
In dieser Woche wurde Donald Trump in den frühen Morgenstunden des Mittwochs überraschend zum designierten Präsidenten gewählt.
Aus Sicht der Märkte glich der Handel am Mittwoch dem Brexit: Die Anleihenrenditen schossen in die Höhe; die Aktien brachen ein und erholten sich anschließend; Gold und Silber stiegen sprunghaft an und gaben danach wieder nach. Gold bewegte sich am Tag innerhalb einer Spanne von 60 US-Dollar zwischen 1.273,3 und 1.337,5 US-Dollar und schloss bei 1.276 US-Dollar.
Im frühen europäischen Handel am heutigen Freitagmorgen notierte Gold mit 1.255 US-Dollar auf Wochensicht deutlich niedriger, nach 1.304 US-Dollar zum Schluss am vergangenen Freitag. Diese Schwäche scheint von den Terminmärkten auszugehen, da physisches Gold und Silber im Spothandel bis zur Lieferung im Dezember in Backwardation notieren. Die Knappheit bei physischer Ware zeigt sich beim Silber, das bis zum gestrigen Schlusskurs (Donnerstag) im Wochenverlauf von 18,42 auf 18,61 US-Dollar stieg. Gold-Terminkontrakte im Austausch gegen physische Ware (Exchange for Physical) an der Comex sprangen am Mittwoch und Donnerstag auf 45.000 Kontrakte (4,5 Millionen Unzen). Das ist außergewöhnlich und stimmt mit einer physischen Knappheit am Markt überein.
Es wäre unklug, Preisrichtungen vorherzusagen, bevor sich die Märkte beruhigt haben. Ein Sieg Trumps verändert für die Wall Street die Spielregeln, denn mit einem von den Großbanken finanzierten Wahlsieg Clintons wurde mit derselben Gewissheit gerechnet, die im vergangenen Juni die britischen Brexit-Gegner hatten. Trump wurde nicht von den Banken finanziert und schuldet ihnen daher keinerlei Einfluss. Die Bankenwelt muss ihre politischen Kontakte vollständig neu bewerten, und das schafft Unsicherheit.
Was für die Geschäftsbanken gilt, gilt auch für die Fed. Die Zinspolitik muss neu bewertet werden, und hier enden die Parallelen zum Brexit vermutlich, denn die Fed hat den Menschen nicht erklärt, eine Wahl Trumps wäre ein Desaster. Die Fed wird vor einer Zinserhöhung ein klareres Bild von Trumps Wirtschaftspolitik gewinnen wollen, was auf eine mögliche Verschiebung der Erhöhung im Dezember hindeutet. Alternativ könnte man die Ansicht vertreten, dass das Ende der Abstimmung der Fed freie Hand für eine Zinserhöhung gibt; in diesem Fall steht im Dezember eine Anhebung um 25 Basispunkte an. Das wird nur die Zeit zeigen.
Die andere Goldmeldung dieser Woche ist eine Überraschung aus Indien. Premierminister Narendra Modi gab plötzlich bekannt, dass die Noten zu 500 und 1.000 Rupien nicht länger gesetzliches Zahlungsmittel sind, um gegen Schwarzmarktgeschäfte und das Horten von Bargeld vorzugehen. Diese Noten sind nur 7,50 bzw. 15 US-Dollar wert und machen über 85 % des Bargelds dem Wert nach aus. Wer Bargeldersparnisse besitzt, aber kein Bankkonto hat, stellt nun fest, dass der Großteil davon völlig wertlos ist, es sei denn, er reicht die Scheine bei einer Bank ein. Dann erhält er bis zu 4.000 Rupien in bar (60 US-Dollar), während der Restbetrag einem Bankkonto gutgeschrieben wird, das viele Menschen nicht besitzen. Neue Noten zu 500 und 2.000 Rupien sollen zu gegebener Zeit ausgegeben werden, ein Termin wurde jedoch nicht genannt. Kontakte in Indien berichteten von einem Ansturm auf Gold, der die Aufschläge gegenüber den internationalen Preisen in die Höhe getrieben hat; wie dafür bezahlt wird, ist jedoch rätselhaft.
Modis Schritt wirkt wirtschaftlich störend und bringt den Armen und Menschen ohne Bankkonto schwere Härten. Die öffentliche Meinung scheint Maßnahmen gegen Korruption zunächst zu unterstützen, doch die Geduld dürfte in den kommenden Tagen sicher nachlassen. Man kann nur annehmen, dass überraschende Maßnahmen wie diese das Vertrauen in die Währung untergraben werden und der Goldschmuggel, sobald die neuen Noten im Umlauf sind, schließlich größer sein wird als je zuvor.
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