Marktbericht: Überkaufte Edelmetalle verzeichnen Gewinnmitnahmen

Gold und Silber entwickelten sich zunächst bemerkenswert stark, bevor es gestern zu einem deutlichen Kursabschlag kam, der sich im frühen Handel in Europa fortsetzte. Gold lag auf Wochensicht netto 14 US-Dollar im Minus bei 1.505 US-Dollar, Silber 26 Cent im Minus bei 18,14 US-Dollar. Am Mittwoch wurden Höchststände von 1.557 beziehungsweise 19,65 US-Dollar erreicht.

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Als Gründe für die gestrige Trendumkehr wurden ein Bericht über die Wiederaufnahme der chinesisch-amerikanischen Handelsgespräche, die Aussage, dass die Fed den Leitzins (Fed Funds Rate) lediglich um 0,25 % senken werde (nicht um 0,5 % – eine Senkung dieser Größe war ohnehin nicht erwartet worden), sowie einige positive Beschäftigungszahlen genannt. Tatsächlich waren Gold und Silber jedoch stark überkauft und anfällig für Gewinnmitnahmen.

Vor dem gestrigen Kursrutsch hatte Silber, ausgehend vom Jahresbeginn, Gold endlich übertroffen. Dies ist in unserer Titelgrafik ersichtlich und führt das Gold-Silber-Verhältnis auf 83 zurück. Das ist unsere zweite Grafik.

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In den vergangenen Wochen war ein Straddle mit Long-Position in Silber und Short-Position in Gold äußerst profitabel. Diese Grafik soll lediglich den jüngsten Rückgang des Verhältnisses einordnen. Für diejenigen, die für Gold optimistisch sind, besteht bei diesem Verhältnis reichlich Spielraum für einen weiteren Rückgang.

Als Nächstes folgt die technische Grafik für Gold, die die außerordentliche Dynamik hinter dem Goldpreis verdeutlicht.

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Solange Gold nicht unter die Spanne von 1.490 bis 1.500 US-Dollar fällt, wirkt selbst die aktuelle Korrektur wie eine laufende Korrektur mit Aufwärtstendenz. 

Es ist nachvollziehbar, dass die Edelmetallbanken, die auf Rekordniveau short positioniert sind, auf einen Verlust der positiven Dynamik hoffen, um die Stopps der Spekulanten auszulösen. Der Zinsausblick hat die Lage jedoch grundlegend zu ihren Ungunsten verändert. Deshalb war von den Auslösern dieser Gewinnmitnahmen der Hinweis auf eine auf 0,25 % begrenzte Senkung des Leitzinses der wichtigste. Unsere nächste Grafik zeigt die Netto-Position der Swap-Händler an der Comex (d. h. der an der Comex und im Londoner Terminhandel tätigen Edelmetallbanken).

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Dies war der Stand zum 27. August, als Gold bei 1.540 US-Dollar schloss; die Netto-Short-Position betrug 189.472 Kontrakte. Wie ihre Positionen in London aussehen oder in welchem Umfang sie sich an den Optionsmärkten abgesichert haben, ist nicht bekannt. Es dürfte jedoch kein Zweifel bestehen, dass die Edelmetallbanken insgesamt systembedingt short positioniert sind und ihnen dieser Anstieg des Goldpreises vermutlich zusetzt.

Ob sie nächste Woche einen weiteren Rückgang des Goldpreises herbeiführen können, bleibt abzuwarten. Gold muss jedoch nun wieder über 1.540 US-Dollar steigen, um das Niveau von 1.600 US-Dollar unmittelbar herauszufordern. Sollte dies geschehen, ist damit zu rechnen, dass einige Edelmetallbanken in Schwierigkeiten geraten, was staatliche Eingriffe auslösen könnte. Alternativ erscheint angesichts der Interessenlage eine längere Konsolidierung, in der Gold in Richtung 1.450 US-Dollar zurückdriftet, eine vertretbare Annahme.

Dies sind rein technische Überlegungen, die mit den Realitäten des physischen Marktes wenig zu tun haben. Dass chinesische und indische Käufer preisbedingt aus dem Markt gedrängt wurden, ist durch die Nachfrage nach physischen ETFs ausgeglichen worden, wodurch die Gesamtbestände nahezu Rekordniveau erreichen. Laut Zahlen des World Gold Council stiegen sie im August um 122,3 Tonnen, womit sich die Nettonachfrage der letzten drei Monate auf 587 Tonnen beläuft, hochgerechnet auf das Jahr 2.348 Tonnen.

Unabhängig von den Spielen an der Comex und im Londoner Terminhandel bleibt das physische Angebot sehr knapp.



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