Nachdem sich der Goldpreis in der Vorwoche kaum verändert hatte, liegt er diese Woche im frühen europäischen Handel heute Morgen mit 1.320 US-Dollar um 5 US-Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber gab um 5 Cent auf 16,47 US-Dollar nach.
An der Comex befindet sich Silber weiterhin in stark überverkauftem Terrain, während Gold insgesamt neutral ist. Silber scheint den Basismetallen zu folgen, die langsam nachgeben, während der US-Dollar seine früheren Verluste weiter konsolidiert. Folglich ist das Gold-Silber-Verhältnis auf über 80 gestiegen, ein Niveau, das historisch gesehen zu hoch war, um Bestand zu haben, wie die nächste Grafik zeigt.
Es scheint, dass die Untergrenze des seit 2013 bestehenden steigenden Kanals das Verhältnis nach oben begrenzt hat, und es liegt nun auch nahe an historischen Höchstständen. Zusammen mit der überverkauften Lage an der Comex lässt sich nachvollziehen, warum das Verhältnis zu sinken beginnen sollte, zunächst auf 75 und dann auf 70. Bei unverändertem Goldpreis entspräche dies einem Silberkursziel von 18,80 US-Dollar.
Ein Teil des Problems scheint eine Pause in der chinesischen Nachfrage nach Basismetallen zu sein, da man auf die Bestätigung der staatlichen Infrastrukturpläne für die nächsten zwölf Monate durch den Nationalkongress der Kommunistischen Partei wartet.
Der Kongress ist inzwischen beendet, doch es gibt eine weitere Hürde. Angekündigt wurde die Zusammenlegung der chinesischen Bankenaufsicht und der Versicherungsaufsicht, mit der die Risiken des Schattenbankensektors verringert werden sollen. Da diese außerbilanziellen Aktivitäten in die Bilanz zurückgeholt werden, wird befürchtet, dass es zur Auflösung spekulativer Long-Positionen in Basismetallen kommt, die in der Annahme aufgebaut wurden, der Staat werde nach dem Kongress als großer Käufer auftreten.
Ob diese Einschätzung zutrifft, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch, dass die chinesischen Aufsichtsbehörden die Spekulation an den Rohstoffmärkten unbedingt eindämmen wollen, da diese die Preise zulasten des Staates in die Höhe treibt. Doch wie wir an der Comex gesehen haben, bestehen außerhalb Chinas große spekulative Positionen in die Gegenrichtung, die vielleicht auf eine Erholung des Dollars hoffen.
Gold scheint anders zu sein. Die nächste Grafik zeigt die Netto-Position in der Kategorie „Managed Money“.
Verglichen mit einem langfristigen Durchschnitt von 115.000 Kontrakten liegt Gold mit 150.700 Kontrakten etwas über diesem Wert. Gold scheint einen Ausgleich zwischen der kurzfristigen Erholung des handelsgewichteten Dollar-Index und dem längerfristig negativen Ausblick für diesen widerzuspiegeln.
Zudem sollten wir bedenken, dass Gold in anderen Währungen deutlich günstiger aussieht als in US-Dollar, wie die nächste Grafik veranschaulicht.
In Yen gerechnet hat Gold seit der bedeutenden Trendwende Anfang Dezember 1 % verloren, und in Pfund Sterling und Euro ist es nur um bescheidene 2 % gestiegen. Dies ist ein Markt, der eingeschlafen zu sein scheint; nur versierte Käufer wie die Russen bauen weiterhin still und leise ihre Bestände an physischem Metall aus.
Im Hintergrund verschlechtert sich jedoch die geopolitische Lage rasch: Russland tritt selbstbewusst auf, verfügt über die beste Raketentechnologie und steht vor der Wiederwahl Putins mit dem gewohnten Erdrutschsieg. Im Westen verschärft der Mordanschlag auf einen russischen Ex-Spion und seine Tochter die Rückkehr zu einem Kalten Krieg, einem Cyberkrieg oder gar Schlimmerem.
Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass ein Streit mit dem größten Energielieferanten der Welt reich an unbeabsichtigten Folgen sein dürfte. Der Frühlingsschlaf könnte nicht lange andauern.
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