Marktbericht: Steigende Anleiherenditen

Screenshot 15.01.2021, 12:17:36 Uhr

Gold und Silber hatten eine ruhige Woche und bewegten sich nach dem plötzlichen Rückgang vom vergangenen Freitag seitwärts. Im morgendlichen Handel in der europäischen Zeitzone notierte Gold bei 1.854 US-Dollar, 5 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber unverändert bei 25,40 US-Dollar.

Gold und Silber scheinen, wie alle anderen Anlagen auch, auf Klarheit über den weiteren Weg gewartet zu haben. Der handelsgewichtete Index des Dollars erholte sich leicht, wobei der Euro, seine wichtigste Komponente, von seinem jüngsten Hoch von 1,235 am 6. Januar auf aktuell 1,214 fiel. Kryptowährungen erlebten eine deutliche Bereinigung: Bitcoin fiel zeitweise um 12.000 US-Dollar von seinem Hoch vom 8. Januar und erholte sich von seinem Tief am Montag auf 38.200 US-Dollar zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts.

Gestern kam etwas Klarheit, als die neue Regierung unter Biden ihren American Rescue Plan ankündigte, der darauf abzielt, Familien zu unterstützen, bis Impfstoffe breit verfügbar sind. Mit 1,9 Billionen US-Dollar ist er ungefähr doppelt so hoch, wie einige Analysten erwartet hatten. Die keynesianische Reaktion ist positiv: James Sullivan, Leiter der Research-Abteilung für Asien (ohne Japan) bei JPMorgan, erklärte in einem Interview mit CNBC sogar, der Plan werde die jüngsten Devisenströme aus Asien umkehren und zu einem stärkeren Dollar führen. Diese Analyse ignoriert zwar die inflationsbedingte Zerstörung des Dollars, für die Preise der Edelmetalle kann sie jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Das Rettungspaket der neuen Regierung wird jedoch wahrscheinlich nicht das Ende sein. Die USA verzeichneten 20 % aller Covid-Todesfälle, und 25 % der weltweiten Infektionen entfallen auf Amerika. Außerdem werden neue, ansteckendere Varianten festgestellt. Entscheidend ist, dass Bidens Rettungspaket genau das ist, nämlich ein Rettungspaket und kein Konjunkturprogramm: Das kommt später.

In Zeiten wie diesen drücken die gängigen keynesianischen Annahmen die Gold- und Silberpreise anfangs oft, bevor sich die inflationäre Realität durchsetzt. Wir können erwarten, dass die Edelmetallbanken, die dringend in Comex-Kontrakten short sind, ähnliche Orthodoxien verbreiten werden, in der Hoffnung auf niedrigere Edelmetallpreise. Unsere nächste Grafik zeigt, wie hartnäckig ihre Netto-Short-Position bestehen bleibt. Hinweis: Die Kategorie „Swaps“ steht für die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken.



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Bedenkt man, dass der Goldpreis seit fast sechs Monaten fällt, hätte man annehmen können, dass die Bullion-Banken einen Großteil ihrer Short-Positionen glattstellen konnten. Das wird sie jedoch nicht davon abhalten, es zu versuchen. Zudem läuft der aktive Februar-Kontrakt Ende des Monats aus, was ihnen die Gelegenheit gibt, die Preise nach unten zu treiben.

Ob ihnen das gelingt, ist nicht sicher. Sie dürften jedoch auch steigende Zinsen als Beleg für ihr Vorhaben anführen. Unsere nächste Grafik zeigt, wie die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen gestiegen sind.



Screenshot 15.01.2021, 12:20:58 Uhr

Es besteht wenig Zweifel, dass höhere Anleiherenditen herkömmlich als Gegenwind für Goldanleger gelten, die weitere Anstiege der Anleiherenditen werden verkraften müssen. Sie sollten jedoch bedenken, dass der Goldpreis im August 1970, als Präsident Nixon das Gold demonetisierte, knapp unter 36 US-Dollar lag und der Leitzins der Fed (Fed Funds Rate) bei 6,6 % stand. Am Ende des Jahrzehnts lag er bei 19 %. War Gold infolge der Zinspolitik niedriger? Nein: Es stieg im Januar 1980 auf 850 US-Dollar, das 23-Fache des Preises, als Nixon das Goldfenster schloss.

Das Geheimnis besteht darin zu verstehen, dass Gold keine Kapitalanlage, sondern solides Geld ist, für das andere Maßstäbe gelten.




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