comex-Volumina waren bei Gold mäßig bis niedrig und bei Silber die ganze Woche über niedrig. Die Goldlieferungen beliefen sich gestern auf erstaunliche 12.491 Kontrakte (1.249.100 Unzen, 38,85 Tonnen), bei Silber auf 647 Kontrakte (3.235.000 Unzen, 100,62 Tonnen). Angesichts der Knappheit bei Edelmetall wird weiterhin die Liquidität des Papiermarktes in Anspruch genommen.

Gestern endete das erste Quartal. Dieses Ereignis wird zusammen mit früheren Options- und Kontraktverfällen mit gedrückten Preisen in Verbindung gebracht, da die Händler der Edelmetallbanken, die die Verkaufsseite einnehmen, ihre Gewinne verbuchen. Dies spiegelt sich im Rückgang des Open Interest wider.
 
Illustration accompanying Marktbericht: Wer sanktioniert wen?

In dieser Woche ereignete sich etwas, das Markthistoriker als Wendepunkt bezeichnen könnten, und zwar nicht nur für Gold, sondern für alles andere auch. Russland hat auf die Sanktionen des Westens schließlich reagiert, indem es die Welt in zwei Kategorien einteilt: Freunde, zu denen unter anderem China und Indien sowie alle gehören, die nicht dem US-NATO-Lager angehören, und unfreundliche Staaten, die Zahlungen einfrieren. In Lieferverträgen werden Höhere-Gewalt-Klauseln ausgelöst, und die unfreundlichen Staaten müssen Öl und Erdgas in Rubel bezahlen. Es scheint, dass sie auch alle übrigen russischen Exporte in Rubel bezahlen müssen.

Unabhängig davon gab die russische Zentralbank bekannt, bis Ende Juni Gold von russischen Banken zu einem festen Preis von 5.000 Rubel pro Gramm zu kaufen. Zu sagen, die Analysten seien überrascht worden, ist eine Untertreibung, und sie bemühen sich, die Maßnahme einzuordnen. Entscheidend ist, dass eine russische Bank offenbar nichts daran hindert, Gold beispielsweise in Dubai zu kaufen, sofern sie die dafür nötigen Dollar beschaffen kann. Für einfallsreiche Banker dürfte es leicht sein, Währungssanktionen zu umgehen.

Kommt es zu dieser Arbitrage, wird der Goldpreis an den Rubelwechselkurs gekoppelt. Zum heutigen Morgenkurs entsprechen 5.000 Rubel 61,389 $ pro Gramm, verglichen mit dem heutigen Marktpreis von 62,229 $ – ein Abschlag von 1,37 %. Ein stärkerer Rubel dürfte das Gold mit sich ziehen. Wie sind also die Aussichten für den Rubel?

Es besteht kein Zweifel, dass die unfreundlichen Staaten, insbesondere in der EU, keine andere Wahl haben, als Rubel zu kaufen, um russische Importe zu bezahlen. Der Schritt ist dem Petrodollar nachempfunden, der 1973 entstand, als die Saudis (und damit die OPEC) vereinbarten, Öl nur noch gegen Dollar zu verkaufen. Dadurch mussten alle Ölimporteure Dollar beschaffen, was dazu führte, dass der Dollar den globalen Handelsverkehr bis heute dominiert.

Die russische Zentralbank wird den Wechselkurs angesichts dieser neuen Nachfrage steuern können. Dies erlaubt ihr, die Zinsen zu senken, die importierte Inflation zu kontrollieren und die Devisenkontrollen aufzuheben. Es ist mit einem kontrollierten Anstieg des Rubelkurses zu rechnen, der durch die Arbitrage der russischen Banken voraussichtlich die ohnehin knappen physischen Edelmetallbestände im Westen und damit auch die entsprechenden Papierderivate weiter unter Druck setzen wird.

Abschließend ein Blick auf die technische Lage von Gold, die auf eine neue Hausse hindeutet.

Illustration accompanying Marktbericht: Wer sanktioniert wen?

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder durch Goldmoney noch durch den Autor bzw. die Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stützen oder danach handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, die Zuverlässigkeit der Informationen im Artikel sicherzustellen; Goldmoney sichert jedoch nicht zu, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solche herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus den in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen ergeben, und jede Handlung aufgrund der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf Ihr eigenes Risiko.

 
Zurück zu den Goldmoney Analysen