Marktbericht: Silber ist der Star

Nachdem sich der Silberpreis seit dem Preisrückgang Ende Januar nur mäßig entwickelt hatte, kam er am Mittwoch mit einem Anstieg von 45 Cent plötzlich aus seiner Lethargie und erreichte gestern im Tagesverlauf einen Höchststand von 17,36 $. Gold bewegt sich weiterhin innerhalb seiner etablierten Handelsspanne und hat den Ausbruch noch nicht geschafft.

alasdair

Seit vergangenem Freitag ist Gold bis zum frühen europäischen Handel heute Morgen (Freitag) um 5 $ auf 1.340,7 $ gefallen, während Silber im selben Zeitraum um 40 Cent auf 17,08 $ gestiegen ist.

Wie in früheren Marktberichten festgestellt, war Silber stark überverkauft, wobei Spekulanten Rekord-Short-Positionen eingingen. Ein genauerer Blick auf den Commitment-of-Traders-Bericht vom 10. April zeigt, dass die Zahl der Hedgefonds mit gemeldeten Short-Positionen sank, während die gesamte Short-Position zunahm. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Short-Position bei 1.818 Kontrakten lag und nur einmal übertroffen wurde, nämlich am 7. Juli 2015 mit 1.834 Kontrakten. Es gibt in diesem Bear Squeeze also ungewöhnlich große Short-Positionen.

Hinzu kommt, dass der Mai-Kontrakt für Silber an der Comex ausläuft. Dann haben sowohl Long- als auch Short-Halter drei Möglichkeiten. Sie können ihre Positionen schließen und ein andermal weiterkämpfen. Sie können ihre Positionen in den nächsten aktiven Kontrakt, den Juli-Kontrakt, übertragen. Und schließlich, die Option, die nur wenige in Betracht ziehen: Sie können, sofern sie Long-Positionen halten, die Lieferung verlangen.

Und hier stoßen wir auf ein faszinierendes Rätsel. Am Mittwoch stieg das Open Interest des Mai-Kontrakts um 3.465 Kontrakte, was 17.325.000 Unzen entspricht, während das Open Interest des Juli-Kontrakts ebenfalls um 3.177 Kontrakte zunahm. Es ist nahezu sicher, dass ein großer Teil des Anstiegs beim Juli-Kontrakt aus Roll-overs aus dem Mai-Kontrakt bestand. In diesem Fall lagen die Neukäufe des Mai-Kontrakts deutlich über 3.465 Kontrakten.

Berücksichtigt man zudem, dass ein Bear Squeeze normalerweise das Open Interest verringert, wird deutlich, dass die Netto-Käufe des Mai-Kontrakts tatsächlich erheblich höher lagen als angegeben. Warum sollte jemand einen Terminkontrakt kaufen, der nur noch wenige Tage läuft? Das kann nur in der Absicht geschehen, die physische Lieferung zu verlangen. Zu beachten ist auch, dass das Open Interest für Mai gestern Abend bei 95.287 Kontrakten lag, einem für Silber so kurz vor Verfall außergewöhnlich hohen Niveau. Die Bühne ist damit für ein spannendes Spiel in der kommenden Woche bereitet.

Wie sich das entwickelt, wird nur die Zeit zeigen. Da jedoch Hedgefonds mit außergewöhnlich großen Positionen short sind und diese nicht über das physische Metall zur Lieferung verfügen, dürfte es, sagen wir, interessant werden.

Wenn ein Markt so stark überverkauft ist, ist er offensichtlich anfällig für Verwerfungen. Auslöser waren andere Ereignisse, etwa der rasante Anstieg des Aluminiumpreises (infolge der US-Zölle gegen China und der Sanktionen gegen Rusal) sowie ein Anstieg der Rohölpreise um 11 % zwischen dem 6. April und vergangenem Mittwoch.

Ich habe bereits erwähnt, dass China sich bei Rohstoffkäufen zurückhielt, um Spekulanten, die Aufträge vorwegnehmen (Front-Running), Verluste zuzufügen und das Schattenbankensystem unter Kontrolle zu bringen. Marktteilnehmer, denen der Hintergrund dieser Entwicklungen nicht bekannt war, haben dies fälschlich als Anzeichen einer Rezession gedeutet. Vermutlich ist dies der Grund für die übermäßigen Short-Positionen, die sich bei Industriemetallen und Ende März auch bei Öl aufgebaut hatten. China signalisierte am Dienstag, dass diese Phase vorbei ist, indem es die monetären Bedingungen durch eine Senkung der Mindestreservequote für Banken lockerte, und der Bear Squeeze setzte umgehend ein.

Es wäre nicht überraschend, wenn China den Markt auf den niedrigeren Niveaus still und leise leergekauft hätte. Könnten es Agenten im Auftrag Chinas sein, die beim Mai-Kontrakt der Comex die Lieferung verlangen?

Beobachten Sie die Entwicklung.

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