Marktbericht: Sommerflaute hält an

Gold gab in dieser Woche leicht nach. Der Preis litt unter mangelndem Interesse bei geringem Handelsvolumen und einem etwas restriktiveren Ton im am Mittwoch veröffentlichten Protokoll des FOMC. Die nachstehende Grafik zu Gold und dem Open Interest an der Comex zeigt, dass der Preis gefallen ist, während das Open Interest sich kaum von seinem historisch niedrigen Niveau wegbewegt hat.

Gold Open Interest 22082014

Ausschlaggebend war die Stärke des Dollars und nicht eine Schwäche des Goldes. Seit vergangenem Freitag ist der Dollar gegenüber Euro und Pfund um knapp 1 % und gegenüber dem Yen um 1½ % gestiegen; ein Rückgang des Goldpreises gegenüber dem Dollar um 2 % ist daher nicht dramatisch. Zudem sind die Ölpreise in dieser Woche gefallen, US-Rohöl verlor knapp 2 %.

Die Dollarstärke wurde durch das FOMC-Protokoll befeuert, das anerkennt, dass sich der Arbeitsmarkt etwas besser erholt hat als erwartet. Obwohl der Ausschuss seine Erwartungen für das BIP-Wachstum leicht nach unten korrigierte, halten Analysten die Verbesserung der Arbeitslosenzahlen für wichtiger. Das Pfund hatte zuletzt von derselben Entwicklung profitiert, bis Mark Carney von der Bank of England den Rückgang der durchschnittlichen Verdienste einschließlich Boni zum Anlass nahm, die Erwartungen an eine frühe Zinserhöhung zu dämpfen.

Was auch immer die Falken sagen: Die Zentralbanker dürften eine Zinserhöhung kaum vorziehen, solange die Preisinflation sich nicht den vorgegebenen Zielen nähert. Derzeit entwickelt sie sich in die entgegengesetzte Richtung. Janet Yellen wird heute später beim Treffen in Jackson Hole sprechen, und es gilt als wahrscheinlich, dass sie die Spekulationen zu diesem Thema dämpfen wird. Carney und Yellen stehen beide vor einem heiklen Problem: Eine sich verbessernde Wirtschaft führt zu höheren Zinsen und damit zu Verlusten bei Anleihen, mit nachteiligen Folgen für stark investierte Banken; eine sich abschwächende Wirtschaft trifft die Banken ebenfalls, da die Kreditausfälle steigen. Daher ist es naheliegend, dass sie die Zinsen so lange wie möglich unverändert lassen.

Zu weiteren Goldmeldungen: Die russische Zentralbank gab den Erwerb von weiteren 300.000 Unzen Gold bekannt, womit sich ihr Bestand auf über 1.100 Tonnen erhöht. Das ist das Doppelte früherer Käufe und wirft die Frage auf, warum Russland seine Käufe beschleunigt hat.

Silber verhält sich etwas anders. Während Gold gestern um über 1 % fiel, schloss Silber unverändert. Diese relative Stärke deutet auf eine zugrunde liegende Knappheit an physischem Metall hin, und ein Preisaufschlag von rund 7 % in Shanghai bestätigt dies. Auch das Open Interest an der Comex steigt bei jedem Preisrückgang und liegt nun auf dem höchsten Stand seit Februar 2008, wie die nachstehende Grafik zeigt.

Silver Open Interest 22082014

Eine deutliche Divergenz zwischen Open Interest und Preis signalisiert in der Regel eine Marktwende. In diesem Fall scheinen die Verwender des Metalls die Gelegenheit zu nutzen, sich extrem niedrige Preise zu sichern. Spekulanten dürften beim ersten Anzeichen einer Dollarschwäche bzw. Goldstärke als Käufer zurückkehren, sodass der Silberpreis dann kräftig steigen dürfte.

Heute Morgen eröffneten die Edelmetalle in Europa bei etwas schwächerem Dollar fester und warten auf Yellens Rede in Jackson Hole.

Nächste Woche


Montag.

Großbritannien: Bank Holiday.
USA: Verkäufe neuer Eigenheime

Dienstag.

USA: Auftragseingang langlebiger Güter, S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex.

Mittwoch.

Keine wesentlichen Meldungen.

Donnerstag.

Eurozone: Geldmenge M3, Geschäftsklimaindex, Wirtschaftsstimmung, Industrievertrauen.
Großbritannien: CBI-Einzelhandelsumsätze (Distributive Trades).
USA: Core-PCE-Preisindex, BIP (2. Schätzung), Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung, Verkäufe anhängiger Immobilien.
Japan: Verbraucherpreisindex (Kernrate), Haushaltsausgaben, Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze.

Freitag.

Japan: Wohnungsbaubeginne, Bauaufträge.
Eurozone: Erste Schätzung des HVPI, Arbeitslosigkeit.
USA: Kernverbraucherpreisindex, persönliche Einkommen, persönliche Ausgaben.

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