Marktbericht: Silber legt kräftig zu, und Gold regt sich

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Silber setzte seinen glänzenden Lauf in dieser Woche fort, erreichte am Donnerstagmorgen über Nacht in Asien bis zu 17,60 US-Dollar und lag im europäischen Handel am heutigen Vormittag seit Jahresbeginn 24,3 % im Plus, womit es Gold überholte.

Auch Gold fand gestern endlich Käufer und stieg zeitgleich bis auf 1.261 US-Dollar. Beide Metalle eröffneten gestern im US-Handel fest, wobei Gold noch weiter auf 1.270 US-Dollar und Silber auf 17,70 US-Dollar anzog. Dann warf jemand an der Comex rund 8.000 Gold- und 3.750 Silberkontrakte auf den Markt und drückte die Preise auf 1.250 beziehungsweise 17 US-Dollar.

Die vorläufigen Zahlen zum Open Interest für Gold an der Comex stiegen gestern an einem per saldo schwächeren Handelstag um 8.562 Kontrakte. Dies spiegelt die oben beschriebenen neuen Leerverkäufe wider und ist kein Anzeichen für Gewinnmitnahmen. Zugleich wurden 9.251 Juni-Kontrakte im Austausch gegen physische Ware (Exchange for Physical) gemeldet. Könnte dies mit einer Arbitrage in den neuen Yuan-Kontrakt zusammenhängen, der das Vorhalten und die Lieferung von physischem Metall in Shanghai erfordert?

Höchstwahrscheinlich nicht. Dies ist die erste Woche des auf Yuan lautenden Goldfixings der Shanghai Gold Exchange, das am Dienstag begann. Der Preis wird zweimal täglich festgelegt, morgens und nachmittags, und in Yuan pro Gramm notiert. Es gibt dreizehn Fixing-Mitglieder und sechs Mitglieder für Referenzpreise, darunter als einzige ausländische Banken Standard Chartered und ANZ. Jede US-Bank, die am Yuan-Fixing teilnimmt, muss dies über die Fixing-Mitglieder tun.

Die Entwicklungen in Shanghai sind eine Frage der Zukunft. In den aktuellen Märkten hat die private physische Nachfrage in China leicht nachgelassen, und ein inzwischen beendeter Streik in der Goldverarbeitung und im Schmuckgewerbe hatte den indischen Markt lahmgelegt. Allein aufgrund dieser Faktoren könnte die Gesamtnachfrage nach Gold also deutlich gesunken sein. Allerdings gab es zweifellos einen ausgleichenden Anstieg der europäischen Nachfrage, der durch die negativen Zinsen angetrieben wurde.

Die EZB gab gestern keine Änderung der Zinsen oder des monatlichen QE-Programms von 90 Mrd. € bekannt, doch nach der Ankündigung kam es zu gewissen Währungsschwankungen.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Faktor, der möglicherweise größeren Einfluss auf den Markt hatte. Saudi-Arabien scheint in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, die auf den Einbruch des Ölpreises im vergangenen Jahr und den starken Anstieg der Staatsausgaben in den letzten Jahren zurückgehen. Saudi-Arabien führt zudem im Jemen einen Stellvertreterkrieg gegen den Iran. Daher überrascht es nicht, dass der Iran sich weigerte, an dieser Woche am OPEC-Treffen in Doha teilzunehmen, was den finanziellen Druck auf Saudi-Arabien erhöht.

Saudi-Arabien verfügt über zwei Arten von Finanzreserven: US-Staatsanleihen und Gold. In dieser Woche waren die Gerüchte sehr stark, das Land werde US-Staatsanleihen verkaufen, und in den vergangenen Monaten gab es zudem Gerüchte, es verkaufe Edelmetall. Vor diesem Hintergrund bestand die Möglichkeit, dass China Saudi-Arabien Yuan gegen künftige Ölverkäufe leiht, vielleicht als Teil eines Pakets, das auch den Kauf von etwas Gold umfasst. Saudi-Arabien kündigte außerdem einen fünfjährigen Kredit über 10 Mrd. US-Dollar an und trat damit erstmals seit sehr langer Zeit an die Kreditmärkte. Dieser Kredit hätte die unmittelbaren Liquiditätsprobleme des Landes gelindert, zumal ein Kredit aus China möglicherweise länger bis zur Umsetzung braucht und zeitliche Beschränkungen für den Verkauf von Yuan beinhalten könnte.

Falls die saudi-arabischen Goldverkäufe beendet sind, könnte dies einen Teil der jüngsten Stärke des Goldpreises erklären. Es wird interessant sein zu sehen, ob sich dies in den kommenden Wochen an der Kursentwicklung an den Edelmetallmärkten bestätigt.


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