
Wie in unserer Titelgrafik zu sehen ist, steigt der Goldpreis seit nunmehr einem Monat leicht an. Silber hielt sein Niveau bis zu dieser Woche, in der es stark nachgab und sich bislang nicht gefangen hat. Heute Morgen lag Gold bei 1.802 US-Dollar, 9 Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber notierte bei 25,20 US-Dollar, 40 Cent weniger im selben Zeitraum.
Silber fiel am Mittwoch bis auf 24,75 US-Dollar und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mitte April. Die physischen Engpässe haben sich entspannt, da der Bestand des SLV seit Ende Juni um 2,7 Millionen Unzen gesunken ist. Es besteht kaum ein Zweifel, dass der von RobinHood getriebene Preisanstieg vor einigen Monaten nun negative Folgen hat: Er hat müde gewordene Käufer hervorgebracht, die jetzt verkaufen.
Silber ist für Zentralbanken und Staatsfonds von geringem währungspolitischem Interesse, was vermutlich erklärt, warum sich der Goldpreis besser gehalten hat als Silber. Die Bären, vor allem die Swaps an der Comex, sind aufgrund ihrer scheinbar kaum auflösbaren Short-Position nicht bereit, einen Anstieg des Goldpreises zuzulassen. Diese Position zeigt unsere nächste Grafik.

Dies war die Positionierung im letzten Commitment-of-Traders-Bericht (13. Juli): Die Brutto-Short-Positionen beliefen sich auf 41 Mrd. US-Dollar, abzüglich der Long-Positionen auf 29 Mrd. US-Dollar. Das Problem für die Swaps besteht darin, dass Basel 3 das Halten dieser Positionen bilanziell teurer macht und die Akteure am LBMA-Markt bis zum 2. Januar Zeit haben, ihre Situation zu bereinigen. Europäische und US-amerikanische Banken wenden die Kennzahl der strukturellen Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio) bereits auf ihre eigenen Konten an. Unglücklicherweise für sie nimmt das Open Interest im Gold-Kontrakt der Comex derzeit zu, und ihr Anteil daran beträgt etwa 75 %. Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Die Kategorie Managed Money (Hedgefonds) baut Long-Positionen aus. Allerdings ist der handelsgewichtete Dollar-Index (TWI) inmitten der Diskussion über mögliche Zinserhöhungen gestiegen. Den TWI zeigt unsere nächste Grafik.

Solange sich das Open Interest begrenzen lässt, können die Swaps darauf hoffen, dass müde gewordene Käufer ähnlich wie bei Silber allmählich abwandern. Zu ihren Gunsten spricht, dass in dieser Woche der aktive August-Kontrakt ausläuft.
Das Zinsargument ist nicht einfach. Der übliche Ansatz der Spekulanten lautet, dass eine Verschiebung der Erwartungen hin zu höheren Zinsen als negativ für Gold und positiv für den Dollar gilt. Deshalb ist der Netto-Aufbau von Long-Kontrakten durch die Hedgefonds nicht intuitiv. Vielleicht gehen sie aber am Rande davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung bereits im Preis enthalten ist.
Wer eine längerfristige Perspektive hat, weiß, dass ein Trend steigender Zinsen gut für Gold ist, sofern die Zentralbanken nur zögerlich handeln, um sie anzuheben. Genau dies beschreibt die aktuelle Lage.
Auf der wirtschaftlichen Seite sind wir noch nicht aus dem Gröbsten der Covid-Krise heraus. Die wirtschaftlichen Schäden für Produktion und Logistik werden sich dadurch voraussichtlich verschärfen. Die Haushaltsdefizite werden extrem hoch bleiben, mit allen Folgen, die das für die Geldmengeninflation hat.
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