
Gold fiel diese Woche auf neue Tiefststände seit August, und Silber, das volatiler war, hielt sein Niveau oberhalb des Ausverkaufs von Ende September. Die Handelsvolumina waren am Montag und Dienstag hoch. Im frühen Handel in der europäischen Zeitzone notierte Gold bei 1.809 US-Dollar, 53 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber lag mit 23,25 US-Dollar um 90 Cent niedriger.
Die hohen Volumina vom Montag und Dienstag deuteten bereits auf die Zahlen des diesjährigen Commitment-of-Traders-Berichts dieser Woche hin, der wegen des Thanksgiving-Feiertags erst spät am Montag veröffentlicht wird. Die Edelmetallbanken profitierten vom Verfall der Comex-Dezember-Optionen für beide Metalle in dieser Woche, die wertlos verfielen. Die Beträge waren beträchtlich: Es ging um rund 150.000 Kontrakte in einer Bandbreite von Ausübungspreisen bis hinunter zu 1.800 US-Dollar bei Gold. Die Edelmetallbanken schreiben diese Optionen nicht nur von vornherein, sondern vereinnahmten am Ende auch die gesamten Prämien der Call-Optionen.
An der Comex gibt es im Dezember eine saisonale Besonderheit. Die Edelmetallbanken wiederholen nicht nur das oben beschriebene Vorgehen beim Optionsverfall bei Ablauf aktiver Kontrakte, sondern ihre Händler achten auch auf die Bewertung ihrer Positionen zum Jahresende. Sofern sie am Londoner Edelmetallmarkt nicht entsprechend long positioniert sind, wünschen sie sich angesichts ihrer an der Comex nahezu rekordhohen Short-Position zum Jahresende möglichst niedrige Preise. Die nächste Grafik zeigt den Geldwert der Short-Position der Edelmetallbanken.

Nach dem Rückgang des Goldpreises seit der letzten Datenerhebung (17. November) bewegen sich die Bruttolong-Positionen und die Netto-Short-Positionen weiterhin fest im Rekordbereich. Der Theorie nach dient die Comex den Edelmetallbanken zur Absicherung von Long-Positionen in London. Die Tresore der LBMA weisen zwar solide Edelmetallbestände aus, doch handelt es sich dabei fast ausschließlich um verwahrtes Gold. Der enorme tägliche Umsatz in London findet auf Papier statt, wobei das AURUM-Clearingsystem Papier-Long- und Papier-Short-Positionen gegeneinander verrechnet. Im Wesentlichen kommt es nur dann zu physischen Lieferungen, wenn ein LBMA-Mitglied oder ein Kunde einer Edelmetallbank dies verlangt.
Es gleicht einem Duopol, in dem Nichtmitglieder davon abgehalten werden, die Lieferung zu verlangen. Doch die Entwicklung der Geldmenge des Dollars in Richtung hyperinflationären Terrains stört diese Ordnung. Deshalb wurden an der Comex, die nie als Lieferungsmarkt gedacht war, Rekordlieferungen verlangt. In den nächsten Tagen werden wir sehen, wie viele der verbleibenden 47.043 Dezember-Kontrakte (offene Positionen vom Mittwoch) zur Lieferung gestellt werden.
Der Dezember war oft ein Wendepunkt für den Goldpreis und markierte 2015 den Beginn dieses Bullenmarktes. Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Mit Ausnahme des Dezembers 2018 fiel der Goldpreis in den Monaten davor jeweils auf einen Tiefpunkt. In allen Fällen stieg der Goldpreis anschließend deutlich an. Sollte sich dieses Muster wiederholen, dürfte der Goldpreis in Kürze zum Jahresende hin und darüber hinaus zu steigen beginnen. Außerdem ist zu erwarten, dass dieser Rückgang auf das Niveau von 1.800 US-Dollar vom 200-Tage-Durchschnitt gestützt wird. Im vergangenen März war es dieser Durchschnitt, der die Wende des Marktes von 1.450 US-Dollar bis zum Hoch von 2.075 US-Dollar im August markierte.
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