Marktbericht: Weihnachtliche Ruhe

Dez. 23 Gold im Vergleich zu Silber

Gold und Silber gaben im ruhigen Handel vor Weihnachten im Wochenverlauf leicht nach.

Erneut spiegeln die Edelmetalle einen starken Dollar wider und nicht etwa grundlegende Probleme bei Gold und Silber. In den letzten zwei Monaten hat der Dollar gegenüber allen Währungen kräftig aufgewertet. Gold fiel gegenüber dem Schlusskurs vom letzten Freitag um 7 US-Dollar auf 1.131 US-Dollar im frühen europäischen Handel heute Morgen, Silber im selben Zeitraum um 17 Cent auf 15,82 US-Dollar.

Der Kampf am Terminmarkt wird zwischen den Bullion-Banken und der Kategorie „Managed Money“ ausgetragen, bei der es sich überwiegend um Hedgefonds handelt. Der nächste Chart zeigt die aktuelle Positionierung von Managed Money an der Comex.

Gold-Long-Kontrakte


Die durchschnittliche Netto-Long-Position der letzten zehn Jahre beträgt 113.130 Kontrakte. Der jüngste Wert liegt bei 68.718, die Comex ist nach diesem Maßstab also überverkauft. Währenddessen ist die Nachfrage am physischen Markt stetig gestiegen, da sie die niedrigen Preise nutzt, die auf Terminspekulation zurückgehen.

Russland kauft weiterhin Gold für seine Reserven und stockte im November um weitere 31 Tonnen auf. Auch die übrigen Gründungsmitglieder der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit haben ihre offiziellen Reserven zuletzt aufgestockt. In Indien wiederum bestehen bei den aktuellen Preisen erhebliche Aufschläge für Spot-Gold, wobei Preise von bis zu 1.700 US-Dollar je Unze gezahlt worden sein sollen.

Die Preise in Indien sind in hohem Maße künstlich, bedingt durch die Entwertung von bis zu 90 % des im Umlauf befindlichen Bargelds als Zahlungsmittel und vor dem Hintergrund von Berichten über aggressive Steuerrazzien gegen normale Bürger. Aufschläge von 50 % entstehen jedoch nicht, ohne dass der Goldschmuggel zunimmt. Tatsächlich wird die Nachfrage nach Edelmetall lediglich in den Untergrund gedrängt, zulasten des legalen Import- und Raffineriegeschäfts. Die Maßnahmen der indischen Regierung werden letztlich die Wirtschaft und höchstwahrscheinlich auch die Rupie zum Einsturz bringen; in diesem Fall wirkt der Aufschlag auf Gold, gemessen in wertloser Währung, gar nicht mehr so abwegig. Indiens Nachfrage nach Gold, erfasst und geschmuggelt, nimmt zu.

Das jüngste Gerücht lautet, dass die indische Regierung erwägt, die Steuer auf Goldimporte von 10 % auf 6 % zu senken, da sie den Schaden erkennt, der dem legalen Goldgeschäft zugefügt wird. Dies ist eine typische Reaktion einer Regierung auf einen früheren politischen Fehler, bei der die veränderten Umstände nicht berücksichtigt werden. Die einzige Möglichkeit, die Lage zu korrigieren, besteht darin, frühere Fehlentscheidungen vollständig rückgängig zu machen, und das tut keine Regierung jemals.

In China liegen die Aufschläge bei bis zu 40 US-Dollar, was in einem großen und liquiden Markt äußerst bedeutsam ist. Als Nächstes folgt Europa mit seiner italienischen Bankenkrise, die gerade in eine neue Phase eintritt. Die italienische Regierung versucht entgegen den EU-Regeln, die Banca Monte dei Paschi di Siena zu übernehmen, für die sich keine privaten Retter gefunden haben. Die Banken in Europa leiden nicht nur unter notleidenden Krediten, sondern auch unter wachsenden Verlusten bei Staatsanleihen, was zu zunehmenden Sorgen um Euro-Einlagen führt.

Diese Faktoren dürften in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen. Zuvor steht jedoch noch der Jahreswechsel an, und die Händler der Edelmetallbanken werden die Preise möglichst niedrig halten wollen, um die Gewinne zu maximieren, auf denen ihre Boni beruhen.

Unsere letzte Grafik zeigt Gold in den vier wichtigsten Währungen, ohne weiteren Kommentar.


Gold, indexiert in den wichtigsten Währungen

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