Marktbericht: Starker Dollar erstickt die Rally der Edelmetalle im Keim

Die Woche begann gut für Gold und Silber, doch der Höchststand beider Metalle lag am Ostermontag; seitdem sind die Preise leicht gesunken.

Gold und Silber 2015

Auslöser des anfänglichen Preisanstiegs waren die am vergangenen Freitag veröffentlichten US-Arbeitslosenzahlen für März, die um 120.000 schwächer ausfielen als erwartet; hinzu kamen Abwärtskorrekturen für die beiden Vormonate von insgesamt weiteren 69.000.

Dies wurde sofort als Beleg dafür gewertet, dass die Fed Zinserhöhungen frühestens bis September und möglicherweise bis ins Jahr 2016 aufschieben wird. Es verstärkt die zunehmenden Anzeichen, dass die US-Wirtschaft ins Stocken geraten könnte, doch viele Analysten klammern sich weiterhin an die Hoffnung, dass die enttäuschenden Zahlen lediglich witterungsbedingt sind. Gold stieg um bis zu 25 $ und Silber um 0,56 $, gab bis gestern Abend aber sämtliche Gewinne wieder ab. Schuld daran ist die erneute Dollar-Stärke vor dem Hintergrund eines Niedrigzinsumfelds.

Über weite Strecken bewegten sich die Gold- und Silberpreise kaum, ein sicheres Zeichen für mangelndes Interesse an den Terminmärkten. Die Handelsvolumina waren angesichts der Osterpause erwartungsgemäß gering, und wenn man von unseren Erfahrungen bei GoldMoney ausgeht, überwiegen bei den kleinen Anlegern die Verkäufer gegenüber den Käufern.

Allerdings hat das Open Interest bei den Comex-Futures bei beiden Metallen wieder zu steigen begonnen, wie die beiden folgenden Charts zeigen.

Open Interest bei Gold

Open Interest bei Silber

Ebenso gut möglich ist, dass der Anstieg des Open Interest auf neu eröffnete Long- oder Short-Positionen zurückzuführen ist. Um dies festzustellen, muss das Verhältnis zwischen Preis und Open Interest genau beobachtet werden, ebenso wie die Entwicklung des US-Dollars. Vorerst ist festzuhalten, dass Gold innerhalb von zwei Wochen zweimal daran gescheitert ist, die Marke von 1.220 $ zu überwinden, und daher einiges leisten muss, um das auf diesem Niveau erkennbare Angebot zu absorbieren. Bei Silber liegt das Angebot oberhalb von 17,25 $. Die Aussichten für die kommende Woche sind zu offen, um eine Prognose zu wagen.

Einer der Gründe für die Dollar-Stärke ist die Euro-Schwäche, die auf Unsicherheiten rund um Griechenland zurückgeht. Gestern hat Griechenland einen Kredit des IWF über 459 Mio. € zurückgezahlt, doch es werden nun ernsthafte Fragen zu seinen künftigen Finanzen gestellt. Wenn Griechenland nicht erneut gerettet wird, scheint ein Zahlungsausfall unvermeidlich, doch für Deutschland beispielsweise ist es schwierig, weitere Finanzhilfen zu rechtfertigen, da es der Auffassung ist, dass Griechenland die von der letzten Regierung eingegangenen vertraglichen Bedingungen nicht eingehalten hat.

Auch Deutschland hat seine Probleme: Enttäuschende Auftragseingänge in der Industrie liefern weitere Belege für eine globale Verlangsamung, die möglicherweise die Investitionstätigkeit beeinträchtigt. Eine weitere Bestätigung einer Abschwächung im Motor der Eurozone könnte den Euro zusätzlich belasten.

Nächste Woche

Montag

Großbritannien: Retail Sales Monitor des British Retail Consortium (BRC).

Dienstag

Großbritannien: Verbraucherpreisindex (CPI), Einkaufspreise, Erzeugerpreise.
Eurozone: Industrieproduktion.
USA: Erzeugerpreisindex (PPI), Einzelhandelsumsätze, Lagerbestände der Unternehmen.

Mittwoch

Japan: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion.
Eurozone: Handelsbilanz, Einlagesatz der Europäischen Zentralbank (EZB).
USA: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion, NAHB-Umfrage der Hausbauer, langfristige Nettokapitalströme (Treasury International Capital, TIC).

Donnerstag

USA: Baugenehmigungen, Baubeginne, Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung.

Freitag

Japan: Verbrauchervertrauen,
Eurozone: Leistungsbilanz, Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI).
Großbritannien: Durchschnittsverdienste, Arbeitslosenquote der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
USA: CPI, Frühindikator.

 

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