Gold und Silber gaben im Wochenverlauf nach, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Gold erreichte seinen Höchststand in den frühen Morgenstunden des Montags und stieg kurzzeitig über 1.260 $.

Silber erreichte seinen Höchststand zur gleichen Zeit, hielt das höhere Niveau aber bis zum gestrigen europäischen Handelsschluss, als ein Verkäufer von 20.000 Comex-Kontrakten den Preis stark nach unten drückte. Es war eine interessante Entwicklung, die viel über den Silbermarkt aussagt.
An der Comex war die Kategorie der vier größten Händler Ende Februar netto mit rund 78.000 Kontrakten short, während die Kategorie der Managed-Money-Händler netto mit 77.000 Kontrakten long war. Wie sich dieser Großverkauf auf dieses Verhältnis ausgewirkt hat, wissen wir erst mit Sicherheit, wenn der Commitment-of-Traders-Bericht für den laufenden Zeitraum am 10. März veröffentlicht wird. Es scheint jedoch, dass einer der vier größten Händler (aufgrund des Umfangs der Transaktion musste es einer von ihnen sein) die Ansicht vertrat, dass sich unbeständige Hedgefonds, die insgesamt netto stärker long als short positioniert waren, aus ihren Positionen drängen ließen. Zudem verrät uns der Zeitpunkt des Verkaufs, dass sich diese unbeständigen Long-Anleger in der US-Zeitzone befinden und dass der Verkäufer nicht wollte, dass seine Short-Positionen von solideren europäischen Käufern aufgenommen werden, die die Gelegenheit nutzen könnten, ihre Positionen auszubauen.
Es ist möglich, dass der Verkäufer ein großer Hedgefonds war, aber aus mehreren Gründen halten wir das für unwahrscheinlich. Erstens liegt das Open Interest nur geringfügig über dem langfristigen Durchschnitt, und die technische Lage des Marktes wäre für einen spekulativen Verkauf dieser Art nicht günstig. Zweitens verkaufen Hedgefonds in der Regel das eine, um das andere zu kaufen; so könnte etwa ein Leerverkauf von Gold eine Wette auf einen stärkeren Dollar sein. Diese Voraussetzung besteht bei Silber nicht. Und drittens: Wenn ein Vermögensverwalter eine große spekulative Position in Silber eingeht, dann ausnahmslos auf der Long-Seite.
Das jährliche Silberangebot aus Minenproduktion und Recycling beträgt etwa eine Milliarde Unzen, und dieser Verkauf entspricht zehn Prozent davon. Es ist bemerkenswert, dass er den Preis nur um 3 % gedrückt hat. Es war ein verzweifelter Schritt, der zeigt, wie besorgt die großen Short-Positionsinhaber sein müssen. Der Zeitpunkt scheint bewusst gewählt, und zwar vor einer zunehmend erwarteten Anhebung des Leitzinses der Fed am 15. Mai. Er erklärt auch, warum US-Fonds eher nervös sein dürften als ihre europäischen Pendants. Europäische Institutionen reagieren empfindlich auf Systemrisiken, und ein gehebeltes Engagement in Silber gilt als Versicherung gegen die bevorstehenden Wahlen in Frankreich und den Niederlanden, bei denen Le Pen bzw. Wilders gewählt werden könnten.
Das sollten diejenigen beachten, die eine Zinsanhebung in den USA in diesem Monat für ein Selbstläufer halten. Vermutlich berücksichtigt die Fed bei ihren Beratungen die Dollarstärke, insbesondere gegenüber dem Euro, sowie die Belastungen, die sich ausweitende Zinsdifferenzen für ein angespanntes Bankensystem mit sich bringen. Es gibt Grund zu der Annahme, dass die Fed besorgt ist, denn das ist die logische Erklärung dafür, warum die US-Zinsen nicht bereits normalisiert wurden.
Jedenfalls deuten die vorläufigen Open-Interest-Zahlen von heute Morgen darauf hin, dass der Angriff erfolgreich war und die Kategorie der vier größten Händler einen Teil ihrer Short-Positionen auf Kosten unbeständiger Vermögensverwalter schließen konnte. Noch nicht außer Gefahr, aber etwas ruhigerer Schlaf.
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