In dieser Woche legte der US-Dollar gegenüber den anderen wichtigen Währungen kräftig zu und schwächte zugleich Gold, Silber und die meisten Industrierohstoffe, bevor gestern Gewinnmitnahmen einsetzten.
Die Wirkung auf Edelmetalle unterscheidet sich von den Vorwochen, als die Flucht in den Dollar auch die Gold- und Silberpreise stützte. Stattdessen waren Gold und Silber bis heute Morgen spürbar schwach, als sich die Preise im frühen Londoner Handel um 8 US-Dollar bzw. 0,13 US-Dollar erholten. Was hat sich also geändert?
Bei näherer Betrachtung sehr wenig, abgesehen von der Entschlossenheit der Liquiditätsanbieter an den Terminmärkten, ihre Short-Positionen zu begrenzen. In einem Markt, in dem Spekulanten kaum oder gar nicht in der Lage sind, den Wert zu beurteilen, bestimmen Emotionen die Preise. Das macht es für finanzstarke Bullion-Banken leicht, den Markt zu bewegen und die Stimmung zu drehen. An der Comexi hat dies in den letzten zwei Wochen zu einem starken Rückgang des offenen Interesses bei Gold geführt, wie die folgende Grafik zeigt.

Die Grafik zeigt deutlich den engen Zusammenhang zwischen dem offenen Interesse und dem Goldpreis seit Ende Dezember und legt nahe, dass es aus rein technischer Sicht noch begrenzten Spielraum für niedrigere Preise gibt. Interessanterweise waren Versuche, Bullen bei Silber abzuschütteln, weniger erfolgreich, wie die nächste Grafik zeigt.

Der kurzfristige Silberhandel vermittelt den Eindruck, der Markt sei systematisch short positioniert, und bei vielen Gelegenheiten, in denen Gold nachgab, hat der Silberpreis per saldo zugelegt.
Unterdessen dominiert Griechenland weiterhin die Finanzschlagzeilen. Von den Banken werden Einlagen abgezogen, und zwar so stark, dass die EZBii ihre Notfall-Liquiditätshilfe um weitere 5 Mrd. € auf 64,5 Mrd. € aufstocken musste. Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität für Griechenland läuft Ende dieses Monats aus, und im März werden eine Reihe von IWF-iiiKrediten und Schatzwechseln fällig. Der Druck auf Griechenland, einen Kompromiss einzugehen, wächst rasch.
Zugleich sind Banken in Mitteleuropa durch mögliche Verluste aus Hypotheken in Schweizer Franken und durch die Sanktionen gegen Russland belastet. Die Kombination dieser Probleme mit Griechenland hat den Goldpreis bisher nicht gestützt, obwohl es Berichte gibt, dass griechische Bürger britische Sovereigns kaufen. Auch aus der Schweiz heißt es, dass die Negativzinsen ebenfalls die Nachfrage nach physischem Edelmetall erzeugen.
Derzeit ignorieren Goldhändler die potenzielle Nachfrage nach Edelmetallen infolge negativer Zinsen. Die schwedische Riksbank hat ihren Reposatz auf -0,1 % gesenkt, und die Bank of England warnte, dass die Preise tatsächlich sinken könnten. Damit deutete sie an, dass sie möglicherweise weitere Lockerungsmaßnahmen ergreifen muss, um eine Deflation zu verhindern. Der Trend zu negativen Zinsen hält an, was die Edelmetalle stützen dürfte.
Nächste Woche
Montag
Japan: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion (endgültig).
Großbritannien: Rightmove-Hauspreisindex.
Dienstag
Großbritannien: Verbraucherpreisindex, Einkaufspreise, ONS-Hauspreise, Erzeugerpreise.
Eurozone: ZEW-Konjunkturerwartungen.
USA: Empire-State-Umfrage, NAHB-Umfrage unter Bauunternehmern, TICS-Nettokapitalströme (langfristig).
Mittwoch
Großbritannien: Durchschnittsverdienste, Protokoll der BoE-Zinssitzung (MPC), Veränderung der Zahl der Leistungsempfänger, ILO-Arbeitslosenquote.
USA: Baugenehmigungen, Baubeginne, Erzeugerpreisindex, Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion.
Japan: Handelsbilanz (zollamtlich abgefertigt), Tagesgeldsatz der BoJ (MPC).
Donnerstag
Japan: Index der Gesamtwirtschaftsaktivität, Frühindikator.
Eurozone: Leistungsbilanz.
Großbritannien: CBI-Industrietrends.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Frühindikator, Philadelphia-Fed-Umfrage.
Freitag
Eurozone: Einkaufsmanagerindex Gesamtwirtschaft (Schnellschätzung), Einkaufsmanagerindex Industrie (Schnellschätzung), Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen (Schnellschätzung).
Großbritannien: Neuverschuldung des Staates, Einzelhandelsumsätze.
USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (Schnellschätzung).
i COMEX (Commodity Exchange, Inc.), eine Abteilung der New Yorker Warenterminbörse (NYMEX)
ii EZB, Europäische Zentralbank
iii IWF, Internationaler Währungsfonds