
Gold und Silber festigten diese Woche ihre jüngsten Gewinne: Gold stieg im europäischen Vormittagshandel heute (Freitag) um 7 US-Dollar auf 1.292,50 US-Dollar, und Silber blieb unverändert bei 15,70 US-Dollar. Wie ich letzte Woche ausgeführt habe, gibt es im Bereich von 1.290 bis 1.300 US-Dollar ein theoretisches Angebot an Papiergold. Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Dieser Angebotsbereich wird durch die gestrichelten Linien angenähert, was in Verbindung mit dem Anstieg von 6 % seit Anfang Dezember eine Pause nahelegt. Zugleich bildet sich ein bullisches Golden Cross, bei dem der 55-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von unten kreuzt und der Kurs über beiden liegt. Momentum-Anleger dürften aufgrund dieser Entwicklung für die mittlere Frist zunehmend optimistisch werden.
Jeff Currie, Goldanalyst von Goldman Sachs, ist optimistisch und prognostiziert einen Goldpreis von über 1.400 US-Dollar in zwölf Monaten. Dies zeigt, dass sich zumindest ein Teil des Establishments von seiner hartnäckig papiergeldfreundlichen und goldkritischen Haltung abwendet, was in bemerkenswertem Gegensatz zu den Rekord-Netto-Short-Positionen steht, die erst vor drei Monaten zu beobachten waren. Gold unterliegt zudem einer kurzfristigen Bremse, da der Februar-Kontrakt an der Comex ausläuft und in den nächsten zwei Wochen 266.000 Kontrakte schließen. Bislang wurden sie problemlos in April und Juni, die nächsten aktiven Kontrakte, gerollt.
Dies deutet auf eine positivere Haltung der Händler gegenüber Gold hin, doch es erscheint weiterhin wahrscheinlich, dass mehr Arbeit nötig ist, um die Marke von 1.300 US-Dollar zu überwinden. Ein guter Grund für neuen Optimismus ist die Schwäche des Dollars. Die nächste Grafik zeigt den aktuellen Stand.

Der TWI ist eindeutig aus einer bärischen Broadening-Top-Formation nach unten ausgebrochen, wie zwischen den gestrichelten Linien zu sehen ist. Abgesehen von einer geringen Unterstützung im Bereich von 93 bis 94 dürfte der TWI weiter fallen und die Tiefststände von vor einem Jahr bei 88 bis 89 testen. Kommentatoren führen dies auf den milderen Ton der Fed zurück.
Bedenkt man, dass dieser Index überwiegend den Euro-Wechselkurs widerspiegelt, muss der Dollar gegenüber dem Euro deutlich fallen. In gestrigen Insight habe ich dargelegt, dass die Eurozone voraussichtlich in große Schwierigkeiten geraten wird; die Aussichten für die Währung sind daher nicht vorhersehbar. Zwar liegt der Schluss nahe, dass der Euro gegenüber dem Dollar schwächer wird, wenn meine Erwartungen zutreffen, doch könnten Zinsarbitrageure durch die Währungsvolatilität abgeschreckt werden. In diesem Fall könnte der Euro-Kurs steigen und der TWI des Dollars sinken.
Unterdessen hat der Yuan in den letzten dreißig Tagen gegenüber dem Dollar um 2,7 % zugelegt, was angesichts des Handelsstreits mit den USA vielleicht unerwartet war. Für chinesische Goldkäufer vor dem Neujahrsfest bedeutet dies einen Währungsgewinn. Die Nachfrage in China ist weiterhin stark: Die Auslieferungen aus den Tresoren der Shanghai Gold Exchange beliefen sich in den ersten elf Monaten des Jahres 2018 auf insgesamt 1.867,6 Tonnen.
Die physische Nachfrage des chinesischen Privatsektors hält unvermindert an. Zudem ist zuletzt deutlich geworden, dass sich die wichtigsten Akteure in Asien vom Dollar abwenden. Ein wesentlicher Teil ihrer künftigen Reservepläne besteht darin, mehr Gold anzusammeln und Dollar zu verkaufen. Die Auswirkungen könnten wir in den kommenden Monaten sehen.
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