Gold und Silber setzten im Wochenverlauf ihren Rückgang fort, ebenso wie Industriemetalle und Öl. Gold fiel gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 40 US-Dollar auf 1.195 US-Dollar, Silber um 112 Cent auf 16,85 US-Dollar, jeweils im frühen europäischen Handel am heutigen Freitagmorgen.

Die Bären weisen bereitwillig darauf hin, dass die Marken von 1.200 bzw. 17 US-Dollar unterschritten werden und die Abwärtstrends wieder aufgenommen werden. Diese Sichtweise kommt den großen Bullion-Banken entgegen, die Short-Positionen aufgebaut haben, weil sie die Fondsmanager (Managed Money) in Panik versetzt hat, ihre Long-Positionen an der Comex zu schließen.
All dies hat nichts mit der physischen Nachfrage zu tun, und es ist wahrscheinlich, dass Asiaten, die als Value-Käufer agieren, ihre Bestände aufstocken. Zudem sind auch die Zentralbanken, die tendenziell kaufen, wenn physische Ware angeboten wird, als Käufer aktiv. Es geht hier also um den Dollar und die Comex, um nichts weiter.
Alle sind im Dollar long positioniert. Nächste Woche wird die US-Notenbank Fed den Leitzins nahezu sicher um ¼ % anheben, ein Ereignis, dem Marktumfragen zufolge eine Wahrscheinlichkeit von über 90 % beigemessen wird. Die Entwicklung des Dollars und damit aller in Dollar gehandelten Werte wiederholt, was sich vor den beiden vorangegangenen Zinserhöhungen im Dezember 2015 und im Dezember 2016 abgespielt hat. In beiden Fällen war der Dollar vor dem Ereignis stark und Gold und Silber schwach.
Auf beide Zinserhöhungen folgte ein kräftiger Anstieg von Gold und Silber, und zwar um 29 % bzw. 47 % Mitte 2016 sowie um 9 % bzw. 15 % in diesem Jahr. Dass sich die Edelmetallpreise diesmal so gut behaupten, deutet auf eine größere zugrunde liegende Stärke des Marktes hin, die mit der wachsenden Nachfrage nach physischem Edelmetall im Einklang steht.
Am selben Tag wie die Entscheidung des FOMC nächste Woche, dem 15. März, läuft die Aussetzung der US-Bundesschuldenobergrenze aus. Als diese im Juli 2011 erstmals vereinbart wurde, stieg der Goldpreis in den folgenden zwei Wochen um mehr als 200 US-Dollar. Es wird interessant sein zu sehen, was diesmal geschieht.
Zu weiteren dollarbezogenen Nachrichten: Der US-Anleihemarkt setzte seinen Rückgang fort. Einem Bericht zufolge handelt es sich um die längste Verlustserie seit 43 Jahren. Die Rendite der langlaufenden Anleihe stieg auf 3,183 %, den höchsten Stand seit Mitte Dezember, als die Fed den Leitzins anhob. Die gestrige Auktion 30-jähriger US-Staatsanleihen wurde bei 3,17 % abgerechnet, der höchsten Rendite seit September 2014.
Es sind also nicht nur Gold und der Dollar, die von diesen Zinsänderungen abhängen, sondern offenbar sind auch die Dollar-Anleihemärkte einzubeziehen. Die Schwäche der Anleihemärkte dehnt zudem die Aktienbewertungen, was in manchen Kreisen eine hohe Nervosität auslöst. Jeder Bärenmarkt beginnt mit einer Hausse-Phase, die steigende Anleiherenditen nur eine gewisse Zeit lang ignoriert, bevor die Illusion plötzlich platzt und die Aktien einbrechen.
Wenn wir jedoch die Schwäche von Gold und Anleihen vor einer Zinserhöhung zusammen mit der Stärke des Dollars betrachten, besteht eine gute Chance, dass nach dem Ereignis wieder der Normalzustand eintritt.
Auch die Rohstoffpreise haben erheblich nachgegeben, was diese Dollarstärke widerspiegelt. Allerdings hat die Lagerauffüllung in China nach den Feiertagen zum Neujahrsfest nicht wie ursprünglich erwartet wieder eingesetzt. Dies lässt manche Analysten vermuten, dass die chinesische Wirtschaft ihr Wachstum nicht fortsetzt. Nach unserem Verständnis liegt der Grund etwas anders und hat mehr damit zu tun, dass die Regierung Schmiergeldzahlungen bei Industriebestellungen aufdeckt; danach wird die industrielle Nachfrage wieder anziehen.
Alle auf Dollar lautenden Märkte warten auf die Fed. Die Fed liegt mit ihren Zinserhöhungen deutlich im Rückstand, denn die Taylor-Regel legt nahe, dass der Leitzins erheblich höher liegen sollte. Doch alle sind im Dollar long positioniert, was bedeutet, dass er auf einen dramatischen Fall zusteuern dürfte, es sei denn, die Fed hebt die Zinsen um mehr als ¼ % an, was höchst unwahrscheinlich erscheint.
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