
Gold und Silber haben nun alle vielversprechenden Gewinne des bisherigen Jahres abgegeben, und Gold-Optimisten werden hoffen, dass die Käufer, die im vergangenen Dezember so kräftig zugegriffen haben, die Gelegenheit nutzen und auf denselben Niveaus erneut kaufen. Das ist es, was die für Charttechniker bullische Doppelboden-Formation ausmacht.
Für eine Erholung von hier spricht die stark überverkaufte Comex-Position, wobei die Hedgefonds laut dem letzten Commitment-of-Traders-Bericht, der sich auf den 26.. Juni bezog, ungewöhnlich stark netto short sind (eine Aktualisierung für den vergangenen Dienstag wird heute nach Handelsschluss veröffentlicht). Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Nur im Juli 2015 und im Dezember 2015, die das Ende des großen Bärenmarktes markierten, war Gold für die großen Spekulanten stärker überverkauft. Dies stützt die Doppelboden-These deutlich.
Es sind jedoch erhebliche charttechnische Schäden zu beheben, wie unsere nächste Grafik zeigt.

Das negativste Merkmal dieses Charts ist das Death Cross: Der 55-Tage-Durchschnitt fällt unter den 200-Tage-Durchschnitt, und diese Durchschnitte sowie der Kurs fallen allesamt in bärischer Reihenfolge. Technische Analysten werden mindestens sehen wollen, dass der Goldpreis wieder über 1.300 US-Dollar steigt und danach aussieht, als würde er einen Angriff auf die Marke von 1.350 US-Dollar starten. Das scheint von hier aus noch weit entfernt, zumal ein Rückfall unter 1.240 US-Dollar die Theorie vom Doppelboden hinfällig machen würde.
So viel zur technischen Lage. In der realen Welt erkennt die US-Notenbank Fed, dass die Wirtschaft robust wächst, sieht aber Anzeichen dafür, dass Unternehmensinvestitionen wegen der Unsicherheit über Handelszölle aufgeschoben werden. Dies könnte den FOMC dazu bewegen, bei künftigen Zinserhöhungen allmählich zu mehr Zurückhaltung überzugehen, bis sich die handelspolitischen Unsicherheiten aufgelöst haben.
Heute haben die USA neue Zölle auf Importe aus China im Wert von 34 Mrd. US-Dollar verhängt und drohen damit, sie auf sämtliche importierten chinesischen Waren auszuweiten. Zwar ist zu beachten, dass die Ausweitung der Zölle vorerst eine Verhandlungsposition ist, doch muss man anerkennen, dass Zölle eine Steuer auf Produktion und Konsum sind. Zölle werden daher die Preisinflation erhöhen. Hinzu kommt, dass der Ölpreis steigt, obwohl Präsident Trump die Saudis öffentlich zu einer Ausweitung der Fördermenge drängt. Der Preisauftrieb nimmt eindeutig zu, und der US-Verbraucherpreisindex CPI-U für Mai liegt mit 2,8 % bereits deutlich über dem Zielwert von 2 %.
Da die Unternehmensinvestitionen nachlassen und das Wachstum der Geldmenge M2 stockt (4,6 %), steht die Fed vor der unangenehmen Aussicht, die Zinsen anheben zu müssen, um Preissteigerungen einzudämmen, während eine milde Rezession zunehmend möglich erscheint.
Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass höhere Nominalzinsen schlecht für den Goldpreis seien. Entscheidend sind die Inflationsaussichten und die Reaktion der Währungsbehörden darauf. Sollte die Fed durch steigende Preise und eine nachlassende Konjunktur in die Enge geraten, wären dies ideale Voraussetzungen für einen Bullenmarkt bei Gold.
Entscheidend wird sein, sowohl die Energiepreise als auch die Entwicklungen bei den Handelszöllen zu beobachten.
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