
Gold und Silber wurden in dieser Woche bei geringen Handelsvolumina gehandelt, da die Händler vor der heutigen Rede von Jay Powel in Jackson Hole zögerten, Positionen einzugehen. Und nicht nur die Edelmetalle verharrten in Wartestellung. In Verbindung mit der Urlaubszeit im August wurden die Märkte überall träge.
Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag legte Gold um 18 US-Dollar zu und notierte heute Morgen im europäischen Handel bei 1.798 US-Dollar, nachdem es sich die meiste Zeit der Woche in einer Spanne von 20 US-Dollar unterhalb von 1.800 US-Dollar bewegt hatte. Silber liegt 23 Cent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag bei 23,68 US-Dollar.
Diese Woche war von Chaos geprägt, als westliche Truppen und ihre afghanischen Berater mit Mühe versuchten, Kabul zu verlassen; Amerika wird für seinen überstürzten Abzug ohne Absprache mit seinen Verbündeten verantwortlich gemacht. Bislang hat der Reputationsverlust dem Dollar an den Finanzmärkten nicht geschadet, doch in den kommenden Wochen droht er das Vertrauen in die Hegemonialstellung der USA zu untergraben. Dies ist wichtig, weil das Auslandsengagement im Dollar sehr hoch ist: Laut den TIC-Zahlen des US-Finanzministeriums belaufen sich Finanzvermögen und Bargeld auf insgesamt 32 Billionen US-Dollar, das entspricht etwa dem Eineinhalbfachen des US-BIP.
Geopolitische Analysen besagen, dass ganz Asien, einschließlich des Nahen Ostens sowie Ost- und Mitteleuropas, Amerika entgleitet und zunehmend nach der Pfeife der russisch-chinesischen Partnerschaft tanzen wird. Langfristig verringert dies die Bedeutung des Dollars für den internationalen Handel. In der Zwischenzeit sollten die Märkte beginnen, über die Folgen des Aufstiegs goldfreundlicher Hegemonialmächte in China und Russland nachzudenken.
Zweifellos werden die Märkte mit der Zeit auf diese Faktoren aufmerksam werden. In dieser Woche geht es jedoch um Jackson Hole, die Inflation und das Tapering. Die Zwangslage der Fed besteht darin, dass sich die Preisinflation als keineswegs vorübergehend erweist, die US-Wirtschaft aber an Schwung verliert. Die beiden Ziele, die Inflation im Einklang mit maximaler Beschäftigung zu steuern, driften auseinander. Zugleich gehen Anlagemanager davon aus, dass das Inflationsproblem mit den quantitativen Lockerungen (QE) zusammenhängt, und übersehen dabei, dass den Geldmärkten durch Reverse Repos, die inzwischen durchgehend über 1 Billion US-Dollar liegen, Liquidität entzogen wird.
Dennoch warten die Märkte gespannt auf Hinweise, wann das Tapering voraussichtlich beginnt. Powel dürfte sich jedoch bewusst sein, dass das Tapering den Aktienmarkt stark belasten und das Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung an einem entscheidenden Punkt nach der Pandemie untergraben wird.
Der wichtigste Aspekt der Führungsrolle in seiner Position ist es, ein verlässlicher Garant zu sein. Das bedeutet, den Eindruck zu vermitteln, sein Thema zu beherrschen, und dabei so wenig wie möglich preiszugeben. In der kommenden Woche dürften die Marktteilnehmer die Folgen des Dilemmas der Fed durchdenken und die Edelmetalle entsprechend bewerten.
Das Problem für die Bullion-Banken besteht darin, dass sie gegenüber ihren Kunden mit nicht zugeteilten Beständen in London und gegenüber den Spekulanten an der Comex short positioniert sind. Unsere letzte Grafik zeigt die ausweglose Lage der Kategorie „Swaps“ an der Comex, die auf die breitere Schwierigkeit vor dem Hintergrund eines sich verschlechternden Umfelds für den Dollar hindeutet.

In US-Dollar gerechnet sind sie nun gemeinsam stärker short als im März 2020, nach dem Rückgang des Open Interest von 800.000 Kontrakten. Die Lage erscheint reif für einen weiteren Bear Squeeze.
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