
Die Gold- und Silberpreise sind diese Woche weiter gefallen: Gold verlor im europäischen Morgenhandel heute 37 US-Dollar auf 1.696 US-Dollar, Silber sank um 1,32 US-Dollar auf 25,27 US-Dollar. Auffällig ist der anhaltende Rückgang des Comex-Open-Interest bei beiden Metallen: Bei Gold liegt es auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2019, bei Silber mit 156.682 Kontrakten auf dem niedrigsten Stand seit Dezember letzten Jahres. Die Bullion-Banken scheinen den physischen Silber-Squeeze von RobinHood/Reddit abgewehrt zu haben.
Das nächste Diagramm zeigt die Entwicklung des Open Interest bei Gold.

Es scheint, dass die Bullion-Banken ihr Engagement nun endlich zurückfahren. Die zuletzt verfügbare Positionierung ist in der folgenden Tabelle dargestellt.

Berücksichtigt man, dass die Swaps (die Handelsabteilungen der Bullion-Banken) am 5. Januar netto 215.463 Kontrakte short waren, ist ein Rückgang um fast 57.000 auf 158.659 bedeutsam. Und seit dem 23. Februar (dem Datum der obigen Tabelle) ist das Open Interest um weitere 16.412 Kontrakte gesunken, was darauf hindeutet, dass ihre Netto-Short-Positionen auf unter 150.000 gefallen sind.
Die Geldposition der Bullion-Banken hat sich verbessert, hat aber noch Luft nach oben, wie unser nächstes Diagramm zeigt.

Dies war die Positionierung am 23. Februar, angepasst an den heutigen Goldpreis. Angesichts weiterer Rückgänge des Open Interest seit diesem Datum dürfte die Netto-Short-Position inzwischen unter 25 Mrd. US-Dollar liegen.
Die negative Stimmung für Edelmetalle wurde vom raschen Anstieg der globalen Anleiherenditen und dem Ausbleiben jeglicher beschwichtigenden Reaktion der Zentralbanken getrieben. Das nächste Diagramm zeigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen.

Da die Rendite seit Anfang Februar um 0,5 % gestiegen ist, dürften Hedgefonds der Kategorie Managed Money bereit sein, ihre Netto-Long-Positionen weiter zu reduzieren, in der Annahme, dass der Zinsnachteil von Gold zunimmt. Und da die Fed keine Anzeichen erkennen lässt, die Supplementary Liquidity Ratio über März hinaus zu verlängern, was bedeutet, dass die Banken nur begrenzte Bilanzkapazität zum Halten von Staatsanleihen haben und daher kaum eine andere Wahl haben, als per Saldo zu Verkäufern zu werden, kann eine weitere Versteilerung der Zinskurve nicht ausgeschlossen werden. Allerdings müssen an den Anleihemärkten erhebliche Short-Positionen geschlossen werden, was die Renditen vorübergehend begrenzen könnte.
Es scheint daher, dass sich vor Ende des ersten Quartals eine neue Liquiditätskrise entwickeln könnte, sofern die Supplementary Liquidity Ratio nicht verlängert wird. Andernfalls könnte die Reaktion in weiter steigenden Anleiherenditen und weiteren Kursverlusten bei Gold und Silber bestehen, bevor sich die Lage verbessert.
Dies ist eine Gelegenheit, uns daran zu erinnern, dass die erste Reaktion auf eine Währungskrise häufig ein Ansturm der Anleger auf kurzfristige US-Staatsanleihen und Dollar-Bargeld als vermeintlich sicherster Hafen ist. Dabei werden Gold- und Silberpositionen verkauft, bevor globale Fonds, die sich der Wechselkurs- und Gegenparteirisiken sehr bewusst sind, in großem Umfang in Gold zu investieren beginnen. Unser letztes Diagramm zeigt diesen Effekt nach der Finanzkrise und dem Zusammenbruch von Lehman.

Die Fed steht vor einem Dilemma. Verlängert sie die Supplementary Liquidity Ratio über März hinaus und lässt die Inflation laufen, oder zieht sie eine schwache Linie im Sand? Die Entscheidung ist für die Edelmetallmärkte von unmittelbarem Interesse.