Marktbericht: Technische Erholung hält

MR Nov4 1Es war eine bessere Woche für Gold und Silber: Gold stieg bis Freitagvormittag (Londoner Zeit) von 1.284 auf 1.302 US-Dollar, Silber von 17,76 auf 18,34 US-Dollar.

Gold fand insbesondere am 200-Tage-Durchschnitt Unterstützung und stieß bei 1.300 US-Dollar auf vorhersehbare Gewinnmitnahmen; dort verläuft auch in etwa der 55-Tage-Durchschnitt. Dies zeigt die nächste Grafik.

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Aus technischer Sicht ist eine Konsolidierung an dieser Stelle sinnvoll, damit ein Angriff auf das im Chart erkennbare Angebot oberhalb des Kurses zwischen 1.315 und 1.350 US-Dollar gute Erfolgsaussichten haben könnte.

Ohne Berücksichtigung anderer Faktoren dürfte dieser Chart eine vernünftige Orientierung für die wahrscheinlichen Preise auf Sicht von einem bis drei Monaten bieten. Unter der Oberfläche brodelt es jedoch kräftig. Die US-Präsidentschaftswahl nimmt eine unerwartete Wendung: Das Lager Clinton wird durch das FBI torpediert, das seine Ermittlungen in der E-Mail-Affäre wieder aufgenommen hat. Der S&P-500-Index hat die wichtige Marke von 2.120 durchbrochen und kämpft nun darum, die 2.000 zu halten. Die Anleiherenditen sind diese Woche leicht gesunken; zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren nun mit 1,812 %, nachdem sie seit Juli um 50 Basispunkte gestiegen waren.

Händler deuten diese Bewegungen als Reaktion auf die zunehmende Unsicherheit über die Präsidentschaftswahl. Im Sinne eines Handels in sichere Häfen ist es durchaus nachvollziehbar, Aktien zu verkaufen und Anleihen sowie Gold zu kaufen. Doch Plausibilität ist subjektiv, und Erklärungen für Kursbewegungen sind meist kaum mehr als der Versuch, Kursbewegungen mit Nachrichtenschlagzeilen in Einklang zu bringen.

Dieser an die Wahlnachrichten geknüpfte Risk-on-Handel mag plausibel sein, er ignoriert jedoch den Aufmarsch von Streitkräften zwischen der NATO und Russland in Osteuropa, der im Gesamtzusammenhang weit wichtiger ist als die Präsidentschaftswahl. Man kann sich leicht vorstellen, dass Zentralbanken und regionale Staatsfonds physisches Gold als Schutz vor geopolitischen Spannungen erwerben.

Dollar-Zinsen

Die Diskussion über eine Anhebung des Leitzinses (Fed Funds Rate) im Dezember hält an, und Falken im FOMC haben angedeutet, dass sie inzwischen mehr als wahrscheinlich ist.

Dieses voraussichtliche Ereignis ist breiter angekündigt worden als ein neues Hitmusical am Broadway, ebenso wie die Anhebung des Zielzinses um 0,25 % im vergangenen Dezember. Dieses Ereignis markierte das Ende des Bärenmarktes bei Gold, und es könnte sein, dass Gold nach der Zinserhöhung im Dezember aus demselben Grund wieder steigt, nämlich weil sie bereits zu stark eingepreist war.

Jedenfalls waren Edelmetalle im Oktober etwas überverkauft, sodass das Ausbleiben schlechter (oder sollte es heißen: guter?) Nachrichten ausreichte, um eine ordentliche technische Erholung zu stützen. Ob sie genug Kraft für einen weiteren Anstieg hat, zeigt sich vielleicht im Verhalten langfristiger Anleger, deren Engagement in Gold in der Regel sehr gering ist. Viele dieser Akteure haben auf einen Rücksetzer gewartet, um zu kaufen, und diesen haben sie nun bekommen. Die Geschwindigkeit des Anstiegs dürfte die meisten jedoch überrascht haben, was darauf hindeutet, dass sie von hier aus gezwungen sein könnten, bei steigenden Kursen zu kaufen.

Zu diesem möglichen Interesse an Gold trägt auch der Mangel an Alternativen bei. Da Aktien hoch bewertet sind und Anleihen durch die wahrscheinliche Zinserhöhung der Fed anfällig sind, reagieren Anleger sehr empfindlich auf die Politik und auf die Unsicherheit eines knappen Ergebnisses in Amerika. Und wenn die Politik unsicher ist, kann man sich dann noch auf den „Yellen-Put“ verlassen?

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